TESTBERICHT
Filmemacher: Die neue Panasonic Lumix S1H wurde speziell für Videoaufnahmen konzipiert und ermöglicht als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K/24p.Filmemacher: Die neue Panasonic Lumix S1H wurde speziell für Videoaufnahmen konzipiert und ermöglicht als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K/24p.

Mit der Panasonic Lumix DC-S1H kann man sehr gut fotografieren. Ihre wahren Werte und Vorzüge zeigt die neue Kamera jedoch beim Filmen. Dafür wurde sie speziell konzipiert und ermöglicht laut Hersteller als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K-Auflösung mit 24 Vollbildern pro Sekunde.

Auch sonst ist die neue Kamera mit vielen professionellen Video-Features ausgestattet und lässt das Herz von Filmemachern und Videoproduzenten höher schlagen. Panasonic ist dabei ähnlich vorgegangen wie schon bei den drei Micro-FourThirds-Modellen G9, GH5 und GH5s. In gleicher Reihenfolge sind dies beim Vollformat die Lumix S1R mit riesiger 47,3-Megapixel-Auflösung als professionelle Fotokamera, das Modell S1 mit 24,2 Megapixel als Foto/Video-Allrounder und neu die Lumix S1H als spezialisierte Filmkamera.

Dazu erhielt sie einen neu entwickelten 24,2-Megapixel-Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter. Damit sind in höchster Qualitätsstufe Aufnahmen in 6K mit 24p im Seitenverhältnis 3:2 möglich, oder 5,9K mit 30p in 16:9, oder 4K/Cinema-4K mit 60p und 10-Bit Farbtiefe. Die maximale Videoauflösung der S1H beträgt 5952 x 3968 Pixel.

Damit kann man in 6K-Auflösung filmen oder beim Schnitt für 4K-Projekte nachträglich ohne Qualitätsverluste ins Bild zoomen oder einen anderen Ausschnitt bestimmen. Für eine nachträgliche Bildstabilisierung per Software stehen mehr Pixel zur Verfügung. Zur Erinnerung: 4K/UHD benötigt nur 3840 x 2160 Pixel. Wer mit Full-HD (1920 x 1080 Pixel) zufrieden ist, darf mit der S1H auch schon während der Aufnahme digital im Bild schwenken, ohne die Kamera selbst zu bewegen.

Neuzugang: Links die Panasonic Lumix S1R, in der Mitte mit roter Videotaste rechts neben dem Bajonett die neue Lumix S1H und rechts die «normale» Lumix S1.Neuzugang: Links die Panasonic Lumix S1R, in der Mitte mit roter Videotaste rechts neben dem Bajonett die neue Lumix S1H und rechts die «normale» Lumix S1.

Unzählige Videoformate

Die Lumix S1H beherrscht viele, wirklich sehr viele Aufnahmevarianten. Neben der Videosystemfrequenz (24, 50, 60 Hz), dem Dateiformat (AVCHD, MP4, MOV), der Bildqualität mit Farbtiefe, Farbunterabtastung und Komprimierung (8 Bit, 10 Bit, 4:2:0, 4:2:2, Long GOP, Intraframe, AVC H.264, HEVC H.265), den Bildern pro Sekunde (24, 25, 30, 48, 50, 60, 100, 120) und der Videoauflösung (6K, 5,9K, 5,4K, C4K, UHD, Full-HD) lässt sich auch noch der Bildbereich während der Videoaufnahme auswählen.

Bei «FULL» erfolgt die Aufnahme in einem Bereich, der dem Bildkreis eines Vollformat-Objektivs entspricht. «S35mm» entspricht dem Bildkreis eines Super-35-mm-Objektivs und bei «Pixel/Pixel» wird mit einem Pixel auf dem Sensor entsprechend einem Pixel im Video aufgenommen.

Im 4K-Videoformat dürfen zudem Anamorphoten, also speziell konstruierte Kamera-Optiken, für anamorphes 4:3-Video eingesetzt werden. Sie dienen dazu, ein besonders breites Bild zu erzeugen, das der menschlichen Wahrnehmung näherkommt als das übliche 4:3- oder 16:9-Filmformat (1).

Natürlich sind auch Aufnahmen in HDR (High Dynamic Range) mit HLG (Hybrid Log Gamma) möglich. Hinzu kommen noch 15 verschiedene Bildstile und Aufnahmen mit V-Log-Gammakurveneinstellung (erweiterter Dynamikumfang) für eine starke Nachbearbeitung des Bildeindrucks («Grading»). Und habe ich die Filter für Bildeffekte schon erwähnt? Und die Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufnahmen?

Hauptmenü, Videobildformat
Hauptmenü, Videobildformat
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 1 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 1 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 2 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 2 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 3 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 3 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 4 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 4 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 5 von 5
Untermenü, Aufnahmequalität, Seite 5 von 5
Untermenü, Aufnahme-Dateiformat
Untermenü, Aufnahme-Dateiformat
Untermenü, Seitenverhältnis 35-mm-Bildkreis
Untermenü, Seitenverhältnis 35-mm-Bildkreis

Bei dieser riesigen Auswahl an Einstellungen und Kombinationen geht schnell mal die Übersicht verloren. Deshalb lassen sich häufig gebrauchte Varianten in einer Auswahlliste sammeln und zudem die Aufnahmequalitäten nach bestimmten Kriterien filtern. So bringt man etwas Ordnung in die Fülle an Videoeinstellungen und kann schnell auf seine Favoriten zugreifen.

Hanteltraining

Wieder ausschwenkbar: Das Touch-Display der Panasonic Lumix S1H kann seitlich aufgeklappt und nach vorne gedreht werden, was bei der S1 und S1R nicht möglich ist.Wieder ausschwenkbar: Das Touch-Display der Panasonic Lumix S1H kann seitlich aufgeklappt und nach vorne gedreht werden, was bei der S1 und S1R nicht möglich ist.

