MUSIKREZENSION
ClevesCleves

Was momentan die höchsten aller Klanggefühle sein soll, sind DSD-Aufnahmen - nicht über den Umweg über die SACD - sondern ganz direkt ab Festplatte. Wer sich für die Technik der an und für sich genialen 1-Bit Technologie interessiert, soll sich den Artikel "Direct Stream Digital - das audiophile Format" zu Gemüte führen.

Der Matrix Mini-i Pro 2S ist ganz offensichtlich für den Einsatz als DA-Wandler optimiert und holte das Maximum aus allen möglichen Digitalformaten heraus. Das ideale Gerät für Klangtüftler, die ihre hochwertige Anlage noch feintunen möchten. Verarbeitung und Ergonomie des Chinesen überzeugen auf der ganzen Linie.

Der Moon Neo 230 HAD ist klanglich kaum zu toppen, insbesondere sein Kopfhörerausgang hat hörbar mehr Drive und Elan als die der anderen Testkandidaten. Dafür muss man sich mit einer leichten Schwäche im Bedienkonzept arrangieren. Und das Klingeln des Gehäusedeckels sollte Simaudio schleunigst dämpfen.

Der Teac UD-503 schliesslich vereint das Beste aus zwei Welten und bietet nebst üppiger Ausstattung und hervorragender Verarbeitung eine sehr hohe Klangqualität sowohl im Einsatz als DAC wie auch als Kopfhörerverstärker im Verbund mit allen möglichen Spielpartnern.

Stellt sich abschliessend die Frage nach dem Preis-Leistungsverhältnis: Hier stehen der Audiolab und der Matrix Audio am besten da. Aber auch beim Teac bekommt man sehr viel Qualität fürs Geld geboten. Der Moon scheint auf den ersten Blick etwas teuer, gibt klanglich aber Gas und treibt wohl jeden Kopfhörer zur Bestleistung.

Der Unterschied zwischen einer DSD- und einer PCM-Aufnahme soll ja, laut Glaube der DSD-Gemeinde und der Werbeabteilung des damaligen SACD-Schöpfer-Duos Sony-Philips, darin bestehen, dass die „Seele der analogen Schwingung“ bei der 1-Bit – DSD-Tonaufzeichnungstechnik in keinem Schritt der Verarbeitung angetastet wird, während man die ursprüngliche Schwingung  bei der PCM (Pulse Code Modulation) zerstückelt und in einen Puls-Code, also in einen gigantischen bianären Zahlenhaufen verfrachtet, der mit der ursprünglichen Schwingung „rein seelisch“ ganz und gar nichts mehr zu tun hat.

Es hat für meine Begriffe relativ lange gedauert, bis ich mit meiner ersten Rezension einer DSD-Aufnahme, für einmal nicht ab SACD, sondern direkt ab Festplatte, mit einem DSD-tüchtigen Wandler beginnen konnte. 

Dazu konnte mein bewährter und traumhaft schön klingender KingRex UD 384 mit Akku-Speisung nicht verwendet werden, weil er ganz einfach keine DSD-Signale wandeln kann. So wurde der ami DS5 DAC geprüft und für gut befunden.

Dann ging es auf die Suche nach DSD-Software. Und als erstes für mich wirklich interessantes Album kam  „Halos 'Round The Moon“  mit Carl Cleves & Parissa Bouas in Frage, das in DSD64 bei highresaudio.com  heruntergeladen wurde. Ebenfalls erhältlich ist das Album als Flac 44,1 kHz/24 Bit, das mir jedoch als aussagekräftiger Vergleich von DSD zu PCM nicht geeignet erschien. Das Album stammt aus dem audiophilen Hause von Stockfisch-Records, was die Erwartungen nochmals hochschnellen lässt.

