TESTBERICHT
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Edel designt präsentiert sich der Sonica DAC im kompakten Midi-Format. Mit nur zwei Drehstellern – nebst Einschaltknopf sowie grossflächigem OLED-Display – zeigt sich die gebürstete Aluminiumfront vertrauenserweckend übersichtlich. Und der erste Eindruck täuscht nicht: Mit dem linken Drehregler wählt man den Eingang, mit dem rechten die Lautstärke – einfacher geht’s nimmer. Zur Auswahl stehen die üblichen drei Digitaleingänge (coaxial, optisch, USB-DAC) sowie ein Analog-Input.

Zwar ist der Oppo vornehmlich fürs Digitalzeitalter konzipiert und arbeitet intern auch rein digital. Dennoch ist der zusätzliche Analogeingang ein echtes Schmankerl. Denn damit hat man die Möglichkeit, den Sonica als Schaltzentrale und Vorverstärker einzusetzen, ohne die analoge Musikwelt gänzlich hinter sich zu lassen. Zwar wird Letztere zunächst auf die digitale Ebene gewandelt. A/D-Wandler sind heutzutage aber so gut, dass man kaum ernsthafte Verluste befürchten muss.

Aber da fehlt doch noch was? Ja richtig: Der integrierte Netzwerkspieler wird per App-Steuerung aktiviert und erlaubt das bequeme Musikstreamen übers Heimnetz oder direkt ab Internet. Dazu sind die beiden Musikprovider Spotify und Tidal direkt in die App integriert. Leider – und das ist wirklich schade – bleibt Qobuz bisher aussen vor.

Zu guter Letzt bedient der Sonica auch mobile Nutzer. Dank Airplay und Bluetooth nimmt er Musik kabellos von Tablets und Smartphones entgegen. Um restlos zu überzeugen, fehlt dem Sonica lediglich ein Kopfhörerausgang. Audiophile Heimanwender, die darauf verzichten können, sollten mit dem Oppo dennoch glücklich werden.

Alles dran: Über den AUX-In kann man sogar eine analoge Quelle anschliessen und diese ins digitale Zeitalter hinüberretten.Alles dran: Über den AUX-In kann man sogar eine analoge Quelle anschliessen und diese ins digitale Zeitalter hinüberretten.

Gelungene App-Steuerung

Drei verschiedene Menüs (hier zwecks Übersicht nebeneinander kopiert) erlauben innerhalb der App den Zugriff auf alle wichtigen Punkte wie Quellen-/Musikauswahl oder Geräteeinstellungen.Drei verschiedene Menüs (hier zwecks Übersicht nebeneinander kopiert) erlauben innerhalb der App den Zugriff auf alle wichtigen Punkte wie Quellen-/Musikauswahl oder Geräteeinstellungen.

Der Sonica DAC kann wahlweise per Ethernet oder WiFi ins Heimnetzwerk integriert werden. In beiden Fälle verlief die Installation per App (in unserem Fall Android) auf Anhieb problemlos. Die Sonica App ist sehr einfach zu bedienen, logisch und übersichtlich aufgebaut. Sie gewährt direkten Zugriff auf alle verfügbaren Content-Ebenen; angefangen bei lokal auf dem Smartphone/Tablet gespeicherten Tracks/Alben über Musik via Netzwerk (ab NAS, PC) bis hin zu den Angeboten von Spotify und Tidal.

Für Webradio ist kein Dienst vorgesehen. Wer seine Lieblingssender ab Internet hören möchten, kann diese dennoch über sein Smartphone/Tablet und mittels einer einschlägigen App auf den Oppo streamen. iOS-Geräte haben hier den Vorteil, dass sie dank Airplay (theoretisch) eine bessere Klangqualität anbieten. Doch der Sonica DAC beherrscht die verlustfreie Bluetooth-Variante AptX leider nicht.

Ein grosses Lob verdient der Sonica dadurch, dass sich USB-Datenträger direkt anschliessen und darauf gespeicherte Musiktitel auch in HiRes abspielen lassen. Die Navigation ist wie bei einem PC: Man kann vorhandene Ordner bzw. Unterordner öffnen und bestimmte Alben oder Titel anwählen. Sehr komfortabel ist die Funktion «Play all», die alle Titel eines Albums/Ordners nacheinander abspielt. Man muss also nicht erst mühsam eine Playlist erstellen.

