Die Lumix FT3 von Panasonic für den Härtetest an einer Piper montiertMit der FT 1 hat alles begonnen. Das Konzept lautete: Die Kamera, die man wirklich überall mitnehmen, ja sogar dicht über der Wasseroberfläche ans Modell-Wasserflugzeug montieren kann, um eine spektakuläre Sicht zu erhalten.
Also eine hochwertige, temperaturfeste Kompaktkamera, wasser- und staubdicht und in ein extrem robustes Gehäuse verpackt. Die darauf folgende FT2 machte alles noch ein bisschen besser. Sie hatte mehr Pixel, ertrug tiefere Temperaturen, hatte einen etwas leistungsfähigeren Akku - und so weiter und so fort....
Die in den Farben Silber, Blau, Rot und Orange erhältliche FT3 nun ist ein wahre Wundertüte, und der Konsument wird sich fragen, ob er das alles wirklich braucht. Tatsache ist, dass die FT3 mit einem Listenpreis von 549.- Franken sogar rund 50 Franken billiger ist als die Vorgängerin und qualitativ sicher nicht schlechter.
GPS, Kompass, Höhenmesser, Tiefenindikator und Barometer kriegt man also sozusagen geschenkt. Ein Rätsel wird es allerdings sein, wie die Lumix-Tüftler dieses komfortable System bei der ganz gewiss mal kommenden FT4 nochmals toppen können.
Das GPS im Fotoapparat

Viele Leute denken, dass ein GPS in einem Fotoapparat nichts verloren hat. Doch wer ältere Urlaubsbilder anschaut, wird kaum mehr bei allen Bildern wissen, wo sie aufgenommen wurden.
Wer ein mit GPS-Information versehenes Bild an einem Mac mittels dem Programm "Vorschau", oder via PC ab einem Freeware-Programm wie GeoSetter betrachtet, kann das GPS-Feld anwählen und eine Weltkarte mit einem winzig kleinen Kreuz an der Stelle, wo das Bild aufgenommen wurde, erscheint. Ein Klick auf die Karte bewirkt Wunder: Bei meinem iMac zum Beispiel öffnet sich automatisch Google Earth und der Aufnahmestandort wird verblüffend präzis angezeigt. Auch die mitgelieferte Software PhotoFunStudio berücksichtigt die GPS-Funktion.
Mit den vom GPS gewonnenen Daten erkennt die FT3 in 203 Staaten weltweit die Namen des Staates, der Stadt und Points of Interests von über 1 Million Sehenswürdigkeiten. Wanderer orientieren sich an Kompassfunktion, Höhenmesser, Barometer, Luftdruckanzeige, die Taucher am Unterwasser-Tiefen-Indikator.
Robustes Gehäuse
Die nach dem japanischen Militärstandard „810F Method 516,5 Shock“ gebaute FT3 besitzt nun nur noch eine zu öffnende Klappe, die den Zugang zum Akkufach und SD-Card-Slot sowie den HDMI und PC-Anschlüssen ermöglicht.
Die Dichtung dieser Klappe ist ganz klar die Achilles-Sehne dieser Kamera. Wer hier schlampt, hat nicht lange Unterwasser-Freuden mit diesem kleinen Meisterwerk. Die Sauberkeit dieser Klappe ist somit entscheidend, dass die FT3 auch wirklich wasserdicht ist. Nach der Benutzung im Salzwasser ist ein halbstündiges Bad im Süsswasser Pflicht. Zudem sollte die Gummidichtung alle Jahre ersetzt werden.
Leider ist das Silikon Jacket, ein sinnvolles Schutz-Mäntelchen, das die Kamera gerade beim Fallen auf Steinböden nochmals schützen konnte, nicht mehr erhältlich.
