Dali Sonik 7 im Test.Just eine halbe Stunde vor meiner Abreise in die Sportferien wurde der Sonik 7 geliefert – und so musste ich wohl oder übel mit viel Fantasie im Gepäck, wie der Lautsprecher wohl klingen möge, abreisen und mich eine Woche bis zum Hörtest gedulden.
Dali – eine Marke, ja mehr noch: eine Ikone. Nicht, dass sie etwas mit dem genialen Maler Salvador Dalí zu tun hätte – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von «Danish Audiophile Loudspeaker Industries» zusammen. Wobei dem dänischen Lautsprecherhersteller durchaus der Ruf einer gewissen Genialität anhaftet – zu Recht, meine ich, denn er schafft es immer wieder, technische Innovationen in einem schlichten Kleid daherkommen zu lassen. Dazu gleich Genaueres.
Design
Dali-Lautsprecher kommen generell in einem schnörkellosen, nordländisch-geradlinigen Design daher – ganz auf Understatement bedacht. Davon ausgenommen ist vielleicht die Edelserie Kore, die in allen Belangen über sich hinauszuwachsen scheint: 167 cm Höhe, 150 kg Gewicht und ein Stückpreis von 50'000 Franken. Daneben wirkt die Sonik 7 mit ihren bescheidenen Massen – rund ein Meter Höhe, 16 kg Gewicht, 750 Franken pro Stück – geradezu spränzelig.
Die Sonik 7 ist innerhalb der Serie nach der Sonik 9 das zweitgrösste Modell unter insgesamt sieben Lautsprechern. Trotz ihres mittleren Ranges sollte sie jedoch nicht unterschätzt werden, denn in mehreren Bereichen erreicht sie klangliche Eigenschaften grösserer Modelle. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wurden ihr doch einige Technologien der teureren Serien mitgegeben:
Der Tief-Mitteltöner der Sonik 7.Die Bass- und Mitteltöner verfügen über Clarity-Cone-Membranen aus einer Papier-Holzfaser-Verbundstruktur – erfreulicherweise hier nicht ganz so rostbraun gefärbt wie bei anderen Dali-Modellen, sondern beinahe schwarz.
Die Sonik-Serie verwendet das patentierte SMC-Essential-Magnetsystem, bei dem ein Ferrit-Ring ein hybrides Eisen-SMC-Polstück umschliesst und das SMC-Material so direkt in der Arbeitszone der Schwingspule platziert wird. Dadurch werden Hysterese und Wirbelströme reduziert, was eine verzerrungsärmere, linearere und detailreichere Mitteltonwiedergabe ermöglicht.
Die Membran zeichnet sich durch eine gering bewegte Masse bei gleichzeitig hoher Biegesteifigkeit aus, was membranbedingte Partialschwingungen reduziert, das Resonanzverhalten kontrolliert und einen linearen Frequenzgang im Mitteltonbereich unterstützt.
Die Sonik 7 arbeitet als 2,5-Wege-Konstruktion: Die Frequenzweiche trennt bei 2300 Hz zwischen Tief-/Mitteltönern und dem 29-mm-Softdome-Hochtöner. Ab 14'000 Hz übernimmt zusätzlich der planare magnetostatische Hochtöner – er ergänzt den Softdome im Superhochtonbereich und sorgt so für eine besonders feine Auflösung der höchsten Frequenzen bis 30'000 Hz.
Das Hybrid-Hochtöner-Modul der Sonik 7: Die 29-mm-Softdome-Kalotte übernimmt den Hochtonbereich ab 2300 Hz, der planare magnetostatische Hochtöner (17 × 45 mm) ergänzt sie ab 14'000 Hz im Superhochtonbereich bis 30'000 HZ.Der Softdome-Hochtöner übernimmt ab 2300 Hz den gesamten Hochtonbereich und ist auf hohe Belastbarkeit, niedrige Resonanzfrequenz und grosse Dynamikreserven ausgelegt. Ab 14'000 Hz ergänzt ihn der planare magnetostatische Hochtöner im Superhochtonbereich bis 30'000 Hz; in diesem Bereich arbeiten beide Treiber bewusst gleichzeitig, was einen sanften, kammfilterfreien Übergang gewährleistet.
Der entscheidende Vorteil des Hybrid-Hochtöner-Systems liegt jedoch in der Abstrahlung: Während ein Softdome bei steigenden Frequenzen zunehmend bündelt und ausserhalb der Hauptachse an Pegel verliert, strahlt der Planar-Tweeter auch bei höchsten Frequenzen breit und gleichmässig ab.
Das Ergebnis ist ein konsistentes, natürliches Klangbild über eine breite Hörzone – unabhängig davon, ob man genau auf Achse sitzt oder seitlich versetzt. Obertoninformationen und feine räumliche Details bleiben so vollständig und unverfälscht erhalten.
