avguide.ch Druckansicht · 20.09.2026

Virtuose der Klangkultur

Wie entsteht eine herausragende Aufnahme?

Das Studio Noir ist auf Aufnahmen akustischer Ensembles spezialisiert, primär auf klassische Musik. Ein Besuch gibt Aufschluss darüber, wie eine herausragende Aufnahme entsteht und welche Faktoren das Resultat beeinflussen.​​​

Von Fritz Fabig · 15. April 2026
Das Studio Noir ist spezialisiert auf Aufnahmen akustischer Ensembles, für primär klassische Musik.Das Studio Noir ist spezialisiert auf Aufnahmen akustischer Ensembles, für primär klassische Musik.

Audiophile Musikliebhaber investieren viel in ihre Anlage und konzentrieren sich dabei oft auf deren Optimierung. Was dabei leicht in den Hintergrund gerät, ist das Wissen über das Programmmaterial selbst – denn wer nicht weiss, wie eine Aufnahme entstanden ist, zieht am Ende vielleicht die falschen Schlüsse.

Besonders wenn es um Raumauflösung geht, muss vieles zusammenpassen, damit ein Album künstlerisch und klangtechnisch als herausragend gilt. Die fundamentalen Faktoren, die dabei die Grundlage bilden, kommen noch vor jeder Feinabstimmung und jedem persönlichen Klangempfinden.

Klassik, Jazz oder Pop

Rein akustische Ensembles müssen zwangsläufig als Gesamtheit in einem Raum mit Mikrofonen aufgezeichnet werden, was auch massgeblich für das organische Zusammenspiel der Musiker notwendig ist. Somit ist ein direkter Vergleich zwischen Original und Reproduktion über Audiosysteme möglich – theoretisch.

Der Klangkörper muss bei Wiedergabe aufgefächert auf der Lautsprecherachse und der Raumtiefe dargestellt werden – Aspekt Raumauflösung, also die Position der Stimmen und Instrumente. Ebenso sollte das Timbre (Klangfarbe) zwischen Original und Konserve übereinstimmen. Da jedes Element der Aufnahme- und Wiedergabekette nie hundertprozentig akkurat arbeitet, kommt es immer zu Verschiebungen der Klangfarbe und der Raumauflösung.

Das maximal Mögliche ist folglich eine Näherung an das Original, nie die hundertprozentig korrekte Reproduktion. Neben den Raumeinflüssen sind Mikrofone und Lautsprecher die Komponenten, die das Musiksignal am meisten beeinflussen. Dagegen sind die digitale Signalverarbeitung und Speicherung am wenigsten kritisch. Werden im Aufnahmeprozess oder beim Mastering bewusst analoge anstelle von digitalen Komponenten im Signalweg eingeschlauft, will man dem Klangresultat bewusst die für analoge Geräte typische Signatur aufdrücken.

Die Produktion eines Albums ist ein kreativer Prozess. Geht es bei klassischer Musik, respektive einem akustischen Ensemble, primär um das Dokumentieren eines real existierenden Klangereignisses, ist bei Pop- und Mainstream-Produktionen die Nachbearbeitung (Mastering) ein wesentlicher Teil des kreativen Prozesses. Und im Umkehrschluss zur Klassikaufnahme: Das Klangbild, die Struktur eines Pop-Albums hat in dieser Form in der realen Welt nicht stattgefunden, es wurde im Studio stufenweise kreiert.

Beispiel für realistische Musik-Reproduktion

Exemplarisch für klanglich und interpretatorisch hochwertige Einspielungen ist die Haydn-2032-Edition. Die in der Realisation befindliche Gesamtaufnahme aller 107 Haydn-Symphonien steht bei der 18. Ausgabe.

Klanglich und interpretatorisch bieten viele, aber nicht alle der 18 Alben viel Hörgenuss. Wer das Begleitheft zu den Alben genau studiert, stellt Folgendes fest: Seit Volume 6 ist für Aufnahme, Mischung und Mastering und die Aufnahmeleitung ein und dieselbe Person verantwortlich: Jean-Daniel Noir vom Studio Noir.

