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Nomen est omen

Test des hochmusikalischen DAC 2.7 von Bel Canto

Der DAC 2.7 des US-amerikanischen Herstellers Bel canto Design klingt so schön, dass man sich eigentlich nicht mehr um technische Daten kümmern möchte.

Von Christian Wenger · 5. Juni 2018
Bel Canto DAC 2.7.Bel Canto DAC 2.7.

In letzter Zeit profilieren sich DA-Wandler zunehmend über technische Leistungsdaten wie möglichst hohe Samplingraten bis 384 kHz bei Wortlängen von 32 Bit und jedwelche DSD-Varianten. Bei allen anderen Daten gilt die Devise, dass nach dem Komma zunächst möglichst viele Nullen erscheinen. Man wähnt sich zurückversetzt in eine Zeit, als uns bei Verstärkern vor allem der Klirrfaktor interessierte.

Bel Cantos DAC 2.7 verarbeitet 24 Bit/192kHz über alle Digitaleingänge und garantiert einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz in einer Toleranz von +/- 0.5 dB. Viel mehr erfährt man nicht, und die Tech-Geeks werden sich beim Versuch, Informationen zum Wandler-Chip in Erfahrung zu bringen, die Fingernägel abkauen – und das ist gut so.

Der DAC 2.7 gehört zu Bel Cantos günstigster e.One-Modellreihe und vereint eine vernünftige Investition von 2990 CHF mit optimaler Performance. Dafür wurde «nur» die Aluminium-Frontplatte aus dem Vollen gefräst, der Rest des Gehäuses besteht aus Stahlblech. Die grün leuchtende 7-Segment-Anzeige ist schon fast retro, und die Platine, auf der sich die Anzeige befindet, datiert von 2009, wurde also vor 9 Jahren entwickelt. - Den DAC 2.7 gibt es seit 2014. Das spielt alles keine Rolle, ausser Sie kaufen solche Geräte wegen der Anzeige und dem Gehäuse! Falls Sie das tun – wogegen nichts einzuwenden ist – hat Bel Canto aus Minneapolis, gegründet 1991, auch solches zu bieten. Das kostet dann aber mehr ...

Der DAC 2.7 ist also ein «No-Nosense-DAC». Das Gerät verströmte schon beim Auspacken eine Art verborgene Kompetenz.

Konzept und Spezifikationen

Saubere Gliederung: Ausgänge links, Analog-Eingang in der Mitte, Digital-Eingänge rechts. Links von der Mitte befindet sich der Druckschalter, mit dem man die Lautstärkeregelung aktivieren/deaktivieren kann.Saubere Gliederung: Ausgänge links, Analog-Eingang in der Mitte, Digital-Eingänge rechts. Links von der Mitte befindet sich der Druckschalter, mit dem man die Lautstärkeregelung aktivieren/deaktivieren kann.

DAC 2.7 ist in Tat und Wahrheit ein digitaler Vorverstärker mit 5 Digitaleingängen, einem Analogeingang, einer digitalen Lautstärkeregelung und symmetrischen sowie asymmetrischen Ausgängen, über die das Ausgangssignal entweder an einen konventionellen Vorverstärker/Vollverstärker oder direkt an eine Endstufe weitergegeben werden kann – oder eben an Aktivlautsprecher mit Analogeingang.

Steuert man direkt Endstufen an, aktiviere man die digitale Lautstärkeregelung. Verwendet man dazu die symmetrischen XLR-Ausgänge, dann verfügt man über normgerechte 4.5 VRMS Ausgangsspannung – die ist doppelt so hoch, wie jene der asymmetrischen RCA-Ausgänge. Endstufen mit einer eher geringen Verstärkung bieten via XLR also keine Probleme.

Für den Kopfhörer gibt's eine vielversprechend gut klingende Ausgangsstufe.

Sie haben übrigens richtig gelesen: Das analoge Eingangssignal (via Analogeingang) wird also digitalisiert, denn die Lautstärkeregelung ist digital. Das ist konsequent und nimmt keine Rücksicht auf die aus meiner Sicht überholten Befindlichkeiten der Analog-Puristen. Und es handelt sich um EINEN Analogeingang. Wenn Sie mehr als EINEN Plattenspieler oder Tonarm betreiben, dann sei mit der passenden Phonovorstufe vorgesorgt. Ich wäre hier etwas spendierfreudiger gewesen, denn bei den Digitaleingängen findet man zwei Koaxial-SPDIF-Eingänge vor. Das ist sehr gut.

