avguide.ch Druckansicht · 20.09.2026

Kontrolle und Feinsinn

Test Unison Research Unico Due Vollverstärker

Wenn ein traditioneller Hersteller wettbewerbsfähig bleiben will, reicht das Ausruhen auf seinen Lorbeeren nicht. Unison Research zeigt mit dem Unico Due, wie moderne Kundenwünsche erfüllt und Tradition gepflegt werden.

Von Joel Messmer · 8. Januar 2024
Röhrenvorstufe – selbstverständlich berührungsgeschützt.Röhrenvorstufe – selbstverständlich berührungsgeschützt.

Unison Research hat klare Vorstellungen davon, wie das Musikhören über Lautsprecher Freude bereiten soll. Ein entscheidender Faktor dabei ist die Verwendung von Vakuum-Röhren. So die Philosophie von Unison Research. Entweder konsequent umgesetzt wie in ihrer Valves-Serie, oder in Hybrid-Technik, wie es in der Unico-Serie gepflegt wird.

Der Begriff «hybrid» wird hier für das Konzept verwendet, welches Röhrentechnik in der Vorstufe und Transistortechnik in der Endstufe umsetzt. Davon verspricht man sich den Wohlklang von Röhren, gepaart mit der niedrigen Ausgangsimpedanz von Transistorschaltungen, welche mehr Leistung und stärkere Lautsprecherkontrolle als Röhrenschaltungen bietet. Dadurch kann den Anforderungen von nicht einfach zu treibenden Lautsprechern entsprochen werden.

Up to date

Vollverstärker liegen im Trend. Per Definition sind dies Verstärker, welche die Vor- und Endstufen in einem Gerät integrieren, und die zudem über eine Lautstärkekontrolle und in aller Regel auch über eine Quellenwahl verfügen. In der Praxis zeigen sich solche Verstärker unkompliziert in der Handhabung, da ein penibles Abstimmen der einzelnen Komponenten entfällt. Dies meist zu einem Preis, der deutlich unter der Summe aller potenziellen Einzelkomponenten liegt. Da ein «Integrierter» weniger Platz benötigt als mehrere Komponenten, ist ein solcher Vollverstärker auch einfacher in den Wohnraum zu integrieren. Aus praktischer Sicht spricht also viel für die Integration in einem Gerät.

Ansprechendes Design und tadellose Verarbeitung.Ansprechendes Design und tadellose Verarbeitung.

Was den Unico Due vom Umfeld abhebt, ist beispielsweise die wackelfreie Aufstellung durch drei statt der üblichen vier Gerätefüsse. In diesem Fall sind es hochwertige Gerätefüsse, welche vibrationsdämpfende Eigenschaften besitzen. Bei eschütterungsempfindlichen Röhren ist dies sicherlich keine schlechte Wahl.

Der Unico Due verfügt vorne, an der rechten Seite, über einen ON/OFF-Wippschalter, welcher «hart» schaltet – also den Verstärker komplett vom 230V-Netz trennt.

Die Verarbeitung ist tadellos und der Verstärker überzeugt optisch und haptisch vollkommen. Zu bemängeln gibt es diesbezüglich rein gar nichts. Die Optik und Haptik der Fernbedienung ist Geschmacksache, darf aber als eigenständig bezeichnet werden. Ich finde sie optisch ganz okay und an die Tastenanordnung und -beschriftung habe ich mich schnell gewöhnt. Andere Hersteller legen ein einfaches Plastikmodell bei und bieten ein solches Design-Exemplar optional für happige Zusatzkosten an.

Edle Fernbedienung, neben seitlichem ON/OFF-Schalter.Edle Fernbedienung, neben seitlichem ON/OFF-Schalter.

Integrierte Komponenten

Je nach Philosophie des Herstellers werden gerne verschiedene Funktionen in einem Vollverstärker integriert. Beim Unico Due sind ein Digital/Analog-Wandler sowie eine Phono-Vorstufe mit an Bord. Eine Klangregelung und Ähnliches sucht man vergebens. Das ist völlig ausreichend – zumindest aus Sicht der Pragmatiker und Puristen.

