TESTBERICHT
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Aus rund 30 Liter Gehäusevolumen zaubert der DB4S subsonischen Tiefbass.Aus rund 30 Liter Gehäusevolumen zaubert der DB4S subsonischen Tiefbass.

Ihn als «kleinen Bruder» abzustempeln wäre falsch: Tatsächlich fällt der DB4S – zumindest, was die Abmessungen betrifft – sogar etwas grösser aus als der teurere DB3D (Testbericht hier). Er verfügt nämlich über einen einzelnen 25-cm-Langhub-Tieftöner, anstelle der zwei 20-cm-Exemplare des DB3D und benötigt deshalb eine grössere Schallwand. Beiden gemeinsam ist der eingebaute 1000-Watt-Class-D-Verstärker vom renommierten Hersteller Hypex, der dafür sorgt, dass die spezielle Airofoil-Membrane bis in den subsonischen Bereich hinunter Schall in den Hörraum abstrahlt.

Vorteil der geschlossenen Bauweise

Das Gehäuse des DB4S ist geschlossen. Diese Bauweise weist gegenüber einer Bassreflex-Konstruktion zwei entscheidende Vorteile auf: Erstens kann das Gehäuse kleiner ausfallen, und zweitens ist auch das Impulsverhalten besser. Demgegenüber steht der Nachteil, dass der rückwärtig abgestrahlte Schall nicht genutzt wird und der Wirkungsgrad dieser Konstruktion sehr bescheiden ausfällt. Um dennoch druckvollen Tiefbass zu generieren, benötigt es tatsächlich die enorme Verstärkerleistung, welche die Hypex-Endstufe zur Verfügung stellt.

Die bewegten Kräfte können im Betrieb enorme Ausmasse annehmen. Im Unterschied zum DB3D verfügt der DB4S ja nur über einen einzelnen Antrieb. Dessen Rückstellkräfte werden nicht durch die Gegenbewegung eines symmetrisch arbeitenden zweiten Chassis kompensiert. Somit müssen Gehäuse und Innenbedämpfung ganze Arbeit leisten. Damit der DB4S bei grosser Lautstärke nicht im Raum herumhüpft, liefert B&W spezielle, selbst entwickelte Anti-Vibrations-Füsse mit.

Diese reduzieren nicht nur die Schallübertragung auf den Fussboden bis herunter zu 5 Hz effektiv, sondern sorgen im Fall des immerhin 26 kg schweren DB4S auch noch dafür, dass horizontale Taumelbewegungen weitgehend ausbleiben. Zwar finden sich Spikes ebenfalls im Lieferumfang (empfohlen für Teppichböden). Wer zu Miete wohnt, wird aber wohl die Füsse bevorzugen, denn diese reduzieren auch das Ausmass an tieffrequenten Schwingungen, die in benachbarte Räumlichkeiten weitergleitet werden.

Einfache Inbetriebnahme dank App

Auch für den DB4S gilt: Der Einsatz der speziellen DB-Subwoofer-App von B&W (für iPhone und für Android) ist für die Inbetriebnahme unentbehrlich. Via Bluetooth kann man den Basswürfel gezielt auf den Hörraum und die Lautsprecher abstimmen. Die App haben wir bereits ausführlich beschrieben (siehe hier). Besitzer eines iPhones können den Subwoofer sogar über eine Einmessfunktion automatisch an den heimischen Hörraum anpassen.

Die App DB Subwoofers von B&W ist für die Inbetriebnahme des DB4S unverzichtbar.Die App DB Subwoofers von B&W ist für die Inbetriebnahme des DB4S unverzichtbar.

Der DB4S verfügt über Line-Eingänge in Stereo-Cinch- und -XLR-Ausführung. Für den Betrieb benötigt man also entweder einen Vorverstärker oder – wie in unserem Falle – einen Vollverstärker mit regelbarem Vorstufen-Ausgang. Besitzer eines AV-Receivers können auch ein Mono-Kabel einsetzen und in der App den LFE-Modus aktivieren, der die Filterung dem Receiver überlässt.

Im Stereo-Modus wird der DB4S tiefpass-gefiltert. B&W verficht generell die Philosophie, dass der Subwoofer die Lautsprecher im Bass nicht etwa entlasten, sondern lediglich nach unten hin ergänzen sollte. Deshalb werden die Frontlautsprecher nicht gefiltert. Besitzer von neueren B&W-Lautsprechern können auf eine App-interne Datenbank zurückgreifen und die passende Übergangsfrequenz automatisch abrufen.

So war es ein Leichtes, das passende Setting im Zusammenspiel mit den einem Paar B&W 702 S2 und einem Paar 705 S2 zu finden. Als Verstärker kam der testbewährte RA-1572 von Rotel zum Einsatz.

Ausprobiert

Zunächst hörten wir die B&W 702 S2 mit und ohne Subwoofer-Unterstützung an. Offengestanden erwartete ich vorab nicht allzu viel Zugewinn, spezifiziert B&W für die ausgewachsene Standbox doch eine untere Grenzfrequenz von immerhin 28 Hz (-6 dB). Und die drei 16,5-cm-Tieftöner bieten an und für sich schon reichlich Schubkraft. Dennoch war der Zugewinn verblüffend – und dies bei allen getesteten Musikarten: Bei Pop und Jazz war es auf Anhieb klar, dass die 702 S2 mit zusätzlichem Subwoofer DB4S einfach mehr Groove und Überzeugungskraft entfaltete.

