TESTBERICHT

Surround-Sound ist seit jeher im Home-Cinema-Bereich ein wichtiges Thema. Im audiovisuellen Unterhaltungsbereich wurde in den letzten Jahren zwar stetig die Bildqualität verbessert, auf der Seite des Tons ist jedoch kaum eine grössere Verbreitung hochauflösender Mehrkanal-Soundtracks festzustellen. Dabei bietet das das Medium der Blu-ray- und UHD-Blu-ray-Disc mit den Tonnormen Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio alle Möglichkeiten, 5.1- und sogar 7.1-Aufnahmen in HiRes ins Wohnzimmer zu transferieren.

Wer hochauflösenden Rundumklang liebt, der kann auf die seit 1999 existierende SACD zurückgreifen: Obschon diese Hybrid-Disc (eine CD-Tonspur ist ebenfalls enthalten) schon öfter mal totgesagt wurde, gibt es nach wie vor ein beachtliches Sortiment an Tonträgern. Für die Wiedergabe der Mehrkanal-Tonspur benötigt man einen Blu-ray- bzw. UHD-Blu-Ray-Universalspieler, der das verlustfreie 5.1-DSD-Signal per HDMI zum AV-Receiver transferiert.

Erst vor kurzem hat Oppo, ein führender Anbieter von UHD-Blu-ray-Universalspielern, deren Produktion gänzlich eingestellt. Andererseits hat Pioneer an der IFA ein hochwertiges neues Modell angekündigt: den UDP-LX500, der im Oktober für rund CHF 1000.- auf den Mart kommen soll. Die SACD ist also noch lange nicht tot, zumal viele audiophile Label Musik genuin in HiRes-Mehrkanalton aufnehmen.

Der Rotel RAP-1580 ist komplett über das grossflächige Touchdisplay auf der Gerätefront konfigurierbar. Aber auch die mitgelieferte Fernbedienung ist übersichtlich gehalten.Der Rotel RAP-1580 ist komplett über das grossflächige Touchdisplay auf der Gerätefront konfigurierbar. Aber auch die mitgelieferte Fernbedienung ist übersichtlich gehalten.

Der Vertrieb von Musik verlagert sich jedoch mehr und mehr weg vom physikalischen Tonträger hin zum Download. Wer hier Mehrkanal-Aufnahmen sucht, wird ebenfalls fündig. Allerdings ist es schwierig (dennoch nicht unmöglich), 5.1-Surround-Software in HiRes zu finden. Qobuz bietet ein überschaubares Repertoire an, welches im Katalog leider nur schwer aufzuspüren ist.

Am erfolgreichsten ist die Suche direkt in den Download-Shops der einschlägigen Musiklabels (z.B.: 2L Music Store oder Chandos mit neu integriertem Classical Shop). Aber auch hier erfährt man erst beim Anklicken einer einzelnen verfügbaren Aufnahme, ob diese auch in Surround verfügbar ist. Wer beispielsweise bei Chandos eine 5.1-Aufnahme in HiRes herunterladen möchte, zahlt glatt das Doppelte im Vergleich zur 16-Bit-(CD-)Version. Dafür erhält er zusätzlich ein 5.1-FLAC-File in 24 Bit/96 kHz. Dieses gängige Format kann eigentlich jeder moderne AV-Receiver bzw. AV-Verstärker (so auch der hier getestete Rotel RAP-1580) wiedergeben.

Voraussetzung bildet der Anschluss eines geeigneten Streamers, der hochaufgelöstes 5.1 über HDMI ausgibt. In unserem Test kam dazu der geniale Audio-Server Aria Piccolo+ zum Einsatz, der HiRes-Mehrkanal-Files sowohl direkt ab Festplatte, USB wie übers Heimnetzwerk streamen kann. Wer keinen 5.1-fähigen Streamer sein eigen nennt, kann alternativ auf einen Blu-Ray-Spieler zurückgreifen. Viele neuere Modelle besitzen die Möglichkeit, FLAC-Files ab USB-Speicher und/oder Netzwerk zu streamen und via HDMI an den AV-Receiver weiterzugeben.