Durch meinen Testbericht über die S1R war ich bereits vorgewarnt über die Grösse und das Gewicht dieser Vollformat-Kameraserie von Panasonic. Tatsächlich wiegt die Lumix S1H sogar noch etwas mehr als die S1R. Von vorne betrachtet sehen sich S1/S1R und S1H zum Verwechseln ähnlich, einzig die rote Aufnahmetaste anstelle des Umschalters rechts vom Bajonett weist auf die speziellen Videofähigkeiten der neuen Kamera hin.

Dreht man die S1H zur Seite, wird der Unterschied augenfällig. Neben den Anschlüssen von Mikrofon, Kopfhörer, USB und HDMI ziert ein Lüftungsgitter beinahe die ganze linke Seite. Dasselbe auf der Rückseite rechts vom Touch-Display. Die neue Kamera hat als erste aus der S-Serie einen Kühlventilator eingebaut, um zeitlich unbegrenzte Videoaufnahmen zu ermöglichen. Im Normalbetrieb ist er kaum zu hören. Im Menü «Lüfter-Modus» lässt sich sein Einsatz sogar in gewissen Grenzen regeln.

Das Display kann nun wie bei den Micro-FourThirds-Modellen wieder seitlich ausgeklappt und nach vorne gedreht werden, was bei der S1 und S1R nicht möglich ist. Hier hat Panasonic auf die vielen Rückmeldungen von S1/S1R-Anwendern reagiert. Das ist gut so, und Freude herrscht bei Vloggern, Youtubern und Selfie-Fans. Es kommt aber noch besser. Das Seitenscharnier wurde so angebracht, dass dem Monitor auch in seitlich aufgeklapptem Zustand keine angeschlossenen Mikrofon-, Kopfhörer-, USB- oder HDMI-Stecker in die Quere kommen. Hier hat mal ein Hersteller praxisgerecht mitgedacht. Der Ventilator und der neue Klappmechanismus erklären auch das leichte Mehrgewicht und das rund 14 Millimeter tiefere Gehäuse der S1H.

Für den Test erhielt ich neben der Kamera noch das Lumix S Standardzoom 24–105 mm / F4.0 / Makro / OIS und das Lumix S Pro Telezoom 70–200 mm / F4.0 / OIS. Die Lumix S1H allein wiegt knapp 1200 Gramm, mit der angeflanschten 24–105-mm-Optik stemmt man dann gleich über 1,9 Kilogramm Fotokamera.

Im Vergleich dazu ist die spiegellose Vollformatkamera EOS RP von Canon zusammen mit dem vergleichbaren Objektiv (24–105 mm, f/4) mit 1,2 kg ein richtiges Leichtgewicht. Wird an Stelle des Lumix-S-Standardzooms das Telezoom 70–200 mm befestigt, hebt man stolze 2,5 Kilogramm in die Höhe. Ein vorheriges Hanteltraining für Lumix S1H-Anwender ist sehr empfehlenswert.

Wie es sich für eine professionelle Kamera gehört, besitzt die Panasonic S1H ein staub- und spritzwasserfestes Magnesiumgehäuse. Es soll laut Hersteller auch härtester Beanspruchung widerstehen können. Die Kamera soll bei Temperaturen von bis zu -10 Grad Celsius funktionieren. Der Verschluss ist für 400'000 Auslösungen ausgelegt.

Die Lumix S1H ist mit einem doppelten UHS-II-kompatiblen Speicherkartensteckplatz für SD-Karten ausgestattet. Die Aufzeichnung kann kontinuierlich, als paralleler Backup oder getrennt nach Dateitypen auf beiden Karten erfolgen. So lassen sich etwa Video- und Fotodaten auf separaten Karten speichern. Der 3050-mAh-Hochleistungsakku kann über USB (USB Power Delivery) mit dem mitgelieferten USB-Kabel rasch geladen werden. Das Kabel dient auch der schnellen Datenübertragung und der Dauerstromversorgung.

Praxisgerecht: Der Monitor der Panasonic Lumix S1H wird auch in seitlich aufgeklapptem Zustand nicht von den angeschlossenen Mikrofon-, Kopfhörer-, USB- oder HDMI-Steckern tangiert.Praxisgerecht: Der Monitor der Panasonic Lumix S1H wird auch in seitlich aufgeklapptem Zustand nicht von den angeschlossenen Mikrofon-, Kopfhörer-, USB- oder HDMI-Steckern tangiert.

Anmerkung

  1. Das anamorphotische Verfahren ist eine Art der Aufzeichnung von Filmen mit speziell konstruierten Kamera-Optiken, den Anamorphoten. Sie dient dem Zweck, ein besonders breites Bild zu erzeugen, das der menschlichen Wahrnehmung näher kommt als etwa das 4:3-Filmformat. Statt das Bild oben und unten zu beschneiden und dadurch Auflösung zu verlieren, verzerren (stauchen) die anamorphischen Linsen zum Rand hin. Bei der Wiedergabe findet dann eine entsprechende Entzerrung (Entstauchung) statt.

Handhabung

Direkter Zugriff: Die Panasonic Lumix S1H ist über viele Tasten, Schalter und Drehräder sowie den Touchscreen schnell und sicher zu bedienen. An der linken Seite dominieren die Lüftungsschlitze der Ventilator-Kühlung.Direkter Zugriff: Die Panasonic Lumix S1H ist über viele Tasten, Schalter und Drehräder sowie den Touchscreen schnell und sicher zu bedienen. An der linken Seite dominieren die Lüftungsschlitze der Ventilator-Kühlung.

