avguide.ch Druckansicht · 20.09.2026

USB-DAC mit Röhre

Aune Audio T1s Mk4 im Test

Mit einem externen Digital-Analog-Wandler wertet man die Klangqualität ab Laptop im Homeoffice gehörig auf. Der Aune T1s verspricht zudem noch einen Schuss Röhrensound.

Von Daniel Schmid · 1. Mai 2020
Aune T1s USB-DAC mit Röhre.Aune T1s USB-DAC mit Röhre.

Unboxing will heutzutage zelebriert sein. Gerade die Hersteller aus Fernost wissen, was ihre Klientel erwartet. So entnehme ich aus der edlen und stattlichen samtschwarzen Box einen in feinem Tuch eingebetteten DAC-Preamp. Das macht ja schon mal Spass. Wenn es daran geht, die beigelegte Röhre im Sockel auf der Geräteoberseite zu platzieren, kommt ein Hochgefühl auf. Retro und Hightech treffen sich. Die Röhre aus den Anfängen der Nachrichtentechnik vereint mit einem digitalen Board, das einen DSD/PCM-Stream auf Masterband-Niveau anbietet. Was für eine Paarung!

Doch der Reihe nach. Aune Audio ist ein chinesischer Hersteller. Bereits 2003 gegründet, machte man sich bald einen Namen als Produzent von kompakten, aber mit edlen Zutaten ausgestatteten digitalen und vornehmlich portablen Audiogeräten. Seit 2013 sind die Aune-Audio-Produkte unter eigenem Namen auch in Europa erhältlich.

Man fokussiert sich auf Produkte für die «New Audio Generation» und führt eine ganze Reihe von Geräten für Computer-Audio wie DACs und Preamps für Aktivlautsprecher sowie diverse Kopfhörerverstärker für stationären und mobilen Einsatz. Allen Produkten gemeinsam sind kompakte Abmessungen und ein sehr attraktiver Preisrahmen von 300 bis 600 Franken.

Der Aune T1s ist ein DAC mit integriertem Röhrenvorverstärker für Kopfhörer und einer Ansteuerung von Aktivlautsprechern ab Laptop oder Smartphone. Er ist seit 2013 auf dem Markt. Die aktuelle Mk4-Version wurde 2019 nochmals komplett überarbeitet, erhielt einen neuen, aktuellen DAC und einen verbesserten Analogteil. Er kostet 349 Franken und ist in Silber und Schwarz erhältlich.

USB oder Bluetooth als Quelle

Per USB unterstützt er PCM-Audio mit bis zu 32 Bit und 768k Samplingfrequenz sowie DSD512. Damit eignet er sich auch für  sogenannte Master-Tape-Dateien. Viel brauchen wird man die hohe Auflösung mangels käuflicher Angebote an entsprechenden Musikdateien nicht, aber schön, hat man die Formate bei Gelegenheit zu Verfügung.

Im Homeoffice verbindet man den Aune T1s direkt mit dem USB-Anschluss von Laptop oder Desktop-Computer. Windows-Benutzer müssen für HiRes-Formate über 24/96 auf der Aune-Website einen Treiber downloaden und installieren. Bei OSX sind die Treiber bereits im Betriebssystem integriert. Besitzt man die entsprechenden USB-To-Go-Kabel für iPhone oder Android-Smartphones, lassen sich diese ebenfalls direkt mit dem USB-Eingang des Aune T1s verbinden.

Der Aune T1s – hier in Schwarz – lässt sich per USB-To-Go-Kabel direkt mit Smartphones verbinden.Der Aune T1s – hier in Schwarz – lässt sich per USB-To-Go-Kabel direkt mit Smartphones verbinden.

Alternativ bietet er Bluetooth als Eingangsquelle an. Die Umschaltung von USB auf Bluetooth erfolgt über einen kleinen Kippschalter an der Geräteoberseite. Sofern das Smartphone aptX HD unterstützt, wird Bluetooth mit der deutlich erhöhten Bandbreite des Codecs von Qualcomm übertragen.

DAC mit Röhrenvorverstärker

Mit dem Sabre ES9038Q DAC sorgt ein feinsinniger und unter Kennern für seinen ausdrucksstarken und geschmeidigem Sound sehr geschätzter Chip für die Wandlung von der digitalen in die analoge Domäne.

