Ich habe eben einen Artikel gelesen, bei dem es um die nichtmessbaren Dinge bei Audiokomponenten geht, was mich veranlasst hat, diesen Artikel zu schreiben.
In der Tat, wie lassen sich Klangbühne und Abbildung messen oder überhaupt der Gänsehautfaktor? Ich muss dem Autor recht geben, diese Dinge lassen sich nicht messen, zumindest nicht direkt. Und das wäre eigentlich noch schön, wenn man sich als Entwickler gemütlich zurücklehnen und sagen könnte, das können wir nicht messen. Doch dann wären wir wohl nicht da, wo wir heute wären mit den ganzen Audioprodukten, welche die Musik so wunderbar in die heimischen vier Wände bringen. Für mich ist gerade das so wichtig, herauszufinden, wie wir das messtechnisch erfassen können, was wir hören. Und vieles können wir indirekt messen. Gehen Sie mit mir einig?
Wie vorgehen?
Egal, ob im öffentlichen Verkehrsmittel oder in der Badi. Kopfhörer mit aktiver Unterdrückung der Umgebungsgeräusche sind seit Jahren extrem beliebt. Bose bringt nun mit dem QC35 ein aktualisiertes Modell seiner QuiteComfort-Serie auf den Markt. Kabellos dank Bluetooth und mit der bewährten Bose-Technik zu Lärmreduzierung ausgestattet, darf man vom neuen QC35 einiges erwarten.
Die Vorgänger hat avguide.ch bereits ausgiebig getestet. Als Beispiel der avguide.ch-Test des QC25.
Die neuen QC35-Kopfhörer besitzen je ein Mikrofon innerhalb und ausserhalb der Hörmuscheln, welche Umgebungsgeräusche registrieren, messen und die ermittelten Werte an zwei Mikroprozessoren senden – jeweils ein Chip pro Ohr. Diese reagieren innerhalb einer Millisekunde mit einem in der Phase entgegengesetzten Signal, das dem Audiosignal beigemischt wird und die Umgebungsgeräusche eliminiert. Hört sich einfach an, ist aber sehr komplex. Schliesslich soll die "beigemischte" Kompensation der Umgebungsgeräusche die Audiowiedergabe und den Höreindruck nicht beeinträchtigen.
Besonders hilfreich – wie ich mich selber überzeugen konnte – wirkt die Bose-Geräuschunterdrückung bereits beim Vorgänger im Flugzeug. Das lästige Brummen der Motoren ist wie weggefegt.
Die QC35-Kopfhörer haben eine Batterielaufzeit bis zu 20 Stunden. Die aufladbare Lithium-Ionen-Batterie hält damit länger durch als ein Flug von New York nach Hongkong. Leicht bedienbare Knöpfe an der rechten Hörmuschel dienen dem An- und Ausschalten, der Lautstärkeeinstellung sowie dem Abspielen/Pausieren und der Rufannahme.
Die QC35 sind ab dem 5. Juni 2016 für 420 Franken erhältlich. Im September folgt dann noch die InEar-Version QC30 zum voraussichtlichen Preis von 330 Franken.
Was hören wir?
Es gibt einige Erkenntnisse aus der akustischen Wahrnehmung, die sich in die Entwicklung von Audioprodukten gut einbringen lassen. So unterschiedlich eine Violine in verschiedenen Konzertsälen auch tönen mag: Jeder wird dieses Instrument als Violine wahrnehmen, vorausgesetzt, er kennt das Instrument. Egal, ob in der Tonhalle Zürich oder in der Hamburger Elbphilharmonie, die Violine ist klar als solche wahrnehmbar.
Der Grund ist einfach, die erste Schallwellenfront ist nahezu immer dieselbe, zumindest wenn man den direkten Sichtkontakt zur Musikerin hat. Man spricht von Direktschall. Einige Millisekunden später kommt die erste Reflexion dazu und später weitere; und diese sind abhängig von der Beschaffenheit des Raumes. Der Direktschall ist sehr wichtig, um festzustellen, welches Instrument gespielt wird. Die erste Wellenfront beinhaltet auch den instrumentenspezifischen Anfangsimpuls, welchen man auch als Einschwingverhalten bezeichnet. Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst Musiker Mühe haben, ein Instrument zu erkennen, wenn der Anfangsimpuls ausgeblendet wird.
Indirekt
Aus meiner Sicht können wir hier sehr viel festmachen. Der Anfangsimpuls muss möglichst genau reproduziert werden im Bereich des theoretisch wahrnehmbaren Frequenzspektrums des Menschen (16 Hz bis 20’000 Hz). Das bedeutet, dass unser Musikwiedergabesystem zeitlich betrachtet dem Signal unmittelbar und ohne zeitliche Verschiebungen innerhalb des Impulses folgen sollte.
Die Gesamtverzögerung, solange sie über alle Frequenzen gleich ist, spielt keine Rolle, sie verändert das Signal nicht. Die Musik beginnt einfach früher oder entsprechend etwas später. Bei Verstärkern und DACs ist hier wohl langsam die Grenze des Machbaren erreicht, bei Lautsprechern hingegen gibt es hier doch bei den meisten noch einiges Potenzial. Mit einer gemessenen Schrittantwort eines kompletten Musiksystems lässt sich relativ gut beurteilen, ob der Weg hin zum Gänsehautfeeling noch weit ist oder nicht. Ein Teil der gewünschten holografischen Raumwiedergabe ist ebenfalls das Ergebnis einer genauen Impulsreproduktion.
Ein weiterer Aspekt ist das Abstrahlverhalten, das entscheidend ist für die eingangs erwähnte genaue Abbildung oder das Bühnenbild. Zwar gibt es keine direkte Messmethode für diese zwei Kriterien, doch Messungen unter verschiedenen Winkeln können sehr schnell Schwächen in diesem Bereich offenlegen. Kein Lautsprecher wird eine konsistente Abbildungsgenauigkeit an den Tag legen, wenn hier grössere Abweichungen gemessen werden.
Viele Wege ...
Das Schöne am Entwickeln dieser freudespendenden Produkte ist, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt. Doch je mehr wir messen können, desto besser werden die Produkte. Aber hören und fühlen sind zwei Aspekte, die sich nicht durch messen ersetzen lassen. Die Ergänzung von beiden ist entscheidend, damit Audioprodukte noch besser werden. Und wenn sich die Gänsehaut spontan einstellt, dann haben wir den Job gut gemacht.

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