Natürlich kann man sich fragen, wer im Zeitalter von Zattoo, Teleboy und Swisscom TV Air überhaupt noch einen Kabelanschluss für den Fernsehempfang benötigt. Aber die gute Dose ist in den meisten Mietwohnungen noch vorhanden und wird oft über die Nebenkosten bezahlt. Ferner hat, es sei nicht verschwiegen, der Kabel-TV-Empfang auch seine Stärken. Selbst wenn man im Haushalt auf drei TV-Geräten verschiedene Sender konsumiert und einen dürftigen Internetanschluss hat, ist die Qualität immer gleichbleibend gut. Denn anders als beim Internetempfang via TV wird an der Kabeldose permanent der Datenstrom aller TV-Sender parallel angeliefert. Man nutzt davon einfach, was man braucht.
Mach mich mobil!
Der Adapter von AVM verstopft zwar eine Mehrfachsteckdose, dafür bietet er aber viele Funktionen.Das Trio aus Glotze, Kabel und Dose ist heute ein bisschen anachronistisch. Alt und Jung will überall und vor allem auch auf Handy und Tablet fernsehen. Dies entschärft ferner den Kampf um die TV-Fernbedienung und ermöglicht genüssliches Fernsehen auch an sonnigen, stillen oder kuscheligen Orten.
UPC als grösster Schweizer Kabel-TV-Anbieter hat das erkannt und liefert die App Horizon Go. Allerdings nur für Kunden, die viel Geld für einen 3-in-1-Anschluss mit Telefonie und Internet bezahlen. „Normale“ Kabel-TV-Bezüger können die App nicht nutzen.
Mini-Fernsehempfänger
Dank Multituner können mehrere Personen gleichzeitig unterschiedliche Kabel-TV-Programme auf ihrem Mobilgerät geniessen.Dank dem deutschen Hersteller AVM kann man aber auch seine Kabel-TV-Dose selber mobilisieren. Der mit 12,5 x 7,6 Zentimeter recht grosse Adapter wird einfach in eine Stromsteckdose gestöpselt. In die TV-Antennendose kommt ein mitgelieferter Mehrfachstecker, der neben dem Kabel zum TV auch ein ebenfalls mitgeliefertes TV-Kabel zum Adapter beheimatet.
Der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C wird nun zum Mini-Fernsehempfänger, der auch problemlos mit modernem Digital-TV (DVB-C) zurechtkommt. Das Fernsehsignal verbreitet er aber via WLAN im trauten Heim. Mit kostenlosen Apps für Android und iOS oder mit PC-Programmen kann man wie gewohnt fernsehen.
Dabei gibt es auch keinen Streit, wenn zwei Personen verschiedene Sender sehen wollen. Denn im Kistchen steckt ein Dual-Tuner, der parallel zwei verschiedene Sender empfangen und verbreiten kann. So können maximal bis sechs Geräte auf insgesamt zwei Sender zugreifen.
Weil der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C ohnehin funkt, haben ihm die Berliner noch clevere Zusatzfunktionen eingebaut. So ist er einerseits ein WLAN-Repeater: Er fischt sich alle Datenpakete aus der Luft und sendet diese wieder verstärkt aus. Das erhöht bestenfalls die Reichweite des WLAN. Zusätzlich ist der Adapter auch eine Brücke (Bridge) zwischen Kabel-Vernetzung (Ethernet) und WLAN. Stöpselt man ein Ethernetkabel ein, kann man damit wahlweise ein Internetsignal drahtlos verbreiten oder beispielsweise den TV ohne WLAN-Fähigkeiten per Kabel ins heimische Netz einbinden.
Der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C löst also gleich drei Probleme (Kabel-TV, WLAN-Reichweite, Kabel-Funk-Verbindung) in einer Box.
Einfache Installation
So muss es sein: Ein Installationsprogramm hilft beim Anschliessen.Die Installation des FRITZ!WLAN Repeater DVB-C ist trotz seiner vielen Funktionen simpel. Das beginnt schon damit, das AVM ein gedrucktes, bebildertes Handbuch mitliefert.
Wer einen modernen Internet-Router mit WPS-Funktion (Wifi Protected Setup) hat, braucht je einen Tastendruck am Router und am Repeater, damit sich die beiden verbinden.
Sollte die Installation zicken, verbindet man einfach Notebook und Adapter per Ethernetkabel und ruft dann die Webseite www.fritz.repeater auf.
Auf dieser Internetseite muss man als Erstes den Sendersuchlauf starten, damit der Adapter die passenden Frequenzen für alle Sender findet. In unserem Test war das erst mit der Option „Ausführliche Sendersuche“ erfolgreich, was über eine Stunde dauerte.
Danach wurden unter der Senderliste gegen 100 TV- und gegen 200 Radiosender aufgelistet. Klickt man eines der Sendersymbole an, startet sofort die Wiedergabe im Browser.
