Richard Galliano, Jan Lundgren und Paolo Fresu. Foto: ©thomasschloemannSchon im Eröffnungssong «Apnea» (Atemstillstand) wird eine beinahe meditative Atmosphäre geschaffen, der Übergang vom Akkordeon zur Trompete (mit Dämpfer) ist kaum wahrnehmbar.
Immer noch ruhig bleibt die einzige Komposition mit englischem Titel, «Blue Silence»: Die weichen Flügelhornklänge gefolgt vom nasal-strengen Akkordeon, abgelöst vom Klavier und aufgelöst in einem Flügelhorn-Akkordeon-Unisono. Vorwiegend ruhig jedoch immer abwechslungsreich und spannungsgeladen geht es weiter, bis uns «Leklåt» mit einer rhythmisch akzentuierteren und fröhlich anmutenden Weise überrascht, die in mir Bilder von buntem Strandleben weckt.
In «Le Livre d’un Père Sarde» wird man als Hörer wieder mit Traurigkeit und Altersweisheit konfrontiert. Das Werk schliesst mit dem bittersüssen «Si dolce è il tormento» von Claudio Monteverdi.
Die Zusammenarbeit («Arbeit» klingt schon beinahe zu negativ, nur gibt es das Wort «Zusammengenuss» nicht) ist erlebt, nicht erkrampft, zieht den Zuhörer unmittelbar in diese faszinierende Klangwelt hinein. Von bezauberndem Himmelblau bis zur gischtigen Wellenbahn dürfen wir alles erleben, was das Meer hergibt, auch wenn die traurig-fröhliche Sinnlichkeit überwiegt, ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder kennt, der schon alleine am Strand sitzend ins unendliche Meer hinausblickte. Da braucht es weder Bass noch Schlagzeug, der Rhythmus ist einfach da: Oft nur angedeutet, doch dann wieder akzentuiert und klar.
Und obgleich da eine ungewohnte Trio-Formation mit ungewohnten Melodien spielt: Man braucht keine lange Anlaufzeit, um in "Mare Nostrum II" eintauchen zu können. Mein Rat: kopfvoran!

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