Höchste Erwartungen

Die Erwartungen waren inzwischen ins Unendliche gestiegen. Und ich war mehr als nur gespannt, ob nun endlich der so lange erwartete klangliche Höhenflug einsetzen würde. So erklangen dann endlich aus den Piega Coax 10.2 die von einem MacbookPro und dem ami DS5 Wandler angelieferten Sounds in meinem Abhörraum.

Und gleich der erste Klangeindruck erstaunt:  Ein Sound-Teppich, mit fundamentalem Sub-Bass und überlagerter schwebender weiblicher Stimme, der zwar etwas düster, doch tief berührend vor mir in einer riesigen Klangbühne in meinem relativ kleinen Abhörraum erscheint. Doch bei den nächsten Tracks hellt sich die Stimmung auf. Die meisten Songs sind jedoch ruhig und besinnlich und die Post geht nirgends so richtig ab. Das wollen Produzent und die Musiker offenbar ja auch gar nicht.

Die Musik ist dank diverser Soloinstrumente wie Flöte, Sax und Cello rotz dem durchwegs ruhigen Charakter sehr abwechslungsreich. Die Stimmwiedergaben von Parissa Bouas und Carl Cleves wirken tadellos sauber und charaktervoll.

Die genialen und glockenreinen Chorpassagen sind natürlich im Playbackverfahren entstanden. Der Raumeindruck ist effektvoll, aber synthetisch und ganz und gar nicht natürlich wirkend. Doch haben die Sound-Ingenieure  hier unzweifelhaft saubere Arbeit am Mischpult geleistet und ihr ganzes Können aufblitzen lassen.

Nach audiophilen Gesichtspunkten

Da ich hier die Aufnahme eher von audiophilen Gesichtspunkten her betrachte, verzichte ich darauf,  auf die tiefsinnigen Hintergründe der Songtexte näher einzugehen. Im Internet kann sich der Interessierte bestens informieren.

Da sind dann kunstvolle Sätze zu lesen wie - ich zitiere den Stockfish-Presse-Text, - „Das Kopf-Ohr-Herz Spiel: Der Kopf will sogleich erkannt haben: „international“ und „kosmopolitisch“: Die Weltlage als poetisches Minimum. Doch einen Moment. Das Ohr will sein Recht: Nimmt das hymnische „Aheyla“ des Openers als afrikanisch wahr, um es gleich als Halleluja zu identifizieren, verfängt sich in der Textzeile „when poets are priests …“ Wundert sich, wie auch ernste und traurige Themen traumwandlerisch ihren Weg in federleichte Melodien finden.“

Kein audiophiles Highlight

Trotz des erstklassigen, feingezeichneten und ungemein sauberen Klangs ist für mich diese Aufnahme noch lange kein audiophiles Highlight, wie etwa das neuste Album von Blues-Altmeister Doug MacLeod "There's A Time" , (in PCM Flac 176 kHz/24 bit ) welches in Live-Manier, unplugged und ohne Overdubs, sozusagen konzertmässig aufgenommen wurde und einen verblüffend natürlichen Raumeindruck vermittelt.

Die hier vorliegende DSD-Aufnahme ist klanglich ein - ich gebe es gerne zu - hochmusikalisches Konstrukt, das am Mischpult meisterhaft und äusserst effektvoll, aber was die Räumlichkeit und Stimmung betrifft eben studiomässig und absolut nicht live-gerecht bewerkstelligt wurde.

Aus vorliegender Rezension ist zu erkennen, dass es, wenigsten für mich rein persönlich, unterschiedlich wichtige Eigenschaften einer Aufnahme gibt: An erster Stelle stehen für mich Komposition/Songwriting samt Musiker und Interpretation. Es folgt die Aufnahmetechnik, sprich Mikrofonplatzierung, Art der Mikrofone, Aufnahmeraum, Abmischung, etc. Und erst so ganz am Schluss interessiert mich heute, ob es sich um DSD oder PCM handelt!

Weitere Aufnahmen werden es beweisen müssen, ob DSD der hochauflösenden PCM-Technik tatsächlich haushoch überlegen ist.

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