Die Lumix DMC-GF3 von Panasonic eignet sich für Einsteiger und AufsteigerDie GF3 bzw. die Panasonic Lumix DMC-GF3, wie die 12-Megapixel-Fotokamera mit vollem Namen heisst, ist das Kompaktmodell unter den spiegellosen Systemkameras von Panasonic. Sie verfügt über den Micro-FourThirds-Objektivanschluss, den Panasonic und Olympus gemeinsam entwickelt haben und nutzen.
Von den anderen Kameramodellen des "Panasonic Micro G"-Systems, wie der im Frühling eingeführten G3 und dem Topmodell GH2, unterscheidet sich die GF3 durch ihre Schachtelform mit äusserst geringen Abmessungen sowie durch den Verzicht auf den elektronischen Sucher, der bei den erwähnten G-Kameras in Bridge-Bauweise oben hervorsteht und diesen Modellen das Aussehen einer Spiegelreflexkamera verleiht. Die GF3 ist somit weniger sperrig und weniger voluminös als die erwähnten G-Modelle.
Die GF3 ist zudem nochmals kleiner als die bisherigen Modelle der GF-Kompaktserie und hat die GF2, ihre Ende 2010 angekündigte und Anfang 2011 eingeführte Vorgängerin, bereits nach wenigen Monaten abgelöst.
Die GF3 ist mit einem Touchscreen ausgestattet. Viele Einstellungen werden per Finger in den verschiedenen Bildschirmmenüs vorgenommen, wie es bei Handy und Kompaktkameras heute trendig ist.Gegenüber den bisherigen GF-Modellen ist die GF3 sichtlich geschrumpft und abgemagert. So wurden der Zubehörschuh, das Einstellrad mit Dreh- und Drückenfunktion, das Betriebsmodus und weitere Bedienelemente eingespart. Dafür hat die GF3 einen Touchscreen mit 3-Zoll- bzw. 7.6-cm-Diagonale und zeitgemäss hoher Auflösung (460'000 Subpixel) erhalten. Auf ihm werden z.B. der Betriebsmodus sowie viele weitere Einstellungen gewählt und aktiviert.
GF3 im Kameramarkt
Bei ihrer Vorstellung wurde die GF3 als kleinste spiegellose Systemkamera angepriesen, was aber wenige Wochen später durch die angekündete Pentax Q sowie die Ende September vorgestellten "Nikon 1"-Modelle inzwischen nicht mehr zutrifft. Allerdings sind diese kleineren Konkurrenzmodelle auch mit kleineren Fotosensoren ausgestattet, was ihnen einen Miniaturisierungsvorteil verschafft.
Blick auf den Fotosensor im FourThirds-Format (17,3 x 13 mm), der durch ein bewegliches Filterglas geschützt ist. Durch hochfrequente Schüttelbewegung des Filters werden Staubpartikel, die z.B. beim Objektivwechsel eindringen und auf dem Filter liegen bleiben, einfach abgeschüttelt.Die GF3 scheint vor allem Panasonics Antwort auf die 2010 eingeführten und in Japan sehr erfolgreichen NEX-Modelle von Sony zu sein, denn diese haben trotz grösserem Sensor den Pionieren Panasonic und Olympus hinsichtlich Kompaktheit und reduzierter Bedienungselemente einiges vorgemacht. (Wobei die Sony mit ihrem separaten, mühsam zu befestigenden Blitz und der für einstellungsfreudige Fotografen eher umständlichen Bedienung nicht unbedingt ein Vorbild darstellen sollten.)
Jedenfalls haben Panasonic und Olympus einst mit der Ankündigung versprochen, deutlich kleinere Systemkameras zu bauen, was Panasonic erst so richtig mit der GF3 verwirklicht hat. Übrigens trotz der geringen Gehäuseabmessungen verfügt die GF3 über einen integrierten, ausklappbaren Blitz, was nicht für alle ähnlich kleinen Systemkameras zutrifft.
Die GF3 ist sehr kompakt und mit 14mm-Objektiv auch schlank. So passt sie gut in eine Jackentasche. Im Gegensatz zu einigen anderen kompakten Systemkameras verfügt sie über einen integrierten Blitz.Waren die Vorgängermodelle - insbesondere die GF1 - durch Design und Bedienung noch klar für versierte Hobbyfotografen konzipiert, die eine kompaktere Systemkamera wollten, so richtet sich die GF3 durch Kompaktheit, ihre reduzierten Bedienungselemente und ihre menüorientierte Bedienung an andere Kundschaft. Sie soll wohl eher Leute ansprechen, die von Kompaktkameras zu den spiegellosen Systemkameras wechseln (upgraden), weil diese gegenüber Kompaktkameras mehr Leistung und dank ihrem grösseren Sensor eine bessere Bildqualität versprechen. Darüber hinaus bietet die GF3 als Systemkamera die Möglichkeit, je nach Motiv oder Art des Fotoeinsatzes unterschiedliche Objektive zu verwenden.
