Die Lautsprecher-Serie Piega Premium Wireless.Hier ein Beispiel, mit welchen Argumenten die CD-Überlegenheit begründet wird. Die Aussagen stammen aus der Rubrik Meinung eines englischsprachigen Online-Audio-Magazins:
1) In Sachen Klangqualität spielen CDs in einer ganz eigenen Liga. Im Gegensatz zu Streaming-Plattformen, die Audiodateien oft komprimieren, um die Grösse zu reduzieren, speichern CDs Audiodaten in ihrer reinsten, unkomprimierten Form. Das bedeutet, dass jede Nuance und jedes feine Detail der Aufnahme erhalten bleibt. Das Ergebnis ist ein intensiveres Hörerlebnis, das die Vision des Künstlers originalgetreu wiedergibt.
2) Sicherlich bieten einige Streamingdienste wie Apple Music, Tidal und Qobuz verlustfreie Qualität. Aber selbst dann kann die Klangqualität je nach Netzwerkbandbreite, Gerätekapazitäten und verschiedenen Kodierungsalgorithmen schwanken.
3) Mit CDs können Sie sich darauf verlassen, immer das Original zu hören. Freuen Sie sich auf ein sorgfältig abgestimmtes Klangerlebnis, das speziell auf das physische Format abgestimmt ist.
Na ja, wer die Fakten nicht wirklich kennt, hat halt eine Meinung. Betrachten wir mal die drei Kernaussagen kritisch und versuchen anschliessend, ob wir mit Fakten und Messergebnissen (Nulltest) auf eine reproduzierbare Einordnung kommen oder ob wir die obige Meinung mit Fakten stützen können.
Mit richtigen Aspekten zur falschen Schlussfolgerung
Zu Punkt 1: Es ist nicht eindeutig, ob der Autor Dynamik-Kompression mit Daten-Komprimierung vermischt. Bei der Dynamik-Kompression wird beim Mastering der Dynamikumfang eines Musikstücks reduziert und somit irreversibel klanglich verändert, verschlechtert. Dazu später im 2. Teil mehr.
Bei der Daten-Komprimierung werden die Audiodaten zur Speicherung und Transport gepackt, verdichtet, um die Dateigrösse zu verringern. Im Fall von FLAC und ALAC zum Beispiel passiert das verlustfrei. Bei der Wiedergabe werden die Daten wieder entpackt und vollständig in den Ursprungszustand zurückversetzt.
Der Autor des Artikels leitet nun aus der ALAC/FLAC-Datenumrechnung ab, dass die PCM-Daten auf einer CD in reiner Form vorliegen, da nach seiner Auffassung die PCM-Daten unverändert auf der Scheibe vorliegen. Da irrt er sich gewaltig. Ähnlich wie bei der Schallplatte liegen die Daten auf der CD physisch in Form von Vertiefungen auf dem Polycarbonat-Träger vor. Der Laser tastet die Vertiefungen – Pits genannt – ab. Je nachdem, ob der Laser die Trägeroberfläche (Land) oder die Vertiefung (Pits) abtastet, wird das Laserlicht unterschiedlich zurückgeworfen. Daraus werden dann die ursprünglichen PCM-Daten in mehreren Schritten abgeleitet. Die Längen der Pits- und Land-Bereichen hängen von der Anzahl aufeinanderfolgender Einsen oder Nullen ab.
Bits und Land.Um sehr kurze Längen durch 01010-Abfolgen oder zu lange 0- und 1-Reihen zu vermeiden, wird zur Abtastsicherheit ein Acht-Bit-Daten-Block durch Modulation auf 14 Symbole hochgerechnet (Eight to Foutrteen Modulation EFM). Die Daten werden dem Trägerformat angepasst – nur sind sie deswegen nicht unrein geworden. Die Modulation ist für die korrekte Funktion des Systems notwendig. Dies schliesst auch einen Fehlerkorrekturalgorithmus ein. Die Aussage bei Punkt 1 trägt nicht zur Klärung der Frage bei – es ist schlicht unsinniges Fabulieren.
Unbelegte Behauptung streuen
Zu Punkt 2: Ja, die Datenrate im Internet schwankt. Und? Nun, daraus zwingend einen Einfluss auf die Klangqualität herzuleiten, ist kühn. Typisch für solche Aussagen ist, dass keinerlei Herleitungen oder technische Begründungen geliefert werden. Man behauptet mal drauflos. Wie relevant veränderte Datenraten klanglich sind, klären wir später.
