ssAls in den 1940er-Jahren die Grammophone so langsam durch die elektrotechnische Musikwiedergabe abgelöst wurden, entstanden die ersten Musikmöbel. Sie enthielten einen Plattenspieler, ein Radio, Verstärker und Lautsprecher und es waren Möbel. Und Möbel waren aus Holz.
Die Hersteller der Gehäuse waren Tischler (oder Schreiner, wie man sie hierzulande nennt) und manche von ihnen fokussierten sich komplett auf den Musikmöbel- und Lautsprecherbau. Der Ursprung vieler Lautsprecherhersteller lag auch in der Kompetenz der Holzbearbeitung, die vertikale Integration der Hersteller war hoch: Sie machten mit der Zeit fast alles selbst und erweiterten die Wertschöpfung vom Werkstoff zum Endprodukt.
Damals gab es kaum Kunststoffe, einmal abgesehen von Duroplasten wie Bakelit, ein Phenolharz-Komposit, einem eher ungeeigneten, spröden Material. Aber die formgebenden Herstellungsverfahren von Bakelit, eine Art des Gusses, ebnete den Weg zu den späteren Spritzgussverfahren mit Thermoplasten. Die Zukunft wurde schon damals angedeutet.
Holz war allerdings über Jahrzehnte der mit Abstand geeignetste Werkstoff. Die Resonanzeigenschaften sind bei genügender Wandstärke relativ harmlos und gleichmässig auf ein breites Frequenzspektrum verteilt. Dazu erlaubt die Struktur vieler Hölzer eine effektive Energieumwandlung der Schallenergie in Wärme = Absorption. Vor allem MDF und HDF, aber auch Sperrhölzer erzielen diesbezüglich günstige und auch gleichmässige Eigenschaften.
Die Schönheit der Instrumente
Qualität vor QuantitätAb den 1960er-Jahren ging’s los
Ebenfalls einen Topeindruck hinterlässt der Subwoofer. Er sieht mit seinen eleganten Alufüsschen aus wie ein echtes High-End-Gerät. Und auch seine Unterseite bietet einen erhebenden Anblick. Das hochwertige 22 cm grosse Langhub-Chassis ist eine wahre Augenweide. Es besitzt eine bemerkenswert grosse Gummi-Umrandung, welche die grossen Auslenkungen der Membran erst ermöglicht.
Eine Bassreflexöffnung, welche die Potenz im Bass verstärken, aber das Impulsverhalten nicht unbedingt verbessern würde, fehlt hier. Canton setzt hier ganz audiophil auf ein geschlossenes Gehäuse und entzerrt den Bass elektronisch. Dies bedeutet Qualität vor Quantität. Der Subwoofer verbindet sich automatisch per Bluetooth mit der Soundbar, lässt sich aber auch per Kabel verbinden.
Messungen
Spritzguss
Das Spritzgussverfahren mit speziell geeigneten Kunststoffen hat sich in den letzten 20 Jahren langsam als ernst zu nehmende Alternative zu Holz entwickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Verstrebungen, Verstärkungen, Subgehäuse im Gehäuse, Bassreflexrohre und Kanäle sowie Montage-Aufnahmen für Treiber, Elektronik und dergleichen können bereits im CAD perfekt gestaltet und mittels Simulation in ihrer Wirkung und Funktionalität getestet werden, noch bevor der erste Ton erklingt.
Am Ende ist jedes Gehäuse identisch – und bei genügenden Stückzahlen auch kostengünstig. Allerdings ist es schwierig, sehr grosse Lautsprechergehäuse auf diese Weise herzustellen. Die Werkzeugkosten gehen ins Unermessliche.
Auch Kii Three von Kii Audio wäre ohne ein komplexes Kunststoffgehäuse nicht machbar.Die Entwicklung der Holzverarbeitung ist aber auch nicht stehen geblieben, besonders dank den CNC-Fräsmaschinen und den modernen Lackierverfahren aus der Autoindustrie. Oft findet man auch Holzgehäuse in Verbindung mit Spritzguss-Kunststoff-Fronten. Das erlaubt eine Perfektionierung der Schallwand in Kombination mit einem einfachen Holzgehäuse.
Aluminium
Bei Filmen fragt in der Regel niemand nach einem puristischen Hi-Fi-Klang. Nein, hier ist eine eindrückliche Klangshow gefragt. Und die kann dieses System, dank seinem raffiniert arbeitenden Virtual Sound wahrhaft bieten. Da sind bei guten Filmen Geräusche von weit links oder rechts und auch aus der Mitte und Tiefe zu vernehmen.
Das Ganze wirkt spektakulär und dennoch nicht nervend. Die Sprachverständlichkeit ist tadellos und Dialoge sind, auch wenn sie von Geräuschen gestört werden, gut verständlich. Die Dynamik bei Action-Streifen ist bis zu einem gewissen Pegel ganz beachtlich. Für kleinere Pantoffelkinos reicht die Potenz dieses kompakten Systems sehr gut aus.
Was klingt nun am besten?
Grundsätzlich soll jeder Hersteller das tun, wovon er überzeugt ist, so lange das Ergebnis die Musikliebhaber auch überzeugt. Der Werkstoff Holz hat heute gegenüber Kunststoffen keine signifikanten Vorteile mehr, wenn es um den Klang geht – aber auch keine wesentlichen Nachteile. Holzarbeiten sind eine Kunstform, was einige Hersteller denn auch zelebrieren. Holz hat den Vorteil, auch bei kleinen Stückzahlen zu vernünftigen Kosten zum Ziel zu führen.
Die zunehmende Popularität von Aktivlautsprechern begünstigt die Kunststoffgehäuse aus zwei Gründen: Aktivlautsprecher benötigen für eine überzeugende Tiefton-Wiedergabe wesentlich weniger Volumen. Sie sind kleiner, und somit eignen sich ihre Gehäuse für das Spritzgussverfahren mit speziellen Kunststoffen. Aktivlautsprecher sind wesentlich komplexer, ihr Innenleben erfordert eine komplexe Bauform. Dort stossen Holzgehäuse an ihre Grenzen.
Die KEF Blade beweist, dass auch grosse Lautsprechergehäuse aus Kunststoff-Spritzguss gefertigt werden können.
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