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Testbericht · McIntosh · Kopfhörerverstärker

Nimbus verpflichtet

Test Kopfhörerverstärker McIntosh MHA50

McIntosh-Produkte sind so etwas wie die Harleys in der Audiowelt. Tradition in Design und Haptik trifft auf solide Technik. Das Resultat ist purer Audiogenuss. Der portable MHA50-Kopfhörerverstärker und DAC machen da keine Ausnahme.

Von Daniel Schmid · · Seite 1 von 2
Alles dabei: Netzteil, Kabel und Kunstlederetui für den Kopfhörerverstärker McIntosh MHA50 und Digital-Analog-Wandler.
Alles dabei: Netzteil, Kabel und Kunstlederetui für den Kopfhörerverstärker McIntosh MHA50 und Digital-Analog-Wandler.

Kopfhörer sind längst salonfähig beim anspruchsvollen Musikliebhaber. Das bezeugt auch die Charakteristik der Schweizer Verkaufszahlen von Kopfhörern mit einem sehr hohen Anteil von Modellen im oberen Preisbereich. Längst ist es kein Unding, sich einen Magnetostaten-Kopfhörer mit Preisschild von 2000 bis 3000 Franken anzuschaffen. Auch In-Ear-Kopfhörer im Tausend-Franken-Bereich finden nicht wenige Abnehmer. Um das Optimum an Klangqualität aus den teuren Einoden herauszukitzeln, drängt sich ein exquisiter Kopfhörerverstärker auf.

Smartphones bieten dank standardisierten Audiobausteinen inzwischen eine durchwegs akzeptable Klangqualität am analogen Ausgang, haben aber zwei Probleme. Die Audioausgangsstufe ist in ihrer Stromlieferfähigkeit beschränkt, was bei Kopfhörern mit kleiner Impedanz und daher hohem Strombedarf dann auch klanglich ins Gewicht fällt. Im Weiteren belasten leistungshungrige Kopfhörer den immer zu kleinen Akku der Smartphones. Und nichts ärgert bekanntlich mehr, als wenn sich das Smartphone-Leistungsreservoir im Schnellzugstempo entleert.

Dasselbe gilt für Laptops. Hier ist zwar die Leistungsfähigkeit des Akkus kein Problem, aber der analoge Audioausgang für den direkten Anschluss des Kopfhörers geniesst öfter nicht gerade die höchste Aufmerksamkeit während der Produktentwicklung. Die Audioqualität aus der Miniklinken-Buchse mag dann nicht so recht mit dem Niveau der teuren Schallwandler am Ohr mithalten.

Unpacking des McIntosh MHA50.Unpacking des McIntosh MHA50.

Es gibt für Besitzer von hochwertigen Kopfhörern also mehr als genug Gründe, sich nach einem adäquaten Kopfhörerverstärker umzusehen. War seine audiophilen Kapriziosen auf Reisen mitnimmt, wird auch Ansprüche an Mobilität haben.

Das hat man auch bei McIntosh realisiert, und folgerichtig präsentiert man – nach dem hauseigenen Spitzenkopfhörer – mit dem MHA50 einen Kopfhörerverstärker, der sich nicht nur in Design und Haptik in die McIntosh-Tradition einreiht, sondern auch noch ein paar Spezialitäten anbietet.

Es ist ein McIntosh

Dass man sich nichts aus Slimdesign machte, versteht sich bei McIntosh von selbst. Entgegen jeden Trend achtet man beim Brand aus Binghamton, New York auf Tradition bei Klang und Design. McIntosh-Produkte «müssen» gross, schwer und wertig daherkommen, alles andere wäre kein McIntosh. Die Harley für Audiophile.

Man hat durchaus Erfolg damit. McIntosh feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Jubiläum und gehört zu den ganz grossen Brands der Audiowelt. Trotz einigen turbulenten Besitzerwechseln ins letzte Jahrzehnt konnte und kann man sich immer auf eine treue Fangemeinde verlassen. McIntosh-Verstärker strahlen diesen «Haben-Wollen-Effekt» aus, wenn es auch mit Blick aufs Wohndesign oft unvernünftig erscheint.

