Teac.Die 1953 in Japan gegründete Teac Corporation gehört zu den bekanntesten Herstellern, die sowohl in professionellen Anwendungen als auch im HiFi-Bereich stets zu überzeugen wussten. Besonders stark waren Teac und auch ihre Marke Tascam immer bei der magnetischen Tonaufzeichnung und Wiedergabe. Im vergangenen Jahrzehnt beeindruckten uns vor allem ausgezeichnete DA-Wandler von Teac, deren Preiswürdigkeit und Verarbeitungsqualität aufhorchen liessen. Hohe Qualität zu bezahlbaren Preisen ist im Pro-Audio für einen Hersteller wie Teac überlebenswichtig und schadet auch dem HiFi-Geschäft keineswegs.
Nun gehört auch die High-End-Marke Esoteric zur Teac Corporation, was wiederum aufhorchen lässt. Im Zuge der enormen Popularität von Plattenspielern bietet Teac mittlerweile neun verschiedene Modelle an. Eigentlich sind es deren zehn, aber ein Modell gibt es zweimal, einmal ausschliesslich für den europäischen Markt. Der Teac TN-5BB ist das Topmodell und kostet in der Schweiz um 1890 CHF. Der TN-5BB ist ein Komplettgerät mit der vormontierten MM-Tonzelle Ortofon 2M Red.
Wer sich für Vintage-Plattenspieler von Teac interessiert, der sucht vergebens. Teac hat sich früher in diesem Bereich nicht wirklich hervorgetan. Woher kommt nun plötzlich das Know-how, das zu einem stolzen Sortiment von zehn Plattenspielern führt? Wir können diese Frage nicht beantworten und es ist auch nicht unbedingt unsere Pflicht. Ich stelle jedoch fest, dass sich der TN-5BB in einigen Aspekten von ähnlichen Geräten im Markt unterscheidet – und dies ausnahmslos zugunsten von Präzision und Qualität.
Der Tonarm des TN-5BB wurde zum Beispiel in Zusammenarbeit mit SAEC entwickelt, die seit 2018 wieder im Geschäft sind. Der Tonarmspezialist SAEC war bekannt für präzise und komplizierte Tonarme. Wenn man sich nach SAEC im Vintage-Markt umschaut, befindet man sich in guter Gesellschaft von Kennern. «Schnäppchen Marke SAEC» findet man nicht.
Der TN-5BB ist somit bestimmt kein aus standardisierten Zuliefer-Komponenten zusammengewürfeltes Gerät, wie man es heute oft sieht – vor allem, wenn es kostengünstig sein muss.
Der schöne Tonarm stammt von SAEC und verfügt über präzise Messerlager aus rostfreiem Stahl sowie die Präzisionskugellager, auf die man in Japan so stolz ist.Konzept und Konstruktion
Die Plattenspieler aus der Vinyl-Neuzeit sind überwiegend manuell zu bedienende Geräte ohne Automatismen. Das kommt daher, dass man das Ritual des Plattenauflegens zelebriert. Beim TN-5BB gibt es aber eine sehr willkommene Endabschaltung: Befindet sich der Tonabnehmer am Ende der Schallplatte, wird er nach ein paar Umdrehungen abgehoben und der Plattenteller hört auf zu drehen. Das ist deshalb willkommen, weil man in der Hitze des Gefechts auch mal den Raum verlassen kann, im Wissen, dass der Plattenspieler sich brav in den Ruhezustand versetzt.
Die Endabschaltung ist deshalb so sanft und zuverlässig, weil der TN-5BB über einen elektrischen Tonarmlift verfügt: Die «Arm-Lift»-Taste ist gut positioniert. Die LED leuchtet in der gelifteten Position und erlischt in der gesenkten Position. Beim Absenken und Anheben blinkt sie. Ist die Endabschaltung erfolgt, empfiehlt es sich, den Drehschalter für die 4 Geschwindigkeiten entweder auf 0 zu stellen, falls man die Schallplatte wenden will, oder nicht, falls man die Seite teilweise oder ganz nochmals abspielen will. Der Teller beginnt beim Rückführen des Tonarms dann wieder zu drehen. Zur Präzisierung: Der Tonarm wird nicht automatisch zurückgeführt.