Wer sich die Mühe gemacht und seine elektronische Musiksammlung sauber editiert hat, kann mit der Sonica-App Genre, Interpret oder Album anzeigen lassen und auch nach diesen Kriterien Musik auswählen. Sogar das Album-Cover wird dann in der App angezeigt – und dies sowohl (klein) in der Albenübersicht als auch (gross) nach dem Auswählen eines Titels.

Während der Wiedergabe kann man per Fingerdruck eine beliebige Stelle innerhalb des Tracks aufsuchen. Ebenso lässt sich vor- oder rückwärts skippen. Und nicht zuletzt kann man die Lautstärke ohne Umstände variieren. Wobei hier auf kleinen Smartphone-Displays das Problem auftaucht, dass mit ungelenken Wurstfingern eine feinfühlige Volumenregelung kaum noch möglich ist. Aber auch daran hat Oppo gedacht: Auf einer Unterebene stellt man bei Bedarf die Lautstärke feinfühlig in 1-dB-Schritten ein.

Ebenfalls sehr gelungen: Bei laufender Wiedergabe wird auf der Display-Hauptebene des Smartphones eine schmale Leiste mit dem aktuell gespielten Titel/Album angezeigt. Auch hier kann man vorwärts skippen oder auf Pause drücken.

Etwas schade: Der Sonica DAC lässt sich nicht via App einschalten, das lässt die Netzwerksteuerung offenbar nicht zu. Ausschalten per App funktioniert hingegen. Dabei verfügt der Oppo über einen eingebauten IR-Empfänger. So war die Ein/Aus-Schaltung aus der Ferne über einen Harmony-Hub von Logitech möglich – allerdings nur mittels Programmieren der Aktion «Musik hören», und nicht über eine individuelle Gerätesteuerung.

Beste Innereien

Das Innenleben des Sonica DAC ist akkurat und blitzsauber gestaltet. Auffällig ist das satt dimensionierte Linearnetzteil mit grossem Ringkerntrafo.Das Innenleben des Sonica DAC ist akkurat und blitzsauber gestaltet. Auffällig ist das satt dimensionierte Linearnetzteil mit grossem Ringkerntrafo.

Das Innere des DAC ist mustergültig sauber aufgebaut. Zurecht verschmäht Oppo ein Schaltnetzteil (welches digitale Interferenzen verursachen kann) und spendierte dem Sonica ein Linearnetzteil mit satt dimensioniertem, streuarmem Ringkerntrafo. Auch die Siebung scheint überdimensioniert.

Herzstück des DACs bildet ein topmoderner Wandlerchip des Typs ESS ES9038PRO vom renommierten Hersteller Sabre. Oppo verzichtet beim Sonica auf den Einsatz verschiedener, wählbarer Digitalfilter. Dank interner 32-Bit-Signalverarbeitung lässt sich eine über einen weiten Bereich verlustfreie digitale Lautstärkeregelung realisieren. Im Zusammenspiel mit einer aufwändig gestalteten und niederohmigen analogen Ausgangsstufe fungiert der Sonica DAC so als Vorverstärker im direkten Zusammenspiel mit einer Endstufe. Passend dazu besitzt der Oppo einen Triggerausgang für deren Ferneinschaltung.

Wahlweise kann man Cinch- oder XLR-Verbindungen einsetzen. Falls der Endverstärker über symmetrische Eingänge verfügt, sollte man diese Variante auf jeden Fall vorziehen. Denn der Sonica zeichnet sich durch einen durchgängigen symmetrischen Schaltungsaufbau vom Wandlerchip bis hin zu den Ausgängen aus. Interessantes Detail: Man kann die symmetrischen und die Cinch-Eingänge parallel benutzen und so beispielsweise zusätzlich einen Kopfhörerverstärker versorgen.