Nach dem Suchlauf listet der für die Konfiguration verwendete Webbrowser sofort alle Sender auf.Komfortable App
Die App bietet sogar ein integriertes EPG, in dem sich kommende Sendungen anzeigen lassen. Die AVM-App unterstützt aber leider nur Sender in SD-Auflösung.Kostenlos liefert AVM die App Fritz!AppTV in den App-Stores von Google und Apple. Diese hat allerdings einen unschönen Haken. Sie kann nur Sender in SD-Auflösung anzeigen. Im Angebot von UPC befinden sich aber heute grösstenteils Sender in HD-Auflösung, die in SD gar nicht mehr verfügbar sind.
Wir haben jedoch Alternativen: mit GoodPlayer (3 Franken) für iOS und mit Kodi (kostenlos) für Android. Beiden Programmen muss man einmalig mitteilen, wo sie die Senderliste im Netzwerk finden. Deren Adresse lautet http://192.168.1.58/dvb/m3u/tvhd.m3u. Die Zahlenkombination am Anfang ist die Netzadresse des Adapters und ist bei jeder Installation anders.
Mit der iOS-App GoodPlayer lassen sich auch HD-Sender auf iOS-Geräten nutzen. Allerdings steht dann kein EPG zur Verfügung.Fritz!AppTV bietet am meisten Komfort. Insbesondere hat die App auch eine elektronische Programmzeitschrift, die kommende Sendungen und Beschreibungen auflistet. AVM sollte die App aber dringend auch für HD-Sender tauglich machen.
GoodPlayer bietet unter iOS viel Bedienkomfort, erlaubte in unserem Test aber kein Umleiten der Bildschirmausgabe via AirPlay oder DLNA auf den grossen Fernseher.
Die Einrichtung des TV-Empfangs für HD-Sender mit Kodi, das nur für Android erhältlich ist, war eine ziemlich fusselige Angelegenheit. Im Test hat sie aber geklappt. Anweisungen finden sich direkt bei AVM. Kleiner Tipp am Rande: Die Senderliste muss man lokal auf dem Android-Gerät speichern.
Am PC kann man den Fernsehempfang ebenfalls via Kodi bewerkstelligen oder den kostenlosen VLC-Player verwenden. Ist VLC installiert, kann man die AVM-Box im Browser aufrufen, ein Programmsymbol anklicken und direkt fernsehen.
Wer den Aufwand nicht scheut, kann den AVM-Adapter auch in Kodi integrieren. Unter Android stehen dann auch alle HD-Sender zur Verfügung.Besseres WLAN
Unspektakulär ist die Repeater-Funktion des AVM-Helfers. Er erhöht die Reichweite von WLAN im 2,4- und 5 GHz-Bereich. Durch das Repeating halbiert sich allerdings die Durchsatzrate, weil normalerweise alle Datenpakete „doppelt in der Luft“ sind. Der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C beherrscht aber noch einen speziellen Trick, um dieses Manko zu beheben. Beim Cross-Band-Repeating werden Daten im 2,4-GHz-Band empfangen und im 5-GHz-Band verschickt. Spielen alle Mobilgeräte mit, behindern sich damit die weitergereichten Datenpakete nicht.
Wer in seiner Stube noch keinen WLAN-Empfang hat, kann ein Ethernetkabel ziehen oder die Stromleitung mittels PLC zum Datentransportierer machen. Wird der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C via Ethernetkabel mit dem Heimnetz verbunden, spannt er ein WLAN auf. Dieses beherrscht den ac-Standard, schaufelt also theoretisch 1,3 Gigabit Daten pro Sekunde durch die Luft. In der Praxis verbleibt davon meist nur ein Drittel.
Die WLAN-Funktion des Repeaters lässt sich zeitgesteuert automatisch schalten.Erwähnenswert sind zwei Komfortfunktionen des AVM-Adapters: Bei Bedarf schaltet er sich automatisch nach einem frei definierbaren Zeitplan aus. Wer elektrosmogfrei schlafen will, kann so die Funkzeiten minimieren.
Clever ist zudem das sogenannte Gast-WLAN. Dieses bietet mit einem speziellen Passwort Besuchern Zugriff auf das Internet. Das heimische Netzwerk und die privaten Daten bleiben dabei geschützt.
Fazit: Günstiger Problemlöser
Im Test hat sich der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C bewährt. Für rund 110 Franken löst er gleich mehrere Probleme der digitalen Heimunterhaltung. Schade nur, dass die TV-Apps von AVM noch keine HD-Kanäle unterstützen. Mit Programmen Dritter lässt sich das Manko aber teils ausbügeln.
Besonderes Lob verdienen die gedruckte Bedienungsanleitung, der komplette Lieferumfang, die intuitive Konfiguration der Box via Web-Browser und der deutschsprachige Telefonsupport.
Für rund 100 Franken löst der FRITZ!WLAN Repeater DVB-C gleich mehrere Probleme und Aufgaben.
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