Das Studio befindet sich in Grandevent am Jurasüdfuss, einem sehr ruhigen Ort in Hanglage oberhalb des Neuenburgersees. Jean-Daniel Noir war im Januar 2026 am Mastern der 19. Ausgabe der Haydn-2032-Edition. Die Gelegenheit für einen Besuch in Grandevent, um mit Noir über die Aspekte seiner Arbeit und die Faktoren für guten, realitätsnahen Klang zu sprechen.

Das Studio Noir …

… wurde von Jean-Daniel Noir 2001 gegründet. Noir ist Toningenieur und künstlerischer Leiter, spezialisiert auf Tonaufnahmen, Mischung und Mastering von klassischer Musik. Diese Spezialisierung ermöglicht es, wie wir später sehen werden, sich mit der Materie in der Tiefe auseinanderzusetzen.

Jean-Daniel Noir ist in Personalunion Toningenieur, Produzent und künstlerischer Leiter.Jean-Daniel Noir ist in Personalunion Toningenieur, Produzent und künstlerischer Leiter.

Aufnahmen mit klassischen Ensembles finden mehrheitlich ausserhalb von Aufnahmestudios statt. Die meisten Studios sind zu klein für grosse Klangkörper. Ebenso spielt die Akustik des Aufnahmeraumes eine wichtige Rolle. Sie muss zur Komposition und dem Klangkörper passen.

Es ist naheliegend, dass ein Aufnahmestudio, das sich ausschliesslich mit der Einspielung akustischer Musik befasst, anders ausgestattet ist als ein Universalstudio für unterschiedliche Genres, Produktionsabläufe und alle Arten von akustischen und elektrischen Instrumenten.

Die zahlreichen Aktivlautsprecher an den Wänden und an der Decke dienen der Raumsimulation und für Mehrkanalprojekte (z. B. Atmos).Die zahlreichen Aktivlautsprecher an den Wänden und an der Decke dienen der Raumsimulation und für Mehrkanalprojekte (z. B. Atmos).

Die Einspielungen der Haydn-Sinfonien finden alternierend mit dem Basler Kammerorchester im Musik- und Kulturzentrum Don Bosco in Basel und mit dem von Antonini gegründeten Ensemble Il Giardino Armonico im Gustav-Mahler-Saal in Toblach, Südtirol, statt.

Das Studio Noir selbst eignet sich zur Aufnahme von Einzelinstrumenten oder Kammerformationen (z. B. Streichquartett). Der akustisch optimierte Raum ist zusätzlich mit einer Vielzahl von aktiven Kompaktlautsprechern an Wänden und Decken bestückt. Damit lässt sich durch Hallsimulation die Illusion eines viel grösseren Raums herstellen. Mittels Presets lässt sich der Raumeindruck von verschiedenen realen Sälen und Kirchen abrufen.

Aufnahmesitzung: Die Symbiose zwischen Dirigent und Aufnahmeleiter

Die grosse Kunst der Schallaufnahme hat eine lange Geschichte, seit Thomas Alva Edison 1877 mit dem Satz «Mary had a little Lamb» zum ersten Mal ein flüchtiges Schallereignis auf einer Wachswalze gespeichert und anschliessend wiedergegeben hat. Die heutige digitale Technik erlaubt einen atemberaubenden Realismus bei der Musikwiedergabe.

Allerdings muss die Technik auch intelligent und mit dem Anspruch an diesen Realismus eingesetzt werden. Und das beinhaltet auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Interpreten, Dirigent und künstlerischem Leiter am Mischpult, respektive der Digital Audio Workstation. Es entsteht eine Symbiose zwischen der Interpretationskraft des Dirigenten und seinen Musikern sowie den Intentionen und Fähigkeiten des Toningenieurs.

