TESTBERICHT
Schön, schlicht, vielfältig: Technics Ottava SC-C70. Schön, schlicht, vielfältig: Technics Ottava SC-C70.

Ein All-In-One-Musiksystem muss im Grunde nur etwas können: Alles. Dazu muss es zwingend in einem einzigen Gehäuse funktionieren. Wenn dieses System dann noch von Technics stammt, dann sollte es auch noch gut klingen – und zwar überall, egal, wo man es platziert. Es muss zudem schön sein, wertig und perfekt verarbeitet. Es muss Gravität und Bedeutung ausstrahlen. Es soll keine dieser zahllosen Bluetooth-Kisten sein. Sorry, da muss eben mehr dran sein.

Ottava SC-C70 erfüllt die Anforderungen. Es kann einfach alles. Man benötigt gerade einmal einen Stromanschluss und eine Wurfantenne für das Radio, die dann unsichtbar hinter dem Sideboard schlackert. Ansonsten erfüllt WiFi die Netzwerk- und Internet-Konnektivität kabellos. Alternativ erledigt dies auch ein Netzwerkkabel – mitunter für Leute wie mich, die ständig das WLAN-Passwort vergessen. Bluetooth zu erwähnen, erübrigt sich eigentlich. Das ist ohnehin dabei.

Hervorragende Stereo-Performance

Wir hatten für einen ersten Praxistest den zweikanaligen AMP 2 zur Verfügung. Also ging es darum festzustellen, ob die Classé Audio-Kombi wirklich mit Stereo-Komponenten der Topklasse würde mithalten können. Als adäquate Spielpartner dienten die 802 Diamond von Bowers & Wilkins. Diese renommierten Standboxen offerieren eine Basswiedergabe hinunter bis zu 27 Hz. Die beiden 20 cm-Langhub-Tieftöner verlangen vom Verstärker allerdings einiges an Schubkraft und Kontrolle, sollen sie auch bei gehobenem Pegel noch einen sauberen, unbeschwerten Klangeindruck hinterlassen. Als Quelle diente der Musikserver Sonata Aria, der digital am SSP andocken durfte.

Eine High-Resolution-Aufnahme vom Jimmy Cobb Quartet (Jazz in the Key of Blue High, Chesky Records) offenbarte eine ultra-schnelle Basswiedergabe, der jeder Anflug von Schwäche oder gar Schlendrian abging. So staubtrocken und impulsschnell hatten wir die Referenzboxen im Tieftonbereich kaum je gehört. Dazu passten quirlige, brillante Höhen, die keineswegs aufgesetzt oder gar aufdringlich, sondern perfekt ins Klangbouquet integriert rüber kamen. Letzteres wirkte insgesamt sehr geschmackvoll und keineswegs nüchtern – eine gelungen Synthese aus rhythmischem Talent, unbändiger Kraft und perfekter Durchhörbarkeit. Die ausgeprägte Vitalität der Wiedergabe schlägt auch nie ins Ordinäre um – kontrollierte Sauberkeit scheint den Kanadiern oberstes Gebot.

Die Mailänder Vesperpsalmen von Johann Christian Bach zeigten sodann, dass die Classé-Audio-Kombi anspruchsvolle Vokalmusik über die 802 D bestens in Szene zu setzen wusste. Auch hier überzeugte die phänomenale Klarheit der Wiedergabe ohne jeden Anflug von Härte, gepaart mit einer herrlich dynamischen Ansprache.  Ausserdem bewies diese Aufnahme (Carus 83347), dass das 16 Bit CD-Format noch lange nicht ausgedient hat. Über den Sigma SSP gewandelt, konnte man sie ohne weiteres für eine High-Resolution-Version halten. Sein Faible für „ganz normale“ CD-Kost bewies der SSP auch bei  der Wiedergabe von Liszts Klavierkonzert (Arnaldo Cohen, Label: BIS), welches mit wunderbar perlendem Diskant und leuchtenden Klangfarben ertönte.

Ottava SC-C70 kann dermassen viel, dass man etwas Ordnung schaffen muss in der Auflistung. Der SC-C70 unterstützt eine Vielzahl von Musikquellen bei vorbildlich umfangreicher Konnektivität.

Klassische Funktionen:
CD-Wiedergabe von einem hochstehenden Toplader-Laufwerk inkl. CD-Remastering;
Radio-Wiedergabe: FM, DAB/DAB+, Internetradio.

Eingänge:
USB, Toslink (optisch), Analogeingang (3.5 mm Jack).