Zu Punkt 3: Das Per-Se-Argument. Die CD ist von sich aus besser, weil sie angeblich ein klanglich abgestimmtes, physisches Medium ist und immer das Original enthält. Wieso das so ist und wie diese klangliche Abstimmung erfolgt, wird auch hier dem Leser nicht vermittelt.
Keine der drei im Artikel gemachten Aussagen können schlüssig begründen, warum die CD-Wiedergabe gegenüber der Musikwiedergabe übers Internet überlegen sein soll. Dennoch kann es bei Hörvergleichen vorkommen, dass zwischen den beiden Wiedergabeprinzipien klangliche Unterschiede wahrnehmbar sind. Ob es sich hier um Placebo-Effekte oder um belegbare Klangdifferenzen handelt, wollen wir systematisch in den folgenden Absätzen und im zweiten Teil des Artikels erarbeiten.
Transportwege
Um Daten zwischen zwei Geräten zu übertragen – in unserem Fall zwischen dem Server bei Qobuz oder Tidal und dem Streamer des heimischen Audiosystems – kommt das TCP/IP-Protokoll zum Einsatz. Die Daten werden paketweise übermittelt. Kommt ein Paket fehlerbehaftet oder unvollständig an, wird es durch das Protokoll erneut vom Server angefordert. Das TCP-Protokoll sorgt dafür, dass die Daten am Ende in der richtigen Reihenfolge dem Client zur Decodierung übergeben werden.
Bei der Compact Disc ist die Polycarbonat-Scheibe das Transport-Vehikel. Beim Internet übernehmen das die Infrastruktur (IT-Hardware) und das Transfer Control Protocol. Während man bei der CD den Träger und die Musik lokal in den Händen hält, liegen diese beim Streaming ausserhalb der eigenen vier Wände. Zudem ist man auf der Datenautobahn nicht allein unterwegs. Dafür ist die Streaming-Bibliothek gigantisch und auch mobil verfügbar! Erkauft man sich dies nun mit reduzierter Klangqualität?
Beim Streaming bringt das Netzwerk die Daten nach Hause. Diese werden aber nicht verändert.Streaming und Download
Bei Qobuz lassen sich die Alben und Titel streamen, aber auch auf der heimischen Festplatte speichern – womit wir bei Letzterem nah an der CD sind, was die lokale Verfügbarkeit betrifft. Doch nun zur Kernfrage: Wie sieht es mit der Klangqualität der drei Formate CD, Download und Streaming aus?
Will man sich nicht allein auf reine Hörtests mit all den Variablen, der Unberechenbarkeit und der individuellen Subjektivität verlassen, kommt man nicht ohne technische Messmittel aus. Nur sind hier die Interpretation und Einordnung der Daten oft das Problem. Um aussagekräftige, reproduzierbare und auch für Nicht-Techniker nachvollziehbare Resultate zu erhalten, vergleichen und analysieren wir die drei Formate mit dem Nulltest. Details, wie dieser Test funktioniert, finden Sie im Artikel «Hören und Messen».

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Der Deltawave-Nulltest ist ein Verfahren, bei dem zwei identische Audiosignale miteinander verglichen werden, um Unterschiede zwischen ihnen zu identifizieren. Die Software Deltawave ermöglicht diesen Vergleich, indem die Signale subtrahiert werden.
Abschnitt B: Die einfache Pegeländerung erzeugt einen knapp hörbaren Lautstärkeunterschied, aber keine tonalen Veränderungen. Bei C und D verändert sich der Klang, was bei diesen tiefen PK-Metric-Werten gut hörbar ist.
Der PK-Wert ist ein Indiz, wie hörbar Unterschiede sind. Die Hörbarkeit ist abhängig von der Qualität des Audio-Systems und von der Hörfähigkeit des Menschen.
Im Gegensatz zu Abschnitt B ohne tonale Veränderung zeigen sich bei B und C deutlich die Eingriffe mit dem Equalizer.
Die 2-dB-Pegelveränderung hinterlasst in der Grafik nur geringe Spuren, die tonale EQ-Bearbeitung verändert die Signalwellenform deutlich.



