Praxis & Hörtest
Wenn ich präzise Bässe beurteilen möchte, greife ich in der Regel auf einen altbewährten Jazz-Song zurück, mit einem im Raum aufgenommenen Upright Bass. Auf «Comes Love» von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong wurde dies besonders schön gemacht. Das Stück hat eine bezaubernde Bassline mit unverschämt viel Swing, gespielt vom legendären Bassisten Ray Brown. Dazu muss man einfach mitwippen. Widerstand ist zwecklos. Wie erwartet klingt der Bass sehr fein gezeichnet und ohne jegliche Klangverfärbung. Er nimmt seinen Platz im Mix perfekt ein und zeigt seine ganze Vielfalt.
Bei der hohen Stimme von Fitzgerald demonstriert der Hochtöner, was er kann. Die Lautsprecher geben die Emotionalität des Weltklasse-Gesangs auf eine beeindruckende Art und Weise wieder. Die Stimme von Ella rührt einen zutiefst. Dann das Orchester mit den Streichern. Der Sound löst sich von den Säulen und befüllt den Raum. Man hört förmlich den grossen Saal mit dem charakteristischen Holzboden. Und dann wieder Armstrongs tiefe Stimme. Feinste Transienten, wie das Atmen ganz nah am Mikrofon, werden sehr treu reproduziert. Das gilt auch für Details wie mit dem Besen gespielte Jazz-Snares, begleitet von sanften Hi-Hats. Ich höre mir dafür «Almost Blue» von Chet Baker an. Die Stimmung ist melancholisch, Details wie jene des Schlagzeugs machen grossen Spass.

Ich kann es nicht lassen, die Sonox-Lautsprecher mal richtig ans Limit zu pushen. Dr. Dres legendäres Westcoast-Album «The Chronic 2000» ist ein Aushängeschild des Westcoast Hip-Hop und dafür perfekt geeignet. Sein Produktionsstil ist berüchtigt für fette Bässe und harte Kicks. Ich drehe das Volumen aufs Maximum (in der App setze ich dieses auf -30 dB) und es geht ab wie die Post. Es wird richtig laut im Wohnzimmer und fühlt sich an wie in einem Nachtclub. Bis zu einem gewissen Punkt. Ein bisschen Druck bräuchte es noch. Ich gehe in die BluOS-App und erhöhe die Bässe um 6 dB. Die Homeparty kann beginnen. Sollte man die Lust verspüren, das Ganze auf ein nächstes Level zu bringen, könnte man an die Powernode Edge noch einen externen Subwoofer anhängen – über den extra dafür vorgesehenen Ausgang. Dann wäre definitiv Feierabend. Ich meine das im Sinne eines kleinen Kinosaals, den man damit beschallen könnte.
Werfen wir nochmals einen Blick in die App. Einen ausgeklügelten Multiband-Equalizer gibt es auf BluOS nicht. Stattdessen steht eine solide Klangregelung der Höhen und Tiefen um jeweils +/- 6 dB bereit. Das sollte die meisten Szenarien abdecken, in denen man etwas filtern muss. Sowieso möchte man mit den Mitten auf dem X100 nicht wirklich herumspielen. Diese klingen nämlich hervorragend. Zum Beispiel auf einem Stück wie «Paranoid» von Black Sabbath. Tony Iommis Gitarrenriffs reissen sich durch den Mix und sind aggressiv und direkt. Dazu die Bassläufe und die dynamischen Drums. Es drückt mich an die Wand – und das mit einer soliden Impulstreue, denn die Wiedergabe erfolgt ohne klangliche Verfärbungen.

Ich höre mir noch etwas entspanntere, elektronische Musik an, und zwar vom kanadischen Musiker Dan Snaith alias Daphni. Ein elektronisches Stück in Form eines Remixes von «Falling in Love», bei dem die hohen Frequenzen stark gezogen und wieder leicht angehoben werden. Beim Bass nehme ich Nuancen wahr, die ich bei diesem Song so noch nie richtig gehört habe. Ich könnte mit diesen Lautsprechern lange Musik hören, bevor meine Ohren ermüden. Vom Hersteller wird derweil suggeriert, dass es bei diesen Lautsprechern keinen dezidierten Königsplatz gibt. Und dem muss man recht geben. Einen Sweet-Spot gibt es alleweil, aber sie klingen überall im Raum echt spitze. Das Stereobild gelingt hervorragend.
Er bietet sich daher auch hervorragend für die Wiedergabe von Filmen und Serien an. So zum Beispiel mit «Mein Nachbar Totoro» und der wundervollen klassischen Musik von Joe Hisaishi. Das geht unter die Haut. Die Stimmen setzen sich dabei hervorragend durch und werden nicht von unnatürlichen Umgebungsgeräuschen überdeckt. Das ist bei vielen Soundbars oft der Fall. In dieser Situation zeigt sich wieder eine Stärke des geschlossenen Bass-Systems, das nie zum Dröhnen neigt.
Fazit
Für wen eignen sich die Sonox-X100-Lautsprecher? Für alle, die in ihrem Wohnzimmer Wert auf authentischen, präzisen Klang und hochwertiges Design legen. Dazu kommt der Swissness-Faktor und das Gefühl, auf ein Produkt mit solidem Engineering zu vertrauen.
Ein typisches und weit verbreitetes Szenario wäre ein Wohnzimmer-Setup für Musik-Streaming und TV/Film. Mit ihrer kleinen Grundfläche beanspruchen die Sonox X100 wenig Stellfläche. Die Lautsprecher lassen sich sowohl visuell als auch akustisch hervorragend in jeden Raum integrieren. Eine dedizierte Hörposition gibt es nicht – die Klangsäulen können problemlos fast direkt an die Wand gestellt werden. Dank der geschlossenen Konstruktionsart neigen sie nicht zum Dröhnen und glänzen mit ihrer raumfüllenden Klangentfaltung.
Mit dem einsteigerfreundlichen Preis dürfte die Sonox X100 auch jene ins Grübeln bringen, die bisher mit einer Soundbar-Lösung liebäugelten.
Der Powernode Edge von Bluesound ist eine ideale Ergänzung. Sein schlichtes Design, die hervorragende Verarbeitungsqualität und die moderne App bieten alles, was man fürs Streaming braucht. Einzig ein Multiband-Equalizer zur klanglichen Feinabstimmung würde man sich noch wünschen.
Für das Heimkino eignen sich die stilvollen Lautsprecher fantastisch. Man wird mitten in die Szene hineingezogen, und die Stimmen bleiben trotz wuchtiger Soundeffekte sehr klar verständlich. Das 2.5-Wege-System mit zwei Tieftönern vermag anspruchsvolle Musikfans zu begeistern und zeigt sich zudem überaus partytauglich.

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