Ein Streamer wurde im Unico Due nicht integriert. Darauf sind Hardware-Entwickler nicht spezialisiert, weshalb dies in der Regel eingekauft wird. Damit steigen nicht nur die Investitionen, sondern auch die Folgekosten sind schwer abzuschätzen. Der Kunde erwartet noch in einigen Jahren, dass alles einwandfrei läuft – auch über ein beliebiges Smart Device, mit der aktuellsten sowie mit der ältesten Betriebssystem-Version. Um den angepeilten Verkaufspreis nur marginal zu strapazieren, sind solche preiswerten Lösungen zudem häufig Kompromiss-behaftet.

Im Bereich der Streamer gibt es bereits eine grosse Auswahl an bewährten Lösungen wie zum Beispiel die Produkte von Silent Angel. Auf Streaming spezialisierte Anbieter haben sich ihr Know-how über Jahre erarbeitet und dabei reichlich Lehrgeld bezahlt. Unison Research spart sich dies und bleibt hierbei getreu dem Motto «Ganz oder gar nicht». Das finde ich sympathisch.

RCA-Anschlussfeld für die Ein- und Ausgänge.RCA-Anschlussfeld für die Ein- und Ausgänge.

Mit dem Unico Due benötigt man lediglich einen Streamer oder PC mit USB-Ausgang und bei Bedarf natürlich auch einen Plattenspieler. CD-Player haben in der Regel einen koaxialen oder optischen S/PDIF-Ausgang. Der Unico Due bietet dafür keine digitalen Eingänge und der eingebaute DAC (digital/analog-converter) nimmt seine Daten ausschliesslich per USB entgegen. Musik von einem Speicher per USB abzuspielen, dafür bietet der Unico Due keine Möglichkeit. Etwas mehr Flexibilität in puncto Konnektivität würde sich wohl der eine oder andere Hörer durchaus wünschen.

Als Digital/Analog-Wandlerchip wird übrigens ein ES9018K2M von ESS Sabre verwendet. Das ist ein Vertreter der modernen Gattung, welcher einwandfreie technische Daten verspricht – zumindest auf dem Papier. Zum Klangeindruck später mehr ...

Wem digitale Kost ohnehin nicht sonderlich zusagt, dem bietet der integrierte Phono-Pre die passende Möglichkeit, um von seinem analogen Plattendreher anzudocken. Dies funktioniert mit Moving-Coil- sowie mit Moving-Magnet-Tonabnehmern.

Eigenschaften des Unico Due

Wie bereits erwähnt, verfügt die Vorstufe über Trioden-Röhren. Die Röhren sind vom Typ ECC83/12AX7 und werden im reinen Class-A-Bereich betrieben. Die Endstufe liefert dank Bipolartransistoren und ordentlicher Siebkapazität im Netzteil zweimal 100/180/290 Watt Dauerleistung (RMS) an 8/4/2 Ohm Last.

Mit einer Bandbreite von über 100 kHz ist der Verstärker genügend schnell ausgelegt, um auch bei hohen Tönen eine ausreichend ausgewogene Kontrolle mittels Gegenkopplung gewährleisten zu können. Um nicht unnötige Energie für den Subbass-Bereich zu verschwenden, ist ein Hochpassfilter mit einer unteren Grenzfrequenz von etwa 10 Hz integriert.

Der Ruhestrom der Endtransistoren wird im dynamischen Class-A-Betrieb gehalten. Diese Technik wurde von Nelson Pass entwickelt. Es soll die Vorteile der geringen Übernahmeverzerrungen des Class-A-Betriebs mit dem geringeren Ruhestromverbrauch klassischer Class-AB-Konzepte kombinieren. Der Trick dabei ist, dass der Ruhestrom bei geringer Lautstärke (kleiner Strombedarf) niedrig gehalten und bei hoher Leistungsabgabe entsprechend erhöht wird. Damit können die Ausgangstransistoren in ihrem linearen Bereich gehalten und Übernahmeverzerrungen verringert werden. Das Konzept stellt einen vernünftigen Kompromiss dar.

Nelson Pass selbst setzt bei seinen Kreationen fast ausschliesslich auf reinen, also statischen Class-A-Betrieb. Seine Verstärker gelten zwar gemeinhin als klanglich überragend, können sich aber auch als Wohnzimmerheizung identifizieren.

