Die neue 800 D3 von B&W.Produktepräsentationen verlangen nach einem besonderen Rahmen, damit sie gelingen. Der Event fand im Mazzive Sound Studio statt, einem völlig neu gebauten Tonstudio in Bellmund bei Biel, und das war schon die halbe Miete.
Dazu müssen, wie bei Musik, Tempo und Thema stimmen. Die Gäste sollen getragen werden von den gebotenen Eindrücken und sich thematisch inspirieren lassen. Auch mit Themen, die den Rahmen einer Vorführung im engeren Sinn sprengen.
Und in diesem Sinne war das ein sehr gelungener Event.
Die neue B&W 800 D3
Fritz Fabig (B&W Group Schweiz) brachte die Musik mit dem neuen B&W-Flaggschiff auf den Punkt.Die D3 unterscheidet sich von ihrer Vorgängerin natürlich so deutlich wie nötig und so wenig wie möglich. Konzeptionell und technologisch eben wenig, doch wurde vieles verfeinert. Die Hüllmasse und das Erscheinungsbild sind sehr ähnlich, die Treiber sind moderner mit verbesserten und teils vergrösserten Membranen, veränderten Strukturen und dergleichen. Entscheidend ist nicht nur bei Lautsprechern einzig das Hörbare.
Befeuert von den neuen Classé Monos und dem Aria-Musikserver bot sich das Gesamtbild einer puristischen High-End-Kette. Die D3 sind gross, aber sie wirken nicht so. Ein Kunststück, das man bei B&W schon lange gut beherrscht.
D3-Musikerlebnis
Das Demo-Kit veranschaulicht die Technologie eindrücklich und erinnert uns daran, dass wir uns dafür auch interessieren.Die perfekte akustische Umgebung vermied jegliche Einflüsse auf das gebotene Musikerlebnis. Die D3 klingt völlig realistisch und lässt keinen Zweifel offen, dass sie auch ein Werkzeug für die Profis darstellt. Aber sie klingen auch "schön" im engeren Wortsinn, denn die Profis sind keineswegs nur darauf bedacht, die Ergebnisse ihrer Arbeit möglichst analytisch zu durchleuchten: Sie geniessen "Ihre" Musik wie die Musikhörer selbst.
Vor uns stand ein recht grosser Lautsprecher, der als solcher nicht hörbar ist. Man braucht sich nicht zu bemühen, irgendeine Note an den Gehäusen festzunageln. Die Instrumente sind immer dort, wo man sie vermutlich finden würde, wenn sie da wären.
Das Klangbild ist geprägt von einer Leichtigkeit, einer Souveränität, die keine Akzente in irgendeine Richtung setzt. Das ist nicht überall beliebt, denn Eigenklang kann den Geniesser sehr wohl einlullen. Das lässt der Hersteller aber nicht zu. Sie haben eine Entscheidung getroffen.
An der D3 ist aus meiner Sicht nichts, gar nichts auszusetzen. Aber vielleicht ein wenig an der Musik: Die gespielten Aufnahmen waren perfekt produziert, modern und makellos. Nur auf einem der Beispiele hörte ich Bandrauschen – diesen Groove, den wir heute manchmal vermissen. Aber er war da.
Mastering für analog und digital
Serge Christen, Mitinhaber von Mazzive Sound Productions GmbH, ist ein grosser Fan und Fachmann für Mastering analoger Tonträger.Dann kam eben noch das gewisse Etwas: Eine Erkenntnis aus erster Hand. Wer regelmässig über die Klangvorteile von Schallplatten fabuliert, vergisst etwas Entscheidendes, und das bekamen wir aus erster Hand zu hören. Wenn heute digitale Master für die Produktion analoger Tonträger, und das ist die Schallplatte, hergestellt werden, dann gibt es gegenüber digitalen Medien Einschränkungen – gute Einschränkungen.
Die Geometrie der Plattenrille und die Eigenschaften der Abtastung verunmöglichen es, beim Mastering die Musik stark zu komprimieren. Auch ist es nicht möglich, Phaseneffekte zu erzeugen. Alles Tricks, die bei digitalen Medien zuhauf und im Überfluss angewendet werden. Damit es lauter ist, damit es knallt und damit die Produzenten Freude an der verkaufsfördernden Auffälligkeit ihrer Musikerzeugnisse haben. Stichwort: Loudness Wars.
Serge demonstrierte dasselbe Musikstück unterschiedlich gemastert. Für digital und für analog. Das für analog gemachte Master war immer natürlicher, viel dynamischer und räumlich nicht so breit hingepflastert wie die Varianten für digitale Medien. Das nehmen nicht nur audiophile, sensible Musikbegeisterte wahr, sondern auch Musiker, die zunächst die grosse Brühe wollen, den "wall of sound" und dann die feine Suppe bevorzugen – berichtete der Chef.
Das Beispiel war Rock-Musik, nicht etwa feingeistige Klassik. Es klang einfach viel schöner und auch packender mit dem Master für den analogen Tonträger.
Ist es nicht ein Segen, dass der vieldiskutierte Vinyl-Boom die Produzenten dazu zwingt, Musik wieder vermehrt von ihrer schönen Seite zu zeigen? Weg von diesen Loudness-Kriegen, die uns am Radio und auf digitalen Medien seit Jahren serviert werden?
Das analoge Medium "Schallplatte" zwingt, dank grosser Nachfrage, zum Umdenken, und das Ergebnis klingt einfach schöner. Auch wenn man digital aufnimmt.
Wir sind um eine Erkenntnis reicher.