TESTBERICHT
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Eng gedrängt geht es an der Anschlussseite zu. 1 Paar Lautsprecher, 1 x Phono MM, 4 x Hochpegel, 1 x Record Out – das wärs.Eng gedrängt geht es an der Anschlussseite zu. 1 Paar Lautsprecher, 1 x Phono MM, 4 x Hochpegel, 1 x Record Out – das wärs.

Briten gelten als traditionsbewusst. Der Hifi-Hersteller Rega bildet da keine Ausnahme. Was gut begann, wird gepflegt – wenn auch mit evolutionären Verbesserungen. Die Plattenspieler-Spezialisten lancierten schon 1991 ihren "kleinen" Vollverstärker Brio – und der geht 2017 in die jüngste, die sechste Generation. Natürlich bestellte ihn avguide.ch sofort zum Test, hatten doch die jüngsten Überarbeitungen der Plattenspieler Planar 2 und Planar 3 Rega zum vermehrten Ruhm gereicht.

Look and Feel

Wenn man ihn aus seiner Schachtel nimmt, wirkt er irgendwie schwerer als die angegebenen knapp fünf Kilogramm Lebendgewicht. Der Aussenhaut aus nobel mattierten Aluminiumblech-Halbschalen ist eine abgerundete, hochglänzend lackierte Front vorgesetzt. Aus der ragen lediglich links der kleine Ein/Ausschalter, der noch zartere, weil schwarz, kaum auffällige Eingangswahlknopf und der vergleichsweise dominante, silbern gerandete Lautstärkesteller rechts heraus. In dessen ausgehöhlten Innenraum passt übrigens präzise eine Fünffrankenmünze. Dass der Regler direkten Kontakt zum Innenleben hat und nicht noch schnöde an die Front angeflanscht, genietet oder geschraubt wurde, beweist seine leicht federnde Drucknachgiebigkeit.

In der Praxis wird man das dahinter liegende Motorpotentiometer von Alps ohnehin meist mit der Fernbedienung treiben, ebenso wie die Eingangswahl. Die sieht übrigens leicht anders aus als beim unmittelbaren Vorgänger Brio R (R wie Remote), denn sie steuert auch die CD-Player des vermeintlichen Analog-Spezialisten. Den gewählten Eingang zeigt eine schlicht von 1 bis 5 nummerierte Lichterkette, die beim neuen Brio waagerecht die Front ziert statt wie beim Vorgänger in kühnem Kreisschwung. Ein gewichtigerer frontseitiger Unterschied ist die 6,3-Millimeter-Klinkenbuchse, die Kopfhörern Anschluss gewährt, denen sich der Vorgänger noch verweigerte.

Das rückwärtige Anschlussfeld ähnelt mit seinen sechs Cinchbuchsenpaaren dem Vorgänger stark, auch hier ist das Pärchen ganz links einem Tonabnehmer mit MM-kompatibler Ausgangsspannung vorbehalten, während das rechts einen Fixpegel an ein Aufzeichnungsgerät abgibt. Eine Aufwertung haben die Buchsen für das eine Paar Lautsprecher erfahren: Statt bisher mit Plastik zeigt man sich jetzt mit aufgerautem Messing ummantelt. Die Kaltgerätebuchse für das mitgelieferte Stromkabel ist zweipolig ausgeführt. Den Erdkontakt zum Plattenspieler fixiert eine Schraube am Gehäuseboden. Etwas fummelig, aber in der Praxis meist ohnehin mit einem Mal erledigt. Oder wie im Fall der Rega-Plattenspieler obsolet, da diese die Spannung ihrer Pickups ohnehin ohne zusätzliche Erde in die Verstärker führen.

Insgesamt wirkt der neue Brio etwas wertiger und eleganter als sein Vorgänger, was den Aufpreis von 40 Franken rechtfertigt.

Techs and Specs

Eng gedrängt geht es an der Anschlussseite zu. 1 Paar Lautsprecher, 1 x Phono MM, 4 x Hochpegel, 1 x Record Out – das wärs.Eng gedrängt geht es an der Anschlussseite zu. 1 Paar Lautsprecher, 1 x Phono MM, 4 x Hochpegel, 1 x Record Out – das wärs.