Salopp formuliert ist die Lumix S1H eine Lumix S1 mit aufgebohrten Videofunktionen. Die Bauform eines Vollformat-Fotoapparats wurde ebenso übernommen wie die Anordnung der Bedienungselemente und die Menüstruktur. Diese wiederum basiert auf der Micro-FourThirds-Familie von Panasonic. Fotografinnen und Fotografen mit Lumix-G- und GH-Kameras bedienen eine S1H ohne grosses Umlernen.

Woran sie sich jedoch gewöhnen müssen, ist die schiere Grösse und das Gewicht der Lumix S1H. Während andere Hersteller den Wegfall des Spiegels konsequent ausnutzen und Kameras mit viel kleineren Abmessungen bauen, hatten die Panasonic-Ingenieure eher das Gegenteil im Sinn. So fanden alle Finger meiner rechten Hand am ergonomisch geformten Handgriff Halt und ich hatte die Kamera fest und sicher im Griff. Mit dem Unterschied, dass sich die S1H durch ihre Grösse mehr nach Spiegelreflexkamera anfühlt als nach kompakter Spiegelloser.

Den meisten Ab-und-zu-Fotografen und -Filmern sowie Smartphone-Knipsern ist die Lumix S1H jedoch zu klobig und vor allem zu schwer. Dies werden auch mobile Vlogger und Youtuber sehr schnell spüren, wenn sie die Kamera mit ausgestrecktem Arm vor sich her durch die Gegend hieven.

Am grossen Body ist genügend Platz für Tasten, Drehräder und Schalter vorhanden. Was gegenüber einer S1/S1R auffällt, ist das riesige Schulterdisplay und die in Rot gehaltene Videotaste. Der Ein/Ausschalter der S1H ist zudem ganz nach vorne, um den Auslöser herum auf den Handgriff verlegt worden.

Der elektronische Sucher ist wie schon bei der S1/S1R schlichtweg der beste, der mir jemals vors Auge kam. Er besitzt eine Auflösung von 5,76 Millionen Pixeln in OLED-Qualität und zeigt die Motive dank einer Wiederholrate von 120 Bildern pro Sekunde klar und ruckelfrei an. Auf dem Touchscreen-Display kann man sehr gut per Finger durch die Menüs navigieren, in Bilder hineinzoomen, beim Fotografieren scharfstellen und wenn gewünscht auch gleich auslösen. Navigieren und Autofokus-Feld bestimmen geht auch mit dem Joystick. Dieser Stummel reagierte für mich persönlich bei der S1R noch etwas zu empfindlich, sodass ich ab und zu übers Ziel hinausgeschossen bin. Bei der neuen Lumix S1H hatte ich dieses Problem nicht mehr.

Wie den meisten Profikameras fehlt auch der Lumix S1H ein eingebautes Blitzgerät. Sie ist jedoch mit der übrigen Panasonic-Welt kompatibel und ich blitzte problemlos mit einem externen Micro-FourThirds-Blitzgerät von Olympus.

Praxiserprobte Anordnung: Die Funktionen der Tasten und Drehräder sind klar ersichtlich. Das grosse Schulterdisplay zeigt die gewählten Einstellungen.Praxiserprobte Anordnung: Die Funktionen der Tasten und Drehräder sind klar ersichtlich. Das grosse Schulterdisplay zeigt die gewählten Einstellungen.

Anpassungsfreundlich

Beim Fotografieren wähle ich am griffigen Wahlrad links aussen meinen gewünschten Betriebsmodus aus. Neben den bekannten PASM- und Video-Symbolen stehen noch drei Speicherplätze (C1–C3) für eigene Konfigurationen sowie der für Panasonic typische «Intelligente Automatikmodus» zur Verfügung. In dieser «iA»-Position stellt die Kamera die optimale Belichtung für die erkannte Szene vollautomatisch ein und schränkt die Bedienung durch den Anwender auf ein Minimum ein.

Wer diese Esel-Einstellung («iA») verlässt, darf die S1H über viele Direkttasten und das umfangreiche Menü bedienen. Mitunter gefiel die Quick-Menü-Direkttaste «Q» am besten. Damit lassen sich häufig verwendete Funktionen direkt und rasch einstellen, ohne erst den Menübildschirm aufrufen zu müssen. Die Anzeigen des Quick-Menüs dürfen nach eigenen Wünschen angepasst werden.

Auch die Standardbelegung der Funktionstasten lässt sich nach eigenem Geschmack umprogrammieren. Neben den physischen Tasten am Gehäuse gibt es noch fünf weitere virtuelle Funktionstasten (Fn3 bis Fn7) als Touch-Symbole am rechten Rand des Aufnahmebildschirms, die ebenfalls geändert werden können. Genauso wie die Cursortasten und der Joystick.

Reichen diese Anpassungen nicht aus, kann man im Hauptmenü unter «Mein Menü» bis zu 23 eigene häufig verwendete Menü-Elemente zusammenstellen. Wer oft zwischen unterschiedlichen Foto- und Videoaufgaben wechselt, belegt die drei Benutzer-Speicherplätze mit eigenen «Setups», die sich dann bequem per Wahlrad aufrufen lassen.

Schliesslich lassen sich bis zu zehn Sets an Einstellungsinformationen der Kamera auf einer Speicherkarte sichern und damit dieselben Einstellungen auf mehrere S1H-Kameras übertragen.

Wer alle Möglichkeiten der Lumix S1H beherrschen möchte, sollte sich Zeit zum Lesen der Handbücher nehmen. Schon die Kurz-Einführung umfasst 220 Seiten. Und die Bedienungsanleitung ist mit sage und schreibe 626 Seiten die Bettlektüre schlechthin.