Dazu kommen natürlich Toslink, USB und AES/EBU (XLR). Gerade der AES/EBU leistete mir gute Dienste für den Klangvergleich mit dem MAN301-Musikserver von Weiss, bzw. dessen integrierten DA-Wandler.

Bedienung

Nach dem Einschalten wird kurzzeitig die Firmwareversion angezeigt. Dann schaltet der DAC 2.7 den AES-Digitaleingang per default frei und reduziert die Ausgangsspannung (Mute). Durch Drehen (= Wählen) und Drücken (= Bestätigen) des Bedienungsrads kann jede Einstellung am Gerät vorgenommen werden. Die Fernbedienung ermöglicht denselben Bedienungsumfang.

Alle Eingänge lassen sich individuell mit maximal vier Buchstaben/Zahlen beschriften. Dazu geht man in den PGM-Modus, den man jederzeit einfach wieder verlassen kann. Besonders nützlich ist die digitale Balance-Einstellung, denn Balanceregler sind eher selten geworden – obwohl sie doch so nützlich sind. Auch die Invertierung des digitalen Signals ist einfach einzustellen. Die Anzeige kann in gewissen Grenzen individualisiert werden.

Die Bedienung ist einfach, logisch und zweckdienlich.

Verarbeitung

Der HDR-Core (HDR = High Dynamics Resolution).Der HDR-Core (HDR = High Dynamics Resolution).

Die Hauptplatine bettet alle Funktionen dessen ein, was der Hersteller als HDR-Core bezeichnet. Zum Beispiel die DAC-Chip- und Fingernägelkauer dürfen nun innehalten. Es ist der PCM 1792 DAC von Burr-Brown/Texas Instruments. So what!

Dazu eine extrem rauscharme Stromversorgung und ebenso rauscharme/präzise Clocks. Der DAC 2.7 braucht lediglich 8 Watt Leistung im Betrieb. Das sind bloss 33 mA Stromaufnahme. Somit erzeugt der DAC 2.7 kaum Wärme und kann fast überall untergebracht werden, auch in engen Regalen mit schlechter Durchlüftung.

Die Verarbeitung ist insgesamt sehr hochwertig und durchdacht. Das Stahlblech ist 2.5 mm stark, und die einfache U-förmige Haube ist mit einer zusätzlichen Einlage versehen, die wahrscheinlich eine vibrationsdämpfende Funktion aufweist. Stahlblech ist nicht gleich Stahlblech.

Die zweite Platine befindet sich hinter der Frontplatte.Die zweite Platine befindet sich hinter der Frontplatte.

Testbetrieb

Von oben nach unten: DAC 2.7, Weiss MAN301, Vollverstärker Lavardin IS Réference. Nicht im Bild sind die Lautsprecher Blumenhofer Tempesta.Von oben nach unten: DAC 2.7, Weiss MAN301, Vollverstärker Lavardin IS Réference. Nicht im Bild sind die Lautsprecher Blumenhofer Tempesta.

Als digitale Quelle diente der MAN301-Musikserver von Weiss Engineering mit seinem integrierten DA-Wandler als Vergleich zum Bel Canto DAC 2.7. Der Analogausgang des MAN301DAC geht direkt an den IS-Réference-Vollverstärker von Lavardin.

Ich verwendete den AES/EBU-Digitalausgang des MAN301, um damit den Bel Canto DAC 2.7 anzusteuern. Dessen Ausgang verband ich ebenfalls mit dem IS-Réference-Vollverstärker. Die Verbindungskabel von WireWorld waren in beiden Fällen asymmetrisch (RCA). Mir ging es dabei um exakt gleiche Verhältnisse für den Vergleich.

Mit dem DAC 2.7 war es denn etwas lauter. Mit der variablen Lautstärkeregelung des DAC 2.7 konnte ich die Lautstärke exakt angleichen. Diese Einstellung 94.0 sieht man auf den Bildern. Dies ist insofern wichtig, weil man geringe Lautstärkenunterschiede zunächst als Qualitätsunterschiede wahrnimmt.

Nun konnte ich ganz einfach dieselbe Musik über den DAC im Musikserver und über den DAC 2.7 durch Umschalten am Verstärker vergleichen, ohne mit Umstecken Zeit zu verlieren. Der Datenstrom war demnach exakt gleich, denn man kann davon ausgehen, dass ein hochwertiges AES-Digitalkabel nichts durcheinanderbringt.

