Um es vorwegzunehmen: Der TT 5 beherrscht den Job. Hier fährt der Schlitten ohne jegliches Gleitmittel auf trockenen Kugellagern über ein glattpoliertes Glasrohr. Der Stummelarm aus Carbon findet Halt in den zwei Halbschalen einer Doppelschraubenklemme. An seinem einen Ende ist das Headshell zur Aufnahme des Tonabnehmer-Systems, am anderen wird das Gegengewicht zur Justage der Auflagekraft übergestülpt. Der avguide.ch empfiehlt allen Konsumenten ohne grossen Ehrgeiz, die Montage und Justage dem Händler zu überlassen. Der Autor indes war ambitioniert, Ein- und Aufbau selber zu leisten.
Die Justage eines Tonabnehmers im TT 5 erfordert eine extrem ruhige Hand, eine gewisse Übung und viel Geduld. So will der Azimuth am TT 5 mit viel Gefühl optimiert sein. Also den senkrechten Stand der Nadel in der Rille, welcher über präzise Ortung und Kanaltrennung entscheidet und durchaus nicht bei jedem Pickup exakt 90 Grad zur Gehäuseunterkante entspricht. Beim TT 5 galt es noch, auf engem Raum, von unten blind tastend oder via Spiegel verortet, die Schrauben der erwähnten Klemme mit einem zarten Imbusschlüssel zu lösen und vor allem wieder – Vorsicht, bloss nicht zu fest – zu fixieren.
Beim Ausbalancieren der Auflagekraft behalf sich der Autor von vornherein, die Feststellschraube für das Gegengewicht nach oben zu drehen. Hilfreich dabei war die beiliegende Tonarmwaage.
Tangentialtonarm Clearaudio TT5 in Silber.Clearaudio versteht es, Begehrlichkeiten zu wecken. Die fränkischen Analogspezialisten stellten auf der Messe High End 2015 einen neuen Tangentialtonarm vor. Und zwar einen für unter 2300 Franken. Das kann getrost als kleine Sensation gelten.
Die Erlangener hatten vorher schon drei Schlittenläufer im Programm. Beginnend mit dem ultimativen TT 1, der zum hauseigenen „Statement“-Programm gehört, mit Laufwerk und Tondose in den sechsstelligen Frankenbereich vorstösst und als Kaiser der Tangentialen gelten darf.
Die ihm untergeordneten TT 2 und TT 3 sind auch nicht von schlechten Eltern, kosten aber auch entsprechend aristokratische Preise. Der neue, fast schon volkstümliche TT trägt die Nummer 5, aus Ehrfurcht vor fernöstlichen Kunden. Denn in China gilt die 4 als Unglückszahl.
Als Glücksfall hingegen ist ein Tangentialtonarm zu diesem Preis, so er denn funktioniert. Die technischen Herausforderungen an die ja theoretisch richtige Massnahme, eine Schallplatte auch so abzutasten, wie sie bei der Herstellung geschnitten wurde, sind nämlich immens.
Das tangentiale Prinzip
Das tangentiale Prinzip
Fazit
Der Autor fängt solche Tests gerne mit alten Monoaufnahmen an. Erstens lässt das Hintergrundrauschen schon Rückschlüsse auf den Gesamtcharakter zu. Zweitens kommt man so einer instabilen Mittenabbildung sofort auf die Schliche. Und drittens lässt man immer wieder gerne die alten Helden aufmarschieren. So Dirigenten-Genius Wilhelm Furtwängler mit seiner 1950er-Einspielung von Beethovens 7. Sinfonie (EMI). Sofort fielen das unaufgeregte Rillengeräusch und das von allem nervösen Zischeln befreite Rauschen auf. Beim Einsatz der Instrumente standen alle präzise zwischen den Lautsprechern, ohne je nach Tonhöhe und Klangcharakter zu wandern. Nicht nur die fummelige Azimuth-Justage war wohl gelungen, sondern das Gesamtsystem offenbarte eine selbstverständliche Souveränität, die in dieser Preisklasse eher selten anzutreffen ist.