Aufgeräumte, elegante Front.Aufgeräumte, elegante Front.

Die Anzeige mittels 7-Segment-Display ist nicht einzigartig. Die dargestellte Lautstärke in 0,1er-Schritten von 0,0 bis 9,9 hingegen ist nicht weit verbreitet. Das Display kann man dunkel schalten, wobei es erneut aufleuchtet, sobald man die Lautstärke verändert. Hierbei ist die Verzögerung, bis das Display wieder dunkel wird, mit 20 Sekunden für mein Empfinden etwas übertrieben lange gewählt. Lediglich für wenige Sekunden aufzuleuchten wäre hier ausreichend und nachvollziehbarer (man ist sich anfangs unsicher, mit der Lautstärkeänderung soeben die Display-Dunkelschaltung aufgehoben zu haben).

Die Lautstärkekontrolle erfolgt über ein spezialisiertes IC (integrated circuit). Dieses ist aufgrund seiner präzisen, schaltbaren Widerstände und der integrierten Pufferstufe einem klassischen Potentiometer in puncto Kanalgleichheit und Impedanzanpassung überlegen. Die Kontrolle der Lautstärke stellt gemeinhin einen qualitativen Flaschenhals dar. Die Philosophien und damit die aufgeführten Argumente gehen dabei weit auseinander. Die umgesetzte Lösung zählt zu den soliden «no-nonsense»-Lösungen, welche gute Qualität und Verschleissarmut bieten.

Der linke Drehknopf schaltet die Eingänge um und dient durch Drücken zur Programmierung des AV-Modus. Der rechte Drehknopf verändert durch Drehen die Lautstärke und mittels Drücken kann damit die Stereo-Balance angepasst werden. Bei der Fernbedienung musste ich leider eine Inkompatibilität mit unserer Chromecast-TV-Box feststellen. Ein Konflikt mit einem solch weitverbreiteten Gerät hätte ich nicht erwartet. Die Standby-Nutzung des Unico Due ist damit in dieser Konstellation quasi ausgeschlossen. Zudem wird damit erst recht nicht glücklich werden, wer eine Chromecast-Box für das Streaming nutzt.

Rückseite des Unico Due.Rückseite des Unico Due.

Wählt man den DAC als Eingang, ist die Lautstärke bei etwa 0.5 bereits auf Zimmerlautstärke und bei 0,9 ist gehobene Lautstärke angesagt. Naheliegend, dass die Schritte von 0,1 dabei einen ordentlichen Lautstärkeunterschied bewirken. Dies bei meinen Lautsprechern mit recht hohem Wirkungsgrad von 95 dB. Gross aufdrehen wird man die Lautstärke bei Verwendung des internen DAC aber auch bei weniger effizienten Lautsprechern nicht müssen, respektive können.

Der Phono-Pre verfügt über feste Eingangswerte bezüglich Eingangswiderstand und -kapazität und er lässt MC- sowie MM-Tonabnehmer andocken. Die Empfindlichkeit des Phono-Eingangs lässt sich bei Bedarf um +10 dB erhöhen (umschaltbar). Dies alles wird über drei Jumper pro Kanal im Inneren des Gerätes konfiguriert. Die RIAA-Entzerrung ist im Tieftonbereich aktiv und im Hochtonbereich passiv umgesetzt.

Sogar über die traditionelle Tape/Monitor-Funktion verfügt der Unico Due. Der Sub-Out zur Ansteuerung eines aktiven Subwoofers wird aber wohl deutlich öfter Verwendung finden. Der Sub-Out stellt eine praktische Möglichkeit zur Verfügung, die heutzutage jeder Voll- und Vorverstärker bieten sollte. Konfigurierbar ist der Sub-Out in diesem Falle nicht.

Betriebsbereitschaft

Der seitliche ON/OFF-Schalter unterbricht die Stromzufuhr komplett. Die Stromzufuhr kann aber auch mittels OSD-Taste der Endstufe ausgeschaltet werden. Die Röhrenvorstufe bleibt dann im Bereitschaftsbetrieb. Damit kann man sich die rund zehn Minuten sparen, welche vom Kaltstart aus jeweils vergehen, bis der Verstärker seine volle klangliche Pracht entwickelt.

