Durch verschiedene Einstellungen kann die Musikwiedergabe in wenigen Klicks modifiziert werden, ohne Hand an den Equalizer oder die Voreinstellungen zu legen. Sehr empfehlenswert sind zwei Einstellungen: Lock Range "weit" und die Filtereinstellung "scharf". Akustisch bewirkt dies, dass die Musik an Räumlichkeit gewinnt. Dies führt jedoch zu einer gewissen klanglichen Unschärfe, die dem Scharf-Filter entgegenwirkt. Die zweite Einstellung, Lock Range auf "eng", führt zu einer Erhöhung der klanglichen Klarheit, wobei der Filter mit der Bezeichnung "langsam" dem seidigen, etwas texturlosen Klang eine gewisse "Faserigkeit" zurückgibt. Dies ist besonders bei Musik mit Saiteninstrumenten bis zu einem gewissen Grad willkommen.
Für Freunde des portablen Audiogenusses eher weniger gängig ist der symmetrische Ausgang des DP-X1. Diesen habe ich in den letzten paar Monaten sehr zu schätzen gelernt, so dass ich mir eine Welt ohne diesen kaum mehr vorstellen kann. Über diesen Ausgang kann in der Software zwischen zwei Betriebsmodi gewählt werden:
Der BTL-Modus (Bridged Transless) verbessert ganz simpel zusammengefasst die Leistung des DP-X1, was dazu führt, dass auch Kopfhörer mit bis zu 600 Ohm Widerstand benutzt werden können. In der Praxis sind hier die meisten Kopfhörer in erster Linie lauter.
Der ACG-Modus (Active Control Ground) ist für mich persönlich die Hauptattraktion. Die beiden Digital-analog-Wandler spielen hier so zusammen, dass das Musiksignal stabilisiert wird. Daraus ergibt sich ein satterer, unverfälschterer Klang mit etwas mehr räumlicher Tiefe.
In der Praxis ist dieser Betriebsmodus zumindest für mich revolutionär. Damit bin ich in den letzten Monaten immer wieder positiv überrascht worden durch Musik, die ich seit Jahren regelmässig höre. Momente wie "Ach da ist ja eine Rassel oder eine Zimbel im Hintergrund" sind deswegen keine Seltenheit mehr. Kurz: Kleine Details werden auf einmal hörbar. Die Musik wird generell hochauflösender und satter. Faszinierend!
Die Pianolack-weissen Moon-Lautsprecher standen auf den Moon-Ständern mit 3 Metern Basisbreite und genügend Abstand nach hinten. Auch der Hörabstand war grosszügig. Der Moon-ACE-Verstärker war eingespielt, die Lautsprecher ebenfalls.
Das Test-Set-up.Wir spielten uns durch eine Playlist, die sehr abwechslungsreich und klanglich aufschlussreich war, aber nicht nur die typischen, üblichen, gut klingenden Demo-Aufnahmen audiophiler Prägung beinhaltete.
Was sofort auffiel, war die Basswiedergabe: Sie war für die Grösse der Treiber und die Kompaktheit der Gehäuse unfassbar gut. Will heissen: Der Bass war konturiert, schnell, und reichte sehr tief herab, wenn erforderlich. Man war versucht, nach einem Subwoofer Ausschau zu halten. Wir spielten zum Beispiel Marcus Millers «Hannibal» live. Der E-Bass hatte genau den richtigen Slam und Drive. Und schon wurde der Tester vom «Moon-Voice-Virus» befallen und der bekannte «Haben-wollen-Effekt» stellte sich ein.
Man frage sich ernsthaft, wie ein 16-cm-Mittelton-Basstreiber eine solche Tiefton-Wiedergabe hinbekommt. Dass ein gutes, klanglich sauberes Bassfundament für die Mitten- und Hochtonwiedergabe essenziell ist, weiss man. Und das scheint auch das Geheimnis der Voice 22 zu sein, denn die Stimmen und Instrumente klangen natürlich und wurden von einer hinreissenden Hochtonwiedergabe abgerundet.
Auch präsentierten die Voice 22 einen schönen Raum mit einer natürlichen Bühne und einer präzisen Grössendarstellung. Das verwendete, eher hell klingende Top-Lautsprecher-Kabel teilte dem Hörer die die Musik aus der Voice 22 ebenfalls ungeschminkt mit. Ein etwas wärmer klingendes Kabel ist hier die Empfehlung, jedenfalls für das Moon-Paket mit ACE-Verstärker.
