TESTBERICHT
JBL Xtreme 2 portable Speaker.JBL Xtreme 2 portable Speaker.

Wie so oft bei portablen Aktivlautsprechern, deuten ihre Beschreibungen von offizieller Seite (Hersteller und PR-Agenturen) auf bestimmte Erlebnisse hin, die sich mit dem Produkt verbessern lassen: «Mit einem überragenden Hörerlebnis bringt man jede Party in Schwung» steht da etwa geschrieben. Und damit hat es sich schon. Der Rest ist vor allem «Usability», all das, was man damit machen kann, wie es um die Konnektivität bestellt ist und wie die Wertigkeit der Konstruktion ist. Das ist auch beim JBL Xtreme 2 der Fall.

Warum gelingt es diesen Werbetexter-Talenten eigentlich nicht, ernsthaft und mit Zuwendung ein Musikerlebnis zu beschreiben, das über Attribute wie «kristallklare Höhen», «satten Bass» und «warmen Sound» hinausgeht? Schliesslich gibt es portable Aktivlautsprecher, die tatsächlich sehr gut klingen – und das kann man auch beschreiben.

Aber darum geht es nicht. Klang ist schlicht Nebensache. Hauptsache, es ist laut für die Hiphop-Kids. Und den «Alten» ist es ja inzwischen auch wurst. Wichtig ist die Bedienung: womit und woher, von überall her und in hundert Räumen auch noch.

Dem Konsumenten wird die Bedeutung der Klangqualität unterschlagen oder sie wird banalisiert. Dabei macht man die Rechnung ohne den Wirt: Den Konsumenten ist es nicht egal. Sie haben durchaus Verständnis dafür, aber die «Kommunikations-Heinis» eben nicht. Würden Sie einen Wein kaufen, wenn dieser geschmacklich mit immer denselben Attributen versehen würde? Beileibe nicht. Sie wären echt irritiert.

Ob es beim Wein immer zutrifft, mag man bezweifeln, aber gegenüber der Semantik der Wein-Probierer ist diejenige der Klang-Beschreiber (PR-Büros) modernen Zuschnitts nahe am Analphabetismus angelangt.  

Und was hat das mit dem JBL Xtreme 2 zu tun? Dieser aktive und portable Lautsprecher hat es mir angetan, weil er ungewöhnlich gut klingt, wenn man da wirklich hinhört. Deshalb stelle ich jetzt die Reihenfolge um und spreche über den Klang – und erst später über den Rest.

avguide.ch meint

Man könnte glauben, es gäbe eine Art «Standard-Klangqualität», wenn man feststellt, wie wenig die professionellen Marketing-Kommunikationsleute zum Klang zu sagen haben. Klangqualität scheint für sie selbstverständlich zu sein.

Musikerlebnis

Café Vaudois chez Lotti: Ein Geheimtipp mit einer der schönsten Terrassen der Stadt Olten.Café Vaudois chez Lotti: Ein Geheimtipp mit einer der schönsten Terrassen der Stadt Olten.

Es gibt auf Youtube ein Live-Video des begnadeten Gitarristen John Mayer (Live in Los Angeles). Der Song «Gravity» unterscheidet sich von der Studio-Version durch die Dauer von 10 Minuten und beginnt mit einem kleinen, leisen Solo auf seiner Fender Strat: ein sanftes Geplänkel, gekonnt und intensiv, ins Herz gehend. Dann singt er einleitend so, dass seine Fans in verzückter Erwartung harren und ein bisschen Lärm machen. Dann das Schlagzeug mit Snaredrum, HiHat, dann die Pauke. Dann der Bass.

Ein überzeugend realistischer Bass, knackig und mit wenig Eigenklang (Lautsprecherklang), der nach dem Instrument klingt. Auch die Pauke gefiel mir sehr gut mit ihrer verblüffenden Strenge. Es klingt sehr ungewöhnlich für einen Bluetooth-Lautsprecher dieser Klasse. Das Gitarrenspiel ist ein echter Leckerbissen, und Mayers Gesang, leicht nasal und kehlig, ging unterbewusst an meine Gefühlsebene. Bei sehr hohen Pegeln entstand dann ein – gerade noch akzeptabler – Klangbrei.