Praxis- und Hörtest
So viel zur Theorie – nun zur Praxis. Zurück aus den Ferien waren die Lautsprecher spielend einfach ausgepackt und angeschlossen. Einzig die Aluminium-Sockel müssen – fast schon in Ikea-Manier – mittels beiliegendem Werkzeug selbst montiert werden. Dabei wählt man zwischen klassischen Spikes und gummierten Tellerfüssen. Ich entschied mich für Letztere und meine, gut daran getan zu haben: Erfahrungsgemäss lassen Spikes das Klangbild zwar etwas luftiger wirken, schlanken aber auch den Mittelton und Bass leicht aus. Sind die Sockel montiert, stehen die Lautsprecher bemerkenswert sicher und stabil.
Der Aluminium-Ausleger, inspiriert von der Epikore-Serie, bietet die Wahl zwischen Spikes und Gummifüssen.An dieser Stelle sei es nochmals gesagt: Wir reden hier von einem Lautsprecher, der pro Stück 750 Franken kostet – erstaunlich. Wie ist ein solch tiefer Preis möglich? Wie schon die Oberon-Serie vor ihr wird die Sonik-Serie im Dali-eigenen Werk in China gefertigt – im Gegensatz zu den teureren Serien wie Kore, Epikore oder Rubicon, die im Stammwerk im dänischen Nørager produziert werden. Entwickelt und konstruiert werden übrigens alle Dali-Lautsprecher in Dänemark.
Rein äusserlich kommt die Sonik 7 gleichwohl absolut solide und sauber verarbeitet daher. Das MDF-Gehäuse ist mit einer hochwertigen Strukturfolie verkleidet – kein Echtholzfurnier, aber täuschend echt. Die separate Schallwand, an der die Chassis befestigt sind, ist trotz ihrer schlanken Stärke von rund einem Zentimeter erstaunlich resonanzarm; dies dürfte weniger dem Material selbst geschuldet sein als vielmehr der stabilen Innenverstrebung des Gehäuses, die Dali eigens zur Resonanzunterdrückung entwickelt hat.
Die magnetisch befestigte Stoffabdeckung der Sonik 7 – elegant, akustisch durchlässig und in Sekundenschnelle abnehmbar.Die mit Stoff bezogene Kunststoffblende lässt sich dank integrierter Magnete mühelos anbringen und abnehmen. Für meine Tests verzichte ich grundsätzlich auf Abdeckungen, da sie erfahrungsgemäss die Mitten leicht verschleiern. Bei der Sonik 7 war dieser Effekt interessanterweise kaum wahrnehmbar – die Blenden bleiben dennoch weg.
Das Anschlussterminal ist leicht abgeschrägt, was das Anbringen von Kabelschuhen erleichtert – ein kleines, aber praktisches Detail. Die Klemmen selbst wirken etwas schlicht und haben merklich viel Spiel, was einen leichten Abzug rechtfertigt. Bi-Wiring- oder Bi-Amping-Anschlüsse fehlen; in dieser Preisklasse ist das jedoch weder überraschend noch ein wirklicher Verlust.
Das leicht abgeschrägte Anschlussterminal erleichtert die Montage von Kabelschuhen spürbar.Verstärker und Streamer einschalten – und eintauchen in die Musik.
Wie jeder Lautsprecher benötigt auch die Sonik 7 eine gewisse Einspielzeit. In den ersten Stunden klingen die Höhen noch etwas zu griffig und der Bass leicht schwerfällig. Doch das Potenzial des Lautsprechers ist von Anfang an hörbar – und es ist beachtlich für diese Preisklasse.
Ich liess die Lautsprecher zwei Tage durchgehend einspielen. In dieser Phase verlangen manche Musikstücke etwas Geduld – vor allem bei lauteren, dynamischeren Passagen. Nach zwei Tagen veränderte sich das Klangbild spürbar: Die Höhen wurden deutlich geschmeidiger, der Bass straffer und konturierter. Auch die räumliche Darstellung gewann merklich.
Der Hochton fällt sofort auf – klanglich wie technisch. Herzstück ist der bereits erwähnte 29-mm-Softdome-Hochtöner mit Aluminium-Frontplatte, der mit 0,060 mg/mm² etwa halb so leicht ist wie herkömmliche Gewebekalotten. Darüber thront der ebenfalls bereits beschriebene planare magnetostatische Hochtöner (17 × 45 mm).

Beim genauen Hinhören scheint aus diesem Superhochtöner zunächst kaum etwas zu kommen. Ein kurzer Selbstversuch mit abgedecktem Planarhochtöner zeigte jedoch: Ohne ihn wirkt der Klang weniger frei und die Räumlichkeit nimmt merklich ab. Diskrete Töne sind im eigentlichen Sinn kaum wahrnehmbar – aber die Höhen wirken insgesamt frischer und luftiger. Das ist auch nicht weiter erstaunlich: Der Planarhochtöner setzt erst ab 14'000 Hz ein, also am äussersten Rand des menschlichen Hörbereichs.