Auch eine grosse Standbox wie die 702 S2 von B&W profitiert enorm von einer passenden Subwoofer-Unterstützung.Auch eine grosse Standbox wie die 702 S2 von B&W profitiert enorm von einer passenden Subwoofer-Unterstützung.

Der Spassfaktor beim Musikhören wird deutlich gesteigert – interessanterweise nicht nur bei hohen Lautstärken, sondern gerade auch bei Zimmer- und bis zu gehobener HiFi-Lautstärke. Wer nicht auf Nachbarn Rücksicht nehmen muss und auch mal Pegel-Orgien feiern kann, wird erfreut feststellen, dass der DB4S für einen geschlossenen Subwoofer dieser Grösse eine erstaunliche Pegelfestigkeit bietet – und bis in den Grenzbereich durchwegs sauber agiert.

Auch bei grossorchestraler Musik war die Sache schnell klar: Mit Subwoofer kommen klassische Werke einfach souveräner und bombastischer in den Hörraum. Beeindruckend war hier der Zugewinn an räumlicher Information. Wie schon wiederholt festgestellt, sind tiefe bis subsonische Frequenzen für das Mass an Raum-Illusion offenbar mit ausschlaggebend. Wer Orgelmusik mag, wird über den Tiefgang und die Durchhörbarkeit eines solchen Subwoofers der Topklasse sowieso entzückt sein.

Bei eher «trocken» aufgenommener Kammermusik war der Zugewinn durch den Subwoofer nicht sofort hörbar. Sobald aber Cello oder Flügel mit ins Spiel kamen, war die Sache wiederum klar: Der DB4S unterstützt auf subtile, aber nachhaltige Weise die Ganzheitlichkeit der Musikwiedergabe. Dies umso stärker, je mehr Rauminformation eine Aufnahme von Haus aus aufweist.

Dream Team

Als echtes Dream Team erwies sich die Kombination von DB4S mit einem Paar B&W 705 S2. Diese zierlichen Boxen gehören keineswegs ins Regal, sondern im Hörraum frei aufgestellt auf einen stabilen Ständer. Hier entfalten sie ein Zauberwerk an räumlich losgelöster Musikwiedergabe mit feinster Hochtonzeichnung.

Die zierliche 705 S2 gefällt dank filigraner Hochtonzeichnung und besonders guter räumlicher Wiedergabe.Die zierliche 705 S2 gefällt dank filigraner Hochtonzeichnung und besonders guter räumlicher Wiedergabe.

Die Hochtonzeichnung haben sie den aufgesetzten, im massiven Alugussgehäuse beheimateten Hochtonkalotten zu verdanken, die dank Karbonbeschichtung ähnlich filigran agieren wie die berühmten Diamantkalotten von Bowers & Wilkins. Tatsächlich kenne ich keinen anderen Lautsprecher in dieser Preisklasse, der mit ähnlich müheloser Hochtonwiedergabe aufwarten könnte. Allerdings ist der 705 S2 kein Kind von Traurigkeit, sondern durchaus brillant abgestimmt. Bei einer Aufstellung bis maximal 1 Meter von der Rückwand entfernt, verfügt der Lautsprecher aber auch über ein erstaunlich gutes Tief- und Grundtonfundament.

Um es kurz zu machen: Im Zusammenspiel mit dem DB4S klingen die 705 S2 dennoch eine ganze Klasse besser und schwingen sich in audiophile Gefilde empor, wo man sonst preislich deutlich teurere Lautsprecher antrifft. Dank der mühelosen Einstellung mittels DB-Subwoofer-App harmonieren Subwoofer und Satelliten auf Anhieb perfekt. Der DB4S ist als solcher nicht herauszuhören, sondern ergänzt die Musikwiedergabe nahtlos nach unten. Die Kombination ist dennoch mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Besitzer eines 705 S2 sollten dies auf jeden Fall mal ausprobieren.

Fazit

Dass die kleine «Regalbox» 705 S2 von B&W vom Subwoofer DB4S profitieren würde, hatte ich zwar vermutet. Das Ausmass an Mehrklang übertraf meine Erwartung aber doch deutlich. Zieht man den Gesamtpreis von 4140 Franken für diese Kombination in Betracht, so kommt man nicht umhin, von «unglaublich viel Klang fürs Geld» zu sprechen. Die Kombi konkurriert punkto Breitbandigkeit und Räumlichkeit der Wiedergabe sogar die grosse Schwester 702 S2, für die solo (also ohne Subwoofer) 4290 Franken fällig werden. Diese rettet sich mit höherer Pegelfestigkeit (obwohl die 705 S2 auch hier Erstaunliches leistet) und etwas klareren Mitten, erreicht aber nicht ganz die räumlich losgelöste Wiedergabe der kleinen Zweiweg-Box. Aber auch die grosse Standbox profitiert deutlich vom zusätzlichen Subwoofer.

Den DB4S gibts wahlweise in Nussbaum-Rot, Satin-Weiss und Hochglanz-Schwarz.Den DB4S gibts wahlweise in Nussbaum-Rot, Satin-Weiss und Hochglanz-Schwarz.
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