Schade, dass die Musik gegenüber dem Bild gefühlte 300 Millisekunden nachhinkte. Diese Latenz ist für «Videohörer» bestimmt unangenehm, da nicht mehr lippensynchron.

Dann wagte ich mich an die Klassik: Beethovens 7. Sinfonie, 2. Satz, eine schöne Aufnahme dirigiert von Christian Thielemann. Die Streicher kamen dezent und seidig schwebend aus dem Lautsprecher, und die grollenden Kontrabässe bildeten ein überzeugendes Fundament. Der Satz beginnt leise und wird immer lauter. Der Lautsprecher schafft es, dass alles gut durchhörbar bleib. Der Hochtonbereich ist insgesamt etwas zurückhaltend – oder anders ausgedrückt: nicht so aufdringlich «kristallklar» ...

Man kann mit dem Xtreme 2 sehr schön Klassik hören, wenn man sich damit «ausnahmsweise nicht an einer Party aufhält».

Und dann Jazz: Marcus Miller auf seinem Live Album «Tutu Revisited» mit einer Neuauflage von «Jean Pierre» (Miles Davis). Dieser furztrockene Hammerbass ist eine echte Herausforderung, die aber vom Xtreme 2 gut gemeistert wurde. Echt gut! Erstaunlich präzise und schnell, wie ich es nie gehört habe bei einem Lautsprecher dieser Art. Es gibt da auch eine harmonische Ganzheit, die überzeugt: Klangfärbungen sind immer angenehm, das Geschehen ist ausgewogen und verblüffend dynamisch.

Kommen wir noch zu der beliebten audiophilen Disziplin der Frauenstimmen: Wir hören Kari Bremnes auf ihrem Album «Svarta Björn» mit dem bekannten «HiFi-Messen-Vorführstück» «Sangen Om Fyret Ved Tornehamn». Kari hat seit dem Beginn ihrer Karriere Wert auf hervorragende Aufnahmen gelegt. Deshalb ist sie den Audiophilen ein Begriff, aber anderswo viel weniger bekannt.

Auch hier hatte der Bass eine völlig überzeugende Gravität, die im programmierten Musikgehirn (Hörerfahrung) gleich den Referenzklang hervorholte. Das Klanggemälde von Kari Bremnes kam ungebremst dynamisch, differenziert herüber und ihre Stimme war geradezu hypnotisierend.

Klangfazit

Die Musik kommt von einem Ort, da wo der Lautsprecher steht – aber losgelöst, schwebend und trotzdem recht gut ortbar. Man kann nicht erwarten, dass es wie gutes Stereo klingt und einen überzeugenden, dreidimensionalen Raum aufbaut, doch ist der Kompromiss einfach zu verdauen. Der Extreme 2 klingt in der Tat sehr musikalisch und vermutlich dank einiger DSP-Tricks, die immerhin 300 Millisekunden Zeit kosten, einfach irgendwie «richtig».

ich habe den JBL Extreme 2 in einem 60 m2 grossen Studioraum mit guter Akustik getestet. Er stand auf einem Sideboard, ca. 40 cm von der Wand entfernt, ich sass drei Meter davor. Das ist zu berücksichtigen.

Benutzerfreundlichkeit

Kirchgasse in Olten mit einem der vielen Brunnen: Sollte der Xtreme 2 einmal reinfallen, dann fällt nicht gleich auch die Musik ins Wasser.Kirchgasse in Olten mit einem der vielen Brunnen: Sollte der Xtreme 2 einmal reinfallen, dann fällt nicht gleich auch die Musik ins Wasser.

Wenn der Xtreme 2 ins Wasser fallen sollte, dann sorgt seine Wasserdichtheit nach Schutzklasse IPX7 dafür, dass er das übersteht. Regen oder Spritzwasser ist hier vermutlich relevanter als das Eintauchen in den Pool. Ich kann allerdings nicht beurteilen, was heute an Partys so alles abgeht.