Audiophiles Schwergewicht

Der Rotel RAP-1580 ist eine durchaus imposante Erscheinung: Mit einem Gewicht von fast 23 kg und seinen üppigen Abmessungen macht er schon rein äusserlich klar, dass hier bei der Produktentwicklung nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Der Anspruch der Rotel-Ingenieure war es zweifellos, die Tugenden getrennter AV-Vor- und Endstufen in einem Gerät zu vereinen, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen.

So verfügt die Vorverstärker-Abteilung über audiophile DA-Wandler des bekannten britischen Herstellers Wolfson. Damit ist der Rotel für HiRes-Audio (bis zu 24 Bit/192 kHz) bestens gerüstet. Das bieten andere Hersteller heutzutage natürlich ebenso. Eher die Ausnahme ist jedoch, dass der RAP-1580 auch einen PC-USB-Eingang besitzt, über den eine besonders saubere Zweikanal-Stereo-Musikwiedergabe möglich wird: Windows-Nutzer können auf ihrem PC/Notebook den passenden Treiber installieren und den Rotel über ihren Software-Player als Wiedergabegerät direkt ansprechen. Dies hat den Vorteil, dass digitale Taktschwankungen (sogenannte Jitter) so gut wie ausgeschlossen sind.

Die Anschlussperipherie des Rotel lässt keine Wünsche offen. So finden sich auch ein Phono-MM- und ein XLR-Eingang. Für sämtliche Kanäle inklusive Atmos sind Vorverstärker-Ausgänge vorhanden.Die Anschlussperipherie des Rotel lässt keine Wünsche offen. So finden sich auch ein Phono-MM- und ein XLR-Eingang. Für sämtliche Kanäle inklusive Atmos sind Vorverstärker-Ausgänge vorhanden.

Acht 4K-Video-kompatible HDMI-Eingänge nach dem 2.0a-Standard (drei davon HDCP 2.2-fähig) lassen bei der Quellenvielfalt keine Engpässe aufkommen. Reminiszenzen ans Analogzeitalter befriedigen unter anderem ein Phono-MM-, ein XLR- und ein Tuner-Eingang. Als reiner AV-Verstärker bietet der Rotel keinen integrierten Empfänger.

Ein Webradio-Angebot ist ebenfalls nicht vorgesehen: Das Gerät verfügt zwar über einen Ethernet-Anschluss (für Software-Updates), aber nicht über eine Streaming-Funktion. Der Verzicht darauf ist mit dem berechtigten Grundgedanken der Entwickler zu erklären, dass man eben keine All-in-One-Lösung anbieten wollte (die meist irgendwo kompromissbehaftet ist), sondern ein Gerät, das in jedem Punkt überzeugen soll.

Musik-Streaming ist dennoch sehr einfach zu realisieren: Der RAP-1580 offeriert auf der Rückseite einen USB-Ladeanschluss. Hier kann man einen Google-Chromcast-Adapter anschliessen und darüber (via digital-optischer Verbindung) Musik ab dem Heimnetzwerk streamen. Dies sogar in HiRes-Qualität (bis 24 Bit/96 kHz).

Noch einfacher funktioniert die Wireless-Anbindung über das integrierte Bluetooth. Dank AptX-Codec kriegt man auch hier anständige Klangqualität geboten. Für moderne Surround-Format wie DTS:X und Dolby Atmos 7.1.4 ist der RAP-1580 natürlich gerüstet: Für die bis zu vier Höhenkanäle bietet er entsprechende Vorstufen-Ausgänge an.