Gleiches Werk, anderer Ausnahme-Dirigent, viel besserer und stereophoner Klang: Carlos Kleiber hat für die Deutsche Grammophon die wohl intensivste Lesart dieser rhythmusbetonten Sinfonie vorgelegt. Die Tangential-Kombi hielt Kurs: Die Streicher, Bläser und der Paukist der Wiener Philharmoniker sassen genau am angestammten Platz, die Tiefenstaffellung stimmte, das Feuerwerk der Klangfarben glühte, ohne allzu sehr zu gleissen.
Das machte schon Lust auf viele Plattenwechsel, auch wenn das anstossfreie Auflegen durch den Tangentialtonarm etwas erschwert war. Der TT 5 verzichtet aus Preisgründen auf den praktischen Kipp-Mechanismus seiner Brüder. Doch auch hier kann man Abhilfe aus dem Clearaudio-Zubehör-Regal schaffen. Dort gibt es für 437 Franken die Swing Base, die dem TT 5 eine schwenkbare Basis schafft. Praktisch!
Der Lift will mit sanfter Hand bedient sein, damit der Kurzarm nicht ins Schlackern gerät, beziehungsweise die Nadel nicht zu rasant in die Rille saust.
Um es vorwegzunehmen: Der TT 5 beherrscht den Job. Hier fährt der Schlitten ohne jegliches Gleitmittel auf trockenen Kugellagern über ein glattpoliertes Glasrohr. Der Stummelarm aus Carbon findet Halt in den zwei Halbschalen einer Doppelschraubenklemme. An seinem einen Ende ist das Headshell zur Aufnahme des Tonabnehmer-Systems, am anderen wird das Gegengewicht zur Justage der Auflagekraft übergestülpt. Der avguide.ch empfiehlt allen Konsumenten ohne grossen Ehrgeiz, die Montage und Justage dem Händler zu überlassen. Der Autor indes war ambitioniert, Ein- und Aufbau selber zu leisten.
Die Justage eines Tonabnehmers im TT 5 erfordert eine extrem ruhige Hand, eine gewisse Übung und viel Geduld. So will der Azimuth am TT 5 mit viel Gefühl optimiert sein. Also den senkrechten Stand der Nadel in der Rille, welcher über präzise Ortung und Kanaltrennung entscheidet und durchaus nicht bei jedem Pickup exakt 90 Grad zur Gehäuseunterkante entspricht. Beim TT 5 galt es noch, auf engem Raum, von unten blind tastend oder via Spiegel verortet, die Schrauben der erwähnten Klemme mit einem zarten Imbusschlüssel zu lösen und vor allem wieder – Vorsicht, bloss nicht zu fest – zu fixieren.
Beim Ausbalancieren der Auflagekraft behalf sich der Autor von vornherein, die Feststellschraube für das Gegengewicht nach oben zu drehen. Hilfreich dabei war die beiliegende Tonarmwaage.
Der Tonarm musste sich mit verschiedenen Pickups bewähren: Hier das Clearaudio MC Concept.
Sehr hilfreich ist die mitgelieferte Schablone, um die Abtastung auf exakt gerader Linie zu justieren.
Die Kombination Plattenspieler Performance DC/TT5 gibt es auch in Schwarz.Als Partner des TT 5 wählte avguide.ch das Laufwerk Performance DC. Schon der Performance war ein Preis-Leistungs-Champion. Die getunte DC-Version mit ihrem entkoppelten, sehr laufruhigen Gleichstrommotor und dem superben CMB-Magnetlager tritt das Erbe souverän an. Der in Schwarz oder Silber lieferbare Plattenspieler-Beau war in kürzester Zeit aufgebaut und perfekt waagrecht auf seinen vier höhenverstellbaren Füssen aufgestellt. Eine runde Wasserwaage, Libelle genannt, liegt bei und hilft. Dabei bewährte sich zum wiederholten Male, den Spieler auf ein massives, mit Spikes entkoppeltes Holzbrett zu stellen.
Der Performance DC, den es natürlich auch mit anderen Armen gibt, wird mit einem kleinen Steckernetzteil geliefert. Weil das Testexemplar minimal (und unhörbar) zu langsam lief, könnten hier stärkere und regelfähige Netzteile eine Tuningmassnahme sein. Der Clearaudio-Katalog bietet hier reichlich sinnvolles Zubehör zur Drehzahlkontrolle wie etwa Stroboskop-Scheiben und -Leuchten. Ansonsten bewährte sich der Performance DC bei Messungen mit sehr guten Rumpelwerten und tadellosem Gleichlauf – eine Laufwerk-Arm-Kombi also ohne (Spur)Fehl(winkel) und ohne Tadel für unerwünschte Nebengeräusche.