OSD steht möglicherweise für «Output Stage Disabled» (ich konnte das nicht mit Sicherheit ermitteln). Dies ist eine ungünstig gewählte Abkürzung, da sie bereits für «On-Screen-Display» etabliert ist. Dies hat mit der Standby-Funktion nichts gemein. Zum Verständnis der Taste «OSD» und auch für die Aktivierung/Konfiguration des AV-Modus musste ich das Manual zur Hand nehmen. 

Hauptschalter auf der rechten Seite.Hauptschalter auf der rechten Seite.

Die Verstärkerstufen werden durch einen Mikrocontroller gesteuert. Damit wird für röhrenschonende Bedingungen gesorgt und stetig darüber gewacht, dass alles mit geordneten Dingen vor sich geht. Als Röhrenlebensdauer gibt Unison Research mindestens 1500 Stunden an. In welchem Zusammenhang die Lebensdauer mit dem Standby-Betrieb steht, darüber schweigt sich das Manual aus. Explizit wird jedoch erwähnt, dass der Verstärker gegen Überhitzung und Überlastung geschützt wird.

Nachdem der Unico Due eingeschaltet wird, zählt auf der Anzeige ein Countdown im Sekundentakt von vierzig auf null zurück. Anschliessend ist die Röhrenvorstufe beheizt, die Hochspannung dafür stabil und man kann mit dem Musikhören anfangen. Der Hersteller gibt an, dass es rund zehn Minuten dauert, um die optimalen Voraussetzungen zu erreichen. Während sich alles stabilisiert, verändert sich der Klang nicht markant.

Es klingt aufgewärmt tendenziell etwas flüssiger, sanfter und weniger kantig. Darüber, ob das Testexemplar bereits eingespielt wurde, habe ich mich übrigens nicht erkundigt. Ich vertrete die Meinung, dass ein Gerät dieser Kategorie «out-of-the-box» vernünftig klingen soll. Klangliche Ausprägungen in die eine oder andere Richtung sollten zumindest nicht auffällig sein. Erfahrungsgemäss wird der Klang mit zunehmenden Betriebsstunden eher besser.

Hörtest

Als Lautsprecher habe ich meine Living Voice Auditorium sowie meine Audio Note AN-E SEC zur Verfügung. Beide sind Vertreter der «zahmen» Gattung. Also Lautsprecher, die an die Endstufe keine hohen Anforderungen bezüglich Stromlieferfähigkeit stellen. Aufgrund der kräftigen und schnellen Endstufe wird der Unico Due auch mit deutlich schwierigeren Lautsprechern keine Mühe haben. Verstärker-Killer à la Infinity Kappa 9 mal kategorisch ausgenommen.

In erster Linie nutze ich den internen DAC, um meine Höreindrücke zu sammeln. Anstelle des internen DAC kann ich unter anderem auf zwei unterschiedliche Highend-Wandler zurückgreifen. Beide stellen meines Erachtens überragende Wandler dar, welche jeder für sich ein Vielfaches des Unico Due kosten. Einer dieser DAC basiert ebenfalls auf einem ESS-Sabre-Chip. Der zweite DAC setzt auf die legendären PCM1704-Chips und zudem an verschiedenen Stellen auf Röhren.

Ich möchte vermerken, dass mir der Klang von Oversampling-DAC-Chips – und insbesondere von ESS Sabre – in der Regel nicht sonderlich zusagt. Meiner Erfahrung nach (ich entwickle und baue selber DA-Wandler), ist der DA-Wandler-Chip jedoch lediglich ein Faktor von vielen. Dabei vernachlässigen scheinbar zahlreiche DAC-Entwickler genau diese restlichen Faktoren zu gerne. Dies im Glauben, mit den tollen Spezifikationen des Chips bereits ausreichend vieles beachtet zu haben.

Unico Due mit silberner Front.Unico Due mit silberner Front.

Der erste Eindruck: Der im Unico Due integrierte DAC klingt stimmig!

