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ARTIKEL
Publikationsdatum
28. Juni 2018
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Wie Leo Greiner bei diesem Gespräch sehr treffend bemerkte, galt bei der Konzeption und Herstellung jedes Piega-Produktes «Herz vor Kommerz». Damit meint er, dass hinter jedem Piega-Produkt die Überlegung stand, etwas Gutes und Sinnvolles zu schaffen, das man auch selber kaufen würde – und nicht die Idee, dem Kunden ein möglichst gewinnbringendes Produkt anzudrehen.

Bereits im Artikel «Von zwei auf zwanzig in zwanzig Jahren»  brachte avguide.ch ein Interview mit den Firmengründern Leo Greiner und Kurt Scheuch, in welchem Entwicklung und Werdegang der Firma (vom 2-Mann- bis zum 20-Mann-Betrieb) beleuchtet wurden.

Im Artikel Piega im Wandel berichtete avguide.ch die grundlegenden personellen Veränderungen bei Piega nach rund 30 Jahren seit der Firmengründung.

Hans-Jürg Baum, der die Firma Piega, seine Leute und ihre Produkte seit ihrem Start genaustens beobachtet hat, lässt in dieser Story Leo Greiner und Kurt Scheuch ihre Philosophie und Produkte erklären.

Da sich diese Story vor allem auf die markantesten Boxen mit den bedeutendsten Entwicklungsschritten konzentriert, die in der Regel nicht gerade billig waren und immer noch sind, sollte nicht vergessen werden, dass Piega zu allen Produktionszeiten auch preisgünstige Lautsprecher auf den Markt brachte. Es waren und sind dies laut Kurt Scheuch die «Brot und Butter»-Lautsprecher, die in grösseren Stückzahlen hergestellt werden und mit denen man genug Geld verdienen kann, um die Löhne der nicht gerade kleinen Belegschaft und diverse andere Kosten bezahlen zu können.

1987: Erste Produktion im Kellergeschoss

1987: Erster Produktionsraum der Firma Piega im Kellergeschoss bei Leo Greiner zu Hause. Hier entstanden die ersten Boxen Arlecchino, Capriccio, Arabella und Elektra.1987: Erster Produktionsraum der Firma Piega im Kellergeschoss bei Leo Greiner zu Hause. Hier entstanden die ersten Boxen Arlecchino, Capriccio, Arabella und Elektra.

avguide.ch: Welche Vorgeschichte hatten Sie, bevor Sie im Jahre 1987 offiziell die Firma Piega gründeten? Welche für Ziele hatten Sie vor Augen?
Greiner: So wie Kurt, habe auch ich schon früh mit dem Bau von Lautsprechern begonnen. Durch einen Bekannten lernten wir uns kennen, und dies ergab eine tolle Symbiose. Kurt konnte für seine Lautsprecher meine speziell lackierten Gehäuse einsetzen und ich im Gegenzug seinen Bändchen-Hochtöner mit der entsprechenden Technik.

War Ihr erstes Produkt, das Hochtonbändchen, einfach eine Kopie des Decca-Kelly-Bändchens DK30 – oder doch etwas mehr?
Scheuch: Unser erster PIEGA-LDR-Bändchen-Hochtöner basierte sehr wohl auf dem legendären DK30. Allerdings war unsere Konstruktion natürlich angepasst auf den Stand der Technik. Das heisst, mehr Membranfläche, viel stärkere Magnete, ein besserer Übertrager und natürlich auch kein Hornvorsatz. Daraus resultierte logischerweise ein breiteres Frequenzspektrum, weniger Klirr, ein viel höherer Wirkungsgrad etc.

Kurt Scheuch und Leo Greiner bei der Herstellung ihrer Bändchen-Systeme.Kurt Scheuch und Leo Greiner bei der Herstellung ihrer Bändchen-Systeme.

Grossen Opern nachempfunden

Die Namen der ersten Boxen wurden grossen Opern nachempfunden. Hier die Arabella (die perspektivische Verzerrung der Box stammt von einer etwas extremen Position des Fotoapparates).Die Namen der ersten Boxen wurden grossen Opern nachempfunden. Hier die Arabella (die perspektivische Verzerrung der Box stammt von einer etwas extremen Position des Fotoapparates).

Welches waren Ihre ersten Lautsprecher und was waren deren Eigenschaften?
Greiner: Arlecchino, Capriccio, Arabella und Elektra.
Scheuch: Technisch gesehen waren diese Lautsprecher allesamt Bassreflex-Konstruktionen, bestückt mit Doppelschwingspulen-Treibern und natürlich unserem Hochton-Bändchen-System.

Wo und wie haben Sie diese Produkte im Zweimann-Betrieb hergestellt?
Scheuch: Wir haben unsere Lautsprecher im Kellergeschoss von Leos damaligem Haus montiert. Morgens bin ich mit meinem Kombi ins Lager gefahren, habe Gehäuse und Einzelteile eingeladen, um dann in Horgen mit Leo zusammen die Lautsprecher aufzubauen. Abends habe ich die fertig montierten Lautsprecher dann wieder ins Lager gebracht.

Wie haben Sie diese Boxen an den Mann / die Frau gebracht? Wer hat den Aussendienst gemacht und welche Händler haben Ihre Produkte verkauft? Wie hoch waren damals die verkauften Stückzahlen und wie hoch die Preise?
Greiner: Wir waren ja beide schon in der HiFi-Szene aktiv und kannten bereits einige Händler und Vertriebe. Der Preisbereich lag am Anfang bei 2000–8000 Franken pro Paar.

Scheuch: Zu Beginn gingen Leo und ich zusammen in den Aussendienst. Die Händler sollten uns ja kennenlernen. Mit der Zeit war ich dann alleine auf Achse und habe in den darauffolgenden 15 Jahren den Grundstein für unser Vertriebsnetz aufgebaut.

Wann haben Sie Ihre Aufgaben geteilt: Leo Greiner die Finanzen und Kurt Scheuch die Technik?
Greiner: Das hat sich mit der Zeit automatisch so ergeben. Jeder macht eben das, was er besonders gut kann.

Heute dürfen wir doch offen auch mal über einen Tiefpunkt aus dem Jahre 1991 reden. Die ersten Lautsprecher der LDR-Serie wurden von einem externen Techniker mitentwickelt und hatten, wie ich damals selber feststellen konnte, ihre gravierenden Mängel. Wo lagen diese Probleme und wie habt Ihr diese damals gelöst?
Scheuch: Ach, da gab es viel zu tun. Mangelnde Belastbarkeit, fehlender Wirkungsgrad, zu wenig Impedanz usw. Aber schlussendlich haben wir es geschafft, die ersten Versionen umzubauen, so dass veritable und hervorragend klingende Lautsprecher daraus wurden. Es war allerdings nicht wenig Arbeit und wir waren auf die Loyalität unserer Händler angewiesen.

R2R- oder Ladder-DAC

Zu Beginn der digitalen Audio-Ära setzte man überwiegend Wandler nach dem R2R-Prinzip ein. Ein R2R-Ladder DAC ist ein aus Widerständen mit den Werten R und 2R aufgebautes Netzwerk, das zur Wandlung von binären Werten in analoge Spannungswerte dient. 2R bedeutet hierbei schlicht der doppelte Widerstandswert von R (also z. B. jeweils 2 kOhm und 1 kOhm). Diese R2R-Schaltungen können entweder diskret aufgebaut sein oder in ICs integriert werden (wie z. B. beim legendären DAC-Chip TDA1541 von Philips).

NOS (Non Oversampling) DAC