Weg der Vernunft
Bei Lumix ist man daran, den Pixelwahn zu stoppen: Die FT3 arbeitet gegenüber der Vorgängerin - der FT2 mit einem 14 Megapixel-Sensor - mit einem brandneuen 12 Megapixel-Highspeed-CCD-Sensor, der dank 2-Kanaltechnik besonders schnell ausgelesen werden kann und erst noch hoch empfindlich und damit rauscharm ist.3D-Fotofunktion
Die FT3 ist in der Lage, aus einer automatisch erstellten Bildserie die beiden am besten geeigneten Bilder für ein 3D-Bild zusammen zu rechnen. Dieses kann dann an 3D-Bildschirmen mittels Brille betrachtet werden.
Der optische Bildstabilisator wurde nochmals verbessert, so dass er im neuen Aktiv-Modus sogar bei Videos, die im Gehen aufgenommen wurden, ein ruhiges Bild ermöglichen soll.
Eine Image Upload-Funktion ermöglicht das einfache und direkte Hochladen von Videos auf YouTube.
Doppelte Aufnahmedauer
AVCHD ist ein Format von Panasonic und Sony und arbeitet mit variabler Bitrate (VBR).
Das heisst etwas vereinfacht gesagt, dass bei komplexem Bildmaterial mit der maximal möglichen Bitrate und geringer Kompression gearbeitet wird, bei einfachen, flächenartigen Bildern jedoch mit hoher Kompression und damit auch geringerer Bitrate. Dies ergibt im Vergleich zu Codecs mit konstanter Bitrate (CBR) fast die Hälfte der zu speichernden Datenmenge, bei praktisch gleicher Qualität.
Dies spürt jeder Anwender, wenn er bei der FT3 zwischen AVCHD (VBR) und QuickTime Motion JPEG (CBR) zu wählen hat: Die maximal mögliche Aufnahmedauer ist bei AVCHD doppelt so lang, bei gleicher oder sogar besserer Qualität. Aufgenommen wird entweder in HD-Qualität mit 50p, oder in Full-HD-Qualität mit 1920 x 1080 Pixeln und mit 50i. Die FT3 verfügt natürlich ebenfalls über die bereits bekannten Aufnahmemodi, Gesichtserkennung etc.
Mitgeliefert wird die Software PhotofunStudio 6.1 HD-Lite-Edition, für Fotos und Videos. Als Zubehör erhältlich sind: Unterwassergehäuse bis 40 Meter Tauchtiefe, Ersatz-Akku, HDMI-Kabel in zwei Längen.
Kompaktkamera im Foto-Modus

Bei höheren Empfindlichkeiten hat man sich bezüglich Bildrauschen sichtbar verbessert: Auch bei 800 ISO und dunkeln Motiven hält sich das Bildrauschen in tolerierbaren Grenzen. Gegenüber einer rund drei Jahren alten und immer noch guten Lumix FX35, die ich besonders bei meinen Luftaufnahmen mit dem Quadrokopter schätze, da sie unendliche Serienbildfolgen erlaubt (wenigstens bis die Speicherkarte voll ist), hat man deutliche Fortschritte erzielt.
Vergleiche zur FX35 mit „Ausfahr-Objektiv“zeigten, dass die Periskop-Bauweise des stosssicher gelagerten Objektivs in allen Brennweiten keine Nachteile bietet, sondern das erfreuliche hohe Niveau der Lumix-Leica-Objektive halten kann.
Im Sportmodus stellt der AF für eine Kompaktkamera mit Kontrast-Messung erfreulich rasch scharf und löst dann sehr rasch aus. Nachteilig ist, dass die Kamera bei Serienbildern – egal wie hoch die Auflösung gewählt wurde, nach rund 7 Bildern stoppt.
Im Unterwasser-Modus gelingen bei klarem Wasser und gutem Licht sehr schöne und brillante Bilder. Prekär wird es erst, wenn man versucht, in die dunklere Tiefe mit wenig Kontrast zu fotografieren. Dann bekundet der Autofokus der FT3 dann doch ab und zu Probleme beim Scharfstellen, und eine manuelle Scharfstellung wäre kein Luxus.
GPS
Das GPS braucht so seine Zeit, bis es sich bei einem Standortwechsel neu orientiert hat. So kann es vorkommen, dass Videos und Bilder mit falschen Standortangaben aufgenommen werden.