Der Hochton zählt klar zu den Stärken der Sonik 7. Eindrücklich hörbar etwa bei «Recomposed by Max Richter: Vivaldi, The Four Seasons», wo sich die Streicher gleich zu Beginn in virtuosem Wettstreit messen – filigran und feinzeichnend bis in die letzte Nuance.

Die Mitten sind präsent, ohne sich aufzudrängen. Die Sonik 7 bleibt stets ausgewogen und kultiviert – auch bei lauten Pegeln. Trompeten kommen satt und druckvoll, Männerstimmen dagegen mitunter etwas zurückhaltend: Allan Taylors «Beat Hotel» habe ich an Spitzenlautsprechern schon eindringlicher gehört. Umso überzeugender Tom Castelluccis «I See Fire» – seine tiefe, samtige Stimme entfaltet sich mit beeindruckender Körperlichkeit. Frauenstimmen gelingen der Sonik 7 besonders gut: Etta Cameron singt «You Are My Sunshine» glockenklar und mit sinnlicher Wärme.

Gezupfte und gestrichene Saiten liegen der Sonik 7 besonders. «Solo Guitarra 2» von Juan Maya Marote offenbart feinste Nuancen – versierte Hörer meinen, gar die verwendeten Gitarrensaiten herauszuhören.
Der Bass ist nicht knochentrocken und gibt sich um 120 Hz leicht zurückhaltend, reicht dafür aber bis rund 36 Hz hinunter und entfaltet dort beachtlichen Tiefgang. In meinem 25-m²-Hörraum erwies sich dies als etwas zu üppig. Abhilfe schaffte ein Schaumstoffstopfen im Bassreflexrohr, der den Bass wirkungsvoll an den Raum anpasste – danach harmonierte das Klangbild ausgezeichnet. Hans Zimmers «Projection» aus dem Album «Cuba Chase» zeigte eindrucksvoll, wie souverän die Sonik 7 auch kraftvolle Filmmusik meistert.
Mit einem Wirkungsgrad von 88,5 dB empfiehlt sich an der Sonik 7 ein kräftiger Verstärker. Gut befeuert spricht sie dynamisch und reaktionsschnell an. Bei sehr schnellen Passagen – etwa den Xylophon-Schlägen in «High Life» von Arne Domnerus – könnte die Konturenschärfe noch einen Tick präziser sein. Das bleibt jedoch eine Randnotiz angesichts eines Paarpreises von 1500 Franken.

Räumlich löst die Sonik 7 hervorragend auf und erzeugt eine beeindruckend tiefe Bühne. Die Breitenstaffelung war bei paralleler Aufstellung im 2-Meter-Stereodreieck mehr als ordentlich. Für eine optimale Abbildung der Interpreten lohnt es sich, mit der Aufstellung zu experimentieren. Erfreulich sind der grosse Sweetspot und die insgesamt unkritische Positionierung im Raum.
Echte Schwächen? Kaum. Bei sehr hohen Pegeln beginnt die Dynamik spürbar zu komprimieren – doch solche Lautstärken sind im Alltag kaum praxisrelevant. Naturgemäss erreicht die Sonik 7 nicht die letzte Feinauflösung und Präzision in der Abbildung einzelner Instrumente und Stimmen, wie sie deutlich teurere Lautsprecher bieten. Doch gemessen am Paarpreis von 1500 Franken ist die räumliche Auflösung bemerkenswert – und das aufwendige Hybrid-Hochtöner-System zahlt sich hörbar aus: Es verleiht dem Klangbild jene Luftigkeit, Transparenz und Weiträumigkeit, die man sonst erst in deutlich höheren Preisklassen antrifft.
Fazit
Die Sonik 7 ist ein Lautsprecher, der weit über seiner Preisklasse spielt. Er bietet bemerkenswert viel Klang zu einem erstaunlich moderaten Preis und ist für genussvolles Hören in mittelgrossen Räumen rundum überzeugend. Das Preis-Klang-Verhältnis ist schlicht ausgezeichnet.
Wer einen frischen, offenen Klang mit ausgeprägter Hochtonkultur, hoher Auflösung und echter Räumlichkeit sucht, sollte die Sonik 7 unbedingt auditionieren. Auch für Filmmusik und Surround-Setups empfiehlt sie sich nachdrücklich.
Und zum Schluss ein Gedanke, der sich beim Hören unweigerlich aufdrängt: So unscheinbar und erschwinglich die Sonik 7 auch ist – die Klanggenialität, die sie entfaltet, ist schlicht unverhältnismässig gross. Salvador Dalí, der Meister des Unerwarteten, hätte wohl seine helle Freude daran gehabt.
Die Dali Sonik 7 – für alle, die audiophilen Klang mit begrenztem Budget suchen, ohne Kompromisse einzugehen: Räumlich, transparent und feinzeichnend, weit jenseits ihrer Preisklasse.