Die Produktionsmethode entscheidet! Ein auf klassische Musik spezialisiertes Tonstudio, das mehrheitlich Aufnahmen in Kirchen oder Konzertsälen realisiert, benötigt weniger Hardware, da massiv weniger mit Tonmanipulation und Effekten gearbeitet wird.Die Produktionsmethode entscheidet! Ein auf klassische Musik spezialisiertes Tonstudio, das mehrheitlich Aufnahmen in Kirchen oder Konzertsälen realisiert, benötigt weniger Hardware, da massiv weniger mit Tonmanipulation und Effekten gearbeitet wird.

So sitzt Jean-Daniel während der Aufnahmesitzung nicht abgeschottet in einem abgelegenen Regieraum, sondern im Saal, nah bei den Musikern, was direktere Interaktionen ermöglicht. Noirs Aufgabe als künstlerischer Leiter ist es, auf Intonation und zeitrichtiges Zusammenspiel der Register oder einzelner Musiker zu achten und zu korrigieren. Sei dies als Wiederholung während der Aufnahmesitzung oder später beim Mischen und Mastern.

Noir bevorzugt die Nähe zum Orchester und Dirigenten, da dies eine wesentlich intensivere und direktere Kommunikation ermöglicht als abgeschottet in einem Regieraum und mit Talkback-Mikro.Noir bevorzugt die Nähe zum Orchester und Dirigenten, da dies eine wesentlich intensivere und direktere Kommunikation ermöglicht als abgeschottet in einem Regieraum und mit Talkback-Mikro.

Aufnahmetechnik

Wenn der Toningenieur mit seinen Aufnahmegeräten im gleichen Raum wie das Orchester sitzt, ist das Arbeiten mit lüfterlosen Geräten zwingend. Diese räumliche Nähe ermöglicht zudem kürzere Kabellängen. Während viele Studios dem Thema Kabel kaum Beachtung schenken, ist dies für Noir ein Faktor für ein überzeugendes Klangresultat.

Noir arbeitet sehr eng mit dem renommierten Westschweizer Studiogeräte- und Softwareproduzenten Merging Technologies SA zusammen, die 2022 von der Sennheiser-Gruppe übernommen wurde. Merging arbeitet eng mit Neumann, Berlin zusammen, die ebenfalls zur Gruppe gehört. Die eingesetzten AD/DA-Wandler und die DAW-Software Pyramix stammen folglich von Merging. Verstärker und Lautsprecher kommen von YBA aus Frankreich.

Qualitätsentscheidend für jede Aufzeichnung von akustischen Instrumenten sind die Mikrofone, deren Platzierung im Raum, in Relation zu den Musikern, und die Aufnahmemethode. Zu Letzterem später mehr. Die beiden prägendsten Elemente in der gesamten Aufnahme-Wiedergabekette sind die Mikrofone am Anfang und die Lautsprecher am Ende der Kette. Hier erfolgt die kritische Umwandlung von Schallenergie in elektrische Energie und umgekehrt. Und immer ist auch ein Raum und seine Akustik involviert!

Wie Lautsprecher sind auch Mikrofone keine perfekt linearen Energiewandler. Beide haben eine Klangsignatur, die von sehr verfärbt bis sehr klangneutral geht. Wobei klangneutral als mit geringstmöglichen Verfärbungen, Verzerrungen und Zeitfehlern definiert wird. Dies wissend, setzt ein Toningenieur gezielt unterschiedliche Mikrofone für die jeweiligen Instrumentenregister ein. Ein Mikro mit weniger Sensitivität im Bassbereich, aber exzellenter Linearität und Phasenstabilität im Mittel- und Obertonbereich eignet sich für Instrumente im oberen Klangregister.

Aufnahmemethode

Ein Orchester, wie das Basler Kammerorchester, umfasst rund 45 Musiker. Ein solcher Klangkörper hat auch eine physische Ausdehnung im Raum. Die übliche Aufnahmemethode besteht aus zwei Hauptmikrofonen in der Mitte vor dem Orchester und weiteren Mikrofonen nahe bei einzelnen Instrumenten oder Instrumentengruppen – Stützmikrofonen. Auf diesem Grundmuster basieren Variationen wie die als AB oder XY bezeichnete Anordnung der zwei Hauptmikrofone.