Bilder aufnehmen

Von 24 bis 96 Megapixel: Im Fotomodus schiesst die Panasonic Lumix S1H Bilder mit einer maximalen Auflösung von 6000 x 4000 Pixeln. Bei statischen Motiven sind sogar bis zu 12'000 x 8000 Pixel möglich.Von 24 bis 96 Megapixel: Im Fotomodus schiesst die Panasonic Lumix S1H Bilder mit einer maximalen Auflösung von 6000 x 4000 Pixeln. Bei statischen Motiven sind sogar bis zu 12'000 x 8000 Pixel möglich.

Obwohl die S1H vor allem auf Videoaufnahmen spezialisiert ist, hat sie die gesamten Fotomöglichkeiten der S1 mitbekommen. JPEG-Aufnahmen können mit Bildverhältnissen von 4:3, 3:2, 16:9, 1:1, 65:24 und 2:1 erstellt werden. RAW-Bilder werden stets im 3:2-Verhältnis mit 6000 x 4000 Pixeln aufgenommen. Dies ist zugleich die höchste Auflösung im Standard-Foto-Modus.

Wer mehr möchte, kann den High-Resolution-Modus einsetzen, wo per Pixelshift Bilder mit einer Auflösung von sagenhaften 96 Megapixeln erzeugt werden. Er eignet sich ideal für statische Objekte und Landschaftsaufnahmen ab Stativ. Bewegt sich während der Aufnahme dennoch etwas im Bild, versucht die Kamera mit zwei wählbaren Methoden, die Bewegungsunschärfe zu kaschieren.

Serienbilder schiesst die S1H ohne Nachfokussieren mit bis zu 9 Bildern im RAW- und JPEG-Format, mit kontinuierlichem Autofokus noch mit 6 Bildern pro Sekunde. Wer es schneller braucht, wählt die 6K/4K-Fotoaufnahme. Sie erstellt mit 30 oder 60 Bildern pro Sekunde eine Videosequenz, aus der dann Einzelbilder im JPEG-Format mit 18 oder 8 Millionen Pixel extrahiert werden.

Von den Micro-FourThirds-Modellen übernommen wurde auch die Post-Fokus-Funktion. Hier werden Serienbilder in der gleichen Bildqualität wie 6K/4K-Fotos aufgenommen, während automatisch auf verschiedene Bereiche scharfgestellt wird. Selbstverständlich beherrscht die S1H auch Selbstauslöser-, Zeitraffer- oder Stop-Motion-Aufnahmen und das normale Bracketing. Es sind automatische Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Werten für Helligkeit, Weissabgleich, Fokus und Blende möglich.

Panasonic setzt auch bei der Lumix S1H bei der automatischen Scharfstellung auf die Kombination von Kontrast-Autofokus mit der DFD-Technologie. Beim Fotografieren reagierte der AF sehr schnell und präzise. Hier stört auch das systembedingte kurz Hin- und Herfahren zum Schärfepunkt kaum. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann die Lumix S1H zudem mit einen Low-light-AF für Leuchtdichten bis zu -6EV punkten. Im Vergleich zur hochauflösenden Lumix S1R fand die S1H die Schärfe oft noch einen Tick schneller.

Verblüffend ist auch die Gesichts-/Augenerkennung bei Personenaufnahmen. Der Augen-AF erkennt sogar die Pupille des Auges, um bei Portraits darauf zu fokussieren. Wie zurzeit sehr in Mode und von Mitbewerbern stark beworben, ist die auch die Lumix S1H mit einer fortschrittlichen KI-Technologie ausgestattet, die bestimmte Objekte – Personen oder auch sich bewegende Tiere, einschliesslich Hunde, Katzen und Vögel – erkennt.

Neuer Bildsensor und Dual-Native-ISO

Der neu entwickelte 24,2-Megapixel-Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter nutzt die Dual-Native-ISO-Technologie. Diese kam auch schon bei der GH5s zum Einsatz und erlaubt durch Umschalten der Basisempfindlichkeit Aufnahmen mit hoher Empfindlichkeit und reduziertem Rauschen. Je nach Lichtsituation wählt die Kamera eine Grundempfindlichkeit von 100 oder 640 ISO bei den Standard-Bildstilen. Wird mit V-Log oder HLG aufgenommen, ändern sich die beiden ISO-Grundeinstellungen auf höhere Werte (V-Log: 640, 4000, HLG: 400, 2500 ISO). Die Wahl zwischen den beiden Empfindlichkeiten kann von der Kamera automatisch vorgenommen oder durch den Benutzer selber fixiert werden. Mit den Standardeinstellungen sind Werte zwischen 50 und 204'800 ISO möglich.

Laut Hersteller entspricht der Dynamikbereich der Lumix S1H mit über 14 EV-Stufen dem Niveau von Kinokameras. Tatsächlich sind die Fotos aus der S1H sehr kontrastreich und zeigen vor allem bei HLG-Aufnahmen auch noch Zeichnung in sehr hellen Bereichen wie etwa Himmel oder spiegelnde Wasserflächen, die sonst gerne überstrahlen oder «ausreissen», wenn man versucht, die übrigen Motive im Bild korrekt abzulichten. Auch dunkle Bereiche, die schnell unterbelichtet sind, werden in hoher Qualität und mit grossem Farbreichtum so aufgenommen, wie sie sich dem menschlichen Auge darstellen.

HLG (Hybrid Log Gamma) ist ein HDR-Format nach dem internationalem Standard ITU-R BT.2100 und nur für den Bildschirm bestimmt. Die Kamera stellt eine 8K- und 4K-Auflösung zur Wahl. Als HLG-Bildstil kann bei der Lumix S1H Standard oder Monochrom ausgewählt werden. Da HLG-Fotos nicht direkt von Monitor und Sucher der Kamera angezeigt werden, lässt sich im S1H-Menü eine HLG-Ansichtshilfe zur Bestätigung einschalten.