So einfach ein Zwei-Weg-Bassreflex-Lautsprecher auch daherkommen mag: In puncto Aufstellung lohnt es sich wirklich, die ideale Position im Hörraum für die Voice 22 minutiös zu ermitteln. Speziell die Basswiedergabe profitierte nochmals massiv und dankte mit Präzision und Schnelligkeit. Eher helle Kabel oder Elektronik können die Wiedergabe ins Grelle kippen lassen. Sagen wir es mal so: Die Voice 22 sind schon per se sehr gute Lautsprecher, aber mit Zuwendung und Geduld werden sie zu fantastischen Schallwandlern und spielen weit über ihrer Preisklasse.
Die Moon-Kombi stylisch inszeniert und ohne die Ständer.Da wir in der Weihnachtszeit getestet haben, gibt es einen saisonalen, audiophilen Anspiel-Tipp: «Christmas with My Friends VII» von Nils Landgren und seinen Freunden. Diese ACT-Alben sind richtig fein aufgenommen, natürlich auch die Ausgaben I bis VI. Sie verbreiten eine feierliche Weihnachtsstimmung mit einem eleganten Jazz-Touch. Mein Lieblingsstück auf der siebten Ausgabe ist von Ida Sand gesungen und heisst «Everyday Is Christmas». Die Stimme von Ida Sand wird von der Voice 22 sehr lebensecht wiedergegeben und das ab Minute 2 spielende Saxofon hat genau das richtige Timbre, halleluja!
Lautsprecher, die ihre optimale Wiedergabe fast zentimetergenau auf einen Sweetspot fokussieren, mögen für Audiophile eine Art heiliger Gral sein. Der Tester bevorzugt es aber – wenn es, wie im Fall der Moon Voice 22 im ganzen Raum gut klingt –, nicht auf den Sweet Spot festgenagelt zu sein.
Dass der 50 Watt leistende Moon ACE die Voice gehörig auf Trab bringt, ist ein weiteres Plus. Es müssen nicht unbedingt Watt-Monster sein. Moon weist eine Empfindlichkeit von 89 dB aus, was uns korrekt erscheint. Gemäss Importeur hat Moon bei der Voice 22 die Impedanz linearisiert, um für den Verstärker eine einfach zu beherrschende Last zu sein. Ziel erreicht!
Viele Zwei-Weg-Konzepte sind bisweilen richtige Leistungsfresser und kommen unter 10 Watt nicht richtig auf Touren. An den heimischen 20-Röhren-Watt-Endstufen klangen die Voice-22-Lautsprecher wunderbar aufgelöst, lebendig und organisch. Bei basslastiger Musik kam dann der Röhren-Verstärker ziemlich ins Schwitzen. Solide 30 bis 40 Röhren-Watt oder satte 50 Transistoren-Watt, wie im Falle des Moon ACE, sollten es also schon sein.
Moon-Lifestyle sieht zwar gut aus, doch freistehend mit etwas Abstand zur Wand offenbaren die Voice 22 ihr wahres Potenzial.Gibt es bei den Moon Voice 22 wirklich keine Kritikpunkte? Das mögen Sie sich nach so viel Positivem wohl fragen. Es gibt die Voice 22 nur in Schwarz und Weiss, jeweils in Hochglanz-Pianolack. Vielleicht wäre eine matte oder eine Holz-Variante oder andere Farben wünschenswert. Die Staubschutz-Abdeckung und die Ständer gibt es ebenfalls nur in Schwarz. In dieser Preisklasse gibt es (noch) kein Wunschkonzert.
Die rückwärtige Bassreflex-Öffnung interagiert konzeptbedingt mit dem Raum. Hier ist, wie bereits ausgeführt, sicherlich etwas Sorgfalt bei der Positionierung angesagt. Zu nahe an der Rückwand ist in der Regel nicht die optimale Position für die Moon. Sonst aber zeigen wir alle Daumen hoch für die neue Stimme von Moon!
Fazit
Simaudio hat mit den Moon Voice 22 einen echten Kracher im Sortiment. Zusammen mit dem Vollverstärker/Streamer/DAC Moon Ace wurde ein bezahlbares high-endiges Paket geschnürt. Preislich schwer zu schlagen, macht das Paket süchtig und Lust auf noch mehr, sofern die Lautsprecher die nötige Sorgfalt und Hingabe bei der Positionierung bekommen haben. Wer noch viel mehr Klang möchte, der muss das Mehrfache des aufgerufenen Preises bezahlen. So geht «Volks-High-End» mit der toll klingenden Moon-Stimme.

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