Testbericht zum Sendy Apollo Over-Ear-Kopfhörer.Magnetostatische Kopfhörer scheinen seit einiger Zeit wieder im Trend zu sein. Konstruktionstechnisch und in Kostenfragen liegen diese Modelle zwischen ihren dynamischen und elektrostatischen Mitstreitern. Magnetostatische Wandler sind relativ empfindlich und können mit wenig Spannung recht laut werden.
Dies hat den Vorteil, dass man für den Musikgenuss fast nie einen Kopfhörerverstärker braucht. Mit einem Preis von CHF 549 bringt Sendy einen vergleichsweise günstigen Magnetostaten auf den Markt, der mit einer raffinierten Technik auftrumpft. Werfen wir einen genaueren Blick auf diesen eleganten, offenen Over-Ear-Kopfhörer.
Hörmuscheln aus Edelholz
Das vielleicht augenfälligste Merkmal des Sendy Apollo sind die edlen Hörmuscheln aus Palisanderholz. Diese Holzart aus der Gattung der Schmetterlingsblütler wird auch Rosenholz genannt und hat eine wundervolle, dunkelbraune Farbe mit leichtem Rotstich. Die Hörmuscheln tragen herausgeschnitzte Aussparungen für die Kabelanschlüsse und zeugen von einem geschickten Handwerk. Das dunkelbraune Holz wird poliert, sandgestrahlt und lackiert, was den Kopfhörern ihr elegantes Aussehen gibt.
Das Palisanderholz ist ein elegantes Feature.Auf der Seite ist ein dekoratives, sternförmiges Stahlgeflecht zu erkennen, das sich über die Abdeckung des Hörers schmiegt. Es steht symbolisch für das Sonnenlicht, was dem Kopfhörer, in Anlehnung an den römisch-griechischen Gott Apollon, seinen Namen gibt.
Die grossen Ohrpolster aus schwarzem Kunstleder sind gefüllt mit Memory-Schaum und können bei Bedarf über einen Drehmechanismus ausgetauscht werden. Sie umschliessen das Ohr sanft, ohne dabei einen unangenehmen Druck auszuüben. Im Inneren der Polster sind gut erkennbar L-&-R-Markierungen angebracht. Der verstellbare Kopfbügel aus Ziegenleder und Aluminium sorgt dafür, dass die Kopfhörer fest auf dem Kopf sitzen. Der Kopfhörer hält einiges an Bewegung aus, aber fürs schamlose Headbangen reicht es dann doch nicht aus.
Stahlgeflecht in Anlehnung an den griechisch-römischen Gott Apollon.Im Lieferumfang enthalten ist ein geflochtenes Kopfhörerkabel im Retro-Look mit einem 4.4-mm-Stecker. Ebenfalls enthalten ist ein Adapter auf 3,5 mm sowie ein grosses, rundliches Lederetui mit dazugehörigem Leinensäckchen zum Aufbewahren der Kabel. Das schwarze Lederetui nimmt einiges an Volumen ein, passt jedoch für unterwegs problemlos in einen Rucksack. Es wird mit einem Reissverschluss bedient und hat einen praktischen Tragebügel, der bei Bedarf abgenommen werden kann. In der Mitte trägt das Etui eine Prägung des Sendy-Logos, das einen stolzen Kranich zeigt, um den sich die Flügel zu einem Kreis winden. Auch an den Übergängen der Bügel zu den Hörmuscheln sind die stilvollen Logos zu finden.
Im Lieferumfang enthalten: ein praktisches Lederetui.Innovative Treiber
Der Sendy Apollo präsentiert sich mit einem Magentostaten-Prinzip im Quad-Former-Design. Eine innovative Technologie, bei der es sich lohnt, etwas genauer hinzuschauen. Bei Modellen mit einem magnetischen Treiber oder Schallwandler bewegt sich eine mit Leiterbahnen bestückte Membranoberfläche zwischen zwei dauermagnetischen Metallkomponenten.