Wiedergabegeräte wie Fernseher oder Monitor müssen ebenfalls die Darstellung von Bildern im HDR-Format unterstützen. Oft muss dafür das Eingangssignal angepasst werden. An meinem UHD-TV zum Beispiel musste ich das HDMI-Signal höchster Qualität (4K60 4:4:4, 4K60 10-Bit-HDR) auswählen, bevor die HDR-Fotos in voller Pracht erstrahlten.

Wer zum erstem Mal HDR-Bilder sieht, findet sie oftmals merkwürdig flau. Man ist sich immer noch gewohnt, durch die Unzulänglichkeit der bisherigen Aufnahme- und Darstellungstechnik, dass dunkle Stellen einfach schwarz sind und helle irgendwann völlig weiss daherkommen. Das Auge muss sich erst an den erweiterten Dynamikumfang mit den viel feineren dunklen und hellen Übergängen gewöhnen.

Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/80 sec., ISO 4000, WB Automatisch.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/80 sec., ISO 4000, WB Automatisch.
Obj. S 24-105, Brennweite 64 mm, A, f/7.1, 1/80 sec., ISO 1000, WB Automatisch.
Obj. S 24-105, Brennweite 64 mm, A, f/7.1, 1/80 sec., ISO 1000, WB Automatisch.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/250 sec., ISO 500, WB Wolken.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/250 sec., ISO 500, WB Wolken.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/200 sec., ISO 1250, WB Blitz, ohne Blitz.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/200 sec., ISO 1250, WB Blitz, ohne Blitz.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/200 sec., ISO 100, WB Blitz, mit Blitz.
Obj. S 24-105, Brennweite 105 mm, M, f/4.0, 1/200 sec., ISO 100, WB Blitz, mit Blitz.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, M, f/4.0, 1/100 sec., ISO 800, WB Wolken, Motiv mitgezogen, Bildausschnitt.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, M, f/4.0, 1/100 sec., ISO 800, WB Wolken, Motiv mitgezogen, Bildausschnitt.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, M, f/4.0, 1/160 sec., ISO 12800, WB Wolken.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, M, f/4.0, 1/160 sec., ISO 12800, WB Wolken.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, S, f/4.0, 1/20 sec., ISO 10000, WB Wolken.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, S, f/4.0, 1/20 sec., ISO 10000, WB Wolken.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, P, f/5.0, 1/800 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildausschnitt.
Obj. S 70-200, Brennweite 200 mm, P, f/5.0, 1/800 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildausschnitt.

Das Testmodell der Lumix S1H war noch mit der Vorserien-Firmware Version 0.4 bestückt, trotzdem konnten die Fotos schon als JPEG-Dateien direkt aus der Kamera in Farbenvielfalt, Detailauflösung und naturgetreuer Darstellung voll überzeugen. Vor allem die genaue Wiedergabe von Hauttönen hat mir sehr gut gefallen.

Die Fotos sehen «crisp» aus, und feine Motivstrukturen werden äusserst detailgenau erfasst. Moiré-Störungen sind mir keine aufgefallen, nur an den Bildrändern bzw. Ecken waren manchmal schwache chromatische Aberrationen (blaugrüne oder pinke Farbsäume an starken Hell/Dunkel-Übergängen) beim Einsatz des Lumix-S-Standardzooms 24–105 mm ersichtlich.

Im Vergleich zu den JPEG-Aufnahmen aus der GH5 oder G9 waren die S1H-Farben noch etwas authentischer und realitätsnäher. Die Bilder kamen je nach Motiv fast schon dreidimensional daher.

Bei Porträtaufnahmen erscheinen die Farbtöne und Abstufungen der menschlichen Haut sehr präzise, natürlich und kräftig, ohne bei der Farbsättigung zu übertreiben. Der Augenfokus arbeitet sehr genau und ist beim Fotografieren mit grosser Blendenöffnung eine willkommene Hilfe. Die Detaildarstellung und Schärfe in den Augen sind ein wahrer Hingucker.

Mit der Standardauflösung von 6000 x 4000 Pixeln erstellt man problemlos grosse Ausdrucke und hat auch genügend Reserven für Bildausschnitte. Eine JPEG-Datei (Einstellung «Large» und «fine») wird dabei zwischen 8 und 12 MB gross. Kommen noch RAW-Dateien hinzu, sind die Festplatten noch schneller gefüllt.

Die Beispielfotos wurden mit 24-MB-Auflösung im Bildstil «natürlich» mit dem Lumix-S-Standardzoom 24–105 mm und dem S-Pro-Telezoom 70–200 mm aus der Hand ohne Stativ erstellt. Für die Bilderstrecke wurden die originalen JPEG-Dateien direkt aus der Kamera genommen und nur in ihrer Grösse reduziert. Bildausschnitte sind vermerkt. Bemerkungen bei den Bildern: Verwendetes Objektiv und Brennweite; Belichtungs-Modus P = Programm, A = Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik, S = Zeitvorwahl bzw. Blendenautomatik, M = manuelle Einstellung; Blende; Verschlusszeit; ISO-Empfindlichkeit; Weissabgleich; spezielle Anmerkungen.

Ich mache mir die Welt ...

Für JPEG-Bilder können 14 verschiedene, vordefinierte Bildstile für die Aufnahme ausgewählt werden. Bei RAW-Fotos sind die Stile auch noch im Nachhinein austauschbar. Unter «My Photo Style» lassen sich zusätzlich zehn eigene Stile zusammenstellen. Zudem kann die Bildqualität für jeden vorgegebenen Bildstil noch nach eigenem Geschmack in Kontrast, Sättigung, Farbton etc. angepasst werden.

