Bilder aufnehmen
Von 24 bis 96 Megapixel: Im Fotomodus schiesst die Panasonic Lumix S1H Bilder mit einer maximalen Auflösung von 6000 x 4000 Pixeln. Bei statischen Motiven sind sogar bis zu 12'000 x 8000 Pixel möglich.Mit der Panasonic Lumix DC-S1H kann man sehr gut fotografieren. Ihre wahren Werte und Vorzüge zeigt die neue Kamera jedoch beim Filmen. Dafür wurde sie speziell konzipiert und ermöglicht laut Hersteller als weltweit erste digitale Wechselobjektiv-Systemkamera Videoaufnahmen in 6K-Auflösung mit 24 Vollbildern pro Sekunde.
Auch sonst ist die neue Kamera mit vielen professionellen Video-Features ausgestattet und lässt das Herz von Filmemachern und Videoproduzenten höher schlagen. Panasonic ist dabei ähnlich vorgegangen wie schon bei den drei Micro-FourThirds-Modellen G9, GH5 und GH5s. In gleicher Reihenfolge sind dies beim Vollformat die Lumix S1R mit riesiger 47,3-Megapixel-Auflösung als professionelle Fotokamera, das Modell S1 mit 24,2 Megapixel als Foto/Video-Allrounder und neu die Lumix S1H als spezialisierte Filmkamera.
Dazu erhielt sie einen neu entwickelten 24,2-Megapixel-Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter. Damit sind in höchster Qualitätsstufe Aufnahmen in 6K mit 24p im Seitenverhältnis 3:2 möglich, oder 5,9K mit 30p in 16:9, oder 4K/Cinema-4K mit 60p und 10-Bit Farbtiefe. Die maximale Videoauflösung der S1H beträgt 5952 x 3968 Pixel.
Damit kann man in 6K-Auflösung filmen oder beim Schnitt für 4K-Projekte nachträglich ohne Qualitätsverluste ins Bild zoomen oder einen anderen Ausschnitt bestimmen. Für eine nachträgliche Bildstabilisierung per Software stehen mehr Pixel zur Verfügung. Zur Erinnerung: 4K/UHD benötigt nur 3840 x 2160 Pixel. Wer mit Full-HD (1920 x 1080 Pixel) zufrieden ist, darf mit der S1H auch schon während der Aufnahme digital im Bild schwenken, ohne die Kamera selbst zu bewegen.
Neuer Bildsensor und Dual-Native-ISO
Der neu entwickelte 24,2-Megapixel-Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter nutzt die Dual-Native-ISO-Technologie. Diese kam auch schon bei der GH5s zum Einsatz und erlaubt durch Umschalten der Basisempfindlichkeit Aufnahmen mit hoher Empfindlichkeit und reduziertem Rauschen. Je nach Lichtsituation wählt die Kamera eine Grundempfindlichkeit von 100 oder 640 ISO bei den Standard-Bildstilen. Wird mit V-Log oder HLG aufgenommen, ändern sich die beiden ISO-Grundeinstellungen auf höhere Werte (V-Log: 640, 4000, HLG: 400, 2500 ISO). Die Wahl zwischen den beiden Empfindlichkeiten kann von der Kamera automatisch vorgenommen oder durch den Benutzer selber fixiert werden. Mit den Standardeinstellungen sind Werte zwischen 50 und 204'800 ISO möglich.
Laut Hersteller entspricht der Dynamikbereich der Lumix S1H mit über 14 EV-Stufen dem Niveau von Kinokameras. Tatsächlich sind die Fotos aus der S1H sehr kontrastreich und zeigen vor allem bei HLG-Aufnahmen auch noch Zeichnung in sehr hellen Bereichen wie etwa Himmel oder spiegelnde Wasserflächen, die sonst gerne überstrahlen oder «ausreissen», wenn man versucht, die übrigen Motive im Bild korrekt abzulichten. Auch dunkle Bereiche, die schnell unterbelichtet sind, werden in hoher Qualität und mit grossem Farbreichtum so aufgenommen, wie sie sich dem menschlichen Auge darstellen.
HLG (Hybrid Log Gamma) ist ein HDR-Format nach dem internationalem Standard ITU-R BT.2100 und nur für den Bildschirm bestimmt. Die Kamera stellt eine 8K- und 4K-Auflösung zur Wahl. Als HLG-Bildstil kann bei der Lumix S1H Standard oder Monochrom ausgewählt werden. Da HLG-Fotos nicht direkt von Monitor und Sucher der Kamera angezeigt werden, lässt sich im S1H-Menü eine HLG-Ansichtshilfe zur Bestätigung einschalten.
