Die Sasha V ist die neuste Evolutionsstufe der Sasha und Nachfolgerin der berühmten Watt/Puppy von einst (oder genauer gesagt: vor ca. 30 Jahren). Der Lautsprechertyp ist im Grunde seit Jahrzehnten das Rückgrat von Wilson Audio – und die Neuauflage lässt aufhorchen. Die neue Sasha V kommt eher kurzfristig nach der Vorgängerin Sasha DAW. Dazwischen liegen nur 4 Jahre. Der Zeitraum war wegen Covid und Supply-Chain-Problemen aller Art eher problematisch für das Geschäft. Für High-End-Audio waren es allerdings gute Jahre, weil sich durch die eingeschränkte Mobilität finanzielle Ressourcen in privaten Haushalten verschoben, und zwar zugunsten von Investitionen in den eigenen vier Wänden. Vielleicht hatte das einen Einfluss auf die «Time to Market» bei Wilson Audio.
Nun steht die Sasha V vor uns – in schimmerndem Tungsten Silver. Von vorne betrachtet, sieht man kaum einen Unterschied zum Vorgänger, mit Ausnahme einer gewissen Formvollendung. Wo vorher eine plane Fläche war, ist es nun eine leichte Wölbung. Fast überall wurde optimiert, und insgesamt hat sich die Erscheinung perfektioniert bzw. sie wurde perfektioniert. Darryl Wilson ist schliesslich von Beruf Designer. In den Einzelheiten erfährt man von mindestens zehn Verbesserungen, von denen einige auch sehr gut sichtbar sind. So wurde das Handling bei der Ausrichtung des Hoch/Mittelton-Moduls vereinfacht. Die Wirkung dieser Ausrichtung wurde erweitert. Auch die Kabelzuführung zum Modul wurde verbessert, vereinfacht und verschönert. Es handelt sich bei der Sasha V in der Tat nicht um profane Modellpflege, sondern um ein substanzielles Re-Design.
Die Verbesserungen gingen aber auch ganz schön ins Tuch, mit einem Preisaufschlag von ca. 10 %. Dafür bekommt man neues Gehäusematerial, die Präzisions-Kondensatoren aus eigener Fertigung bei Wilson Audio, die genialen Diode-Spikes – die separat schon 4500 CHF kosten – sowie neue Treiber für den Hochton und den Mittelton. Auch die neu perfekt verstellbaren Verbindungskabel von Transparent leisten ihren Beitrag. Wer sich an die Standardfarben hält, der wird mit 54'000 CHF Paarpreis zur Kasse gebeten.
Obwohl die sehr zahlreichen Aufnahmen der King's Singers, benannt nach dem King's College in Cambridge, wo sich die berühmte Gesangsgruppe 1968 formierte, fast alle von hoher Qualität sind, sticht das Lied vom Erdnuss-Verkäufer – «The Peanut Vendor» – heraus. Es stammte von der ersten LP der King's Singers aus dem Jahr 1971, wenn mich nicht alles täuscht. Die Stimmen – Männerstimmen – strahlen förmlich, ohne an Präsenz und Schärfe beim jeweiligen Einsatz einzubüssen. Das Panorama der Sänger auf der Bühne ist herrlich breit und die Sänger sind so präzise auszumachen, man glaubt, ihre Gesichtszüge erkennen zu können ... oder so ähnlich.
Beim Soundcheck waren alle Abdeckungen an den Lautsprechern angebracht. Sie wurden nur für die Fotos entfernt.Die Piano-Version von «Strong Enough» des Albums «Siren Song» von Celine Cairo ist ein sehr typisches audiophiles Schmankerl. Das juvenile Frauenstimmchen verkörpert – mit wenig Körper und viel Hauch – das, was man sich unter den Gesängen der Sirenen wohl einmal vorstellte. Ohne instrumentale Ablenkung, nur mit Piano, präsentierte sich Celine exakt im Zentrum, sich nach mir als Zuhörer neigend und ein wenig von oben, also über mir. Das klang schon ausgesprochen zauberhaft und einnehmend schön.
Die Interpretation des Klassikers «16 Tons» von Geoff Castelluci hat das Potenzial, «Keith don't go» von Nils Lofgren irgendwann vom Thron der am häufigsten vorgetragenen Songs an High-End-Audio-Messen zu verdrängen. So weit ist es aber leider noch nicht. Geoff hängt uns noch nicht zum Hals heraus. Im Gegenteil: Geoffs Stimmorgan wirkt anfangs wie ein grosser, schwerer und mit Samt bezogener Medizinball. Dann kommt der Einsatz eines ungeheuer eindrücklichen Basses in Wellen von weit hinten aus der Mitte und dann einem witzig, humoristischen Reigen aller verfügbaren perkussiven Register inklusive Klatschen plus dem A-cappella-Chörchen. Ich sass gebannt in dieser musikalischen Zirkusvorstellung und wippte, was das Zeug hielt. Die Sasha V scheint ein humorvoller Lautsprecher zu sein, mit dem man Pferde stehlen kann.
