Regen, Wind, zwölf Grad – ideales Wetter für einen Messe-Besuch. Nach der letztjährigen Finest Audio Show Zurich nahm ich mir vor, diesmal pünktlich zur Eröffnung zu erscheinen. Das graue Novemberwetter hielt mich jedoch länger in der Stube als geplant. Mit einer Stunde Verspätung kam ich im Mövenpick Hotel Regensdorf an – und hatte Glück: Nichts wirklich Wichtiges verpasst.
Dabei gab es einiges zu verpassen: Workshops zu den «Geheimnissen der Audiotechnologie» mit Lothar Brandt und Matthias Böde, thematische Vorführungen in den Ausstellerräumen. Besonders eindrücklich war Dani Weiss' Soundboard «Livebox», das im Stereodreieck demonstrierte, welche Räumlichkeit und livehaftes Musikerlebnis hochauflösende digitale Audioformate mit Crosstalk-Cancellation bieten können.
Matthias Böde präsentiert mit der Weiss Livebox, welch livehaftiges Musikerlebnis mit hochauflösenden digitalen Audioformaten und Crosstalk-Cancellation möglich ist.Entspannter Einstieg in die Klangwelten
Der Besucherandrang war moderat – andere HiFi-Fans kamen wohl noch später oder waren bereits am Vortag vor Ort. So konnte man entspannt durch die Räume schlendern und Lautsprecher, Verstärker und andere Komponenten in Ruhe anhören.
Ich startete in den Hotelkatakomben, wo mich der Groove von Vinyl und Röhrentechnik empfing. Wie im Vorjahr herrschte reger Betrieb – viele Besucher durchstöberten seltene Schallplatten. Der digital gesteuerte «Ultrasonic Record Cleaner V4.0» passte eigentlich nicht in die Szenerie, fand aber grosses Interesse.
Ultrasonic Record Cleaner V4.0.Eine charmante Vorführung der Elektrostaten ESL 57 von Quad versetzte mich akustisch in die 80er-Jahre – auch wenn die Geräte brandneu und hochmodern sind.
Die Elektrostaten Quad ESL 57, auch «Heizstrahler» genannt. Der erste in Serie gebaute Elektrostat der Welt. Zwischen 1957 und 1985 wurden etwa 54'000 Stück gebaut.Analoge Wärme und audiophile Highlights
Bei Audiosphere katapultierte mich der Sound von Trenner & Friedel regelrecht in andere Sphären. Es wurden zwei Anlagen abwechselnd vorgeführt, wobei ich nur das grosse Set gehört habe. Im kleineren Set wurde die Pharoah vom brandneuen Moon 371 Streaming-Vollverstärker angesteuert, der viele Gene mit den grossen Geschwistern aus der North Collection teilt. So war es denn auch die grosse 891/861-Kombi, welche die Isis von Trenner & Friedel äusserst zielsicher pilotierte; als digitale Quelle diente der Aurender N50, als analoge Quelle der Brinkmann Bardo. Der mächtige Lautsprecher überzeugte nicht nur in allen Einzeldisziplinen, sondern auch durch eine feinfühlige, klangfarbenreiche Wiedergabe, die mühelos und unvermittelt ins Brachiale umschlagen konnte. Der Dynamik schienen keine Grenzen gesetzt zu sein.
Die Tenner & Friedel Isis, links und rechts aussen, sind klanglich und optisch ein StatementIm zweiten Audiosphere-Raum stand britisches HiFi im Fokus, wurden doch die neuen Standlautsprecher der A-Linie des Traditionsherstellers Spendor an unterschiedlicher Elektronik ebenfalls britischer Herkunft unter dem Motto «Maximaler Klang zum fairen Preis» präsentiert. Als Sahnehäubchen spielte zwischendurch auch die erst vor zwei Tagen eingetroffene Vor-Endstufen-Kombi Mercury und Solis von Rega..
Die neuen Standlautsprecher der Spendor A-LinieAuch im Nebenraum begeisterte ein wunderbar warmer, fülliger Klang – erzeugt von den Lautsprechern Fyne Audio F500SP an vergleichsweise schlichter Elektronik. Das kompakte Set überraschte mit erstaunlicher Musikalität auch in tiefen Lagen. Die grösseren Fyne Audio F702 SP, Nachfolger der hochgelobten F702, zeigten dann, wo der Hammer hängt: Jazz mit Männerstimmen, Cello oder Saxofon klang überaus authentisch – rauchig, kratzig, analog. Für mich ein echtes Highlight zu schottischen Preisen.
Fyne Audio bringt das alte Konzept der 360-Grad-Abstrahlung mit dem S-Trax-Hochtöner zu neuem Leben.Im Nebenraum präsentierte PSI Audio ihre grosse Héritage 3 – solid, aber im Vergleich etwas weniger emotional, mehr Monitor-artig. Man hört die Studiotechnologie heraus. Vielleicht lag es an der Aufstellung, der Elektronik oder der Aufnahme? Diese Gedanken begleiteten mich durch viele Räume. Ein direkter Vergleich wird schwierig, wenn in jedem Zimmer andere Musik in unterschiedlicher Qualität über andere Elektronik läuft. Besucherfreundlicher wäre dasselbe Stück in gleicher Auflösung – wie am Klangschloss mit den Live-Aufnahmen –, sonst vergleicht man schnell mal Äpfel mit Birnen.

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