Stromversorgung, digitale Aufbereitung, Layout, ggf. Strom/Spannungswandlung und Signalverstärkung sind offenbar ordentlich umgesetzt und mit einer klaren Vorstellung entwickelt worden. Die Durchzeichnung ist wie für einen ESS Sabre typisch sehr gut. Alles klingt sauber strukturiert, lebendig und mit hohem Detailgehalt. Die Dreidimensionalität ist erwartungsgemäss ebenfalls beeindruckend und die Gesamtpräsentation zeigt sich anspringend, farbenfroh und lebendig. 

Der integrierte DAC leistet sich keinerlei nennenswerte Ausreisser und gibt somit kaum Anlass zur Kritik. Die Unterschiede zu einem DAC der Referenzklasse lassen sich lediglich im direkten Vergleich oder durch diesbezüglich besonders erfahrene/sensible Hörer ausmachen. Es ist erfreulich, dass der integrierte DAC eines Geräts dieser Preisklasse bereits ein solch klangliches Niveau erreicht!

Klangliche Beschreibungen

Für Easy Listening starte ich mit «Trouble in Mind» aus dem Album «Vision» von Hans Theessink und Terry Evans. Die Aufnahmen von Hans Theessink finde ich ausserordentlich gut. Hans Theessink hat eine sehr sonore, kernige Stimme, welche vom Unico Due genauso gefühlvoll transportiert wird, wie die kehlige Stimme von Terry Evans. Bei moderater Lautstärke wird der Groove bereits wunderbar präsentiert. Schraubt man etwas lauter, verblüfft die Präsenz der losgelösten Stimmen im Einklang mit den feinen akustischen Klängen.

Wie der Unico Due mit Feinheiten bei Ein- & Ausschwingvorgängen umzugehen vermag, ertaste ich mit dem Stück «Promise» aus dem Album «Odem» von Wolfgang Puschnig und Dhafer Youssef. Die Authentizität der tollen Aufnahme basiert auf komplexen Klängen, welche sanft bis harsch daherkommen. Der Uncio Due entpuppt sich dabei nicht als Kind von Traurigkeit. Äusserst lebendig und impulsiv löst sich das dynamische Stück von den Lautsprechern. Dabei agiert der Unico Due nicht aufdringlich, sondern fächert das exotische Klangbild sauber auf. Mit seiner Spritzigkeit gehört der Unico Due jedoch nicht zur langweiligen Sorte.

Weil gerade Weihnachtszeit ist, wähle ich nun das Album «Christmas with my friends VII» von Nils Landgren. Dieses wurde vom bekannten Jazz-Label ACT aufgenommen. Das Stück «Sizalelwe Indodana» bringt afrikanische Rhythmen in die Weihnachtsstimmung und lädt umgehend zum Mittanzen ein. Die Interpretation von «Feliz Navidad» gefällt mir enorm gut und der Gesang wird mit dem Unico Due sanft und klar präsentiert. Die feinen Geräusche der Saiten- und Blasinstrumente perlen und säuseln luftig und leicht aus den Lautsprechern. Tendenziell spielt der Unico Due hierbei eher auf der schnellen Seite und wirkt insgesamt sicher nicht träge oder dumpf. Die Aufnahme ist aber auch eher crisp und gehört für mein Empfinden nicht zur besonders natürlichen Sorte.

Das MTV-Unplugged-Album «Tonbildshow» von Patent Ochsner zählt meines Erachtens nicht zu den besonders audiophilen Aufnahmen. Dennoch klingt beispielsweise «Guet Nacht, Elisabeth» über den Unico Due nicht ermüdend, sondern fresh & nice. Bei Komponenten, welche mit einer übertriebenen Brillanz versuchen, Effekthascherei zu betreiben, tendieren solche Aufnahmen gerne dazu, anstrengend zu klingen.

«Fonè Records» produziert traumhaft natürliche Aufnahmen. Dies, ohne jegliche elektronische Manipulationen oder künstliche Korrekturen. Im ersten Moment etwas ungewohnt unattraktiv, klingen diese Aufnahmen jedoch äusserst entspannt und unmittelbar. Beispielsweise das Album «Girl of my Dreams» von den Jazz Makers klingt vital und trotz seiner Natürlichkeit auch sehr dynamisch. Stellenweise zudem durchaus giftig – so wie Blechinstrumente eben klingen können.

