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Im Ladengeschäft erstrahlen wunderschöne Demo-Videos auf den 4K-Fernsehgeräten. Bei perfekter Auflösung sehen die Videos aus, als würde man nicht auf ein Display starren, sondern durch ein Fenster echte Karibik- und Tiefschneeszenen in der Realität betrachten. Zu Hause kommt dann aber die Enttäuschung. Zwar bietet der neue UHD-Fernseher mit seinen 3840 × 2160 Bildpunkten ein besseres Bild als die alte Full-HD-Glotze. Aber der Wow!-Effekt aus dem Laden stellt sich nicht wirklich ein.

Nur „aufgeblasenes“ Full-HD

Das liegt daran, dass der Fernseher normalerweise gar keine Inhalte in echter 4K-Auflösung erhält. Bestenfalls werden Fernsehprogramme und Filme in HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Bildpunkten angeliefert. Bei den HD-Kanälen des Schweizer Fernsehen und vielen anderen Staatssendern sind es gar nur mickrige 1280 x 720 Bildpunkte.

Mit raffinierten Methoden wird dieses Rohmaterial zwar verfeinert und auf die maximale Auflösung von 3840 x 2160 hochgerechnet. Diese nachträgliche Bearbeitung wird als Upscaling bezeichnet und jeder Hersteller lobt sich, dafür das beste Verfahren zu nutzen. Das Resultat sieht zwar meist besser aus, Wunder lassen sich aber durch das Dazurechnen von Bildinformationen nicht erreichen. Letztlich fehlen einfach Bilddetails, welche in einer echten 4K-Quelle vorhanden sind.

Upscaling rechnet Full-HD in 4K-Auflösung hoch. Das sieht dann zwar besser aus, kann aber keine Wunder bewirken. (Bild: http://www.lesnumeriques.com/tv-televiseur/mise-a-echelle-traitement-image-tv-decryptage-a2099.html)Upscaling rechnet Full-HD in 4K-Auflösung hoch. Das sieht dann zwar besser aus, kann aber keine Wunder bewirken. (Bild: http://www.lesnumeriques.com/tv-televiseur/mise-a-echelle-traitement-image-tv-decryptage-a2099.html)

Warten auf Swisscom und Sunrise

Wer mit seinem 4K-Fernsehgerät UHD-Inhalte geniessen will, sieht bei allen helvetischen Kabel-TV-Anbietern und auch bei Swisscom-TV nur „schwarz“. Die Anbieter haben keinen Content und auch die von ihnen verwendeten Settop-Boxen beherrschen weder 4K-Auflösung noch die nötigen Codecs. Erst im Frühling kommen erste 4K-TV-Boxen von Swisscom und Sunrise.

Die in der deutschen Fachpresse und im Internet hochgejubelten Mietvideo-Anbieter wie Amazon oder Maxdome können in der Schweiz nicht genutzt werden.

Die neue Fernsehbox (oben) bringt bessere 4K-Bildqualität in einem kleineren Gehäuse.Die neue Fernsehbox (oben) bringt bessere 4K-Bildqualität in einem kleineren Gehäuse.

4K via Satellit - viel Werbung, viele Demos

Deutschsprachig, 4K-Auflösung und 24-Stunden-Berieselung. Pearl.TV bringt allerdings nur Eigenwerbung.Deutschsprachig, 4K-Auflösung und 24-Stunden-Berieselung. Pearl.TV bringt allerdings nur Eigenwerbung.

Seit der IFA 2015 sendet nun jedoch ein Sender rund um die Uhr deutschsprachig und unverschlüsselt Es ist der Werbesender von pearl.tv. Hier werden vom Baufettwegtrainer über Spionage-Schlüsselanhänger bis zum elektrischen Apfelschäler Gadgets in einer moderierten Dauerwerbesendung vorgestellt. Dass es 4K ist, merkt man vor allem an den unzähligen eingeblendeten Infotexten. Diese sind nun kantenscharf und problemlos zu lesen. Ob die Vorstellung der meist aus China stammenden Gadgets als abendfüllendes Programm gilt, muss allerdings angezweifelt werden.