Wie es bei den praktischen Plattenspielern Standard ist, gibt es eine Staubschutzhaube. Diese verfügt über zwei seitlich integrierte Gummidämpfer, an denen man sie mit beiden Zeigefingern bedienen kann, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Die Staubschutzhaube wirkt optisch edel, könnte jedoch passend zum Design des TN-5BB etwas massiver sein.
Ich empfehle den Betrieb entweder bei geschlossenem Deckel oder man entfernt den Deckel komplett (oder lässt ihn gleich in der Verpackung zurück). Bei Wiedergabe mit geöffnetem Deckel wirkt selbiger als eine Art «Schallfänger», was die Musikwiedergabe beeinträchtigen kann.
Die praktische Taste für den elektrischen Tonarmlift mit Rückmeldung durch eine LED. Darüber der Drehschalter für die 4 Geschwindigkeiten.Die Zarge ist solide und schwer gebaut, was zu einem Gesamtgewicht von fast 11 kg führt. Der untere Teil der Zarge ist eine MDF-Konstruktion mit der gewünschten hohen inneren Dämpfung. Der obere Teil ist eine 10 mm starke Platte aus künstlichen Marmor. Ein geschliffener und polierter Kunststein von hoher Güte und einer spannenden Optik: Er ist durchsetzt – oder beschichtet – mit Silberpartikeln, die ein wenig wie Sterne am Firmament anmuten. Dieser Eyecatcher bewirkt auch, dass man über Staubpartikel locker hinwegschaut. Man sieht sie einfach kaum.
Sehr passend dreht darüber der Acrylteller: am Umfang poliert und auf der Oberseite matt, wohl geätzt, mit guter Friktion zur Schallplatte, die darauf zu liegen kommt. Meine Befürchtung, dass die Verwendung der Carbon-Reinigungsbürste dazu führen könnte, dass die Schallplatte abbremst und sich der Teller darunter weiterdreht, trat nicht ein. Die Oberfläche hat dezente Haft-Eigenschaften. Die Herstellerempfehlung, keine Tellermatte zu verwenden, ist korrekt. Ein Plattengewicht oder ähnlich muss nicht sein, kann aber durchaus zum Einsatz kommen.
Die Entkopplung des Antriebspulleys macht einen guten Eindruck.
Die aufgesetzte Haube schützt den Antrieb und rundet das Bild trefflich ab.Der Flachriemen führt um den Plattenteller und den gut entkoppelten Antriebspulley. Die Abdeckung des Pulleys ist eine schöne Finesse und sitzt dank eines kleinen Zentrierstifts exakt an der richtigen Position. Die Drehzahlsteuerung ist sehr exakt. Der Plattenteller dreht zügig und völlig gleichmässig auf die gewählte Tourenzahl. Selbst wenn man aus dem Stillstand auf die höchste Drehzahl von 78 U/min schaltet, hört man bloss ganz leise den Motor hochdrehen. Da gibts keinerlei Stress oder Geräusche von Pulley oder Riemen.
Die Drehzahl wird elektronisch geregelt und stabilisiert. Die Gleichlaufschwankungen liegen bei max. 0,1 %. Die Messvorrichtung, die der Regelung dient, besteht aus einer optischen Rasterscheibe und einem optischen Sensor. Die Vorrichtung ist im Inneren mit der Spindel verbunden. Diese dürfte vollends staubfrei über viele Jahre ihren Dienst verrichten.
Optische Messvorrichtung der Drehzahl mit Rasterscheibe und Opto-Sensor.Der Tonarm
Der kurz erwähnte Tonarm von Teac/SAEC überrascht. Vor allem die präzisen Messerlager aus Edelstahl für die horizontale Lagerung sind alles andere als eine konventionelle Lösung. Die Drehbewegung wird mit einem Präzisionskugellager gelagert.
Der S-förmige Präzisionstonarm von Teac/SAEC.Die Messerlager sind von beiden Seiten des Lagergehäuses sichtbar. Die präzise Bewegung ist damit nicht nur vorhanden, sondern auch gut in Szene gesetzt. Man muss ja nicht mit Reizen geizen. Der Tonarm kann in der Höhe um max. 6 mm verstellt werden (VTA). Das reicht aus für eine ganze Menge handelsüblicher Tonabnehmer und dürfte höchstens bei Exoten an die Grenzen kommen. In der Komplettausstattung des TN-5BB kommt die 2M Red MM von Ortofon zum Einsatz. Einstellungen am Tonabnehmer sind hier nicht erforderlich.