Aber auch innen haben die Rega-Techniker – neben dem neuen Headphoneamp – noch zugelegt. Die Stromversorgung aus dem kapitalen Ringkerntrafo wurde aufgeteilt in einen separaten Part für Vor- und Endstufe, wovon sicher auch die Stabilität der Phonostage profitiert. Auf der in SMD-Technik (Surface Mounted Devices) ausgeführten Vorstufenplatinen tummeln sich jetzt MUSES-Operationsverstärker, die laut Rega nochmals enger selektiert wurden. Die Darlington-Endstransistoren sind wohl die gleichen geblieben, was ein Vergleich der Leistungsmessungen ergab.

Angegeben wird der Brio mit einer Sinusausgangsleistung von 50 Watt an acht Ohm und von 73 Watt an vier Ohm. Was völlig in Ordnung geht, denn das Labor ermittelte zweimal 52 beziehungsweise 80 Watt bei einem Prozent Gesamtklirr. Doch wie der Vorgänger reagiert auch der neue Brio mit einem Spannungsabfall, wenn ihm die Frequenzweiche des angeschlossenen Lautsprechers Phasendrehungen ab 20 Grad zumutet. Nicht dramatisch, aber dennoch zu beachten, liebäugelt der Kunde mit Lautsprechern, welche die elektrische Phase zwischen Strom und Spannung um mehr als diese Grad verschieben.

Weitere Messungen wiesen den Brio als eher mittelbreitbandig ausgelegten Amp aus (-4 dB bei 50 kHz, -10 dB bei 100 kHz). Exzellent ist der MM-Eingang mit einer Kapazität von nur 190 Picofarad, was ihn ohne Höhenverlust für nahezu alle gängigen Abtaster prädestiniert, und sehr guten 76 Dezibel Fremdspannungsabstand, womit er Schallplatten beim Abhören bis zu sehr hohen Pegeln nur ein Rauschen weit unter dem Eigenrauschen des Vinyls zufügt. Bei Hochpegel sind die ermittelten 86 dB (bis 2,8 Volt) und 97 dB (bis 10 Volt) gleichfalls vorbildlich.

Zu guter Letzt bewies er das gute Händchen seiner Entwickler bei der Abstimmung der Klirrverläufe. Zweite, dritte, vierte und fünfte Harmonische steigen gleichmässig und sich nicht überschneidend mit der abgegebenen Leistung an. Weil die "ungeradzahlige" h3 zudem unter der h4 blieb, darf man von einem eher angenehmen als einem aggressiven Klang ausgehen.

Sound and Volume

Den Anschluss für die Plattenspieler-Erde findet man an der Unterseite.Den Anschluss für die Plattenspieler-Erde findet man an der Unterseite.

In der Tat erwies sich der neue RegaBrio beim Hörtest als ganz vorzüglicher Vertreter seiner Art. Der Autor hörte ihn mit drei Lautsprechern unterschiedlicher Preiskategorien ab: der kompakten Canton 820.2, einem Preis-Leistungs-Hit um 900 Franken pro Paar; der bewährten schlanken Standbox Piega Premium 5.2, um 3800 Franken, und final, um die Qualitäten ganz auszuloten, an der imposanten Bowers & Wilkins 802 D3 (um 23'000 Franken), verkabelt jeweils mit Kimber 4PR oder Kimber 12 TC. Alle Lautsprecher haben einen recht guten Wirkungsgrad und drehen die Phase nicht allzu sehr, kommen also den limitierten Reserven des kleinen Rega eher entgegen.

Der aber spielte wirklich gross auf. Mit einer ganzen Reihe von Schallplatten, die ihm der hauseigene neue Planar 3 mit der Tonzelle Elys 2 und vor allem auch Benz ACE H zulieferte, verblüffte der neue Brio angesichts seiner Preisklasse mit einem richtig "erwachsenen" Klang, der vor allem mit seiner quirligen Lebendigkeit und unverschmierten Rhythmik auffiel. Die neue Scheibe des amerikanischen Jazzgitarristen John Abercrombie "Up and Coming" hat das Münchener Label ECM wieder in der gewohnten Top-Klangqualität produziert. Das ruhig fliessende, entspannte Spiel des Bandleaders, das nuancierte Fundament von Kontrabassist Drew Gress, die fein ziselierte Rhythmusarbeit von Drummer Joey Baron und das unaufdringliche Klavierspiel von Marc Copland reproduzierte der britische Vollverstärker mit genau dem sanftem Drive und der luftigen Atmosphäre, die einer solchen Musik ihren Zauber lässt.