Beim Quad-Former-Design des Apollo werden auf beiden Membranseiten zwei Leiterbahnen aufgedampft. Auf diese Weise wird eine grössere Fläche der Membran abgedeckt, was einen gleichmässigen Antrieb und eine ausgezeichnete elektroakustische Energieumwandlung erzeugt. Durch das Quad-Former-Design verspricht sich Sendy eine extrem tiefe Verzerrung, hervorragende Konsistenz und eine ausgezeichnete elektroakustische Energieumwandlung.
Die Membran wird beidseitig mit zwei mäanderförmigen Leiterbahnen bestückt. Die Entwicklung der Treiber dauerte drei Jahre.Hörtest
Wie gut die magnetischen Treiber im vierteiligen Design wirklich klingen, finden wir mithilfe eines FiiO High Resolution Players heraus. Gemäss Sendy generiert der Apollo einen verzerrungsarmen, naturgetreuen Klang mit viel Energie und Dynamik.
Offene Kopfhörer sind auf eine möglichst hohe Klangtreue ausgerichtet und zeichnen sich in der Regel durch eine realistische räumliche Zeichnung aus. Der Apollo macht hier keine Ausnahme. Das Klangbild hat viel Tiefe und wirkt sehr realistisch. Wie viel Spass ein weiträumiges Klangbild machen kann, zeigt sich etwa beim Track «Money» von Pink Floyd (2011 Remaster). Soundeffekte wie das Klirren von Münzen und einer alten Kasse schwirren einem genauso um den Kopf wie die Klänge der Wah-Wah-Gitarre von David Gilmour. Dann der geniale Übergang zum Song «Wish You Were Here», der sich langsam von einer Seite zu einem vollen Stereobild aufbaut. Weltklasse!
Der Apollo eignet sich hervorragend für HiRes-Player.Das Klangbild kommt über den Apollo sehr ausgewogen daher. Selbst klar vom Bass bestimmte Songs wie zum Beispiel «You Don’t Love Me (No, No, No)» von Dawn Penn oder der Subbass-Abschnitt in «Limit To Your Love» von James Blake reichen gleichzeitig weit nach oben, haben dort ausreichend Punch und klingen angenehm warm.
Wenn wir schon vom Bass sprechen: Der klingt unglaublich gut, mit viel Druck und ohne die geringste Verzerrung. Transienten, wie die kurzen, perkussiven Sounds am Anfang von Schallwellen genannt werden, kommen mit diesem Kopfhörer detailgetreu und dynamisch daher. Ein wundervolles Hörbeispiel hierfür ist der «Vals Venezolano No.3», ein beliebter Standard aus dem Repertoire der klassischen Gitarre. Man kann die Gitarre und den Raum förmlich spüren. Ein weiteres Paradebeispiel ist der Welthit «Superstition» von Stevie Wonder, der übrigens während einer Jam Session mit Jeff Beck entstanden ist. Insbesondere beim einleitenden Schlagzeug sind die feinen Details sehr klar hörbar, machen den Klang des Schlagzeugs hyperrealistisch – und diese umwerfende Aufnahme zu einem ganz besonderen Hörerlebnis.
Fazit
Mit einem Preis von CHF 549 ist der Sendy Apollo relativ günstig für einen Magnetostaten. Die Hörmuscheln aus Palisanderholz mit herausgeschnitzten Aussparungen für die Kabelanschlüsse zeugen von einem geschickten Handwerk und sehen fantastisch aus.
Beim Quad-Former-Design kommen doppelseitige Magnete und Doppelspulen zum Einsatz, sodass vier Spulen die Membran berühren. Diese Bauweise scheint sich zu lohnen, denn der Kopfhörer klingt hervorragend. Transienten werden detailgetreu und dynamisch wiedergegeben und machen feinste Impulse gut hörbar. Das Klangbild hat eine realistische räumliche Zeichnung mit viel Tiefe. Insgesamt sorgen die Treiber für einen verzerrungsarmen, naturgetreuen Klang mit viel Energie und Dynamik, wobei der wunderbare Bass-Sound besonders hervorgehoben werden muss.