Das extrem stabile Gehäuse mit 3,4 kg Gewicht trägt bestimmt zur Klangqualität bei. Das Basssystem ist geschlossen, anders geht es kaum mit Schutzklasse IPX7, und niemand wird ein offenes Bassreflex-Prinzip vermissen. Der Lautsprecher ist ja aktiv und hat ein DSP. Gegen aussen arbeiten auch zwei Passivmembranen, welche die 7,75-Zoll-Tieftöner unterstützen. Dazu gesellen sich zwei 20-mm-Hochtöner. Insgesamt wirken 2 x 20 Watt RMS Leistung.

Der Frequenzgang wird mit 55 Hz bis 20 kHz angegeben. Die 55 Hz sind sicher noch hörbar, liegen aber vermutlich bei etwa -6 dB.

Der Lithium-Ionen-Akku hält bis zu 15 Stunden und braucht 3,5 Stunden fürs Nachladen. Eine USB-Ladebuchse erlaubt das Aufladen oder den Betrieb von Smartgeräten. Das ist praktisch: Es bringt ja nix, wenn der Extreme 2 noch viel Strom hat, aber das iPhone leer ist.

Der Speaker lässt sich in das Ecosystem JBL Connect+ einbinden und kann sich dann mit mehr als 100 JBL-Connect+-fähigen Lautsprechern verbinden – oder «connecten», wie man heute zu sagen pflegt.

Der Tragegurt ist von hoher Qualität und erlaubt das bequeme Tragen der 3,4 kg. Daran ist ein Flaschenöffner befestigt. Eine witzige Idee, denn gerne vergisst man diese Helfer zuhause.

Das Design ist sowohl cool, jugendlich, aber auch schön. Man hat einen Lautsprecher in der Hand, von dem man sehr schnell denkt, dass er seinen Preis wert ist.

Der Rest

Die alte Holzbrücke in Olten, die kürzlich wieder gebrannt hat. Musikhören ist erlaubt, Rauchen nicht mehr.Die alte Holzbrücke in Olten, die kürzlich wieder gebrannt hat. Musikhören ist erlaubt, Rauchen nicht mehr.

Wie Sie den Bildern ansehen, bin ich, der Exil-Zürcher, mit dem JBL Extreme 2 durch meine Wahlheimatstadt Olten gewandert, auf der Suche nach interessanter Kulisse. Olten-Tourismus war nicht involviert. Der schöne Herbsttag passte gut.

Das Tragen des Extreme 2 ist sehr angenehm. Der Tragriemen hält gut an der Schulter, auch wenn man keine eckigen Schultern hat. Man kann das Gerät fast überall hinstellen, auch auf völlig unebene Flächen. Die Standfüsse sind gut konstruiert.

Der Extreme 2 ist ein Outdoor-Speaker für alle Fälle – und so ist sein Design und seine Marketing-Positionierung.

Fazit & Video

Denkmal von Toulouse, dem berühmten Kater und König der Altstadt. Es gab Autos, die auf der Hauptgasse den Rückwärtsgang einlegten, weil Toulouse nicht von der Stelle wich.Denkmal von Toulouse, dem berühmten Kater und König der Altstadt. Es gab Autos, die auf der Hauptgasse den Rückwärtsgang einlegten, weil Toulouse nicht von der Stelle wich.

Der JBL Xtreme 2 ist ein interessantes Gerät: Konsequent als Outdoor-Gerät konzipiert und in der Vermarktung explizit so dargestellt, stellt er viele von mir beurteilten Indoor-Geräte klanglich in den Schatten. Seine Ausgewogenheit ist beeindruckend, und die Fähigkeit zur realistischen Basswiedergabe sucht einen Vergleich.

Damit kann er auch bei «erwachsenen» Musikhörern viel Anklang finden. Es ist alles andere als nachteilig, wenn ein robustes Gerät für draussen auch drinnen die Ansprüche zu befriedigen vermag.

Auch wenn Sie das vielleicht nicht so erwartet haben: Hier bekommen Sie viel Klang fürs Geld. Und Sie können das übliche Gelabber mit den vollen Bässen und den kristallklaren Höhen getrost ignorieren.

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