Erforderlich ist nur die Einstellung der Auflagekraft. Diese lässt sich recht genau auch ohne Zuhilfenahme einer Tonarmwaage bewerkstelligen: Man entfernt die Abdeckung des Tonabnehmers, stellt den Lift auf die untere Position, bringt durch Drehen am Gewicht den Tonarm exakt in die Waage (schwebend), stellt die Skala auf null und dreht dann das Gewicht vorsichtig auf die Auflagekraft von 1,8 Gramm. Mit der Tonarmwaage überprüfte ich das Resultat. Es betrug 1,7 Gramm. Die Abweichung war also minimal. Mit der Waage kann man natürlich noch ein wenig optimieren. Dann kann man noch die Antiskating-Kraft auf denselben Wert einstellen – und der Plattenspieler ist eingestellt.
Die Einstellung ohne Waage lag nur um 0,1 Gramm daneben.Das Anschlussfeld
Das Anschlussfeld auf der Rückseite ist etwas zurückgesetzt. Auffällig sind die symmetrischen XLR-Stecker neben den üblichen asymmetrischen RCA-Plugs. Wer einen symmetrisch aufgebauten Phonovorverstärker mit XLR-Eingängen besitzt, kann hier ein wichtiges Kriterium abhaken. Tonabnehmer sind symmetrisch aufgebaut und werden in den meisten Fällen asymmetrisch angeschlossen. Selbst die alten DIN-Stecker waren symmetrisch. Asymmetrische RCA- oder Cinch-Stecker sind zwar immer noch extrem verbreitet, bieten aber abgesehen von der platzsparenden Bauform keine Vorteile.
Die Masseklemme darf natürlich nicht fehlen. Und neben dem 12VDC-Eingang der ausgelagerten Stromversorgung (ein Steckernetzteil) gibt es einen Hauptschalter. Das Steckernetzteil erfüllt seinen Zweck. Wer sich im Zubehörmarkt mit einem hochwertigen 12VDC-Analognetzteil ausstatten will, der macht gewiss keinen Fehler.
Das Anschlussfeld des TN-55B mit XLR- und RCA-Ausgängen.Tonabnehmer und Varianten
Der Tonabnehmer 2M Red von Ortofon ist als Grundausrüstung bestimmt eine gute Nachricht. Mit einem Einzelpreis von 109 CHF hat er ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und klingt sehr ausgewogen. Die noch bessere Nachricht ist, dass die 2M-Serie bis und mit 2M Black (599 CHF) aus 5 Typen mit identischen Gehäusen besteht. Dazu gibt es noch eine Mono-Version und ein Modell für die Wiedergabe von 78er-Shellackplatten. Und das ist erst eine Serie eines Herstellers.
Der TN-5BB hat dann, wie im folgenden Teil beschrieben, bewiesen, dass sein Potenzial weit über eine 2M Red hinausreicht.
Praxistest und Höreindrücke
Plattenspieler zu auditieren und zu vergleichen ist schwierig, wenn man nicht denselben Tonabnehmer verwendet. Es gibt aber wichtige Aspekte oder Eigenschaften herauszuhören, die nicht prioritär dem Tonabnehmer geschuldet sind, sondern dem Laufwerk und dem Tonarm. Andererseits kann man Eigenschaften identifizieren, die eindeutig dem Tonabnehmer geschuldet sind. So ergibt sich ein relativ klares Bild. Da man unterschiedliche Tonabnehmer einsetzen kann (wie auch beim TN-5BB) ist es sogar sehr wichtig, zu differenzieren. Bei Plattenspielern kommt noch hinzu, dass tonale Unterschiede recht eindeutig sein können und es meistens auch sind.