Erhältliche Kamera-Objektiv-Kits
Die GF3 wird dementsprechend vor allem mit dem flachen 14 mm-Weitwinkel angepriesen (Kitname: DMC-GF3CEG für CHF 749.-). Das 14 mm entspricht einem 28 mm-Weitwinkel beim Kleinbildfotoformat und ergibt eine äusserlich ansprechende Kombination, eignet sich jedoch nur für bestimmte Motive. Alternativ gibt es weitere Kamera-Objektiv-Kits, so zum Beispiel mit dem vielseitigeren 14-42 mm-Standardzoom (DMC-GF3KEG für CHF 699.-) oder mit beiden Objektiven (DMC-GF3WEG für CHF 899.-). Allerdings ist die Kamera mit dem Standardzoom bereits etwas sperriger.
Am attraktivsten erscheint deshalb die Kombination mit dem neuen Pancake-Standardzoom 14-42 mm (Kitname: DMX-GF3X für CHF 899.-). Dabei handelt es sich um eines der zwei neuen motorisierten Zoomobjektive.
Die Kamera ist auch einzeln, d.h. ohne Objektiv, erhältlich (DMC-GF3EG für CHF 649.-). Allerdings bekommt man die Objektive im Kit besonders günstig (Bsp.: 14 mm Einzelpreis CHF 549.-), so dass sich der höhere Kitpreis eher lohnt.
GF3 mit dem Standardzoom 14-42mm, das einer KB-Brennweite von 28-84mm entspricht. In dieser Kombination wird die Kamera sperrig und lässt sich nur in Fototaschen verstauen.Mit motorisierter Brennweitenverstellung lassen sich nicht nur gleichmässige Zoomfahrten beim Filmen realisieren, sondern das Objektiv fährt beim Einschalten automatisch aus. Es entfaltet sich sozusagen auf Knopfdruck vom Pancake zu einem normalen Objektiv. Diese neuen Motorzooms standen uns allerdings nicht zur Verfügung, sondern wir erhielten unsere Testkamera mit dem 14 mm und konnten sie in der Praxis mit verschiedenen Objektiven erproben.
Ausstattung und Funktionsumfang
Ausstattung und Funktionsumfang der GF3 entsprechen der ihrer Vorgängerin und sind typisch in dieser Kameraklasse, aber auch durchschnittlich. So liefert die Kamera Fotos in einer Auflösung von bis 12 Megapixel sowie Videos in Full-HD. Sie schafft maximal 3,8 Serienbilder pro Sekunde, was eher unterdurchschnittlich ist, hält aber bei schnellen Speicherkarten das Tempo durch, bis die Karte voll ist.
Die Stärke der GF3 liegt - wie bei Panasonic-Kameras üblich - eher in ihren vielfältigen Videofunktionen, wobei sie jedoch für anspruchsvolle Filmer weniger geeignet ist. Der fehlende Zubehörschuh erschwert z.B. die Verwendung einer Videoleuchte oder eines externen Mikrofons - und auf einem Camcorder-Rig wäre die kleine Kamera verloren und die bildschirmorientierte Bedienung unpraktisch.
Videos werden im AVCHD-Format (1080/50i oder 720/50p) aufgezeichnet. Alternativ steht das weniger effiziente Motion-JPEG für 720/30p und geringer aufgelöste Videos zur Verfügung. Die Kamera bietet auch einige Videofunktionen, wie sie in der GH2 erstmals vorgestellt wurde. Dazu gehören der Cinema-Modus mit 24 fps (1080/24p) oder der Sensorcrop-Modus "Extended Converter", bei dem nur ein zentraler Teil des Sensors verwendet wird, was wie ein Telekonverter wirkt. Der "Extended Converter" steht auch für JPEG-Fotos zur Verfügung (RAW-Fotoformat muss deaktiviert sein), macht dort aber wegen der reduzierten Auflösung weniger Sinn.
Die GF3 mit dem 14mm von oben. Zu sehen sind der grosse Foto- und der rote Videoauslöser sowie der Ein/Aus-Schalter und zur Mitte hin die "iA"-Taste.Als Belichtungsprogramme stehen die manuelle Einstellung ("M") von Blende und Verschlusszeit, die üblichen Standardprogramme "A", "S", "P") und zahlreiche Motivprogramme sowie die intelligente Automatik "iA" mit Motiverkennung zur Wahl. Gewählt werden die Belichtungsprogramme und der Filmaufnahme- bzw. Betriebsmodus nicht wie bei bisherigen G/GF-Modellen über ein Rad, sondern am Touch-LCD. Einzig oben auf der Kamera gibt es die "iA"-Taste, mit der schnell zwischen einem am Monitor eingestellten Programm und dem iA-Modus gewechselt werden kann.