Zum Abschluss meiner klanglichen Beschreibungen greife ich zur hervorragenden Aufnahme «Mephisto & Co.», in welcher Eiji Oue das Minnesota Orchestra dirigiert. Die Bezeichnung des Labels Reference Recordings ist in Anbetracht der Aufnahmequalität absolut angemessen. Das Stück «Danse macabre» lotet die Grenze einer Anlage in allen Richtungen aus. Nebst Luftverschiebungen in der untersten Oktave bietet das Spektakel atemberaubende Dynamik in allen Lagen.

Nebst der beeindruckenden Dynamik gibt es diverse Geräusche, welche bei adäquater Reproduktion enorm faszinierend wirken. Der Unico Due führt die Lautsprecher explosiv an den Zügeln und tänzelt spielerisch. Er bleibt stets beherrscht und sauber kontrolliert, schmettert einem die Attacken satt um die Ohren und behält dabei zackig den Überblick. Durch K.o. in der letzten Runde würden höchstens die Lautsprecher eine Niederlage einstecken müssen.

Fazit

Der Unico Due überzeugt mit toller Optik und Haptik, komfortablem Funktionsumfang und klanglichen Fähigkeiten auf hohem Niveau. Klanglich weiss der Unico Due mit lebendiger Darbietung zu überzeugen. Die Röhren in der Vorstufe tragen ihren Teil zum ermüdungsfreien Hören bei. Im Bass sauber konturiert und mit ausreichend festem Griff. Keine Spur von Überbetonungen, die zu inniger Liebe bei den einen, oder zunehmender Abneigung bei anderen führen könnten. Die Spielweise ist insgesamt zügig und frisch, wobei der musikalische Fluss nicht zu kurz kommt.

Mit an Bord sind einige Funktionen, die nicht selbstverständlich sind. Die Bedienung ist grösstenteils simpel. Zur Konfiguration des AV-Modus oder zum Verständnis der Abkürzung «OSD» muss zwar kurz im Manual gespickt werden, aber das wars dann auch schon. Der Unico Due ist ein beispielhafter Vertreter der Gattung hochwertiger und zeitgemässer Vollverstärker, der schlicht glücklich machen kann. Ein rundum stimmiger Röhrenhybrid-Verstärker zu einem äusserst fairen Kaufpreis!

Steckbrief
Modell:
Unico Due
Profil:
Feinsinnig kräftiger Vollverstärker, der auf Röhren im Eingang sowie Transistoren im Ausgang setzt und mit modernem DAC und integrierter Phono-Vorstufe aufwartet.
Pro:
- einwandfreie Verarbeitung
- hohes Klangniveau und ausreichend Leistung
- DAC und Phono vorhanden
- weitere nützliche Features integriert
Contra:
- DAC nur über USB verwendbar
- Lautstärkeabstufung des DAC ist etwas empfindlich und grob
- Bedienung ist nicht durchs Band selbsterklärend
- IR-Remote-Konflikt mit Google-Chromecast-Box
Preis:
2,800.00 CHF
Hersteller:
Unison Research
Jahrgang:
2023
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
435 x 180 x 440 mm
Gewicht:
16 kg
Farbe:
Silber / Schwarz
Airplay:
Nein
Bluetooth:
Nein
Chromcast:
Nein
Roon Ready:
Nein
Spotify Connect:
Nein
Symmetrischer Eingang:
Nein
WiFi:
Nein
Analog Input:
CD, Aux, Phono
Analog Output:
Sub, DAC, Tape
Bluetooth Codecs:
-
DA-Wandler:
ja
Digital Input:
USB
Digital Output:
-
Frequenzgang:
12–100000 ± 3dB
Interface:
USB
Maximale Leistung:
100/180/290 (8/4/2 Ohm) Watt
Remote App:
-
Verstärkerleistung 8 Ohm:
100 Watt
Onlinefassung: https://avguide.ch/testbericht/test-unison-research-unico-due-vollverstaerker-kontrolle-und-feinsinn
© 1999–2026 avguide.ch GmbH · Alle Rechte vorbehalten