Echtes Kraftpaket

Die Leistungsabteilung des RAP-1580 kann sich sehen lassen. Dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die Innenansicht des Geräts beeindruckt mit klassischer Verstärkertechnik audiophilen Zuschnitts, wie man sie sonst nur in hochwertigsten Zweikanal-Komponenten findet: Massive Kühlkörper, ein gigantischer, hausgemachter Ringkerntrafo und satte Netzteil-Siebkapazität bieten beste Voraussetzungen für die 7 x 100 Watt (RMS an 8 Ohm), die Rotel für den RAP-1580 spezifiert.

Dies ist – auf den ersten Blick – im Konkurrenzvergleich gar nicht so viel. Wer Rotel aber kennt, weiss, dass die Leistungsangaben immer sehr konservativ ausfallen. De facto lässt sich der RAP-1580 – wie unser Hörtest ergab – selbst bei extremen Anforderungen nicht in die Knie zwingen. Ein ganz interessantes Feature für Anwender, die sich mit 5.1-Surround zufrieden geben: Zwei der sieben Endstufen lassen sich fürs Bi-Amplifizieren der Front-Lautsprecher einsetzen, wovon die Klangqualität insgesamt profitiert.

Kraftpaket: Das Innenleben des RAP-1580 zeigt den immensen Aufwand, der bei der Konzeption von Netzteil, Kühlkörper und Endstufen getrieben wurde. Der 7-Kanal-Verstärker arbeitet im klassischen AB-Betrieb.Kraftpaket: Das Innenleben des RAP-1580 zeigt den immensen Aufwand, der bei der Konzeption von Netzteil, Kühlkörper und Endstufen getrieben wurde. Der 7-Kanal-Verstärker arbeitet im klassischen AB-Betrieb.

Das einfache Setup des Rotel über ein rudimentäres Bildschirm-Menü wirkt auf den ersten Blick etwas antiquiert. Aber auch das hat System: Der RAP-1580 ist eines der wenigen AV-Geräte, das ohne Zuhilfenahme eines TV-Displays vollständig eingerichtet und bedient werden kann. Tatsächlich lassen sich alle Audio- und Videoparameter über das 7-Zoll-Display an der Gerätefront kinderleicht einstellen – ein Umstand, den besonders Musikliebhaber (weniger aber Heimkino-Freaks) zu schätzen wissen.

Zur puristischen Auslegung passt auch der Verzicht auf eine Einmessautomatik, die ja (vor allem in günstigeren Preisklassen) auch nicht immer zweifelsfrei optimale Resultate liefert. Rotel geht hier offenbar davon aus, dass der Käufer eines RAP-1580 per se hochwertige Lautsprecher dazu kombiniert, die keine grossen Eingriffe in den Frequenzgang benötigen. Hingegen ist für die professionelle Raumkorrektur ein parametrischer Equalizer mit zehn Frequenzbändern (und variabler Bandbreite) vorgesehen. Natürlich kann man hier auch nach Gehör gewisse Anpassungen vornehmen; wirklich Sinn macht das aber nur mit entsprechendem Mess-Equipment.

Mühelose Klangentfaltung

Zum Auftakt hörten wir uns einschlägige Kino-Trailer mit Dolby-Atmos-Tonspuren an. Als passender Spielpartner diente zunächst ein Boxenset, bestehend aus den Standboxen B&W 703 S2 (für Front), dem Center HTM71 S2 und zwei Paar AM1 (für Rear/Decke). Hierbei beeindruckte die völlige Losgelöstheit und dreidimensionale Entfaltung der Soundtracks, die mit bemerkenswert guter Ortbarkeit der akustischen Aktionen einherging. Der Rotel RAP-1580 kitzelte beachtliche Schallpegel in den Hörraum und holte ein verzerrungsfreies Maximum aus dem zierlichen Boxenset.