Ein echtes Highlight und nicht zuletzt ein der Grund für den Anruf beim Vertrieb Portacomp für ein Testmuster ist die schmucke Ausgangsröhre des Vorverstärkers. Den Röhren sagt man – völlig zu Recht – einen golden, seidigen Klangcharakter nach. Gerade in einem Vorverstärker können sie für das gewisse Etwas sorgen. Eine Prise «Röhrenschmelz» kann gerade im nüchternen Streaming-Zeitalter durchaus erwünscht sein. Das Ohr will ja auch etwas mit Charme und Klangschönheit verwöhnt werden.

Mit einer von unten leuchtenden LED wird das «Röhrenglimmen» betont und die Betriebsbereitschaft angezeigt.Mit einer von unten leuchtenden LED wird das «Röhrenglimmen» betont und die Betriebsbereitschaft angezeigt.

Der Aune T1s verwendet eine Electro Harmonix 6922EH – eine relativ neue russische Vorverstärkerröhre für Audioanwendungen. In den Daten und der Sockelbelegung entspricht sie der aus Legacy-Geräten bestens bekannten Telefunken E88CC. Die 6922 ist ein bewährter und sehr weit verbreiteter Typus, vom dem man auch in Jahren noch einfach Ersatz bekommen wird. Wer etwas herumexperimentieren möchte, findet in Onlineshops diverse Varianten der 6922, die alle eine dezent unterschiedliche Klangsignatur aufweisen. Der Preis liegt aktuell bei 15 bis 30 Franken.

Röhren werden heiss und sind berührungsempfindlich. Zwei Kunststoffbügel liegen als Schutzabdeckung bei. Das stört zwar die Optik etwas, macht aber wohl Sinn. Wen das stört, kann die Plastikbügel auch weglassen – auf eigene Gefahr natürlich.

Eine mehrstufige Stromversorgung, die für den digitalen und analogen Teil nochmals separiert wurde, verspricht minimierte Störsignale und einen hohen Dynamikbereich. Ein externes und ziemlich massives Schaltnetzteil liegt bei. Im Zubehörangebot führt Aune als Alternative ein hochwertigeres Linear-Netzteil, das wir aber für diesen Test nicht beizogen.

Ausstattung

Neben der Kopfhörerbuchse, erfreulicherweise in einer 6,3-mm-Version, bietet der Aune T1s je einen fixen und einen variablen unsymmetrische Ausgang über Cinchbuchsenpaare an. Der fixe Ausgangspegel ist für die Anbindung an einen externen Verstärker gedacht, während man mit dem flexiblen Ausgang direkt einen Aktivlautsprecher ansteuert. Ist ein Kopfhörer angeschlossen, wird der variable Line-Ausgang automatisch gemutet.

Die Lautstärke wird vom einem in die Gehäuseoberseite eingelassen Drehpotentiometer analog geregelt. Leider wirkt es nicht sehr hochwertig. Beim angelieferten Testgerät unterlief Aune zudem noch ein Lapsus: Der «unrund» laufende Lautstärkeregler kratze deutlich an der Gehäuseaussparung. Da kam die Fertigungskontrolle wohl etwas zu kurz. Wir gehen jetzt aber mal von einem unglücklichen Einzelfall aus.

Bluetooth-Antenne und Doppel-Cinchpaar für Line-Out und Vorverstärkerausgang.Bluetooth-Antenne und Doppel-Cinchpaar für Line-Out und Vorverstärkerausgang.

Geschickt gemacht ist die anpassbare Verstärkung über Dippschalter an der Gehäuseunterseite für unterschiedlich empfindliche Kopfhörer. So kann man zum Beispiel bei einem Magnetostaten mit geringem Wirkungsrad die Verstärkung schon in der ersten Gainstufe erhöhen, sodass sich der Volumenregler nicht am oberen Anschlag bewegt.

Insgesamt muss man sagen, Konzeption und Ausstattung des T1s sind sehr vielversprechend und versprühen mit dem exklusiven Sabre DAC und der edlen Ausgangsröhre einen Touch High-End-Audio bei sehr kompakten Abmessungen. Das Gehäuse aus gebürstetem Aluminium ist hochwertig und solide. Einzig der bereits erwähnte Lautstärkeregler wollte nicht so recht ins sonst sehr positive Bild passen.

Praxis

Nach dem Einschalten braucht es ein paar Sekunden bis die Ausgangsröhre ihre Betriebstemperatur erreicht. Das wird durch eine aufglimmende LED im Röhrensockel angezeigt, welche die Röhre von unten zusätzlich beleuchtet. Man weiss in China offenbar, wie man sein Publikum umgarnt. Die lieblich orange glimmende Röhre sorgt auf dem Schreibtisch für Wohlfühlmomente.

