Kaufratgeber Bluetooth-Over-Ear-Kopfhörer mit Noise Cancelling.Bluetooth-Kopfhörer sind in der Regel für unterwegs, also für den mobilen Einsatz gedacht und liefern heute dank immer besser klingender Bluetooth-Codecs eine absolut erfreuliche Klangqualität. Ganz klar, dass sie die kabelgebundenen, audiophilen und sündhaft teuren High-End-Kopfhörer (noch) nicht konkurrenzieren können. Das Thema Bluetooth-Codecs ist hochinteressant, aber recht komplex. In diesem Artikel sei somit lediglich erwähnt, dass die iOS-Geräte wie iPhone und iPad nur die beiden Codecs SBC und AAC benutzen und die Android-Konkurrenz heute besser klingende Codecs wie aptX, aptX HD, LDAC und Samsung UHQ.BT verwendet. avguide.ch wird dieses Thema demnächst in einem ausführlichen Artikel behandeln.
Preise, Design und Verarbeitung
Die Preise hochwertiger Bluetooth-Over-Ear Kopfhörer mit Noise Cancelling haben sich im Bereich von 200 bis knapp 500 Franken angesiedelt. Punkto Design unterscheiden sich die Hörer massiv, obwohl die Bauart in der Regel gleich ist, nämlich dynamisch-geschlossen.
Auch in der Bedienung gibt es Unterschiede. Eher unpraktisch sind die oft sehr kleinen Drucktasten und Schiebeschalter, die man erst mal erfühlen muss, bis man sie richtig bedienen kann. Immer mehr Hörer verfügen daher an den Aussenseiten der Ohrmuscheln über eine sensitive Touch-Oberfläche, über welche man den Hörer durch Wischen oder Antippen bedient.
Tragekomfort und Abschirmung gegen Lärm
Was sich immer mehr einbürgert, sind grosse, schmuseweiche Ohrpolster, die einen hohen Tragekomfort garantieren. Leider schirmen diese grossen schaumgefüllten Ohrpolster nur mässig gegen Umgebungslärm ab. Das Noise Cancelling, das hauptsächlich in den tieffrequenten Bereich eingreift, kann die eingedrungenen Lärmanteile nur schwerlich reduzieren. Ein Verhalten, das wir bei praktisch allen Kopfhörern mit grossen, weichen Ohrpolstern in der Testreihe feststellen. Dass gerade «Noise-Cancelling-Experten» wie beispielsweise ein Bose QC35 oder ein Sony MDR 1000X über eher kleine Ohrpolster verfügen, kann als Beweis dieses Umstands angesehen werden.
Lärm-Killer als Musik-Killer?
Dass ein Noise Cancelling meist nicht nur den Umgebungslärm herausfiltert, sondern – sozusagen als Kollateralschaden – auch einen gewissen Teil der Musik, ist hinlänglich bekannt. Diese Klangverminderungen können sehr unterschiedlich ausfallen und reichen von minimalen klanglichen Verlusten bis zu überdeutlich hörbaren Klangartefakten. Einige Kopfhörer lassen die Regelung der Intensität der Geräuschunterdrückung zu und variieren so den Einfluss auf die Klangqualität. Der Nutzen der Regelung ist aber oft zwiespältig. Für ein wirksames Noise Cancelling muss in der Regel die stärkste Stufe gewählt werden. Nur so erlebt man störungsfreien Musikgenuss in lärmiger Umgebung.
Klang – von soft bis hard
Bei den Kopfhörern sind wie auch bei den Lautsprechern deutliche Klangunterschiede vorhanden. Da gibt es die «Bassfreudigen», die ganz bewusst auf die Klientel der Bassfetischisten abzielen. Oder die «Rocker» mit vorwärts gerichtetem Klang, bei denen perkussive Instrumente zu explodieren scheinen. Dann die «noblen Klassiker» für die Freunde zarter, klassischer Streichquartette. In avguide.ch-Tests versuchen wir, die Klangbilder nicht zu werten, sondern so zu beschreiben, dass der Musikfreund den Kopfhörer mit den von ihm gewünschten Eigenschaften möglichst leicht finden kann.
Spieldauer
30 bis 50 Stunden Spieldauer haben sich bei neueren Hörern eingebürgert. Dabei spielt es eine Rolle, ob mit oder ohne Noise Cancelling gehört wird. Dass gewisse Bluetooth-Codecs wie zum Beispiel LDAC den Akku vorzeitig leeren, konnten wir in der Testreihe nicht nachvollziehen. Sollte der Akku mal leer sein, liegt bei praktisch jedem Kopfhörer noch ein Kabel für den alternativen, passiven Betrieb bei. Allerdings geht der Trend bei Smartphones bekanntlich dahin, dass analoge Kopfhöreranschlüsse weggelassen werden.
Messungen
Der berühmte Spruch: «Wer misst, misst Mist» gilt nicht, wenn die Messungen sinnvoll gemacht und richtig interpretiert wurden! Als wichtigste Messung betrachten wir bei Kopfhörern den Frequenzgang und die Wirkungsweise des Noise Cancellings.
Messungen sollen lediglich dazu da sein, die Ergebnisse des Hörtests zu bestätigen oder aber auch infrage zu stellen. Klingt ein Kopfhörer grell und zeigt der Frequenzgang einen deutlichen Höhenanstieg, ist alles klar. Doch wenn die Messungen nicht mit dem Hörtests übereinstimmen, geben die Ergebnisse des Hörtest den Ausschlag.
Der Sony MDR1000X klingt absolut ausgewogen und zeigt (gelbe Kurve) einen sehr linearen Verlauf des Frequenzganges. Der Philips PH805 deutet mit seiner Anhebung im Tieftonbereich (grüne Kurve) an, dass er zu den bassbetonten Musikspendern gehört.Die Wirkungsweise der Lärmreduzierung wird bei avguide.ch folgendermassen gemessen: Ein «Ohr» mit integriertem Messmikrofon wird mit breitbandigem Lärm (Rosa Rauschen), wie es etwa das Rauschen eines Wasserfalles sein könnte, über einen Lautsprecher beschallt.
Der Bose QC 35 ist mit seinem linearen Verlauf auch heute noch kaum zu schlagen und ist auch sonst unser Referenzhörer in Sachen Noise Cancelling.Die oberste Kurve in den Diagrammen unten zeigt, was das Gehör ohne aufgesetzten Kopfhörer vernimmt, nämlich alle Störfrequenzen vom tiefsten Brummen bis zu höchsten Zischeln – abgesehen von einer gewissen Welligkeit – gleich stark.
Der FiiO EH3 NC mit einer in praktisch allen Frequenzlagen deutlich geringerer Lärmreduzierung.Im Tiefbass wurde der Pegel reduziert, um den Lautsprecher nicht zu beschädigen. Die darunterliegende Kurve gibt an, wie die Muscheln alleine ohne aktiviertes Noise Cancelling dämpfen. Die unterste Kurve zeigt die Dämpfung der entsprechenden Frequenzlagen mit aktiviertem Noise Cancelling.