Aufnahme Haydn-2032-Edition, Volume 12 «Les Jeux et les Plaisirs» mit dem Kammerorchester Basel und Giovanni Antonini im brandneuen Don-Bosco-Saal in Basel.Aufnahme Haydn-2032-Edition, Volume 12 «Les Jeux et les Plaisirs» mit dem Kammerorchester Basel und Giovanni Antonini im brandneuen Don-Bosco-Saal in Basel.

Kleiner Exkurs: Ein stereophones Klangbild mit zwei Lautsprechern kann entweder mit einer Zeitdifferenz (Phase/AB) oder einer Lautstärkedifferenz (Pegel/XY) zwischen dem linken und dem rechten Lautsprecher erzeugt werden. Auch ein Verbund von Pegel- und Zeitdifferenz ist möglich.

Für ein räumlich und tonal realistisches Klangbild setzt Jean-Daniel Noir auf eine besondere Form der AB-Stereophonie mit Stützmikrofonen. So sind auf dem Hauptmikrofonbalken zwei Mikrofonpaare montiert. Das Hauptpaar besteht aus zwei Neumann M150, ergänzt durch zwei Josephson C600 oder DPA 4006AE oder zwei Sonodore LDM-54 (falls grosse Membranen bevorzugt werden), um das etwas scharfe Spektrum des M150 in seiner speziellen, modifizierten Konfiguration auszugleichen. Wie diese zusammenarbeiten, wird im Abschnitt «Mastering» erläutert.

Noir setzt auf zwei Hauptmikrofone, die auf getrennten Stereospuren aufgenommen werden (4 Kanäle).Noir setzt auf zwei Hauptmikrofone, die auf getrennten Stereospuren aufgenommen werden (4 Kanäle).

Mischprozess

Die Hauptmikrofone zeichnen ein Gesamtbild auf. Das Signal der Stützmikrofone wird beim Mischen dem Hauptsignal beigefügt. So können gezielt einzelne Instrumente stärker hörbar gemacht werden und die Klangbalance der Register abgestimmt werden. Alles bestens, wäre da nicht die Laufzeitdifferenz des Schalls in der Luft zu der des elektrischen Signals im Kabel: Der Schall des Horns kommt zuerst beim Stützmikro an und zeitversetzt bei den weiter entfernten Hauptmikros. Dies erzeugt eine zeitliche Verschiebung zwischen den beiden Signalen, was zu einem diffuseren, defokussierten Klangbild führt. Dies weiss man seit langem und war daher immer bemüht, dieses Problem mit Zeitverzögerungsgliedern (Delay Line) irgendwie zu lösen.

Jean-Daniel Noir hat das oben beschriebene Konzept zur Perfektion verfeinert. Jedes Stützmikro generiert ein Monosignal. Bei der Aufnahmesitzung wird die Position jedes Stützmikros mit Distanz und Winkel in Relation zu den beiden Hauptmikros mittels Lasermessgerät ermittelt. Referenzpunkt ist aber nicht die Mitte zwischen den beiden Hauptmikros, sondern es wird je ein Messwert für das linke und das rechte Mikro erfasst.

Die Schallgeschwindigkeit in der Luft bei 22° C beträgt ca. 345 Meter pro Sekunde oder 34’500 cm/s. In einer Millisekunde (1/1000) sind es 34,5 cm. Im Beispiel oben ist das elektrische Tonsignal des Stützmikros 13,63 ms früher beim Aufzeichnungsgerät.Die Schallgeschwindigkeit in der Luft bei 22° C beträgt ca. 345 Meter pro Sekunde oder 34’500 cm/s. In einer Millisekunde (1/1000) sind es 34,5 cm. Im Beispiel oben ist das elektrische Tonsignal des Stützmikros 13,63 ms früher beim Aufzeichnungsgerät.