Auch Astra hat zur IFA 2015 ihren Demo-Kanal zu einem Halb-Programm namens UHD1 ausgebaut. Während des Tages rotieren hier allerdings die üblichen Demo-Schnipsel. Sehenswertes gäbe es erst abends. Die Schweizer werden dann allerdings ausgesperrt, weil man zum betrachten der dann verschlüsselten Inhalte eine HD+-Keycard benötigt. Diese ist bei uns offiziell nicht erhältlich.

Reine Demoschlaufen gibt es letztlich auch auf dem Satelliten Hotbird/Eutelsat.

Mit den drei Sendern lässt sich aber wenigstens testen, ob der in das Gerät integrierte Sat-Receiver auch wirklich 4K-fähig ist. Sowohl Astra als auch Eutelsat haben einen Teststream in Betrieb. Im Oktober soll mit TV Entertainment Reality Network (TERN) ein weiterer Sender starten.

Die Sender haben folgende Einstelldaten:

Pearl.TV
Transponder: 1.097
Frequenz: 12.343,5 MHz (Horizontal)
Symbolrate: 30.000
Video: 2160 50p, HEVC Main 10
FEC: 2/3, Pilots ON
Video: 2160 50p, HEVC Main 10

Astra UHD1:
ASTRA 19.2°E
Transponder: 1.035
Frequency: 10.994 GHz
Polarisation: Horizontal
Symbol Rate: 22 MS/s
DVB-S2
Modulation: 8PSK
FEC: 5/6

Demokanal Hotbird/Eutelsat:
HOT BIRD (13° East)
Kanal: HOT BIRD 4k1
Frequenz: 11 296 MHz
Polarization: Horizontal
Symbolrate: 27 500
DVB-S2, 8PSK, FEC 3/4

Die Einstellungen müssen auf einigen Modellen übrigens manuell vorgenommen werden, weil der automatische Suchlauf die 4K-Kanäle teils ignoriert.

Aktuelle Einstelldaten finden sich auch bei Pearl, SES und Eutelsat im Internet.

Wer Bastelfreude hat, kann eine 4K-fähige Android-Box an sein Fernsehgerät anschliessen. Diese stammen aber oft aus fernöstlichen Quellen und sind nicht konsumententauglich. Der Settop-Boxen Spezialist Reycom erwartet noch dieses Jahr 4K-fähige TV-Zusatzboxen in der Schweiz.

4K in der Schweiz = Netflix

In der Schweiz liefert zur Zeit nur der Video-on-demand-Dienst Netflix abendfüllende Unterhaltung in 4K/UHD. Bedingung ist allerdings ein flinker Internet-Anschluss (25 Mbit/s) und eine auf dem TV-Gerät installierte Netflix-App mit 4K-Tauglichkeit.

Die Registrierung bei Netflix ist simpel und die ersten Tage muss man nichts bezahlen. Danach kostet das 4K-taugliche Abo monatlich 17.90 Franken. Dafür kann man aber gleichzeitig auf vier TV-Geräten unterschiedliche Inhalte abspielen.

Netflix liefert bereits ein Dutzend Serien wie House of Cards, Marco Polo, Breaking Bad, Better Call Soul, Bloodline, Sense 8, Wet hot american summer und Narcos in 4K-Auflösung. Zu Weihnachten 2015 erscheint dann auch der erste 4K-Spielfilm (A Very Murray Christmas). Ferner gibt es viele Dokumentationen im 4K-Angebot. Das Angebote an 4K-Inhalten wird fortwährend ausgebaut. Alle Ankündigungen finden sich bei Netflix.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben 4K-TV-Modelle bereits die 4K-App von Netflix vorinstalliert. Gibt es Probleme mit der 4K-Auflösung von Netflix, helfen Tipps und die Liste kompatibler TV-Modelle weiter.