Als Lautsprecher dienten mir einmal mehr die Blumenhofer Tempesta mit LS-Kabeln von Absolue Création. Die ganze Kette entspricht preislich in etwa einer realen Kette, wie Sie bei einem Interessenten für den DAC 2.7 zuhause stehen könnte.

Zuerst liess ich die ganze Kette über Nacht einspielen, um alles schön ins Lot zu bringen. Ich war gespannt auf den Morgen.

Anmerkung: Der MAN301DAC ist mit dem entsprechenden DAC ausgerüstet. Es gibt auch noch einen sogenannten B-DAC, eine noch bessere Version, mit der ich jedoch keine Erfahrung habe.

Musikerlebnis

Räumliche Abbildung auch innerhalb des Geräts. Räumliche Abbildung auch innerhalb des Geräts.

Ich beschränkte mich auf zwei Aufnahmen für den Test: Alfred Brendel mit einem Klavierkonzert von Mozart und Antonio Forciones (Gitarre) Album «Touch Wood». Zunächst ging es darum, den Lautstärkenpegel exakt anzugleichen, wofür ich Kopfhörer verwendete. Mit der Lautstärkenregelung des DAC 2.7 ist dies ein Kinderspiel. Es gibt keine Tipptasten, sondern ein schön leichtgängiges Drehrad.

Mein erster Eindruck war insofern ernüchternd, als dass ich keinen reproduzierbaren Unterschied feststellen konnte – weder in Sachen Auflösung, noch bei den Klangfarben oder in der Räumlichkeit. Es klang atemberaubend schön, durchhörbar, musikalisch ...

Ich änderte die Taktik von den schnellen Vergleichen kurzer Passagen zu längeren Abschnitten von etwa zwei Minuten und danach 10 Minuten. Dann blieb ich plötzlich länger am DAC 2.7 hängen. Da war etwas eigenwillig Gefühlvolles in seiner Schallinformation. Etwas Tragendes, das mich richtig in Stimmung brachte.

Mit dem Bel canto DAC 2.7 konnte ich länger bei der Musik verweilen und tiefer eintauchen. Das war echt und spürbar, und dennoch irrational. Dann zurück zum A-DAC des MAN301. Nach längerer Zeit empfand ich ihn ein wenig stringenter bei den Klavieranschlägen, was mir gefiel, aber es ist etwas weniger zum Träumen gemacht.

Unter dem Strich würde ich sagen, dass die beiden DAC's gleich gut sind, aber vielleicht ändere ich meine Meinung wieder – und dann vielleicht nochmals.

Fazit

Bel canto: Nomen est omen. Bel canto: Nomen est omen.

Der DSC 2.7 von Bel Canto ist ein ausgereifter, vollständiger und bewährter DA-Wandler und Digital-Vorverstärker mit einem ausgezeichneten Bedienungskonzept und einem unaufgeregt wertigen Erscheinungsbild. Ein DA-Wandler zum Vergessen. Er ist irgendwie gar nicht da. Gemessen an seinem Preis klingt er sagenhaft gut. Ich bin überzeugt, dass sich jeder Besitzer sehr lange Zeit keine Gedanken mehr zu diesem Thema machen muss.

Steckbrief
Modell:
DAC2.7
Profil:
Universeller DA-Wandler, der dank dem zusätzlichen Analogeingang und symmetrischen XLR-Ausgängen auch als Vorstufe mit Endstufen eingesetzt werden kann.
Pro:
Vielseitig
Sehr musikalischer Klang
Geringer Stromverbrauch
Contra:
Etwas banale 7-Segment-Anzeige
Preis:
2,990.00 CHF
Hersteller:
Bel Canto
Jahrgang:
2014
Vertrieb:
Audiosphere GmbH
Masse:
216 x 318 x 88 mm
Gewicht:
6.5 kg
Farbe:
schwarz oder silber
Analog Output:
RCA und XLR
Digital Input:
AES, USB, 2 x Coaxial, Toslink
Digitale Wortbreite:
24 Bit
Samplingfrequenz:
192 kHz
Wandlerchip:
PCM 1792 DAC
Onlinefassung: https://avguide.ch/testbericht/nomen-est-omen-test-des-hochmusikalischen-dac-27-von-bel-canto
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