Satchmo plays King Oliver: Diese frühe Stereo-Aufnahme von Louis Armstrong erschien beim Label Audio Fidelity und ist auch als Re-Issue bei Analog Productions erhältlich. Ich habe die Originalpressung und den Re-Issue. Sie sind weitestgehend identisch, vorausgesetzt, man hat eine gute Originalpressung. Die Aufnahme eignet sich aus verschiedenen Gründen sehr gut für Hörtests: Die Musik macht enorm Spass, Swing und Groove sind unglaublich, die Stimme von Satchmo ist vielschichtig und die Instrumentalisten der Band sind alle hervorragend eingefangen, wie auch die Band als Ganzes. Dazu gibt es diese kleinen Goodies wie ein Schlagzeugbecken, das am Ende einiger Songs ausklingt und manchmal auch dezente Charakter-Begleitstimmen der Musiker neben dem Star.
Der TN-5BB machte sich mit einem erstaunlich guten Timing ans Werk. Die Bassregister kamen mit viel Druck und Wucht, sogar noch wuchtiger als beim Referenzgerät. Die packenden und fast hypnotisierenden Stimm-Modulationen von Satchmo wurden beim TN-5BB etwas abgemildert, was sich in den Wohlfühl-Momenten eher negativ, in den rauen und schrillen Passagen (Trompete eingeschlossen) eher positiv auswirkte. Das ist zu 70 % dem Tonabnehmer geschuldet und eigentlich okay. Es hat nie genervt, auch wenn ich es mir gewünscht hätte.
Die perkussiven Passagen – im Volksmund als Schlagzeug bekannt – hatten einen so überzeugenden Kick und Drive, dass man den Antrieb und den Tonarm als sehr gut bewerten darf. Da habe ich schon diffuse Auftritte erlebt, auch mit Plattenspielern, die mit dem Label «High-End» versehen sind – Preisschild inklusive. Wenn dann das Becken ausklang, wurde klar, dass der Tonabnehmer bei allem Lob nicht das Ende der Fahnenstange ist – aber auch nicht Halbmast.
Die Bach-Sonaten von Janos Starker sind für mich der ultimative «Stresstest» für Plattenspieler.Bach Suites for unaccompanied Cello, Janos Starker, Mercury SR3-9016: Nur Cello. Und wie! Ich fand stets, Starkers Interpretation sei der Hammer, obgleich ich von Cello nicht viel verstehe. Trotzdem hat mich diese Aufnahme schon sehr oft an der Seele gepackt. Andererseits bereitete sie mir auch schon Kopfzerbrechen. Wo sitzt der Typ eigentlich genau auf der Bühne? So ungefähr ist das schon klar, aber exakt? Das ist nicht mit jedem System gut herauszuhören. Ich habe schon Tonarme und Tonabnehmer von Grund auf neu eingestellt, um die Sache zu entwirren. Auch die Zeitrichtigkeit der Lautsprecher kann hier eine entscheidende Rolle spielen, aber lassen wir das.
Der TN-5BB spielte ganz ähnlich auf wie bei Satchmo. Die Grundtöne, besonders die Tiefen, wurden zu einem Wohlklang gefügt, wie man es sich nur wünschen kann. Der Charakter von Starkers Spiel wirkte hingegen etwas bequemer, wodurch das Pendel ein wenig hin zur Gefälligkeit schwang. Das ist den Tonabnehmer-Eigenschaften geschuldet, denn die Feindynamik war sehr überzeugend, nur etwas hintergründiger. Eigentlich klang Starker – pointiert ausgedrückt – mit dem TN-5BB/2M Red ein wenig mehr nach Yo-Yo Ma und nicht mehr so nach Starker.
Ich habe die A-Seite der ersten von drei Schallplatten bis ans Ende gehört und war dabei sehr entspannt und oft berührt. Schallplatten bringen schon eine eigentümliche Musikalität. Es geht nicht nur um das Ritual, das bloss zwar hilft, aber nicht entscheidet. Mit dem TN-5BB kommt man der Eigenschaft der Musikalität schon sehr nahe.
Fazit
Der TN-5BB von Teac ist ein funktional durchdachter Plattenspieler, sehr hochwertig gebaut, sehr schön anzuschauen und spielt auch klanglich in einer Liga, die für ein Komplettgerät dieser Preisklasse zum Besten gehört. Der Tonabnehmer macht einen sehr guten Job. Er macht dabei Appetit auf ein Tonabnehmer-Upgrade. Wer sich damit befassen will (aber keineswegs muss), der kann mit dem Gerät so richtig tief ins Thema Vinyl eintauchen, wie ich das zu beschreiben versuchte.

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