Die TV-Geräte sollten für die Demo am Ethernetkabel angeschlossen werden, weil die 4K-Wiedergabe eine Bandbreite von 25 Mbits/s benötigt. Selbstverständlich muss auch der Internetanschluss entsprechend leistungsfähig sein. Reicht die Bandbreite nicht aus, wird das Bild „matschig“, weil Netflix automatisch die Bandbreite reduziert. Die Qualitätsanpassung erfolgt dynamisch, man sollte also Netflix nach dem Start der Wiedergabe auch einige Sekunden Zeit geben, auf die maximale Bandbreite hochzuschalten.

Das Angebot an 4K-Inhalten bei Netflix wird fortwährend ausgebaut.Das Angebot an 4K-Inhalten bei Netflix wird fortwährend ausgebaut.

Basteln mit YouTube in 4K

Auch bei YouTube gibt es immer mehr 4K-Filme. Am einfachsten findet man diese, wenn man in der Kanalsuche 4K als Stichwort angibt. Eine fertige Playlist mit 4K-Videos mit einer Bildrate von 50 oder 60 Frames pro Sekunde findet sich hier und hier im Internet.

Bei YouTube kommt nun aber bereits das grosse „Aber“. Denn die auf 4K-Fernsehern installierten YouTube-Apps sind teilweise noch gar nicht 4K-fähig. Das heisst, sie spielen die Videos nur in Full-HD-Auflösung ab. 4K-taugliche Youtube Apps haben bereits die Hersteller Philips, Sony, Samsung und LG gezeigt.

Alternativ kann man die Videos am PC auf einen USB-Stick herunterladen und so dem TV zuführen. Hilfe dazu bietet diese Internetseite. Das kostenlose Windows-Programm 4K Video Downloader kann allerdings die Filme in 4K-Auflösung auf den PC laden, wo man sie nötigenfalls konvertiert.

Leider sind aber ein Teil der YouTube-Videos nicht mit H.265 sondern mit dem V9-Decoder codiert. Sie lassen sich also auf vielen 4K-TV auch von einem USB-Datenträger nicht direkt abspielen.

Eine schöne Sammlung von 4K-Videos bietet auch Veasonic unter www.veasonic.nl sowie die Internetseite 4ksamples.com. Sogar einen ganzen 4K-Film kann man sich aus dem Internet herunterladen.

Wie nicht passende Videoformate konvertiert oder eigene 4K-Inhalte auf den TV bringt, lesen Sie im Beitrag "Ich mach mir 4K!".

Über den Einstellungsdialog (1) lässt sich bei YouTube-Videos erkennen, ob sie in 4K-Auflösung (2) vorliegen.Über den Einstellungsdialog (1) lässt sich bei YouTube-Videos erkennen, ob sie in 4K-Auflösung (2) vorliegen.

Warten auf die 4K-Silberscheiben

Von der 4K-Filmscheibe Ultra HD BD gibt es derzeit nur das Logo. 4K-Filme auf Silberscheiben kommen wohl erst 2016 in den Handel.Von der 4K-Filmscheibe Ultra HD BD gibt es derzeit nur das Logo. 4K-Filme auf Silberscheiben kommen wohl erst 2016 in den Handel.

Noch immer Zukunftsmusik sind Filmscheiben mit echtem 4K/UHD-Inhalt. Die Spezifikationsgruppe der Blu-ray Disc hat nun aber den Standard verabschiedet. Es braucht dafür aber neue BD-Abspielgeräte. Diese werden nur funktionieren, wenn der Fernseher das Kopierschutzverfahren HDCP 2.2 unterstützt.

Erste Geräte waren an der IFA 2015 von Panasonic und Samsung zu sehen. Zu Preisen und Liefertermin schwiegen sich aber beide aus.

4K-Inhalt vom Feinsten hat blu phase angekündigt. Diese hat mit dem Animationsstreifen Lichtmond bereits im Bereich 3D-Full-HD Mediengeschichte geschrieben. Der Trailer zu Lichtmond mit 4K-Auflösung und 7.1 Ton ist auf Anfrage bereits erhältlich. Er eignet sich sehr gut, um die Fähigkeiten der neusten Fernsehgeneration zu erleben.