Wireless-Konnektivität:
Bluetooth, Airplay.

Netzwerk-Konnektivität:
DLNA (wireless oder über Netzwerkkabel) auf NAS oder andere Speichermedien im Netzwerk.

Streamingdienste, eingebettet:
Spotify, Tidal.

Soundqualität:
Von MP3 bis HiRes-Audio.

Bedienung:
Funktionstasten am Gerät, Fernbedienung, Steuer-App (iOS).

Raumanpassung/Klangregelung:
Drei Aufstellungsvarianten (freistehend, wandnah, Raumecke).
Klangoptimierung mit Space Tune: Einmessung am Hörplatz mit dem Smartphone-Mikrofon. Klangregelung mit Dreiband-Equalizer.

Lautsprechersystem

Downfiring-Subwoofer des Ottava SC-C70.Downfiring-Subwoofer des Ottava SC-C70.

Technics baute ein kompaktes Stereo-Lautsprechersystem in ein stabiles Gehäuse von 450 x 143 x 280 mm. Das aktive, DSP-gesteuerte 3-Weg-System arbeitet in einem Bassreflex-Gehäuse mit zwei Bassreflex-Ports, die gegen hinten gerichtet sind. Der Subbass-Treiber ist auf der Gehäuseunterseite angebracht.

Hinter den frontseitigen Rippen liegt ein dezentes Lochblech, dahinter zwei Soft-Dome-Hochtöner (Seidenkalotten) mit Dispersionslinsen zur Verbreiterung der Hochtonabstrahlung sowie zwei Tief/Mitteltöner. Sinngemäss sind die Hochton-Treiber so weit auseinander wie möglich. Die vier Lautsprecher sind auf den Musikhörer ausgerichtet.

Das DSP-gesteuerte Aktivsystem stellt 2 x 30 Watt für die Frontlautsprecher und 40 Watt für den Subwoofer zur Verfügung.

Die beiden Bassreflexports sind gegen hinten ausgerichtet.Die beiden Bassreflexports sind gegen hinten ausgerichtet.

Viel Technologie für Raumoptimierung

Hinter dieser Front wird viel gerechnet und optimiert, bis sich die Schallwellen frequenzgangoptimiert und phasenkorrigiert ausbreiten dürfen.Hinter dieser Front wird viel gerechnet und optimiert, bis sich die Schallwellen frequenzgangoptimiert und phasenkorrigiert ausbreiten dürfen.

Der Technics-typische Technologiejargon findet sich erneut auf der einschlägigen Webseite. Diesmal gewürzt mit übersetzungsbedingten Stilblüten der Extraklasse: Man liest von einem «Schallloch» oder von einer «anspruchsbasierten Phasenkalibrierung, ohne Kalibrierungsfunktion»(!) oder von einem «optimal aktivierten Kreissystem». Da fehlten dem Übersetzer offensichtlich gewisse Kenntnisse der Materie. Das tut dem Produkt und seiner Funktionsweise keinen Abbruch, aber man sollte bei den Übersetzungen etwas mehr Sorgfalt an den Tag legen.

Damit die Fachleute nicht Tränen lachen und die Nicht-Fachleute verwirrt in den Bildschirm starren, hier eine kurze Zusammenfassung:

Der SC-C70 bereitet die digitalen Datenströme (Musik) Jitter-frei auf. Das DSP (Digital Sound Processing) sorgt für Raum-optimierte, phasenrichtige und im Frequenzspektrum ausgepegelte Musiksignale. Das Impedanzverhalten der Lautsprecher wird gemessen, und die Verstärker passen sich den Impedanzschwankungen optimal an. Funktionen, die im jeweiligen Moment nicht benötigt werden, werden inaktiv geschaltet («optimal aktiviertes Kreissystem»). Es gibt zwei getrennte Stromversorgungen: eine für die Digitalsektion, und eine für die Verstärker.

Raumoptimierung

Es gibt drei Möglichkeiten, den Ottava SC-C70 klanglich im Raum zu optimieren. Zur Verfügung steht ein 3-Band-Equalizer, der mit der App eingestellt werden kann. Drei Grundeinstellungen sorgen für eine flexible Platzierung des Geräts im Raum: wandnah, Raumecke und freistehend. Eine Einmessung in der App (iOS) vom bevorzugten Hörplatz aus mit dem iPhone-Mikrofon als Messmikrofon. Die Optimierung des Frequenzgangs wird auf dem iPhone angezeigt.

