TESTBERICHT
Der neue Rega 3er kommt ausgesprochen stylish daher. Es gibt ihn glänzend schwarz oder weiss.Der neue Rega 3er kommt ausgesprochen stylish daher. Es gibt ihn glänzend schwarz oder weiss.

Wenn die Bayerischen Motoren Werke aus München einen neuen 3er vorstellen, haben sie die neue Automobil-Serie gemeinhin stärker, schneller, effizienter und komfortabler gemacht. Aber nicht unbedingt schöner. Der Plattenspieler-Hersteller Rega aus dem englischen Southend-on-Sea praktiziert das etwas anders. Auch er hat einen neuen 3er vorgestellt. Doch der Antrieb, die Endgeschwindigkeiten und auch der Bedienkomfort blieben weitgehend gleich. Doch intern hat sich beim Wechsel vom alten RP3 auf den neuen Planar eine Menge getan. Und das Design hat – so jedenfalls unsere Meinung – sichtbar gewonnen.

Rechts vorne, das Logo, das sieht schon mal anders aus. Mit sanften Rundungen in der Kombi "P3" anstatt des kantig gesetzten "RP3" seinerzeit. Und links vorne – da ist jetzt nichts mehr. Der Ein/Ausschalter ist beim neuen Modell auf die Unterseite des Chassis gewandert. Was der Nutzer ja wissen muss, wenn er die Maschine starten will. Was wie beim Vorgänger schon rasch nach dem Einkauf passieren kann, denn auch der neue Dreier von Rega ist auf Plug’n’Play getrimmt. Dabei rufen die Engländer respektive ihr Schweizer Vertrieb den Kampfpreis von gerade mal 790 Franken auf, für das von avguide.ch getestete Gerät mit Tondose 980 Franken.

Innere Werte

Als Kombination bewährt: Rega Planar 3 mit Moving-Magnet-Tondose Elys 2.Als Kombination bewährt: Rega Planar 3 mit Moving-Magnet-Tondose Elys 2.

Doch abgesehen von dem jetzt noch einmal deutlich schmucker daherkommenden Chassis hat der Hersteller auch noch etliche innere Werte verbessert. Und zwar nach eigener Meinung so, dass er seinen Neuen statt jetzt "Planar 3" auch numerisch aufsteigend "RP4" hätte taufen können. Indes: Der Motor – unten am Chassis angeflanscht und von einem etwas mickrig wirkenden Steckernetzteil versorgt – ist der gleiche laufstarke 24-Volt-Synchronmotor geblieben.Wobei laut Rega eine überarbeitete Antriebsschaltung dem Synchronläufer noch mehr Stetigkeit verleihen soll.

Ein Schönheitsfehler blieb: Zur Innenrille beziehungsweise Achse hin kann der Motor in den Generator des Abtasters aufgrund der räumlichen Nähe ein Brummen induzieren. Man merkt es, wenn man den abgehobenen Arm bei laufendem Betrieb und eingeschaltetem Verstärker von aussen nach innen führt. Kollegen massen auch deutlich 50-Hertz-Netzeinstreuungen bei einem insgesamt aber guten Störabstand von 77 Dezibel.

Apropos laufender Betrieb: Der Metallpulley mit zwei Durchmessern (für 33 und 45 U/min) kurbelt über einen Rundriemen den weiter versteiften Kunststoff-Subteller an. Das gegenüber dem Vorgänger nochmals präziser gearbeitete Messinggehäuse für das Tellerlager versteckt sich darunter. Die Gleichlaufmessung ergab denn auch einen guten Wert von +/– 0,13 Prozent bei störarm verlaufendem Dauerbetrieb.

Auch beim Planar 3 muss man zur Geschwindigkeits-"Umschaltung" wie gehabt den Hauptteller abnehmen und dann den Rundriemen am Motorpulley per Hand von einem Durchmesser auf den anderen umlegen. So viel zum Thema gleich gebliebenem "Komfort" – das kann bei manchen inzwischen auf zwei mit 45 Umdrehungen rotierende Scheiben umgeschnittenen Pop-Klassikern, etwa von Bob Dylan oder Billy Joel bei MFSL, schon recht mühsam werden.