Also immer nachschauen, ob die Orts-Angabe auf dem Display wirklich mit dem momentanen Aufnahmeort übereinstimmt. Falls dies nicht der Fall ist, kann mittels der Funktion "GPS-Neupositionierung" die ganze Geschichte manuell etwas beschleunigt werden.
Kompaktkamera im Video-Modus

Interessanter Vergleich: Die FT3 und ein Panasonic SD 40 – Camcorder werden zusammen auf eine Fotoschiene geschraubt. Gefilmt werden statische und sehr dynamische Objekte in ein und demselben Format, nämlich AVCHD und Full-HD.
Resultat: Sowohl Camcorder als auch die FT3 liefern bei statischen Motiven annähernd gleiche Brillanz und Schärfe.
Bei bewegten Szenen und vor allem Schwenks zeigt es sich, dass der Camcorder rascher scharf stellen kann und auch bei extremen Kamera-Bewegungen gegenüber der FT3 nie ruckelt. Der Camcorder liegt klar im Vorteil und bietet dazu noch Stereo-Ton. Trotzdem dürfen die Video-Leistungen der FT3 über alles gesehen mit einem „gut“ bezeichnet werden.
Auch sehen Full-HD- und AVCHD-Videos, die mittels Adobe Premier Elements 9 geschnitten und für Hobby-Kollegen auf DVD gebrannt wurden – auch wenn ein Brillanzverlust nicht zu übersehen ist - wirklich gut aus. Glücklich ist, wer schon über einen Blu-ray-Recorder verfügt.
Laut Panasonic-Experten liegen die Qualitätsunterschiede bei dynamischen Szenen daran, dass der CMOS-Sensor des Camcorders schneller ausgelesen werden kann als der CCD-Sensor der FT3. Da bestehen also prinzipielle Unterschiede zwischen einer Fotokamera (die auch filmen kann) und einem Camcorder (der auch fotografieren kann). Doch die Diskussion "CCD kontra CMOS" ist ja bekanntlich voll im Gange.
Videos, die im Gehen aufgenommen wurden, wirken dank verbessertem Bildstabilisator tatsächlich erstaunlich ruhig, wenngleich Auf- und Ab-Bewegungen noch sichtbar sind. Wird die FT3 auf Modellflugkörper montiert, zeigt der Bildstabilisator ebenfalls gute Leistungen, kommt jedoch an windigen Tagen mit starken Turbulenzen an seine Grenzen.
Hart im Nehmen?
Während der Erprobungszeit machte die FT3 des öfteren mit Salzwasser Bekanntschaft und erwies sich bei sorgfältiger Behandlung als wirklich wasserdicht.
Ab und zu kann es vorkommen, dass Aufnahmen seltsam milchig erscheinen. Das liegt praktisch immer daran, dass die Schutzscheibe vor dem Objektiv entweder äusserlich verschmutzt, oder von innen beschlagen ist.
Also vor jeder Aufnahme prüfen, ob die Sicht klar ist. Nur in ganz seltenen Fällen und bei grossen Temperaturschwankungen (Wasser-Luft) trat im Innern des Objektives Kondenswasser-Beschlag auf, der jedoch nach kurzer Zeit an der Wärme wieder verschwand.
Als Clou wurde die FT3 dicht über der Wasseroberfläche unter eine Piper Super Cub mit 2 Meter Spannweite montiert. Sie hatte viel Hochdruck-Spritzwasser zu ertragen und machte fasziniernde Videos aus einer ganz ungewöhnlichen Perspektive.
Heftige Stürze, also ein eigentlicher Crash-Test, wurden nicht durchgeführt. Das brachte ich einfach nicht übers Herz, dieses kleine Wunderwerk aus zwei Metern auf den Boden zu knallen...sorry...
Aber ein kleines Härchen in der Suppe war doch, dass sich bei der Objektv-Umrahmung die Verchromung teilweise ablöste. Nur zu hoffen, dass dies ein Einzelfall ist.

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