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Publikationsdatum
15. Oktober 2018
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Waren Sie schon einmal in einem schalltoten Raum? Einem Raum ohne Schallreflexionen an Wänden, Boden und Decke? Dann kennen Sie das beklemmende Gefühl. Die eigene Stimme hört sich im Kopf lokalisiert an. Dasselbe mit der Stimme einer anderen Person im Raum. Als ob man Kopfhörer tragen würde.

Unsere Wohnräume sind nicht so gebaut. Wir wünschen, dass der Schall an Wänden, Boden, Decke reflektiert wird, um uns ein wohnliches Gefühl zu geben. In einem schalltoten Raum würden wir es nicht lange aushalten. Aber Reflexionen können sehr unterschiedlich ausfallen. Die Beschaffenheit der Flächen und die Art der Materialen spielen eine Rolle. Sowie die Grösse des Raumes. Ein Raum mag angenehm klingen, wenn man sich darin unterhält – die menschliche Stimme hat einen begrenzten Frequenzumfang. Aber sobald Musik wiedergegeben wird, können Probleme hörbar werden. Der Raum kann zu hallig sein, oder der Bass dröhnt oder die hohen Frequenzen werden zu stark reflektiert und dadurch verstärkt.

Einen Raum so zu gestalten, dass er für die Musikwiedergabe geeignet ist, ist leider nicht ganz einfach. Widersprüchliche Anforderungen bestehen zwischen Ästhetik, Wohnkomfort, Akustik. Eine gute Lösung vom akustischen Standpunkt her besteht oft aus Massnahmen bezüglich des Baus (Materialen), der Wohnungseinrichtung, der Raumgeometrie, der Lautsprecher-Platzierung, der Verwendung von Akustikelementen und der Frequenzgang-Entzerrung (Raum-Equalizer) der Lautsprecher.

In diesem ersten Teil der zweiteiligen Akustik-Serie sollen die potenziellen Akustik-Probleme erläutert werden. Und es soll aufgezeigt werden, wie man diese Probleme konkret feststellen und quantifizieren kann. Im zweiten Teil wird aufgezeigt wie Akustik – Probleme verringert werden können.

Lautsprecher und Raum als System

Die Raumakustik ist, neben den Lautsprechern, die wesentlichste Komponente, die zu einer guten Musikwiedergabe beiträgt. Man kann die ganze Elektronik austauschen – wenn die Raumakustik nicht stimmt, wird das keinen Einfluss auf die Qualität der Wiedergabe haben. Leider wird bei der Musikwiedergabe zuhause diese Tatsache oft verkannt.

Wahrscheinlich weil es unter Umständen aufwändig sein kann, die Raumakustik zu verbessern. Erst einmal muss man herausfinden, welche Massnahmen sinnvoll sind. Der beste Weg dazu führt über AkustikerInnen, die Messungen machen und Verbesserungen vorschlagen können. Die zwei Artikel sollen zum Verständnis der Problematik beitragen.

Man muss die Kombination aus Lautsprecher und Raum als System betrachten. Die Lautsprecher strahlen Schallwellen in einen Raum, der mit Einrichtungsgegenständen und akustischen Eigenschaften versehen ist. Dies ist ähnlich eines Musikinstruments, das in einem Konzertsaal gespielt wird.

Das heisst, es interessiert, wie der Lautsprecher mit der Umgebung interagiert. Da kommt es darauf an, wie der Lautsprecher die unterschiedlichen Frequenzen abstrahlt und wo der Lautsprecher im Raum steht. Unterschiedliche Lautsprechermodelle strahlen unterschiedliche Frequenzen in einer Vielfalt von Charakteristiken ab.

Die Gebräuchlichsten strahlen tiefe Frequenzen kugelförmig ab, und je höher die Frequenz steigt, desto gebündelter wird der Schall abgestrahlt. Andere Lautsprecher strahlen nach hinten wie nach vorne (Dipole) oder frequenzunabhängig kugelförmig (Omni). Wieder andere versuchen, die Abstrahlung der tiefen Frequenzen ebenfalls zu bündeln, sodass die Bässe nicht von der Wand hinter dem Lautsprecher reflektiert werden.

Zusammen mit der Platzierung der Lautsprecher im Raum ergibt dies eine Vielzahl von Abstrahlcharakteristiken.

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