Für Videoaufnahmen sind im Prinzip dieselben Bildstile anwendbar. Einschränkungen gibt es nur bei der Wahl des HDR/HLG-Stils, wo zwingend der «Kreative Filme-Modus» und 10-Bit-Aufnahmequalität eingestellt werden müssen.

Die Aufnahmen in der Bildstrecke zeigen nacheinander die 14 vordefinierten Stile der S1H, erstellt mit dem Lumix-S-Standardzoom 24–105 mm bei Brennweite 24 mm, ab Stativ.

Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Standard».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Standard».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Lebhaft».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Lebhaft».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Natürlich».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Natürlich».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Flach».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Flach».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Landschaft».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Landschaft».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Porträt».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Porträt».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Monochrom».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Monochrom».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «L. Monochrom».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «L. Monochrom».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «L. Monochrom D».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «L. Monochrom D».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Cinema-like Dynamisch 2».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Cinema-like Dynamisch 2».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Cinema-like Video 2».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Cinema-like Video 2».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Wie 709».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Wie 709».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «V-Log».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «V-Log».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Wie 2100 (HLG)».
Obj. S 24-105, Brennweite 24 mm, P, f/6.3, 1/250 sec., ISO 100, WB Wolken, Bildstil «Wie 2100 (HLG)».

Spielfilme, Reportagen, Dokumentationen

Ready for Action: Eine aufgeriggte Panasonic Lumix S1H mit externem Monitor/Recorder, Cinema-Optik und Follow-Focus-Vorrichtung im Manfrotto-Universal-Kamerakäfig.Ready for Action: Eine aufgeriggte Panasonic Lumix S1H mit externem Monitor/Recorder, Cinema-Optik und Follow-Focus-Vorrichtung im Manfrotto-Universal-Kamerakäfig.

Bei den Videoeigenschaften wurde vieles von der Micro-FourThirds-Kamera GH5s übernommen. Im Gegensatz zu ihr besitzt die S1H jedoch einen Bildstabilisator im Gehäuse (IBIS) und kann ihn mit den Objektiv-Stabilisatoren kombinieren.

Bei Videoaufnahmen werden so Kameraverwacklungen entlang der Vertikal-, Horizontal-, Roll-, Nick- und Gier-Achsen korrigiert, indem der Bildstabilisator im Objektiv, der Bildstabilisator im Gehäuse und der elektronische Bildstabilisator gemeinsam verwendet werden (5-Achsen-Hybridbild-Stabilisatorfunktion). Damit lässt sich mit der S1H ohne weiteres aus der Hand filmen.

Filmemacher werden die Kamera dennoch bevorzugt mit einer Haltevorrichtung wie einem Rig, Käfig oder Gimbal einsetzen, denn zum einen ist die Fotoapparat-Haltung nach wie vor nicht optimal zum Filmen geeignet und zum andern braucht es Halterungen fürs Zubehör.

Apropos Zubehör: Der Audio-Adapter DMW-XLR-1, ursprünglich für die GH5 konzipiert, funktioniert auch an der S1H. Im Lieferung der Kamera befindet sich zudem ein Kabelhalter, der verhindert, dass sich Kabel lösen und die Anschlüsse beschädigt werden. Die S1H bietet wieder zwei SD-Kartenschächte, das XQD-Kartenformat der S1 und S1R wird nicht mehr unterstützt.

Rotlicht-Milieu

Videoaufnahmen lassen sich über die beiden unübersehbaren roten Knöpfe – der eine oben auf der Kamera, der andere vorne neben dem Objektiv – starten. Letzterer ist für Selfies und Vlogger praktisch. Während der Aufnahme leuchtet vorne und hinten an der Kamera je ein rotes Kontrolllicht, die sogenannten Tally-Lampen. Für die Person vor der Kamera ist somit klar, wann sie «auf Sendung» ist. Der Filmerin oder dem Filmer wird zudem durch einen roten Rahmen im Aufnahmebildschirm angezeigt, dass aufgenommen wird. Dies ist in hektischen Situationen von Vorteil, wenn das übliche kleine rote Aufnahme-Symbol auf dem Display schon mal übersehen wird. Alle Aufnahme-Kontrolllichter lassen sich einzeln ein- und ausschalten.

Auch sonst stehen viele Anzeigen speziell für Video bereit. Neben Ansichtshilfen bei V-Log-, HLG- und anamorphotischen Aufnahmen lassen sich Zentral- und Videobildmarkierungen, Zebramuster, Waveformmonitor oder Vektorskop, Kantenbetonung (Peaking) für manuelle Fokussierung sowie verschiedene Farbbalken mit Pegelton einblenden und auch den Bildschirm in Schwarz-Weiss darstellen. Im Nachtmodus werden Monitor und Sucher in gedämpftem Rot angezeigt, damit sie nicht blenden. Soll möglichst leise gefilmt werden, lassen sich Belichtungs- und Toneinstellungen per Touch-Betrieb ohne Bediengeräusche verändern.

Das Display bietet für Fotografen, Filmemacher und Videoproduzenten die jeweils «branchengerechte» Anzeige. Die Verschlusszeit lässt sich in Sekunden oder Winkelgraden und die Verstärkung in ISO-Werten oder dB-Gain anzeigen.

Auskunftsbüro: Die vielen Anzeigen auf dem Monitor informieren auf einen Blick und ausführlich über die aktuellen Kameraeinstellungen inklusive Tonpegel und Kühlventilator-Modus.Auskunftsbüro: Die vielen Anzeigen auf dem Monitor informieren auf einen Blick und ausführlich über die aktuellen Kameraeinstellungen inklusive Tonpegel und Kühlventilator-Modus.