Das ist ziemlich einmalig für eine One-Box Lösung. Sie können den Einmessvorgang auf unserem Video weiter unten verfolgen.

Und ewig währt die CD

Hochwertiges Toplader-Laufwerk: Elegant, wertig, verführerische Haptik und einfache, verschleissarme Technik.Hochwertiges Toplader-Laufwerk: Elegant, wertig, verführerische Haptik und einfache, verschleissarme Technik.

Das erste, was man mit dem SC-C70 tun wird, ist mit grosser Sicherheit eine CD hören. Das ist einfach, und es juckt einen in den Fingern. Man dreht die Abdeckung zur Seite, legt eine CD mit sanften Klick ein und schliesst die Abdeckung wieder. Ein kurzes Einlesen und auf Play drücken – so wie früher. Sie werden noch nicht einmal einen Blick in die Set-Up-Anleitung geworfen haben, und schon erklingt Musik von einer CD.

Direkte Bedienung auf dem Gerät über Antippen der Symbole, kombiniert mit Lautstärkenregelung über Drucktasten. Es ist sehr klug und macht Spass, dass man CDs direkt auf dem Gerät befehligen kann.Direkte Bedienung auf dem Gerät über Antippen der Symbole, kombiniert mit Lautstärkenregelung über Drucktasten. Es ist sehr klug und macht Spass, dass man CDs direkt auf dem Gerät befehligen kann.

Die Plexiglas-Abdeckung geht etwas streng auf, zumal man sie mit dem Zeigefinger auf einem Tastpunkt bewegt. Ein kleiner Griff wäre hier praktischer. Die seitliche Beleuchtung der Silberscheibe ist dezent und leider zu gering beispielsweise für schwarze oder dunkelbraune CDs. Dazu kommt die stark getönte Scheibe, die das Licht erheblich dämpft.

Die Bedienungsfelder für Direktbedienung am Gerät befinden sich unten rechts. Sie reagieren sauber auf Berührung, begleitet von einem akustischen Signal. Die Lautstärke kann ebenfalls am Gerät über die zwei Drucktasten eingestellt werden. Das ist gute Haptik. Zudem macht es Sinn, eine CD dort zu starten, wo man sie eingelegt hat. Natürlich geht es auch mit der Technics-App oder mit der mitgelieferten Fernbedienung vom Hörplatz aus.

Das CD-Laufwerk macht einen soliden, präzisen Eindruck. Natürlich kann man die Linse bei offener Scheibe berühren, was jedoch nichts für Kinder ist, die damit herumspielen wollen. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum die Plexiglas-Abdeckung etwas streng auf- und zugeht. Das Laufwerk ist federnd gelagert und dürfte sehr langlebig sein, zumindest im Vergleich zu den heutigen Slot-In-Laufwerken und den traditionellen Plastikschubladen.

Bei der CD-Wiedergabe kann die sogenannte Re-Master-Funktion verwendet werden – eine nicht genügend erklärte Funktion zur klanglichen Verbesserung der CD-Musik. Ich frage mich, warum man eine solche Funktion nicht einfach permanent zuschaltet, wenn sie eine Verbesserung bringen soll. Wenn schon, dann immer. Aber eben: «wenn ...». Ich höre keine Unterschiede, die mich überzeugen würden.

Bedienung

Elegantes, aber konventionelles Display am Gerät.Elegantes, aber konventionelles Display am Gerät.

Nebst der klassischen Fernbedienung steht auch eine umfassende App zur Verfügung, die in jedem Fall zu bevorzugen ist. Das iPhone-Mikrofon dient dann auch als Messmikrofon für die Raum- und Klang-Einmessung. Diese Funktion ist mit der Fernbedienung nicht möglich. Die App ist zudem viel übersichtlicher und einfacher zu bedienen. Man braucht bei der Bedienung nicht auf das Geräte-Display zu starren. Aber immerhin geht es auch mit der Fernbedienung, schliesslich muss man sich mit der Grundeinstellung nicht dauernd befassen.

Die App ist nüchtern und funktional gestaltet. Aus meiner Sicht eignet sie sich gut für Einstellungen, aber sie ist etwas weniger komfortabel für Musikwiedergabe ab den eingebetteten Streamingdiensten Spotify und Tidal. Wer die sinnlichen Oberflächen selbiger Dienste gewohnt ist, wird überrascht sein, sie in der App nicht zu finden. Wer in dieser Beziehung nicht verspielt ist (wie ich), den kümmert's nicht.