Nach dem Wechsel zu «härterem» Musikmaterial (in Form der «Country Set»-Edition des Jethro Tull-Albums «Songs from the Wood», welche neu in 5.1 gemasterte Live-Aufnahmen als DVD-Bonusmaterial enthält) wurde jedoch vom Autor schnell einmal der Wunsch nach grösseren Boxenkalibern geäussert. Diesem Credo kam Fritz Fabig vom Schweizer B&W-Vertrieb gerne nach und installierte kurzerhand ein Paar 802 D3 für die beiden Frontkanäle.

Die 703 S2 durfte fortan als Surroundbox ihren Dienst tun. Was der RAP-1580 nun an livehaftigem Konzerterlebnis in den Hörraum zauberte, war wirklich beeindruckend. Man hatte das Gefühl, über die Grenzen der Zeit hinweg beim Konzert selber dabei zu sein und konnte selbst kleinste Feinheiten der Jethro-Tull-Musiker mit Leichtigkeit mitverfolgen.

Mit den superben Standboxen 802 D3 von Bowers & Wilkins konnte der Rotel RAP-1580 so richtig zeigen, was er eigentlich draufhat.Mit den superben Standboxen 802 D3 von Bowers & Wilkins konnte der Rotel RAP-1580 so richtig zeigen, was er eigentlich draufhat.

Für die Wiedergabe von HiRes-Surround kam zunächst ein Universalspieler von Oppo zum Einsatz, der via HDMI mit dem Rotel Kontakt aufnahm. Vom Label Channel Classics gibt es ja diverse SACD-Sampler, die mit bestem Mehrkanal-Musikmaterial aufwarten. Was die Rotel-B&W-Kombi hier aufs Parkett zauberte, war schlicht atemberaubend. Solo-Instrumente und Vokalsolisten standen plastisch greifbar im Hörraum und gaben eine Darbietung zum Besten, welche die Grenzen technischer Reproduzierbarkeit für einmal vergessen liess.

Die gleichen Aufnahmen boten in der Zweikanal-Version zwar das gleiche hohe Mass an Klangfarben und musikalischer Anmut, jedoch tönt es prinzipbedingt deutlich flacher und distanzierter. Der Unterschied war ungefähr so gross wie im Konzertsaal erste Reihe oder gar Dirigent zu den hinteren Plätzen. Besonders auffällig war, dass das musikalische Geschehen in der Surround-Version nicht etwa diffuser, sondern viel präziser und klarer umrissen zum Hörer gebracht wurde.

Genau die gleiche atemberaubende Klangqualität resultierte bei der Surround-Wiedergabe von 5.1-FLAC-Formaten ab dem Audio-Server Aria Piccolo+: Auch hier wurde schnell klar, dass ein hohes Mass an Authentizität geboten wurde. Audiophile Labels nehmen Musik originär in Mehrkanaltechnik auf. HiRes 5.1 kommt der Originalqualität im Studio und Konzertsaal denn auch viel näher als das verbreitete Zweikanal-Stereo-Format, bei dem es sich in vielen Fällen um einen mehr oder weniger kompromissbehafteten Downmix handelt.

Fazit & Video

Klare Sache: HiRes-Surround hätte eigentlich viel mehr Beachtung bei anspruchsvollen Musikliebhabern verdient. Hochaufgelöste Mehrkanal-Aufnahmen klingen im Vergleich zu Stereo plastisch dreidimensional, räumlich viel präziser und nicht etwa diffuser als die gleichen Tracks in Zweikanal.

Wer das einmal im direkten A/B-Vergleich gehört hat, der möchte es eigentlich nicht mehr missen, selbst wenn der Mehraufwand bei der Hardware doch beachtlich ist. Denn dazu benötigt es nicht nicht nur fünf gleichermassen hochwertige Lautsprecher, sondern auch noch den passenden, leistungsfähigen und audiophil abgestimmten AV-Verstärker.

Letzteren findet man zweifelsfrei mit dem Rotel RAP-1580 – einem überraschend praxistauglichen Surround-Verstärker, der selbst allerteuerste Boxen zu akustischen Höchstleistungen antreibt.

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