Man frage sich natürlich, ob die Röhre ihr optisches Versprechen auch klanglich umsetzen kann. Der Charakter einer ECC88 ist mir hinlänglich bekannt, durfte ich doch jahrelang eine identisch ausgestattete Vorstufe im Wohnzimmer geniessen. Und siehe da: Die leichte Einfärbung mit wohlklingendem Röhrenschmelz war sofort hörbar.

Zum Tragen kommt das besonders bei Stimmen, die mit einem dezenten, aber betörenden Charme erklingen und etwas vollmundiger daherkommen als durch einen Transistor verstärkt. Und wenn es im Homeoffice zum Arbeiten auch mal eine Violine sein darf: Nie spielen sie schöner als mit einer Röhre im Signalweg. Der Nachteil von Röhren kann man mit dem Aune T1s auch gut nachvollziehen. Sie zeichnen bisweilen einen etwas zu weiträumigen Klangkörper.

Auch abgesehen vom kleinen, aber feinen Schuss Röhrenschmelz klingt der Aune T1s der 4. Generation dezidiert sauber und sehr transparent. Eine massive Aufwertung zum Sound aus dem Standard-Audioausgang des Laptops. Klassische Musik spielt er mit schöner Tiefenstaffelung und sehr ordentlicher Auflösung, Blues mit farbigem Charakter und viel Drive bei den Bläsern. Und wenn es mal zur Sache gehen soll, ist er zur Stelle und entwickelt gehörig Dynamik und Attacke. Seine Klangentfaltung hat Charakter und bietet mehr als sein Preis vermuten lässt. Das gilt sowohl für den Line- als auch den Kopfhörerausgang.

Auch im Quervergleich mit Konkurrenten schlug sich der T1s prächtig. Im Direktduell mit dem ifi Zen USB-DAC spielt er eine Nuance diskreter und weniger vordergründig, konnte aber mit einer feinsinnigeren Auflösung und dem schöneren Klangcharakter brillieren. Da brauchte es schon den merklich teureren Wandler Universal Audio Apollo aus dem Studiobereich, um einen echten Klassenunterschied aufzuzeigen.

Technisch präsentiert sich der T1s sehr rauscharm. Auch bei voll aufgedrehtem Volumenregler war in der Pausenstellung kein Restrauschen hörbar. Die Wärmeentwicklung aufgrund der Vorheizung der Ausgangsröhre ist spürbar, aber relativ moderat. Wobei das ganze dickwandige Aluminium-Gehäuse als Kühlkörper dient.

Fazit

Aune USB-DAC T1s – ein idealer Zuspieler für Aktivlautsprecher im Homeoffice.Aune USB-DAC T1s – ein idealer Zuspieler für Aktivlautsprecher im Homeoffice.

Der Aune T1s ist ein fast idealer Zuspieler für Aktivlautsprecher und Kopfhörer im Homeoffice. Die Röhre verhilft ihm zu einem weiträumigen und angenehmen seidigen Sound. Seine Rauscharmut ist hervorragend und zeugt vom Know-how der Chinesen. Dass die Qualität des Lautstärkereglers etwas abfällt, wollen wir jetzt mal angesichts des konsumentenfreundlichen Preises verzeihen. Das Bluetooth-Modul mit aptX HD macht das Gerät noch flexibler. Der Aune T1s ist für das Homeoffice eine exzellente Wahl und erst noch ein echter Hingucker.

Steckbrief
Modell:
T1s Mk4
Profil:
Ein vielseitiger und fast idealer Zuspieler für Kopfhörer und Aktivlautsprecher im Homeoffice
Pro:
Röhrensound
Sabre DAC
Gehäuse
Bluetooh aptX
Contra:
Lautstärkeregler
Wird warm im Betrieb
Preis:
349.00 CHF
Hersteller:
Aune
Jahrgang:
2020
Vertrieb:
Portacomp AG
Masse:
132 x 105 x 95 mm
Farbe:
Silber, Schwarz
Lautstärkeregelung:
Ja
Analog Output:
2 x Cinch
Digital Input:
USB
Digitale Wortbreite:
32 Bit
Samplingfrequenz:
768 kHz kHz
Wandlerchip:
Sabre ES9038Q
Onlinefassung: https://avguide.ch/testbericht/aune-audio-t1s-mk4-im-test-usb-dac-mit-roehre
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