Funktionsweise und Aussehen der App sehen Sie in unserem Video sowie im YouTube-Video unten.

Sämtliche Quellen und Wiedergabemöglichkeiten funktionierten ohne Fehl und Tadel. Wiedergabe von Musik ab NAS ist ebenso ein Kinderspiel. Wiedergabe ab iPhone/iPad via Bluetooth oder Airplay dito. Radio aller Couleur von FM über DAB+ oder Internetradio klappt auch gut. Netzwerk- und Internet-Zugriff mit WiFi, Wiedergabe ab USB-Speichermedium ebenso. Technics beherrscht die Multifunktionalität mit dem SC-C70 souverän, so dass sich der Anwender darüber freuen kann.

Musikerlebnis

Noblesse auf dem Sideboard.Noblesse auf dem Sideboard.

Im Unterschied zu vielen anderen All-In-One-Konzepten experimentiert Technics nicht mit künstlichem Raumklang. Sie bleiben der Klangtreue treu. Denn, wer aus einem Punkt Raumklang – was auch immer darunter verstanden wird – erzeugen will, der erzeugt diffuse Schallfelder ohne Ortbarkeit. So wird versucht, mit seltsamen Anordnungen der Treiber über Wände und Decke Pseudo-Stereo zu simulieren. Das mag bei 3.0-Soundbars mit Centerkanal seine Richtigkeit haben, bei Stereo und der damit erzeugten Phantom-Quelle aber nicht.

Allerdings ist auch beim SC-C70 Stereo nur angedeutet vernehmbar. Die Lautsprecher stehen nahe zusammen. Setzt man sich 50 cm oder maximal einen Meter vor das Gerät, dann klappts mit Stereo. Aus grösserer Hördistanz klingts dann schon eher monophon, aber auch greifbar und recht plastisch. Da eröffnet sich eine gewisse Klasse.

Space-Tune ist sehr gut: Die Grundeinstellungen von wandnah (meistens), über Eckenaufstellung (manchmal) bis freistehend (selten) sind zielführend. Die Einmessung auf den bevorzugten Hörplatz mag ebenfalls zu überzeugen. Keine Spielerei. Die Klangregelung ist praktisch, für mich besonders, denn die Grundeinstellung war eher basslastig, und damit wohl auf ein etwas jüngeres Publikum ausgerichtet.

Die Bass-Tauglichkeit ist beeindruckend. Gefühlte 50 Hz liegen drin, und der SC-C70 donnert prächtig dort unten. Der Klang ist lebendig, ausgewogen, differenziert und aus einem Guss – mit unterschiedlichem Musikmaterial, inkl. Klassik und älteren Jazzaufnahmen. Die Stimmwiedergabe ist betörend und lässt sich mit einem Tick Mittelton-Anhebung noch etwas akzentuieren. Das ist eine reife Klangdarstellung für ein Gerät dieser Grösse und Konzeption, bei dem man auf grosse Klangbühnen verständlicherweise verzichten muss.

Klanggewinn mit HiRes ist allerdings in Frage zu stellen. CD-Remastering ebenfalls. Bei der HiRes-Diskussion ist einfach zu relativieren, dass der Klanggewinn meistens durch die absolute Qualität der Aufnahme und ihrer enormen Hebelwirkung auf das Musikerlebnis überstrahlt wird.

Fazit und Video

Ottava SC-C70 ist nach meinem Empfinden nicht auf ein spezifisches Kundensegment ausgerichtet, sondern auch auf Leute, die noch CDs hören – und das sind viele. Der SC-C70 kann im Ferienhaus Platz nehmen und seinen Dienst erfüllen, wenn die HiFi-Anlage wieder einmal nicht mitdurfte.

Zu Hause kann das Musiksystem die anspruchsvollen Anlagen-Muffel beglücken oder die notorischen Lautsprecher-Verweigerer. Oder noch besser: Jene, die kleine Regal-Lautsprecher gerne in die Raumecken auf den Boden stellen.

Andererseits kann Ottava SC-C70 auch dem audiophilen Rentner gefallen, in der neuen Wohnung, oder dem Jugendlichen, der die Kids der Nachbarschaft beeindrucken will und eben die CD-Sammlung der Eltern auf dem Dachboden entdeckt hat. Oder die Leute im Wohnmobil oder ...

Übersicht zu diesem Artikel
Seite 1:
Seite 2:
Seite 3:
Seite 4:
Seite 5:
Seite 6:
Seite 7: