Panasonic Lumix DCM-GM5Seit November letzten Jahres ist sie auf dem Markt, die Lumix GM5, das nach der GM1 zweite Modell von Lumix im Micro Four Thirds Format, das auf Miniaturisierung setzt. Und kompakt ist die GM5: Sie misst lediglich 99 x 60 x 36 mm. Dennoch ist sie eine vollwertige Systemkamera, nicht nur, weil sie mit allen MFT-Objektiven von Lumix und Olympus zusammenarbeitet, sondern auch weil sie die Funktionen bereithält, die ein kreatives Fotografieren erlauben. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der folgende Test.
Klein, kleiner
In der Höhe ist die Kamera von Panasonic kaum grösser als der Durchmesser eines Micro Four Thirds-Objektivs oder anders ausgedrückt: das Gehäuse hat die Grösse einer Kompaktkamera. Zusammen mit dem für den Test mitgelieferten Objektiv bleibt die Kamera immer noch kompakt – vor allem auch im ausgeschalteten Zustand. Beim Lumix G VARIO 3,5-5,6/12-32mm ASPH. / O.I.S lässt sich nämlich der Tubus einfahren, so dass die Kamera leicht überall hin mitkommt. Allerdings bedeutet das auch, dass man nach dem Einschalten der Kamera zuerst am Zoomring drehen muss, um das Objektiv auszufahren. Ein Handgriff mehr, der bei etwas Übung jedoch erledigt ist, bis die Kamera selbst einsatzbereit ist. Nebst dem Bundle mit dem kleinen Zoom (KB-Brennweite 24 – 64 mm), der kein manuelles Scharfstellen zulässt, bietet Panasonic die GM5 auch zusammen mit der Festbrennweite Leica DG Summilux 1,7/15mm ASPH an, ein lichtstarker Weitwinkel.
Die Kamera kann mit allen MFT-Objektiven verwendet werden. Das macht ihren Einsatz vielfältig, gibt es hier doch vom Fischauge über die Makrolinse bis zum Supertele alles. Dass man dabei gelegentlich vor lauter Objektiv die Kamera nicht mehr sieht, ist nicht weiter schlimm. Aufgrund des höheren Gewichtes eines grossen Objektivs kann das Handling an der Kamera aber schon mal umständlicher werden. Einige Lumix-Objektive – wie das 14 – 140 mm Zoom – sind im Durchmesser zudem grösser als das mitgelieferte Objektiv. Sie ragen über die Unterkante des Kameragehäuses hinaus, was bei der Montage auf eine grosse Stativplatte zu Verkantungen führen kann.
Alles da, nur kleiner als gewohnt: die GM5 von obenBedienung
Trotz kleinen Abmessungen und Tasten kann die GM5 dank Touch-Screen gut bedient werdenTrotz der Kompaktheit ist bei der Kamera alles dran: Moduswahlschalter, Einstellen der Fokussierart – manuell, Einzel und Nachführen – Menu-Bedienkreuz, diverse Tasten inklusive Funktionstasten, alles halt kleiner als gewohnt. Und die Bedienelemente bleiben auch bei längerer Handhabung klein. Das macht das Handling nicht nur etwas nifelig, es führt auch zu Fehlmanipulationen, etwa weil das Wahlrad weniger griffig ist oder die Cursortasten für ein blindes Bedienen zu nahe beieinander liegen. Mir ist immer wieder passiert, dass der Daumen der rechten Hand, der beim Halten der Kamera auf der Rückseite Gegendruck gibt, das Menu aktiviert oder die Videoaufnahme gestartet hat. Das ist wohl der Preis für die enorme Kompaktheit bei gleichzeitig beibehaltenen umfangreichen Einstellmöglichkeiten. Ein weiterer Preis ist, dass die Kamera keinen integrierten Blitz hat. Das ist nicht weiter tragisch, denn dieser liefert sowieso selten gute Ergebnisse; zudem gehört ein kleiner aufsteckbarer Blitz zum Lieferumfang. Er muss halt separat mitgenommen werden.
Die erwähnten Schwierigkeiten bei der Bedienung aufgrund der kleinen Tasten gelten vor allem für die Situationen, da man durch den Sucher fotografiert und deshalb die Bedienelemente nicht sieht. Nutzt man hingegen den fix montierten 7,5 cm messenden LCD-Monitor für die Bildbetrachtung, bietet die GM5 zusätzliche Möglichkeiten, denn der LCD ist berührungsempfindlich. Da lässt sich nicht nur im Menu blättern; durch Antippen kann man auch gezielt auf ein Bilddetail scharf stellen oder die Aufnahme auslösen. Im Display können zudem wichtige Grössen wie Blende, ISO, Weissabgleich, Messmethode oder Bildqualität angezeigt und deren Werte schnell durch Antippen oder Wischen verändert werden.
Wie es sich für eine richtige Systemkamera gehört, hat die GM5 einen Sucher. Er löst das Bild mit 1,2 Millionen Bildpunkten gut auf, ist aber ebenfalls etwas klein. Beim Reinschauen in den Sucher sieht man das Bild wie am Ende eines Tunnels; es füllt also nicht das ganze Gesichtsfeld aus. Dennoch ist der Sucher eine unverzichtbare Hilfe beim Fotografieren. Sowohl im Sucher wie im Display können verschiedene Anzeigen wie eine Wasserwaage, Gitternetzlinien oder Fokus Peaking eingeblendet werden.
Eine zusätzliche Bedienmöglichkeit bietet die WiFi-Funktion. Darüber kann mit dem Smartphone Kontakt hergestellt und die Kamera fernbedient werden.
Die Bilder
Die Kamera bietet verschiedene Aufnahmefunktionen, wie sie oft auch Kompaktkameras anbieten. Zeitrafferaufnahmen sind ebenso möglich wie Serienbilder, HDR (High Dynamic Range) oder diverse Effekte von Schwarz/Weiss bis „expressiv“. Bei der Stop Motion-Aufnahme wird ein Videoclip aus den Aufnahmen direkt in der Kamera erzeugt. Nach rund eineinhalb Stunden – das gibt einen rund eineinhalb minütigen Clip bei einer Auslösung alle 15 Sekunden - ist fertig, da dann der Akku leer ist.
Die GM5 liefert insgesamt überzeugende Bilder. Die ansprechende Auflösung von 16 Megapixeln zeichnet auch bei feinen Details klare Linien, die weder verwaschen noch künstlich aufgepeppt wirken. So entsteht ein klarer, entspannter Eindruck, unterstützt noch durch die präzise aber zurückhaltende Farbgebung. Die Fotos wirken angenehm unaufdringlich und dank fehlender Effekthascherei sehr natürlich. Solche Bilder schafft die GM5 aber nicht nur bei Tageslicht, sondern auch in Situationen mit wenig Licht, denn das Rauschverhalten der Kamera ist herausragend. Bis ISO 6400 hält sich das Rauschen in akzeptablen Grenzen, aber selbst bei ISO 25‘600 wirkt das Bild noch ansehnlich. Damit empfiehlt sich die Kamera auch für stimmungsvolle Bilder bei Dämmerung und an Festen.
Weitgehend positiv schneiden auch Videoaufnahmen in AVCHD ab. Helle Partien werden sehr differenziert durchgezeichnet, feinste Details sauber wiedergegeben. Lichter strahlen, ohne spitz zu erscheinen. So wirken die Bilder lebendig. Dank den ausgeglichenen Farben auch in den warmen Tönen kippen sie jedoch nicht in Effekthascherei. Es sind keine Artefakte auszumachen. Auch kleine bewegte Objekte (Schneeflocken vor blauem Himmel) werden klar und in fliessender Bewegung aufgezeichnet. Sowohl horizontale wie vertikale Schwenks hinterlassen einen ruhigen Bildeindruck. Nur in Extremsituationen (z.B. feinste Äste im Vordergrund gegen strahlend blauen Himmel) sind geringe Farbüberstrahler auszumachen. Bei wenig Licht können die Konturen leicht verwaschen wirken. Insgesamt liefert die GM5 bei den meisten Aufnahmesituation auch mit der Automatik gelungene Bewegtbilder in Full-HD.
Fazit
Wegen der Lompaktheit der Kamera ist der Blitz nicht integriert, sondern extern aufsetzbarDie GM5 ist eine äusserst kleine, kompakte Systemkamera, die überall dabei ist und ausgewogene Bilder hoher Güte aufnimmt. Sie bietet trotz der vielen Möglichkeiten eine durchdachte Bedienung. Das Handling wird allerdings gelegentlich durch die weit fortgeschrittene Verkleinerung etwas behindert.
Die mit allen Lumix G-Objektiven kompatible GM5 ist nur im Bundle entweder mit dem 12 – 32 mm Zoom für CHF 1049 oder dem Festwert 15 mm für CHF 1449 erhältlich. Damit erhält man eine voll ausgestattete, äusserst kompakte Kamera. Wer schon ein Lumix-System besitzt, muss dabei vielleicht ein Objektiv mitkaufen, das er gar nicht will. Die angegebenen Richtpreise erscheinen trotz der Leistungsfähigkeit der Kamera etwas hoch. Die Kombination mit dem Zoom-Objektiv ist jedoch bei verschiedenen Anbietern für unter CHF 750 erhältlich.