TESTBERICHT
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Hörtest Session 1 und 2

Hörtest 1

Der erste Hörtest fand beim Tester in privater Umgebung statt. Die Amea wurde mit dem Vollverstärker Aavik I-180 mit hochwertigen Ansuz-Kabeln verkabelt, Zuspieler war der Aavik-Streamer-DAC der ebenfalls zufällig zum Test war. Der Abstand zur Rückwand betrug ca. 50 cm, die Ständerhöhe betrug 60 cm. Die Lautsprecher waren praktisch frisch aus dem Karton und durften sich zuerst mal eine oder auch zwei Runden einspielen. Der Hersteller empfiehlt mindestens 300 Stunden, bis die Accuton-Chassis so einigermassen eingespielt sind. Wie üblich kitzelt man die letzten 2 bis 3 Klang-Prozente erst nach vielen, vielen Tausend Stunden aus den Wandlern. Parallelen zu einem guten Rotwein sind hier absolut angebracht.

Natürlich spielte die Amea schon beim ersten Ton ihrem Status gerecht auf. Ich hörte schon beim Einspielen mit mindestens einem Ohr hin und so steigerte sich die Vorfreude, bis es dann so weit war. Der Espresso war bereit, die Qobuz-Playlist aufgestartet und los gings im Klang-Bad. Hmm ... lustig, dass mir diese Assoziation sofort in den Sinn kam. Aktuell sei ja zwar «Waldbaden» angesagt, was ja sehr entspannend sein soll. Hier ging es aber um den Klang oder besser um die Klang-Qualität – und die kam nicht zu kurz. Interessant waren die Ausführungen vom Firmenchef Jörn Janczak zur Philosophie von Tidal bzw. Vimberg: «Unsere Lautsprecherkreationen sollen sich aus der Musik raushalten, Neutralität ist unsere oberste Devise. Der Lautsprecher sollte wie eine Glasscheibe genau das durchreichen, was die Anlage anliefert! Wenn die Musik orange ist, soll der Schallwandler auch orange und nicht gelb oder rot spielen und so allfällige Fehler in der Audiokette kaschieren.»

Gleich die ersten Töne aus der Amea schienen dies zu bestätigen. Das Solo-Klavier eines toll klingenden Piano-Samplers stand einfach so im Raum, so klar, so rein – ich war echt angetan. Das Klavier hatte aber auch richtig Fundament und bei geschlossenen Augen hätte man sich auch einen grösseren Lautsprecher vor sich vorstellen können. Die Mitten hatten den nötigen Realismus, um Stimmen natürlich und lebendig aufspielen zu lassen. Patricia Barbers rauchig-kühle Stimme in ihren «Café Blue»-Aufnahmen waren gespenstisch real im Raum – Gänsehaut pur.

Ok, jetzt mal hören, was so in den tieferen Bass-Lagen abging. «Staying-Power», mein Lieblingsalbum des unglaublichen Soul-Sängers Barry White, hatte genau die nötige Tiefe und transportierte seine Weltklasse-Stimme mit der nötigen Präsenz und Intensität. Im Zusammenspiel mit dem rückwärtigen Passiv-Basschassis ging die Vimberg Amea für ihre Grösse unglaublich tief in den Keller, ohne die nötige Präzision vermissen zu lassen und drückte die Marcus-Miller-Bässe superknackig in meinen Hörraum. Die Kohärenz der Amea war ebenfalls vorbildlich und der Klang war aus einem Guss! Ebenso war die Klangbühne der Amea breit und tief, also perfekt für das Klangbaden – auch hier 10 Punkte für den Kandidaten!

Nun, mit meinem zweiten Verstärker-Arbeitsgerät, dem Röhrenverstärker Audio Note OTO, wollte ich nach dem Aavik I-180 ausprobieren, wie sich der Test-Lautsprecher an diesem relativ schwach motorisierten Röhrenverstärker verhält. Die Vimberg Amea zeigte mir den klanglichen Unterschied der beiden Verstärker klar auf und fungierte als «Schaufenster» zur Anlage, ganz im Sinne des Konstrukteurs. Einzig ihr mittlerer Wirkungsgrad spricht eher für eine kräftige Verstärkerhand. Und 8 Watt Single-Ended-Verstärker können das Potenzial dieses Ausnahme-Lautsprechers wohl nicht ausreizen, obwohl die Kombination Keramik-Chassis und Röhre durchaus ihren Charme hat.