Kreativ filmen

Mit der Lumix S1H kann im «Intelligenten Automatikmodus» gefilmt werden. Doch dies wäre Perlen vor die Säue geworfen, denn erst im «Kreative Filme-Modus» lassen sich alle Videofunktionen nutzen. Zudem ist nur dort wählbar, dass die Einstellungen für Videoaufnahmen und für das Fotografieren voneinander getrennt veränderbar sind. Sonst werden die Werte für Belichtung und Weissabgleich, die im Video-Modus geändert wurden, auch beim Aufnehmen von Bildern in den Modi P/A/S/M übernommen.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle möglichen Videoaufnahmeformate der Lumix S1H im Detail zu erwähnen. Ich beschränke mich hier auf die wichtigsten Erkenntnisse, die ich während der Tests gewonnen habe und die mir im praktischen Betrieb aufgefallen sind.

Das MOV-Format erlaubt die meisten Varianten und ist zwingend für 6K-Videoaufnahmen erforderlich. Die MP4-Dateien der Lumix S1H können nur bis UHD-Grösse (3840 x 2160 Pixel) aufnehmen. Zudem muss der Bildbereich für Video auf «FULL» stehen. Wer die Kamera auf unsere europäische Systemfrequenz von 50 Hz, also PAL, eingestellt hat, wird jedoch auch im MOV-Videoformatmenü keine 6K-Einstellung finden. Hier ist bei 5.9K mit 5888 x 3312 Pixeln, 16:9 Seitenformat und 25 Bildern pro Sekunde Schluss.

Erst wenn die Frequenz entweder auf 59.94 Hz (NTSC) oder 24 Hz (CINEMA) steht, gibt es die volle 6K-Auflösung mit 5952 x 3968 Pixeln und 24p, aber nur im 3:2 Bildseitenformat. 16:9 in 6K ist nicht möglich. Am nächsten kommt hier wieder 5.9K mit 5888 x 3312 Pixeln. Bei NTSC sind dann im 16:9 Seitenformat auch 30 und 24 Bilder pro Sekunde möglich.

Sobald bei Cinema-4K mit 4096 x 2160 Pixeln, 17:9 Seitenformat, oder 4K/UHD (3840 x 2160) mit mehr als 48 Bildern pro Sekunde aufgenommen wird, liest die Lumix S1H nicht mehr den gesamten Bildbereich (FULL), sondern nur noch die kleinere Super-35-mm-Fläche (S35) aus. Damit ändert sich der Bildwinkel geringfügig. Dies geschieht auch beim Anschliessen von Anamorphoten. Dann ist es hilfreich, sich zur Sicherheit die Bilder und den Bildwinkel anzuzeigen, die sich beim Zuschneiden nach der Entstauchung ergeben.

Flächenanpassung: Je nach Videoauflösung und Bildrate liest die Panasonic Lumix S1H einen unterschiedlichen Bildbereich aus.Flächenanpassung: Je nach Videoauflösung und Bildrate liest die Panasonic Lumix S1H einen unterschiedlichen Bildbereich aus.

Im Gegensatz zu einer Lumix GH5, die beim Einstellen auf anamorphotisches Filmen auch den Bildstabilisator anpasst, bleibt die Lumix S1H hier im normalen Format. Ein manuelles Wählen der Stabilisierung auf die eingesetzte anamorphe Optik (2.0, 1.8, 1.5, 1.33 oder 1.30) ist notwendig.

Interessant ist auch die Möglichkeit, mit dem flachen Bildstil «V-Log» zu filmen. Mit der Lumix S1H kriegt man die volle Version «V-Log», nicht nur eine abgespeckte wie bei GH5 und GH5s mit «V-Log L». Damit ist die S1H bei den Farbeigenschaften (Color Science) mit den professionellen Filmkameras der VariCam-Reihe von Panasonic kompatibel. Für einen besseren Eindruck der sonst eher flauen und farblosen «V-Log»-Bilder bei der Aufnahme können als Hilfestellung Look-up-Tables (LUTs) zugeschaltet und am Sucher oder Bildschirm angeschaut und über HDMI ausgegeben werden.

Zu dem voreingestellten LUT «Vlog_709» lassen sich weitere LUT-Daten im Format «.vlt» von der Speicherkarte auf die S1H übertragen. Bis zu vier LUT-Dateien können gespeichert werden. So kann zum Beispiel dem Auftraggeber bereits bei der Aufnahme gezeigt werden, wie das Endresultat in etwa aussehen wird, während die aufgezeichneten «flachen» Sequenzen noch genügend Reserven für eine umfassende Bildbearbeitung oder Farbgestaltung (Color Grading) besitzen.

Die Videobildqualität der Lumix S1H ist bereits mit den eingebauten Bildstilen sehr gut. Die Aufnahmen lassen sich ohne weiteres gleich aus der Kamera verwenden. Da mit HLG und V-Log noch umfangreiche Bildbeeinflussungen möglich sind, ist eine «neutrale» Bildbeurteilung eigentlich sinnlos.

Die erste Videosequenz im folgenden Beispiel zeigt den unbearbeiteten Bildstil «Landschaft» direkt aus der Lumix S1H, die zweite Aufnahme den originalen, flachen V-Log-Stil ohne V-Log-Ansichtshilfe.

Das Vollformat der Kamera ermöglicht es, sehr einfach schöne Schärfeebenen zu erzeugen. Im Beispiel wurde der Fokus auf die Schnecke gelegt, Vorder- und Hintergrund liegen in Unschärfen.

Dauer-AF positiv aufgefallen

Die Micro-FourThirds-Kameras Lumix G9, GH5, GH5s und die Vollformat-Kamera Lumix S1R, die ich alle schon testen konnte, zeigten bei der automatischen Schärfenachführung beim Filmen stets die gleichen Schwächen und Schwierigkeiten. Man konnte sich einfach nicht darauf verlassen. Manchmal funktionierte es, dann wieder nicht.