Wobei der Teller aus 12 Millimeter starkem Floatglas nicht nur optisch gefällt, sondern auch hautschmeichelnd in der Hand liegt. Für den Spielbetrieb allerdings sollte man die beigelegte schwarze Filzmatte auflegen oder eine der nicht nur von Rega zahlreich angebotenen Alternativen wählen. Das dämpft den Teller hörbar. Traditionell ist auch der neue Planar 3 ein leicht gebauter "Brettspieler", doch Verstrebungen und Verstärkungen sowie die drei frisch gepflegten Füsse sollen das Chassis weiter gegen Luft- und Trittschall immunisieren. Grundsätzlich gilt bei Rega seit der Gründung durch Roy Gandy (das "ga" im Firmennamen, das "re" kommt vom damaligen Partner Tony Relph) 1973: Leicht gebaut leitet leicht ab.

Tondose und Tonarm

Der neue Tonarm RB 330 zählt zu den absoluten Highlights seiner Preisklasse.Der neue Tonarm RB 330 zählt zu den absoluten Highlights seiner Preisklasse.

Die mitgetestete Tondose geht "nur" bis zum Jahr 1988 zurück: Da erblickte das Elys erstmals das Licht der Analogwelt. Im Planar 3 sitzt die Evolu­tionsstufe 2, auch schon ein Moving-Magnet-Klassiker. Allerdings mit einer minimalen Macke: Am Norm-Anschluss entspricht der Höhenfrequenzgang nicht ganz dem Ideal. Ein Anstieg von fünf Dezibel bei zehn Kilohertz und anschliessendem Abfall auf minus zehn Dezibel bei 20 Kilohertz lässt sich nur über die Abschlusskapazität halbwegs korrigieren. Wohl dem, der da einen MM-Phonovorverstärker mit anpassbarer Kapazität hat.

Doch gerade zum Tonabnehmer-Ausprobieren fordert der Planar 3 geradezu heraus: Denn er hat mit dem brandneuen Tonarm RB 330 einen heimlichen Star auf rechtsaussen. Der 9-Zoll-Radialo dürfte – da lehnt sich der Autor mal weit aus dem Fenster – auch extrem teure, extrem anspruchsvolle Pickups durch die Rillen führen. Mit Hilfe der von Rega angebotenen "Spacer" lässt sich dazu seine Höhe für den Vertical Tracking Angle VTA inzwischen auch optimal an den Austausch-Pickup angleichen. Doch im Test stand ja das Komplett-Team.

Hörtest

Der Antrieb läuft über Rundriemen auf einen Subteller.Der Antrieb läuft über Rundriemen auf einen Subteller.

Und auch das gab schon allen Grund zum Jubeln. Erst mal im Stromanschluss schön ausgephast und schön waagrecht ausgerichtet – die Mühe sollte man sich unbedingt machen – stürmte der Planar 3 richtig los. Das Jazz-Ensemble mit dem schönen Namen Bummelzug Explosion – sein Label Shoebill fertigt nur Vinyl oder HiRes digital – machte vor allem dem zweiten Teil seines Namens alle Ehre. Selten hat man bei einem Spieler dieser Preisklasse Drums so dynamisch losfetzen hören.

Aber auch knackige Popsongs wie ­Billy Joels "You May Be Right" vom auf zwei 45er umgeschnittenen Album "Glass Houses" rissen uns fast aus den Sitzen. Das unfassbar intensive "Jubilee Street" von Nick Cave (von "Push the Sky Away") zog einen förmlich mit sich. Die charakteristische Grummlerstimme und der herrliche Background-Chor standen gut abgezirkelt im Raum. Die etwas helle Klangfarben-Beleuchtung lässt sich mit anderen Pickups ja leicht korrigieren. Der Autor machte sich dann doch mal die Mühe und baute ein Benz LP S ein. Und die Schweizer Super-Tondose entlockte dem Engländer eine deutlich neutralere, dabei nuanciertere und merklich schwungvollere Darbietung. Auch die Ortungsschärfe nahm zu. Was letztlich nur für den Tonarm und das Laufwerk spricht.

Tuning-Tipp

Messungen

Fazit

Regas neuer 3er ist nicht nur schöner, sondern auch besser als sein Vorgänger. Und dabei im Preis absolut moderat geblieben. Ein Komplettplattenspieler unter 1000 Franken mit dieser Klangqualität ist schon etwas Besonderes. Weil der neue, montierte Tonarm RB 330 auch sehr viel höherwertige Tondosen gut führen kann und weil Rega mit dem externen Netzteil TT PSU im eigenen Haus ein exzellentes Tuning Tool bereithält, lässt sich der preiswerte Einstieg in die gehobene HiFi-Klasse nach und nach aufwerten.

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