Diese Werte werden beim Mischprozess in der Pyramix-DAW in ein von Noir entwickeltes Plug-in eingegeben. Die PanNoir-Zusatzsoftware korrigiert dann den Zeitversatz mit Einbezug des Winkels und ermöglicht es, die Position eines Instruments «auf präzise Weise und entsprechend der tatsächlichen räumlichen Anordnung» zu setzen.

Aktuell: PanNoir wurde soeben in einer neuen, erweiterten Version in Zusammenarbeit mit Merging Technologies lanciert. Der Autor konnte sich während des Besuchs im Studio von der verblüffenden Präzision dieses Prozesses überzeugen. Bereits die Summe aller (Mono-)Stützmikros (= Instrumente), folgerichtig auf der Szene genannten Orchesterbühne positioniert, ergibt bereits ein in der Breite und Tiefe gestaffeltes Abbild des Orchesters. Aktiviert man nun in der DAW die Stereospur der Hauptmikros, ergibt sich das volle Klangbild und der Raumeindruck, ohne dass sich die Position der Instrumente und die Tonalität, das Timbre, verschieben. Eindrücklich!

PanNoir in der neuen Version ermöglicht, Haupt- und Stützmikrofone optimal einzubinden, ohne die Tonalität oder die Raumabbildung (Position der Instrumente im Orchester) zu beeinträchtigen.PanNoir in der neuen Version ermöglicht, Haupt- und Stützmikrofone optimal einzubinden, ohne die Tonalität oder die Raumabbildung (Position der Instrumente im Orchester) zu beeinträchtigen.
PanNoir-Detail: Klangbühne.PanNoir-Detail: Klangbühne.
PanNoir-Detail: Für jedes Mikrofon kann die genaue Relation zu den Hauptmikros eingestellt werden.PanNoir-Detail: Für jedes Mikrofon kann die genaue Relation zu den Hauptmikros eingestellt werden.

Jean Daniel erläutert: «Indem man zunächst nur die Hauptmikrofone verwendet und dann nach und nach alle zusätzlichen Mikrofone hinzufügt, gewinnt jedes Instrument, selbst die weiter entfernten, an Definition. Ohne dass die Klangbalance verloren geht. Ohne PanNoir wären die Klangfarben mit einer einfachen Verzögerungsleitung unweigerlich phasenverschoben, entweder auf dem einen oder dem anderen Kanal oder leicht auf beiden. Dank PanNoir ist es nun möglich, zwei Arten von zusätzlichen Mikrofonen (Kondensator-/Bändchenmikrofon) am selben Instrument zu verwenden, obwohl sie nicht an derselben Position platziert werden können. Jedes Mikrofon hat seine eigene Ausrichtung zu den Hauptmikrofonen.»

Die Arbeit an der 19. Ausgabe der Haydn-2032-Edition

Beim Besuch des Autors in Jean-Daniel Noirs Studio war dieser beim Mastern der nächsten Ausgabe von Antoninis Haydn-Zyklus, der 2032 an Haydns 300. Geburtstag seinen Abschluss finden soll. Das Volume 19 mit dem Titel «Trauer» wird die Symphonien 108, 52 und 44 umfassen. Der Höreindruck des nahezu fertig gemasterten Albums über die exklusiven YBA-Lautsprecher im Studio war ein Genuss. Die verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten zum Kreieren des Klangbildes, so wie wir es am Ende auf CD oder im Stream hören, waren gut nachvollziehbar.