Die von Panasonic eingesetzte Autofokus-Technik führt besonders bei ungünstigen Lichtverhältnissen zu Schärfepumpen. Der Autofokus schiesst dabei über das AF-Ziel hinaus und muss zurück korrigieren. Je nach Motiv ein- oder mehrmals. Das sieht einfach nicht professionell aus.

Bei der neuen Lumix S1H haben die Panasonic-Ingenieure nachgebessert. Der Autofokus arbeitet jetzt zuverlässiger, kommt jedoch immer noch nicht an Sony und Canon heran. Zufällig hatte ich noch die knapp achtmal günstigere EOS M200 von Canon im Test. Sie stellte auch durch eine Fensterscheibe hindurch problemlos nach draussen scharf. Die Lumix S1H versagte dabei regelmässig und der Autofokus blieb einfach stehen.

Die folgenden Aufnahmen wurden im Videoformat MOV, UHD 3840 x 2160 Pixel Auflösung, 50p, 4:2:0, 10-Bit-L, kontinuierlicher Autofokus (AF-C), AF-Mode 2 dauernd und mittenbetonte Belichtungsmessung gefilmt. Die individuellen AF-Einstellungen für Video standen bei AF-Geschwindigkeit und AF-Empfindlichkeit jeweils auf neutral Null. Als AF-Feld wurde «1-Feld + kleinstes» gewählt, das sich bislang als zuverlässigste Einstellung bewährt hatte. Dieses AF-Feld befand sich während der Aufnahmen immer in der Bildmitte und ich konnte präzise auf die verschiedenen Motivebenen zielen.

Bei den ersten beiden Sequenzen im folgenden Video reagiert der kontinuierliche Autofokus (AF-C) wie gewünscht und stellt jeweils in angenehmer Geschwindigkeit auf das neue Motiv scharf. Selbst die Regentropfen in der zweiten Szene werden zügig fokussiert. Bei der dritten Aufnahme fährt der AF-C dann völlig unerklärlich aus der Schärfe und kann sie nicht mehr zurückbringen.

Mir ist es unverständlich, wieso Panasonic nicht die bessere AF-Phasenerkennungs-Technik einsetzt. Natürlich kann man einwenden, dass ein Profi immer manuell scharfstellt. Dennoch bleibt bei einer so teuren Kamera in diesem Punkt ein fader Nachgeschmack.

Fazit

Zukunftsmusik beziehungsweise Zukunftsformat: Anfang 2020 wird die Panasonic Lumix S1H mit einem Firmware-Update das Apple-ProRes-RAW-Format auf dem externen Monitor-Recorder Atomos Ninja V aufzeichnen können.Zukunftsmusik beziehungsweise Zukunftsformat: Anfang 2020 wird die Panasonic Lumix S1H mit einem Firmware-Update das Apple-ProRes-RAW-Format auf dem externen Monitor-Recorder Atomos Ninja V aufzeichnen können.

Die Panasonic Lumix S1H bietet eine sehr gute Foto- und Videoqualität. Bei wenig Licht ist die Kamera dank Dual-Native-ISO dem Modell Lumix S1 beim Bildrauschen deutlich überlegen und selbst bei ISO 12'800 kann weitgehend rauschfrei fotografiert und gefilmt werden.

Die S1H ist klar auf professionelle Filmemacher und Videoproduzenten ausgerichtet und bietet mit der Aufzeichnung von 4K-Video in 4:2:2 und 10-Bit All-Intra auf die internen Speicherkarten zurzeit ein Alleinstellungsmerkmal. Mit der zukünftigen Ausgabe von 5,9K/29.97p-RAW-Videodaten auf den Atomos Ninja V 4K HDR Monitor-Recorder baut sie ihre Position noch weiter aus und konkurriert damit sowohl mit den VariCam-Modellen aus dem eigenen Haus wie auch mit Produkten von Blackmagic Cinema sowie der Sony-FS- und der Canon-C-Serie.

Mit dem schweren und klobigen Gehäuse in Fotokameraform lassen sich zwar recht gut Einzelbilder aufnehmen, doch für Videoaufnahmen ist es kaum geeignet und wird deshalb vor allem in Rigs und mit Zubehör wie Fokussiereinrichtung, Filterhalter und externem Monitor eingesetzt werden. Die Zuverlässigkeit des kontinuierlichen Autofokus (AF-C) ist nach wie vor verbesserungsfähig.

avguide.ch meint

Die Panasonic Lumix S1H ist sehr schwer, sehr gross, sehr teuer und kann sehr viel im Videobereich. Als dritte im Bunde der Lumix-Vollformatkamera-Serie hat auch sie eine beeindruckende Menge an bekannten Videoeigenschaften aus den Micro-FourThirds-Modellen von Panasonic übernommen.

Nicht nur vom Preis her richtet sie ihr Augenmerk vor allem auf professionelle Anwender. Auch ihre Bedienung und die richtige Auswahl der vielen Videoformate verlangt Profi-Wissen oder zumindest den Willen, sich mit dieser Materie gründlich auseinanderzusetzen.

Die Gehäuseform ist nach wie vor aufs Fotografieren hin optimiert und man kommt nicht umhin, zusätzliche Haltevorrichtungen wie Rig, Käfig oder Gimbal einzusetzen und weiteres Zubehör für filmgerechtes Bedienen anzuschaffen. Rechnet man alle zusätzlichen Ausgaben zusammen, stellt sich mir die – vielleicht ketzerische – Frage, wieso man nicht gleich in eine professionelle digitale Filmkamera investiert.

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