Wiedergabegeräte wie Fernseher oder Monitor müssen ebenfalls die Darstellung von Bildern im HDR-Format unterstützen. Oft muss dafür das Eingangssignal angepasst werden. An meinem UHD-TV zum Beispiel musste ich das HDMI-Signal höchster Qualität (4K60 4:4:4, 4K60 10-Bit-HDR) auswählen, bevor die HDR-Fotos in voller Pracht erstrahlten.
Wer zum erstem Mal HDR-Bilder sieht, findet sie oftmals merkwürdig flau. Man ist sich immer noch gewohnt, durch die Unzulänglichkeit der bisherigen Aufnahme- und Darstellungstechnik, dass dunkle Stellen einfach schwarz sind und helle irgendwann völlig weiss daherkommen. Das Auge muss sich erst an den erweiterten Dynamikumfang mit den viel feineren dunklen und hellen Übergängen gewöhnen.
Das Testmodell der Lumix S1H war noch mit der Vorserien-Firmware Version 0.4 bestückt, trotzdem konnten die Fotos schon als JPEG-Dateien direkt aus der Kamera in Farbenvielfalt, Detailauflösung und naturgetreuer Darstellung voll überzeugen. Vor allem die genaue Wiedergabe von Hauttönen hat mir sehr gut gefallen.
Die Fotos sehen «crisp» aus, und feine Motivstrukturen werden äusserst detailgenau erfasst. Moiré-Störungen sind mir keine aufgefallen, nur an den Bildrändern bzw. Ecken waren manchmal schwache chromatische Aberrationen (blaugrüne oder pinke Farbsäume an starken Hell/Dunkel-Übergängen) beim Einsatz des Lumix-S-Standardzooms 24–105 mm ersichtlich.
Im Vergleich zu den JPEG-Aufnahmen aus der GH5 oder G9 waren die S1H-Farben noch etwas authentischer und realitätsnäher. Die Bilder kamen je nach Motiv fast schon dreidimensional daher.
Bei Porträtaufnahmen erscheinen die Farbtöne und Abstufungen der menschlichen Haut sehr präzise, natürlich und kräftig, ohne bei der Farbsättigung zu übertreiben. Der Augenfokus arbeitet sehr genau und ist beim Fotografieren mit grosser Blendenöffnung eine willkommene Hilfe. Die Detaildarstellung und Schärfe in den Augen sind ein wahrer Hingucker.
Mit der Standardauflösung von 6000 x 4000 Pixeln erstellt man problemlos grosse Ausdrucke und hat auch genügend Reserven für Bildausschnitte. Eine JPEG-Datei (Einstellung «Large» und «fine») wird dabei zwischen 8 und 12 MB gross. Kommen noch RAW-Dateien hinzu, sind die Festplatten noch schneller gefüllt.
Die Beispielfotos wurden mit 24-MB-Auflösung im Bildstil «natürlich» mit dem Lumix-S-Standardzoom 24–105 mm und dem S-Pro-Telezoom 70–200 mm aus der Hand ohne Stativ erstellt. Für die Bilderstrecke wurden die originalen JPEG-Dateien direkt aus der Kamera genommen und nur in ihrer Grösse reduziert. Bildausschnitte sind vermerkt. Bemerkungen bei den Bildern: Verwendetes Objektiv und Brennweite; Belichtungs-Modus P = Programm, A = Blendenvorwahl bzw. Zeitautomatik, S = Zeitvorwahl bzw. Blendenautomatik, M = manuelle Einstellung; Blende; Verschlusszeit; ISO-Empfindlichkeit; Weissabgleich; spezielle Anmerkungen.
Ich mache mir die Welt ...
Für JPEG-Bilder können 14 verschiedene, vordefinierte Bildstile für die Aufnahme ausgewählt werden. Bei RAW-Fotos sind die Stile auch noch im Nachhinein austauschbar. Unter «My Photo Style» lassen sich zusätzlich zehn eigene Stile zusammenstellen. Zudem kann die Bildqualität für jeden vorgegebenen Bildstil noch nach eigenem Geschmack in Kontrast, Sättigung, Farbton etc. angepasst werden.
Für Videoaufnahmen sind im Prinzip dieselben Bildstile anwendbar. Einschränkungen gibt es nur bei der Wahl des HDR/HLG-Stils, wo zwingend der «Kreative Filme-Modus» und 10-Bit-Aufnahmequalität eingestellt werden müssen.
Die Aufnahmen in der Bildstrecke zeigen nacheinander die 14 vordefinierten Stile der S1H, erstellt mit dem Lumix-S-Standardzoom 24–105 mm bei Brennweite 24 mm, ab Stativ.

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