Dies zeigt, dass auch bei Klassikeinspielungen – und bei Pop extrem – ein Klangbild geschaffen wird, das nur im Kern dem entspricht, was wir im Konzertsaal hören. Die Tonaufnahme/Wiedergabe kommt einer erhöhten Hörposition in der Mitte der ersten Reihe im Konzertsaal nahe. Dass es an dieser Position im Saal anders klingt als in der Mitte oder im Diffusfeld und im Hochtonbereich-abgeschwächten hinteren Teil des Konzertsaals, ist leicht nachvollziehbar. Konzertsaal und Konserve sind schlicht zwei völlig unterschiedliche Ansätze des Musikhörens. Das eine ergänzt das andere, ist aber nie das genaue Abbild des anderen. Das ist physikalisch und auch von der Sinneswahrnehmung her nicht möglich.

Die Haydn-2032-Website gibt Auskunft über den Projektfortschritt. Die Zeitachse bezieht sich auf den Zeitpunkt der Konzertreihe und der Albumproduktion. Das Album selbst erscheint dann einiges später. Für Vol. 19 dürfte dies Frühling 2026 sein.Die Haydn-2032-Website gibt Auskunft über den Projektfortschritt. Die Zeitachse bezieht sich auf den Zeitpunkt der Konzertreihe und der Albumproduktion. Das Album selbst erscheint dann einiges später. Für Vol. 19 dürfte dies Frühling 2026 sein.

Bis zur Fertigstellung eines Albums tauscht sich Noir intensiv mit Giovanni Antonini aus. Mastering-Versionen werden über sicheren Datentransfer übermittelt und vom Dirigenten akribisch mit Korrekturwünschen quittiert. Für Antonini ist es zentral, dass ein Album interpretatorisch, handwerklich, aber auch klanglich homogen auf hohem Niveau steht. Man darf feststellen, es wird Einzigartiges geschaffen, nicht einfach nur eine redundante Neuauflage der Haydn-Symphonien. So werden für die Aufnahmesitzungen in Toblach oder Basel nicht weniger als sechs Tage eingesetzt. Zahlreiche Auszeichnungen und positive Rezensionen belegen diesen Anspruch auf eine neue Hörerfahrung der Haydn-Werke.

Giovanni Antonini urteilt: «Ich kenne Jean-Daniel Noir seit vielen Jahren, seit seinen ersten Aufnahmen, mit denen er einen sehr persönlichen und originellen Weg in diesem Bereich einschlug. Er verbindet profunde Fachkenntnisse (oftmals mit unkonventionellen Ideen, die Neuland betreten) mit grosser Leidenschaft und Sensibilität für Musik. Das macht ihn zu einem Produzenten, der zwar angemessen anspruchsvoll, aber stets engagiert und kompetent ist und den Musikern seiner Produktionen eine grosse Hilfe ist.»

Auf YouTube abrufbar: Haydn-2032-Konzert im Don Bosco Basel vom 16.10.2023 mit dem Programm der 19. Ausgabe «Trauer». Man muss beachten, dass die Tontechnik des Konzertvideos nicht identisch mit jener der Album-Produktion ist.

Ist das alles zu Hause auch hörbar?

Eine präzise Staffelung der Instrumente auf der Hörbühne bedingt neben einer Aufnahmemethode, wie sie von Jean-Daniel Noir praktiziert wird, auch auf der Wiedergabeseite präzise, verfärbungsarme und vor allem auch korrekt auf den Hörplatz positionierte Lautsprecher unter Berücksichtigung der Raumakustik. Ob das heimische Audiosystem diese Forderung erfüllt, kann mit Aufnahmen, deren Aufzeichnungs- und Entstehungsmethode bekannt ist, überprüft werden.

Das Album «La Morte della Ragione”, eine Antonini-Noir-Einspielung, eignet sich gut für einen Anlagencheck. Das Renaissance- und Barock-Instrumentarium mag klanglich für viele Hörer ungewohnt sein. Trotzdem eignet sich die Aufnahme gerade deswegen ideal für unsere Aufgabe, da sie mit eingeübten Hörerfahrungen bricht und Ohren und Geist zum genauen Hinhören öffnet.