Movie-Packs und Selbstgedrehtes
Eine Notlösung sind Festplatten mit 4K/UHD-Spielfilmen. Die Marken Sony und Samsung bewarben diese bei der Lancierung. Die Festplatten lassen sich aber nur auf jeweils einem Gerät des passenden Herstellers nutzen, weil sie durch Kopierschutz „angekettet“ werden. Der Moviepack von Sony ist inzwischen nicht mehr im Handel zu haben.

Fotos und Selbstgedrehtes
Die am weitesten verbreitete 4K-Quelle sind Fotoapparate und Smartphones. Bilder werden auch von Amateurkameras mit bis zu 20 Megapixel aufgenommen und erste Handys zeichnen sogar Videos in 4K-Auflösung auf. Auch moderne Handycams oder Fotokameras im Semiprofi-Bereich beherrschen Videoaufnahmen in 4K-Auflösung.

Da stellt sich nur die Gretchenfrage, wie man diese 4K-Inhalte auf den Fernseher kriegt?

Ausführliche Tipps und Anweisungen für die Nutzung selbstgemachter 4K-Inhalte finden sie ebenfalls Beitrag „Ich mach mir 4K!“.



Das muss ein guter 4K/UHD-TV können

H.265/HEVC, HDCP 2.2, HDMI 2.0

Wer kompetent einen 4K-Fernseher verkaufen will, muss die Technik kennen. Denn noch immer gibt es Geräte, welche nicht das vollständige Trio von H.265/HEVC, HDCP 2.2 und HDMI 2.0 beherrschen. Soll ein Fernseher aber wirklich zukunftssicher sein, muss er alle diese Standards beherrschen.

H.265/HEVC definiert ein Verfahren zum Eindampfen (komprimieren) der Videodaten. Würde die Bildfolge eines Filmes ohne Kompression gespeichert, wäre die Datenmenge immens. Für 4K/UHD-Inhalte gilt inzwischen H.265 als akzeptierter Standard. Netflix liefert beispielsweise ihre 4K-Inhalte ausschliesslich in H.265 aus. Enthält der Fernseher keinen Chipsatz, um H.265 zu decodieren, bleibt der Bildschirm schwarz.

HDCP 2.2 definiert ein Kopierschutzverfahren, mit dem externe Geräte mit der HDMI-Schnittstelle kommunizieren. Dies betrifft vor allem zukünftige 4K-BD-Player oder Settop-Boxen von Video-on-demand-Anbietern. HDCP soll verhindern, dass die Bildsignale am Kabel abgegriffen und digital kopiert werden. Nicht alle im Markt erhältlichen 4K-TV-Modelle unterstützen bereits HDCP mit dem Versionsstand 2.2.

HDMI 2.0 definiert Tempo und Fähigkeiten der HDMI-Buchse. Eine übliche HDMI-Schnittstelle nach dem alten 1.x-Standard bietet nur ausreichendes Tempo, um 4K-Videos mit 25 Frames pro Sekunden entgegenzunehmen. Sollen aber für ruckelfreie Bilder bei Sportübertragungen 60 Frames pro Sekunde zum Fernseher transportiert werden, reicht HDMI 1.x nicht mehr aus. Deshalb wurde der Standard HDMI 2.0 entwickelt, der eine ausreichende Datenrate bietet, um 4K 50/60p beziehungsweise 2160/60p zu transportieren. Allerdings muss auch der H.265-Decoder genügend Tempo für die höhere Datenrate liefern. Bei HDMI 2.0 wurden auch Farbraum und Audio-Möglichkeiten gegenüber HDMI 1.x erweitert.

Trägt ein Fernseher das Logo 4K Ultra HD Connected, kommt er mit modernen Inhalten zurecht. Die Variante ohne Trägt ein Fernseher das Logo 4K Ultra HD Connected, kommt er mit modernen Inhalten zurecht. Die Variante ohne "Connected" ist nicht zu empfehlen.