Toller Klang

Punkto Klangqualität zeigt sich der Sonica auf Top-Niveau. Er muss den Vergleich mit anderen aktuellen DACs keineswegs scheuen und reproduziert sowohl 16-Bit- wie HiRes-Musikmaterial fein aufgelöst und herrlich dynamisch. Im direkten Wettstreit mit einem Moon 230 HAD zeigt er eine minim rundere, nicht ganz so analytische Gangart, die dennoch nichts an Detailfreude vermissen lässt. Überzeugend fällt die straffe und druckvolle, dabei gut ins übrige Geschehen eingebundene Basswiedergabe auf.

Obwohl er tendenziell «aggressives» Musikmaterial wie perkussiven Jazz durchaus vital und sehr rhythmisch wiedergibt, geht dem Sonica DAC selbst bei komplexen Musikpassagen jegliche Nervosität oder gar Hektik abhanden. Auch bei Fortissimo-Passagen bleibt er stets gelassen. Das führt zu einem sehr entspannten Musikerleben, verbunden mit einem erhöhten Wohlfühlfaktor. Damit kommen auch Klassikliebhaber voll auf ihre Kosten. Gute Opernaufnahmen sind ein echter Genuss, auch weil die räumliche Abbildung sowie Timbre und Klangfarben nichts zu wünschen übrig lassen.

Richtig begeistert war der Autor von der Klangqualität bei der Wiedergabe direkt ab Festplatte. Live ab Satellit mitgeschnittene Klassik- oder Jazz-Aufnahmen (beispielsweise von WDR2 oder HR2) tönten (als 16-Bit-Flac-Files editiert) sagenhaft transparent und erstaunlich dynamisch. Ebenso gerippte CDs und HiRes-Downloads. Man benötigt mit dem Oppo tatsächlich kein Notebook/PC mit USB-Treiberanbindung, um einwandfreie Klangresultate zu erzielen.

avguide.ch meint

Alles richtig gemacht: Mit dem Sonica DAC offeriert Oppo eine ausgereifte Kombination aus D/A-Wandler und Netzwerkspieler. Der App-basierte Umgang mit dem Gerät macht Spass und bewährt sich – bis auf kleine Details – im Musikalltag. Der Verzicht auf wählbare Digitalfilter macht sich nicht negativ bemerkbar, da die Entwickler bei der klanglichen Feinabstimmung des Wandlers ein sehr feines Händchen hatten. Auch beim direkten Anschluss eines Endverstärkers lässt sich eine sehr hohe Klangqualität realisieren. Für alle, die auf einen Kopfhörerausgang verzichten können, bleiben beim Sonica DAC kaum Wünsche offen. Sein Preis-Leistungs-Verhältnis kann als sehr fair bezeichnet werden.

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STECKBRIEF
Modell:
Sonica DAC
Profil:
Gelungene Kombination aus D/A-Wandler und Netzwerkspieler. Kann bequem per App gesteuert werden und dank niederohmigen und regelbaren Cinch- und XLR-Ausgängen direkt mit Endstufen oder Aktivlautsprechern kombiniert werden.
Pro:
Ausgezeichnete Klangqualität, auch bei 16-Bit-Musikmaterial.
Problemlose Inbetriebnahme und Bedienung.
Wahlweise WiFi- oder Ethernetanbindung.
Direkte Wiedergabe ab USB-Datenträger auch in HiRes.
Contra:
Bluetooth nicht mit AptX kompatibel.
Kein Kopfhörerausgang
Preis:
990.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2016
Vertrieb:
Masse:
254 x 76 x 360 mm
Gewicht:
4,7 kg
Farbe:
Silber / Schwarz
Airplay:
Ja
Internetradio:
Ja
Netzwerkanschluss:
Ja
Analog Input:
Stereo-Cinch
Analog Output:
XLR, Cinch (fix oder regelbar)
Audioauflösung (max.):
32 Bit, 44,1 - 786 kHz, DSD64/128/256/512
Audioformate:
Flac, M4A, WAV, WMA, DSF, DFF
DA-Wandler:
Sabre ESS ES9038PRO
DLNA:
ja
Digital Input:
S/PDIF optisch, koaxial
Digital Output:
nein
Musikdienste:
Spotify, Tidal
Schnittstelle:
USB Audio, USB Host