UHD oder eben Ultra High Definition ist die Weiterentwicklung der HD-Auflösung und bietet eine höhere Auflösung. Anstelle von 1920 x 1080 Pixel bietet UHD 3840 x 2160 Pixel und hat somit viermal mehr Bildpunkte als Full HD (siehe Grafik).
Ultra HD bietet vier mal mehr Auflösung als Full HD. (Bildquelle: TP Vision)Viermal mehr Pixel heisst aber auch eine vierfach höhere Datenrate, die es zu übertragen gilt. Die Codierer werden zwar immer besser, allerdings werden die immensen Datenraten dadurch nur bedingt abgefedert. Und das bringt uns bereits zum ersten Problem.
Problem 1: Der Anschluss
Die TV-Industrie braucht immer wieder neue Verkaufsgründe. Sportliche Grossveranstaltungen wie Fussball Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele eigenen sich wunderbar, um das TV-Geschäft anzutreiben. Wenn, wie dieses Jahr, keine solchen Grossanlässe geplant sind, suchen die Hersteller andere Verkaufsargumente – UHD zum Beispiel. Und das auch wenn noch nicht alles ganz so durchdacht ist.
Probleme gibt es nämlich bei der Schnittstelle. Der bisherige Standard HDMI 1.4 kann zwar UHD übertragen, allerdings nur mit bis zu 25 Frames (30 Frames) pro Sekunde. Das reicht zwar für Kinofilme, will man aber zum Beispiel Sport in UHD schauen, braucht es 50 Frames (60 Frames). Alles was darunter liegt, führt zu unangenehmen Rucklern im Bild.
Abhilfe schafft der HDMI 2.0-Standard, welcher die grösseren Datenraten übertragen kann. Der neue Standard wurde aber erste anfangs September an der IFA Berlin vorgestellt, und so gibt es Geräte der ersten UHD-Generation, die diesen Standard noch nicht unterstützen.
Praktischerweise ändert sich bei 2.0 die Bauform des HDMI-Steckers und die Ausführung der dazugehörigen Kabel nicht. So besteht Hoffnung, dass TV-Geräte per Software-Update angepasst werden können. Wo das nicht geht, bleibt dem TV-Gerät und seinem Besitzer der Gang in die Werkstatt nicht erspart, will man HDMI 2.0 nachrüsten.
Aus einem Problem eine Tugend machen, das hat sich Panasonic gedacht. Da sie in der Serienentwicklung der 4K-Geräte im Gegensatz zu den Mitbewerbern etwas im Hintertreffen waren und vor der IFA noch keine UHD-Geräte im Sortiment hatten, konnten sie das nun zu ihrem Vorteil machen. So ist der in Berlin vorgestellte Panasonic TX-L65WT600E das laut Herstellerangaben erste Gerät, welches den HDMI 2.0 Standard unterstützt. Ausserdem an Bord bei Panasonic: Ein Display-Port. Der Display-Port, welcher bis anhin vor allem im IT-Sektor gebraucht wird, kann in der Version 1.2 bereits UHD-Signale übertragen.
Problem 2: Die Inhalte
Das zweite Problem ist, dass es noch praktisch keine UHD-Inhalte gibt. Zwar werden Kinofilme meist schon heute in 4K-Auflösung gedreht, trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis sich die höhere Auflösung flächendeckend durchsetzt. Der Fakt, das viele TV-Stationen in Europa (z.B. Spanien und Portugal) erst dieses Jahr die Umstellung von SD auf HD vollzogen haben, zeigt, dass es noch eine ganze Weile dauern kann, bis wir wirklich ein Programm in 4K sehen werden.
Videokameras im Profibereich, und seit der IFA auch die neusten Camcorder, können 4K-Aufnahmen machen. Mit heutiger Software (zum Beispiel Premiere CC) kann dieses Material, wenn genügend Rechenleistung vorhanden ist, auch ohne grössere Probleme geschnitten werden. Über einen USB-Anschluss am TV-Gerät könnte so das selber gefilmte Material tatsächlich in nativer UHD-Auflösung genossen werden. Aber wer möchte schon zuerst den eigenen Film drehen, bevor er sein UHD-Gerät nutzen kann?
Wirklich nutzen kann man die höhere Auflösung dafür im Fotobereich. Da mit UHD nun rund 8 Megapixel zur Verfügung stehen, sehen Fotos in dieser Auflösung auf dem UHD-Screen natürlich super aus, und das bei 65 Zoll oder grösser.
Weiter gibt es auch High End Grafikkarten, die bereits solche Auflösungen unterstützen. Und da bei der neusten Generation von Spielkonsolen die Xbox One 4K-Unterstützung angekündigt hat, dürfte die neue Auflösung vor allem für Gamer richtig interessant werden. Bei der Playstation 4 hingegen ist die UHD-Unterstützung laut offizillen Angaben zu Beginn nur für das Abspielen von Filmen verfügbar. Allerdings ist es kaum vorstellbar, dass Sony 4K-Gaming nicht unterstützt, zumal die Technik eigentlich vorhanden wäre. Da wird das letzte Wort bestimmt noch nicht gesprochen sein.
Sowohl die Xbox One wie auch die PS4 werden laut Ankündigung mit HDMI 1.4 ausgerüstet sein. Da allerdings beide Konsolen noch nicht auf dem Markt sind, könnte sich auch da noch etwas ändern. Ganz auf UHD verzichten wird Nintendo mit ihrer neusten Konsole Wii U.
Problem 3: Der Sehabstand
Aber auch bei Gamern bleibt das Problem Sehabstand. Wie der US-Heimkino Spezialist in seiner Grafik eindrücklich aufzeigt, ist der ideale Sehabstand im Vergleich zur Bildschirmgrösse sehr nah am Schirm.
Als Beispiel nehmen wir einen 65 Zoll Bildschirm. Um UHD in vollen Zügen zu geniessen, müsste man ca. 1,25 Meter vom Bildschirm weg sitzen. Das ist schon sehr nah an so einem grossen Gerät. Und ab einem Abstand von etwas mehr als zwei Metern sieht man den Unterschied zwischen Full HD und UHD gar nicht mehr. Wie gross ist denn Ihr Sehabstand zum heutigen TV?
Der Heimkino Spezialist Carlton Bale zeigt in dieser Grafik eindrücklich auf, wo das menschliche Auge die Vorzüge von UHD wahrnehmen kann und wo nicht.UHD-Fazit
UHD ist wirklich eine tolle Sache. Die Bilder sehen im richtigen Abstand betrachtet einfach Klasse aus. Der Wow-Effekt verliert sich bei grösserem Abstand allerdings relativ bald. Ich rechne damit, dass sich die neue Auflösung (ganz im Gegensatz zu 3D) durchsetzen wird, denn sie ist die logische Weiterentwicklung der Full-HD Auflösung. Ob es sich lohnt, schon heute auf UHD umzustellen, sei dahin gestellt. Immerhin für Gamer und Fotoliebhaber bieten die Geräte nie dagewesene Vorzüge. Auf jeden Fall muss beim Gerätekauf aber darauf geachtet werden, das HDMI 2.0 unterstützt wird, dann steht dem uneingeschränkten Genuss von Ultra High Definition nur noch der happige Anschaffungspreis eines solchen Geräts im Weg.