Gary Jules und Mylène Farmer erzeugten mit dem Song «Mad World» (live) eine gar wunderschöne Atmosphäre mit andauernder Mitwirkung des Publikums, nicht störend, sondern tragend. Die Sasha V beförderte mich direkt in dieses Geschehen und blendete den Raum um mich vollständig aus. Alles wirkte unbefangen, glücklich.
Chantal Chamberland ging dann vollends unter die Haut mit «I put a Spell on You», und zwar eindrücklich mit ungebremster Dynamik, also zuerst mit angezogener Handbremse und dann mit Vollgas, wundervollen Gitarrenlicks und einer leicht kehligen und betörenden Stimme. Alles harmonisch vereint und wirklich verzaubernd.
«Follow me home»? Ein Rätsel, zunächst. Die Meeresbrandung zu Beginn? 1970er oder 1980er? Tatsächlich ein Song von Dire Straits, vom frühen Album «Communiqué». Ich kannte den Song nicht oder nicht mehr. Meeresbrandung, anschwellende Bongos, Hi-Hat, leise gesellt sich die Gitarre dazu, es wird immer intensiver, dann der direkte und disziplinierte Bass mit drei Noten. Die Melodie zeichnet sich ab und geht ein riesengrosser Fächer mit dem gesamten Klangspektrum auf. Eindrücklich und schwer zu toppen.
«RL's» von Snark Puppy dauert über 9 Minuten, gehört zum Genre Jazz-Hardrock (meine Kreation, glaub) und ist einer der Lieblingssongs von Roland Spalinger. Er liebt den Song auf allen Wilsons und es wurde mit der Sasha V klar, weshalb: Das sind so komplexe Klangstrukturen, die es hier überzeugend wiederzugeben gilt, dass sich manch ein Lautsprecherhersteller bestimmt davor fürchtet und die einfachen Lieder mit ganz wenigen Instrumenten bevorzugt. Die Sasha V liefert eine grosse Vorstellung ab und sehr direkt nach vorne spielend.
Last but not Least aus dem grossartigen Album «Sounds of Mirrors» von Dhafer Youssef das Stück «Humankind». Die Fusion von Stimme und Instrument, die sich zuerst vorsichtig annähern und dann nach ca. 4 Minuten vollends ineinander verschmelzen ist unglaublich schön und berührend. Das ganze Album ist grossartig und sehr empfehlenswert, ganz unabhängig von den Lautsprechern.
Die Playliste des Sasha-V-Reviews.Klangfazit
Die Sasha V von Wilson Audio begeistert mit einer präsenten Basswiedergabe mit viel Druck und Schnelligkeit und völliger Entschlacktheit. Hier wurde viel Arbeit zugunsten von europäischen Wohnräumen geleistet. Die Sasha V spielt etwas mehr nach vorne und zieht die Akteure auf der Klangbühne näher an den Musikhörer. Stimmen sind prägnant und gehen fast bei jeder Aufnahme total unter die Haut. Die Spielfreudigkeit und das manchmal fast ungestüme Temperament hat mich emotional mitgerissen. Ich bin ehrlich überrascht, wie deutlich sich die Sasha V von ihrem Vorgänger unterscheidet. Die Klangsteigerung ist bemerkenswert und der Schritt nach vorne ist wirklich gross.
Fazit und Video
Wilson Audio hat punkto Klangqualität mit der Sasha V einen deutlichen Sprung nach vorne geschafft. Das ist alles andere als selbstverständlich oder einfach. Dazu ist das Handling mit allen Einstellungen einfacher geworden. Materialien und Komponenten sind jetzt auch auf dem neusten Stand der Technik von Wilson Audio. Bevor man nach einer neueren Version der Sasha V trachten kann, wird es notwendig sein, die Qualität der Zutaten noch weiter zu perfektionieren. Das geschieht aber vermutlich zuerst bei den ganz grossen Modellen von Wilson Audio.
Das anschliessende Video erteilt das Wort Roland Spalinger. Es ist relativ lang und ausführlich. Wenn Sie sich auf die Demonstration der Unterschiede zum Vorgängermodell beschränken wollen, dann können Sie auf Position 15:40 «vorspulen». Vorher wird die ganze Geschichte von Watt/Puppy und Sasha von Wilson Audio erklärt.

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