Die aktuellen Nachpressungen des Pink-Floyd-Katalogs gerieten dank des Masterings eines Teams um Legende Bernie Grundman zwar nicht ganz so dynamisch wie die Originale, dafür recht druckvoll. Das erwies sich im rockigen "Not Now John" von "The Final Cut", dem letzten PF-Album mit Roger Waters. Selbst an der B&W konnte der Rega bis zu einem gewissen Pegel richtig Druck machen, ohne die Background-Sängerinnen im Klangbrei versumpfen zu lassen, wie das schmalbrüstige Verstärker oft tun.

Aus dem Gedächtnis heraus wirkte er dann auch bei CD/SACD-Durchgängen doch merklich aufgeräumter und souveräner, wenn auch nur leicht muskulöser als sein Vorgänger. Das zeigte sich zum Beispiel bei einer aktuellen, künstlerisch wie klanglich herausragenden Aufnahme von Wolfgang Amadeus Mozarts Messe c-moll unter dem Dirigenten Masaaki Suzuki beim schwedischen HighEnd-Label BIS. Die wundervolle feindynamische Arbeit des japanischen Bach-Spezialisten, die exzellente Stimmführung von Sopranistin Carolyn Sampson, die kultivierte Transparenz von Chor und Orchester  das alles kam sehr glaubwürdig rüber. Natürlich spielte die unfassbar gute Quelle eine Rolle: CDs und SACDs spielt beim Autor der preislich zwar völlig aus dem Rahmen fallende, aber zurzeit für integrierte Player wohl definitiv die Massstäbe setzende Accuphase DP-720 ab. Aber dass der RegaBrio überhaupt etwas von dessen Klasse weitergeben konnte, spricht schon für seine verfeinerte Qualität.

Natürlich wachsen auch für den Brio die Bäume nicht in den Himmel. Gegenüber sehr viel teureren Verstärkerkollegen muss der Kunde Abstriche machen. Die Impulsivität markiger Snaredrumschläge fiel dann etwas harmloser aus, der Punch kräftiger Bassdrumkicks auch. Die räumliche Tiefenstaffelung oder das grollende Drohen der Kontrabässe zu Beginn von Gustav Mahlers zweiter Symphonie unter Georg Solti verlor ein wenig. Aber bitte: Wir reden hier von einem Vollverstärker unter 1000 Franken.

Und dass der auch beim Maximalpegel eher an seine Grenzen kam als kapitale Wattmonster  wer will es ihm verdenken. Für Disco-Beschallung oder ohrenbetäubenden Heavy Metal in der heimischen Stube wäre er eher zweite Wahl. Doch wenn der Pegel nur ein wenig Richtung Zivilisation gedämpft wird, vermag der Brio auch bei diesen Musikstilen zu überzeugen.

Fazit

Die Eingänge schaltet man mit dem winzigen schwarzen Knöpfchen neben der Anzeige um – oder besser mit der Fernbedienung.Die Eingänge schaltet man mit dem winzigen schwarzen Knöpfchen neben der Anzeige um – oder besser mit der Fernbedienung.

Mit dem RegaBrio des Jahrgangs 2017 ist dem britischen Hersteller wieder ein feiner Vollverstärker geglückt. Bis zu recht hohen Lautstärken überzeugt sein agiler, nuancenreicher Klang, dem jede künstliche Aggressivität abgeht. Auch bei sehr leisen Pegeln wird er nicht blutarm, sondern bleibt souverän. Der Kopfhörer-Ausgang und vor allem der MM-Eingang machen ihn zu einem Top-Tipp in seiner Preisklasse. Ein kleiner Klangkünstler fürs schmale Budget.

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STECKBRIEF
Modell:
Brio 2017
Profil:
Analoger Transistor Vollverstärker mit überschaubarer Leistung und Ausstattung.
Pro:
Feiner, lebendiger Klang, Phono-MM-Eingang, guter Kopfhörer-Verstärker, günstiger Preis, Fernbedienung.
Contra:
Keine Digitaleingänge, braucht recht wirkungsgradstarke Lautsprecher ohne grosse Phasendrehungen.
Preis:
890.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2017
Vertrieb:
Masse:
215 x 80 x 315 mm
Gewicht:
4.8 kg
Farbe:
Schwarz
Analog Input:
4 Hochpegel, RCA
Maximale Leistung:
73 Watt
Verstärkerleistung 8 Ohm:
50 Watt