Apropos Rasanz: Prinzipbedingt steht bei gleicher Drehgeschwindigkeit in den inneren Abschnitten weniger Rillenweg pro Zeiteinheit zur Verfügung. Und damit weniger dynamischer und frequenzmässiger Spielraum für die Schneidetechniker. Nun sind insbesondere klassische Musikwerke oft am Anfang leise, am Ende aber laut – was die Verzerrungsgefahr zum Abschluss hin nochmals erhöht. Andreas Spreer, audiophiler Chef des deutschen Wohlklanglabels Tacet, hat daraus einen Schluss gezogen. Die bei seinem Label erschienene Einspielung des Orchester-Hits „Boléro“ von Maurice Ravel liess er von innen nach aussen schneiden. Leiser Beginn mit problemlos eingeschränktem Platz, das laute Ende mit viel Auslauf aussen.
Als „oreloB“ unter die Nadel kam, spielte Ravels Reisser in der klanglich fantastischen Produktion unter Carlo Rizzi mit erstaunlichem Druck, mit viel Schwung, beeindruckendem Farbreichtum und müheloser Dynamik bis zum brachialen Schluss.
Aber auch in anderen Disziplinen – und wieder von aussen nach innen – überzeugte das Clearaudio-Gespann. Souverän absolvierte die Kombi insbesondere mit dem ausgezeichneten MC Essence vom härtesten Rock bis zur zartesten Kammermusik die Aufnahmeprüfung ins HighEnd. Die saubere Akkuratesse ist ihre Paradedisziplin.
Sehr viel teurere Ensembles vermögen noch schwärzere, bedrohlichere Bässe und etwas mehr Dynamik und Stabilität aus der Rille zu holen. Doch dafür kosten sie auch entsprechend mehr.
Clearaudio versteht es, Begehrlichkeiten zu wecken. Die fränkischen Analogspezialisten stellten auf der Messe High End 2015 einen neuen Tangentialtonarm vor. Und zwar einen für unter 2300 Franken. Das kann getrost als kleine Sensation gelten.
Die Erlangener hatten vorher schon drei Schlittenläufer im Programm. Beginnend mit dem ultimativen TT 1, der zum hauseigenen „Statement“-Programm gehört, mit Laufwerk und Tondose in den sechsstelligen Frankenbereich vorstösst und als Kaiser der Tangentialen gelten darf.
Die ihm untergeordneten TT 2 und TT 3 sind auch nicht von schlechten Eltern, kosten aber auch entsprechend aristokratische Preise. Der neue, fast schon volkstümliche TT trägt die Nummer 5, aus Ehrfurcht vor fernöstlichen Kunden. Denn in China gilt die 4 als Unglückszahl.
Als Glücksfall hingegen ist ein Tangentialtonarm zu diesem Preis, so er denn funktioniert. Die technischen Herausforderungen an die ja theoretisch richtige Massnahme, eine Schallplatte auch so abzutasten, wie sie bei der Herstellung geschnitten wurde, sind nämlich immens.
Die Tondose MC Essence bietet Clearaudio im Paket mit Performance DC und TT5 an.
Zur präzisen Ausrichtung in der Horizontalen helfen die mitgelieferte Libelle und die Wasserwaage im Armrohr.Die Test-Kombination
Der Tonarm musste sich mit verschiedenen Pickups bewähren: Hier das Clearaudio MC Concept.Der Autor fängt solche Tests gerne mit alten Monoaufnahmen an. Erstens lässt das Hintergrundrauschen schon Rückschlüsse auf den Gesamtcharakter zu. Zweitens kommt man so einer instabilen Mittenabbildung sofort auf die Schliche. Und drittens lässt man immer wieder gerne die alten Helden aufmarschieren. So Dirigenten-Genius Wilhelm Furtwängler mit seiner 1950er-Einspielung von Beethovens 7. Sinfonie (EMI). Sofort fielen das unaufgeregte Rillengeräusch und das von allem nervösen Zischeln befreite Rauschen auf. Beim Einsatz der Instrumente standen alle präzise zwischen den Lautsprechern, ohne je nach Tonhöhe und Klangcharakter zu wandern. Nicht nur die fummelige Azimuth-Justage war wohl gelungen, sondern das Gesamtsystem offenbarte eine selbstverständliche Souveränität, die in dieser Preisklasse eher selten anzutreffen ist.