Die Lichtempfindlichkeit der GF3 reicht bis ISO 6400 und kann manuell oder automatisch festgelegt werden. Die intelligente ISO-Automatik schraubt beim Erkennen von Bewegung des Fotomotivs den ISO-Wert passend hoch, um durch eine möglichst kurze Verschlusszeit das Objekt fotografisch einzufrieren.
Als Speicherkarte kommen SDs in allen aktuellen Kapazitätsvarianten (SD/SDHC/SDXC) zum Einsatz. Als Energieversorgung dient ein Lithium-Ionen-Akku, der für 320 Fotos reichen soll, was bei unserem Praxiseinsatz jedoch nie erreicht wurde. Akku und Karte werden über einen gemeinsamen Deckel im Kameraboden eingesetzt und entnommen.
Handhabung
Die GF3 ist die kleinste Kamera im Panasonic "Micro G"-System und lässt sich mit verschiedenen Wechselobjektiven nutzen. Manuelles Einstellen der Schärfe ist am Fokusring möglich.
Über den Touchscreen werden viele Einstellungen vorgenommen und zum Beispiel der Aufnahmemodus ausgewählt. Die Werte werden dann aber über das silberne Drehrad verstellt.Auf der Rückseite gibt es nur vier Bedienelemente. Zwischen der grün markierten Wiedergabetaste oben und der "Q.Menue/löschen/return"-Taste unten befindet sich die 4-Wege-Taste, die durch die zentrale "Menü/Set"-Taste ergänzt wird. Wurde eine Funktion gewählt, lassen sich durch Drücken des Rades die Werte verstellen. Das Rad dient zudem zur Navigation im Kameramenü.
Das Q.Menü kann sich der Benutzer selbst aus einem Befehlsvorrat (oberer Teil des angezeigten Screens) zusammenstellen, in dem er die gewünschte Funktion einfach in die Menüleiste herunter zieht.Auf dem LCD lassen sich z.B. die Betriebsarten bzw. Belichtungsprogramme auf einem grafischen Drehrad anzeigen und auswählen. Viele Einstellungen sind nicht nur im normalen Kameramenü verfügbar, sondern lassen sich über das Quick-Menü wählen. Besonders gefällt, dass sich das "Q.Menü" leicht und einfach per Finger zusammen stellen lässt, indem aus einem Reservoir die verfügbaren Funktionen in die Menüleiste gezogen werden.
Bildqualität
Die GF3 liefert in den meisten Aufnahmesituationen gute Bilder in ansprechenden Farben und etwas hartem Kontrast (Bildstil "Standard"). Die Belichtung tendiert - vor allem in kontrastreichen Motiven - zu etwas knapper Belichtung, was sich aber durch eine EV-Korrektur von +0.3 oder +0.7 während der Aufnahmen umgehen oder durch eine Bildbearbeitung nachträglich leicht korrigieren lässt. Allerdings muss man dabei darauf achten, dass in hellen Bildbereichen keine Detailzeichnung verloren geht.
Die Kamera liefert bei niedrigen ISO-Werten scharfe, detaillierte Bilder. Der 12-Megapixel-Sensor bietet für die meisten eine ausreichende Auflösung - auch wenn einige Konkurrenzmodelle mit 16 oder neuerdings gar mit 24 Mpx auf einem APS-C-grossen Sensor aufwarten. Die Detailwiedergabe nimmt mit zunehmenden ISO-Werten ab, bleibt bis ISO 800 gut. Hinsichtlich dem Helligkeits- und Farbrauschen ist die Entwicklung ebenso, wobei die GF3 geringfügig besser als die meisten älteren G-Modelle abschneidet. Vor allem das Farbrauschen nimmt bei der GF3 ab ISO 1600 deutlich zu und die kamerainternen Gegenmassnahmen sorgen für einen sichtlichen Detailverlust. ISO 3200 und vor allem ISO 6400 sollten vermieden werden.
Fazit
Die Panasonic Lumix FMC-GF3 ist eine kompakte Systemkamera mit einer gelungenen Touchscreen-Bedienung. Die Bedienung dürfte jedoch bei manchen versierten Fotografen nicht auf einhellige Begeisterung stossen, denn sie orientiert sich eher an einer normalen Kompaktkamera als an einer Systemkamera.
Als Teil eines System überzeugt sie nicht vollends, denn der Benutzer muss durch die Bedienung und die Kameragrösse gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen.
Die Kamera bietet eine solide Grundausstattung und einen typischen Funktionsumfang, ist jedoch durch die allgemeine technische Weiterentwicklung des Marktes etwas knapp durchschnittlich ausgestattet und im Vergleich nur mässig leistungsfähig.
Sie empfiehlt sich also klar für Einsteiger und Kompaktkamera-Aufsteiger, die auf höchst leistungsfähige Kameramerkmale verzichten können/wollen und vorzugsweise im Automatikmodus fotografieren.

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