Der MHA50 ist eher für den Travelbag als für die Jackentasche gedacht.Der MHA50 ist eher für den Travelbag als für die Jackentasche gedacht.

Der MHA50 ist dann auch auf Anhieb als McIntosh-Produkt erkennbar. Für einen Kopfhörerverstärker ist er ziemlich gross – rein technisch würde das kleiner gehen – und natürlich mit der McIntosh-typischen schwarzen Glasfront versehen. Mit 200 Gramm bekam er auch einiges an «Fühlgewicht» mit auf dem Weg.

Auf die Schnelle in der Jackentasche verstaut, wird man den MHA50 kaum mitnehmen, da passt er als Hipster-Gadget schon eher in eine Freitag-Tasche oder als Manager-Accessoire ins Handgepäck. Die Verarbeitung ist, wie man es erwarten kann, ohne Fehl und Tadel.

Bedienung und Ausstattung

Das bestimmende Bedienelement ist der grosse Touch-Lautstärkeregler, der mit zwei kapazitiven, empfindlichen Ringen die Oberfläche der Glasfront ziert. In dessen Mitte findet sich der Ein-/Ausschalter. Persönlich bin ich kein Fan von Touchbedienungen, konventionelle Drehregler lassen sich feiner und vor allem treffsicherer bedienen. Doch nach kurzer Eingewöhnung erfüllt der Touchring seinen Zweck recht gut.

Die Grundverstärkung wird mit zweistufigen Schaltern an der Stirnseite des MHA50 schon mal an die Empfindlichkeit des Kopfhörers angepasst. Wobei die Stellung «Low» die Lautstärke bei allen von uns verwendeten Kopfhörern auf ein so gehörschonendes Level reduzierte, dass sie wohl für die meisten zu tief liegen dürfte.

Der analoge Miniklinken-Ausgang ist leider nur asymmetrisch ausgelegt. Da bieten einige portable Audioplayer inzwischen längst symmetrische Ausgänge, zumal die Anzahl von Kopfhörern mit symmetrischem Kabelzwirn immer grösser wird.

Der MHA50 hat separate Anschlüsse für iOS-Geräte und USB-Audio.Der MHA50 hat separate Anschlüsse für iOS-Geräte und USB-Audio.
Der Stil, der seit drei Jahrzehnten erfolgreichen Band mit dem vielversprechenden Namen Spyro Gyra wird von Musik-Kennern mit „Jazz-Rock“ und „Fusion mit lateinamerikanischen Einflüssen“ bezeichnet. Mag sein, dass meine musikalische Bildung nicht ganz ausreicht, um das nachzuvollziehen. In meinen Ohren klingt die jüngste Produktion dieser Band nach belangloser Elevator-Music, perfekt und geschliffen heruntergeraspelt. Allen voran steht das Gründungsmitglied Jay Beckenstein mit seinen polierten Sax-Klängen. Seine Kollegen stehen ihm punkto Können kaum nach. Die Band macht einen geschlossenen Eindruck. Zugegeben: es gibt ab und zu auch packende Momente, wo die Band echten Dampf ablässt und sie im 5.1 – Space-Sound völlig aufgeht. Der Sound ist übrigens erste Sahne. So richtigen Surround Sound, wo es rundherum aus allen Rohren tutet und bläst. Der Subwoofer ist ebenfalls vollauf beschäftigt und produziert knackige, tiefe Bässe dass es eine wahre Freude für das Zwerchfell ist. Hier passt diese Aufnahmetechnik vorzüglich zur Musik. Man kann sich um 180 Grad drehen und die Klangbühne bleibt dieselbe. Doch letztendlich entscheidet der musikalische Gehalt, ob man ein solche Scheibe ein zweites Mal auflegt.
Der Autor Daniel Schmid

Daniel Schmid ist Mitgründer, Hauptinhaber und Redaktor von avguide.ch. Seit dem Start im Jahr 2000 schreibt der ausgebildete Audio-Engineer über Audio, HiFi und die Schweizer Branche — von der News bis zum Hintergrundartikel. Erfindergeist und technische Exzellenz faszinieren ihn.

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