Gleiches Werk, anderer Ausnahme-Dirigent, viel besserer und stereophoner Klang: Carlos Kleiber hat für die Deutsche Grammophon die wohl intensivste Lesart dieser rhythmusbetonten Sinfonie vorgelegt. Die Tangential-Kombi hielt Kurs: Die Streicher, Bläser und der Paukist der Wiener Philharmoniker sassen genau am angestammten Platz, die Tiefenstaffellung stimmte, das Feuerwerk der Klangfarben glühte, ohne allzu sehr zu gleissen.
Das machte schon Lust auf viele Plattenwechsel, auch wenn das anstossfreie Auflegen durch den Tangentialtonarm etwas erschwert war. Der TT 5 verzichtet aus Preisgründen auf den praktischen Kipp-Mechanismus seiner Brüder. Doch auch hier kann man Abhilfe aus dem Clearaudio-Zubehör-Regal schaffen. Dort gibt es für 437 Franken die Swing Base, die dem TT 5 eine schwenkbare Basis schafft. Praktisch!
Der Lift will mit sanfter Hand bedient sein, damit der Kurzarm nicht ins Schlackern gerät, beziehungsweise die Nadel nicht zu rasant in die Rille saust.
TT5 - Die Justage
Der Tonarmlift funktioniert einfach und zuverlässig.Apropos Rasanz: Prinzipbedingt steht bei gleicher Drehgeschwindigkeit in den inneren Abschnitten weniger Rillenweg pro Zeiteinheit zur Verfügung. Und damit weniger dynamischer und frequenzmässiger Spielraum für die Schneidetechniker. Nun sind insbesondere klassische Musikwerke oft am Anfang leise, am Ende aber laut – was die Verzerrungsgefahr zum Abschluss hin nochmals erhöht. Andreas Spreer, audiophiler Chef des deutschen Wohlklanglabels Tacet, hat daraus einen Schluss gezogen. Die bei seinem Label erschienene Einspielung des Orchester-Hits „Boléro“ von Maurice Ravel liess er von innen nach aussen schneiden. Leiser Beginn mit problemlos eingeschränktem Platz, das laute Ende mit viel Auslauf aussen.
Als „oreloB“ unter die Nadel kam, spielte Ravels Reisser in der klanglich fantastischen Produktion unter Carlo Rizzi mit erstaunlichem Druck, mit viel Schwung, beeindruckendem Farbreichtum und müheloser Dynamik bis zum brachialen Schluss.
Aber auch in anderen Disziplinen – und wieder von aussen nach innen – überzeugte das Clearaudio-Gespann. Souverän absolvierte die Kombi insbesondere mit dem ausgezeichneten MC Essence vom härtesten Rock bis zur zartesten Kammermusik die Aufnahmeprüfung ins HighEnd. Die saubere Akkuratesse ist ihre Paradedisziplin.
Sehr viel teurere Ensembles vermögen noch schwärzere, bedrohlichere Bässe und etwas mehr Dynamik und Stabilität aus der Rille zu holen. Doch dafür kosten sie auch entsprechend mehr.
Das Test-Trio komplettierte das bekannte Moving-Coil-System Clearaudio MC Concept (um 600 Franken). Auch dies noch immer ein Anführer der inoffiziellen Preis-Leistungs-Charts und mit 100 Ohm Abschlusswiderstand völlig problemlos zu kombinieren. Doch ganz neu traf auch das MC Essence beim Tester ein. Was besonders viel Sinn machte, bietet doch der Schweizer Clearaudio-Importeur Sacom das Trio Performance DC/TT 5/MC Essence zum Kombipreis von 4470 Franken an, was gegenüber der Addition der Listenpreise (Performance DC „nackt“: 1950, TT 5: 2290, MC Essence: 1140 Franken) eine erhebliche Einsparung bedeutet.
TT 5 in Schwarz.
TT 5 in Schwarz.
Die Tondose MC Essence bietet Clearaudio im Paket mit Performance DC und TT5 an.
Alle Themen