Eine Auswahl von Alben mit Aufnahmen von Jean-Daniel Noir ist auf studionoir.ch verfügbar. Seine Facebook-Seite (Jean-Daniel Noir) ist allerdings aktueller. Zahlreiche Aufnahmen von verschiedenen Orten sind zu sehen und zu hören.Eine Auswahl von Alben mit Aufnahmen von Jean-Daniel Noir ist auf studionoir.ch verfügbar. Seine Facebook-Seite (Jean-Daniel Noir) ist allerdings aktueller. Zahlreiche Aufnahmen von verschiedenen Orten sind zu sehen und zu hören.

Die folgenden zwei Titel des Albums sind ideal für einen Anlagencheck, da sie die Staffelung der Instrumente auf der Klangbühne, die Auflösung und den Klangfarbreichtum exemplarisch darstellen.

Titel 3: Gagliarde (Giorgio Mainerio): Das kurze Stück beginnt mit einem Duett von Blockflöte und Harfe. Die beiden Instrumente sollten, wie in der Grafik unten abgebildet, im Zentrum zwischen den Lautsprechern links und rechts der Mittelachse wahrgenommen werden. Obwohl dies quasi eine Mono-Wiedergabe darstellt, ist der Raum, in dem die beiden Musiker spielen, wahrnehmbar. In der zweiten Hälfte beginnt das ganze Ensemble zu spielen. Die zuvor nur durch die Raumakustik repräsentierte Bühne wird nun auf der ganzen Lautsprecherbreite bespielt.

Auf einem guten Audiosystem mit hochwertigen, korrekt zum Hörplatz installierten Lautsprechern ist bei einer guten Aufnahme die präzise Ortbarkeit der Instrumente und Stimmen möglich.Auf einem guten Audiosystem mit hochwertigen, korrekt zum Hörplatz installierten Lautsprechern ist bei einer guten Aufnahme die präzise Ortbarkeit der Instrumente und Stimmen möglich.

Titel 27: Gaillard «La Battaglia» Samuel Scheidt. Volles Orchester, unter anderem mit Instrumenten wie Dulzian, Cornett oder Trombone. Scheidts Imitation einer Schlacht im 16. Jahrhundert zeigt sich in einer wilden Abfolge von wechselnden Instrumenten und Stimmlagen. Das Hin und Her des Kampfes wird auf der Bühne durch Dialoge der Instrumente dargestellt, die jeweils auf der linken und der rechten Seite der Szene aufblitzen.

Trotz der hohen Klangdichte ist die Durchhörbarkeit von Noirs Aufnahme gegeben. Wird bei diesem Stück eher ein Klangbrei herausgehört, wäre es gut, sich Gedanken über die Qualität des Audiosystems zu machen – und auf jeden Fall zu prüfen, ob die Lautsprecher korrekt platziert sind.

Das Video von der Aufnahmesitzung des Albums «La Morte della Ragione» gibt Einblick ins Instrumentarium. Track 27 «Battaglia» ist ab Minute 2:24 zu sehen und zu hören.

Fazit

Der Besuch im Studio Noir in der Romandie ermöglichte einen tiefen Einblick, wie viel Können, Wissen, Zeit und Anstrengungen nötig sind, damit dem klangaffinen Musikfreund ein herausragendes Musikerlebnis geboten werden kann. Dies beginnt mit dem Dirigenten und seinem Ensemble mit ihrem Drang nach einer packenden Werk-Interpretation, ergänzt von den technischen Akteuren auf der Aufnahmeseite.

Die beiden Ensembles um Giovanni Antonini finden mit Jean-Daniel Noir vom Studio Noir einen engagierten, innovativen Toningenieur und künstlerischen Leiter mit audiophilem Anspruch bei der Musikproduktion. Das Resultat sind Alben auf hohem künstlerischen und klanglichen Niveau. Abgespielt auf einer hochwertigen Anlage ergibt das Musikgenuss vom Feinsten.

Onlinefassung: https://avguide.ch/magazin/wie-entsteht-eine-herausragende-aufnahme-virtuose-der-klangkultur
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