Das Hörtest-Set-Up im Alesca-Showroom.Das Hörtest-Set-Up im Alesca-Showroom.

Hörtest 2

Bei der zweiten Hörsession ging es in den Alesca-Showroom nach Fehraltorf. Wir wollten herausfinden, wie sich die Amea von der ungefähr vergleichbaren Borresen Z1 unterscheidet und wo die Stärken und Schwächen dieser beiden 2-Weg-Bookshelf-Lautsprecher sind. Es gab aber keinen Sieger in diesem Duell zu ermitteln. Die Test-Anlage bestand aus der bereits hier getesteten Aavik-180er-Serie, die Kabel kamen von Ansuz. Zuerst spielten wir den Song-Parcours mit der Amea, anschliessend die gleichen Musik-Stücke mit der Borresen Z1.

Für die Einordnung der Amea war dieser Vergleich spannend und sehr aufschlussreich. Beide Lautsprecher spielten auf sehr hohem Niveau, die Amea hatte ihre Stärken in der Räumlichkeit, dem Bassfundament und der breiten und tiefen Bühnendarstellung. Die kompaktere Borresen punktete dafür mit einer minimal besseren Auflösung, was wohl dem Planar-Bändchen-Hochtöner geschuldet war. Die Bühne war mehr zum Hörer gerichtet, während die Amea die Musik in die Tiefe projizierte – das war dann eher eine Geschmackssache. Gefühlt benötigte die Amea für die gleiche Lautstärke etwas weniger Leistung, was sich wohl mit der Passiv-Membrane und dem grösseren Gehäusevolumen erklären lässt. Abschliessend lässt sich sagen, dass dieser Vergleichs-Hörtest die Stärken der Amea bestätigt hat und sie es mit jedem anderen High-End-Lautsprecher in ihrer Preisklasse locker aufnehmen kann.

FAZIT

Jörn Janczak und seinem Tidal-Team ist mit dem Nachzügler Vimberg Amea ein grosser Wurf gelungen. Die Auftragsbücher der Manufaktur sind voll und die Kunden müssen sich aktuell in Geduld üben, was im Fall der Vimberg Amea mit einem Toplautsprecher belohnt wird. Mit der Diamant-Option bietet sich eine weitere Steigerungsmöglichkeit an, ganz nach dem Motto: Das Bessere ist der Feind des Guten. Die Vimberg Amea D ist wohl die günstigste Möglichkeit, mit Diamanten Musik zu hören. Der Bugatti Chiron ist dann wohl die teuerste Variante. In diesem Sinn: Herzlich willkommen in Schweiz, Tidal & Vimberg – und viel Erfolg!

STECKBRIEF
Modell:
Amea
Profil:
Passiver Zweiweg-Lautsprecher mit Passiv-Membrane. Die Chassis kommen allesamt von Accuton.
Pro:
- Fantastisches, hochauflösendes Klangbild
- Vorzügliche räumliche Abbildung und tolle Bühne
- Attraktives Äusseres und dazu in vielen Farben erhältlich
- Aufstellungs-unkritisch und flexibel in der Platzierung
Contra:
- Braucht eher kräftige Verstärker
- Hat in dieser Preisklasse viel Konkurrenz
- benötigt qualitativ adäquate Ständer
Preis:
12,700.00 CHF
Hersteller:
Jahrgang:
2020
Vertrieb:
Masse:
H504 x B 230 x T 390 mm
Gewicht:
20 kg
Farbe:
Verschiedene Farben erhältlich
Bass:
Dynamisch
Bauprinzip:
Geschlossen mit Passiv Membran
Hochton:
30 mm Kalotte
Impedanz:
5.2 Ohm
Wirkungsgrad:
86 dB