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High-End hautnah

Die Finest Audio Show Zürich 2025

Dauerregen, 12 Grad – ideal, um in die Klangwelt der Finest Audio Show Zürich 2025 einzutauchen. Im Mövenpick Hotel Regensdorf erwarteten HiFi-Fans analoge Träume, digitale Innovationen und audiophile Gänsehautmomente.

Von Roland Pfenninger · 10. November 2025
Finest Audio Show Zürich 2025.Finest Audio Show Zürich 2025.

Regen, Wind, zwölf Grad – ideales Wetter für einen Messe-Besuch. Nach der letztjährigen Finest Audio Show Zurich nahm ich mir vor, diesmal pünktlich zur Eröffnung zu erscheinen. Das graue Novemberwetter hielt mich jedoch länger in der Stube als geplant. Mit einer Stunde Verspätung kam ich im Mövenpick Hotel Regensdorf an – und hatte Glück: Nichts wirklich Wichtiges verpasst.

Dabei gab es einiges zu verpassen: Workshops zu den «Geheimnissen der Audiotechnologie» mit Lothar Brandt und Matthias Böde, thematische Vorführungen in den Ausstellerräumen. Besonders eindrücklich war Dani Weiss' Soundboard «Livebox», das im Stereodreieck demonstrierte, welche Räumlichkeit und livehaftes Musikerlebnis hochauflösende digitale Audioformate mit Crosstalk-Cancellation bieten können.

Matthias Böde präsentiert mit der Weiss Livebox, welch livehaftiges Musikerlebnis mit hochauflösenden digitalen Audioformaten und Crosstalk-Cancellation möglich ist.Matthias Böde präsentiert mit der Weiss Livebox, welch livehaftiges Musikerlebnis mit hochauflösenden digitalen Audioformaten und Crosstalk-Cancellation möglich ist.

Entspannter Einstieg in die Klangwelten

Der Besucherandrang war moderat – andere HiFi-Fans kamen wohl noch später oder waren bereits am Vortag vor Ort. So konnte man entspannt durch die Räume schlendern und Lautsprecher, Verstärker und andere Komponenten in Ruhe anhören.

Ich startete in den Hotelkatakomben, wo mich der Groove von Vinyl und Röhrentechnik empfing. Wie im Vorjahr herrschte reger Betrieb – viele Besucher durchstöberten seltene Schallplatten. Der digital gesteuerte «Ultrasonic Record Cleaner V4.0» passte eigentlich nicht in die Szenerie, fand aber grosses Interesse.

Ultrasonic Record Cleaner V4.0.Ultrasonic Record Cleaner V4.0.

Eine charmante Vorführung der Elektrostaten ESL 57 von Quad versetzte mich akustisch in die 80er-Jahre – auch wenn die Geräte brandneu und hochmodern sind.

Die Elektrostaten Quad ESL 57, auch «Heizstrahler» genannt. Der erste in Serie gebaute Elektrostat der Welt. Zwischen 1957 und 1985 wurden etwa 54'000 Stück gebaut.Die Elektrostaten Quad ESL 57, auch «Heizstrahler» genannt. Der erste in Serie gebaute Elektrostat der Welt. Zwischen 1957 und 1985 wurden etwa 54'000 Stück gebaut.

Analoge Wärme und audiophile Highlights

Bei Audiosphere katapultierte mich der Sound von Trenner & Friedel regelrecht in andere Sphären. Es wurden zwei Anlagen abwechselnd vorgeführt, wobei ich nur das grosse Set gehört habe. Im kleineren Set wurde die Pharoah vom brandneuen Moon 371 Streaming-Vollverstärker angesteuert, der viele Gene mit den grossen Geschwistern aus der North Collection teilt. So war es denn auch die grosse 891/861-Kombi, welche die Isis von Trenner & Friedel äusserst zielsicher pilotierte; als digitale Quelle diente der Aurender N50, als analoge Quelle der Brinkmann Bardo. Der mächtige Lautsprecher überzeugte nicht nur in allen Einzeldisziplinen, sondern auch durch eine feinfühlige, klangfarbenreiche Wiedergabe, die mühelos und unvermittelt ins Brachiale umschlagen konnte. Der Dynamik schienen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Die Tenner & Friedel Isis, links und rechts aussen, sind klanglich und optisch ein StatementDie Tenner & Friedel Isis, links und rechts aussen, sind klanglich und optisch ein Statement

Im zweiten Audiosphere-Raum stand britisches HiFi im Fokus, wurden doch die neuen Standlautsprecher der A-Linie des Traditionsherstellers Spendor an unterschiedlicher Elektronik ebenfalls britischer Herkunft unter dem Motto «Maximaler Klang zum fairen Preis» präsentiert. Als Sahnehäubchen spielte zwischendurch auch die erst vor zwei Tagen eingetroffene Vor-Endstufen-Kombi Mercury und Solis von Rega..

Die neuen Standlautsprecher der Spendor A-LinieDie neuen Standlautsprecher der Spendor A-Linie

Auch im Nebenraum begeisterte ein wunderbar warmer, fülliger Klang – erzeugt von den Lautsprechern Fyne Audio F500SP an vergleichsweise schlichter Elektronik. Das kompakte Set überraschte mit erstaunlicher Musikalität auch in tiefen Lagen. Die grösseren Fyne Audio F702 SP, Nachfolger der hochgelobten F702, zeigten dann, wo der Hammer hängt: Jazz mit Männerstimmen, Cello oder Saxofon klang überaus authentisch – rauchig, kratzig, analog. Für mich ein echtes Highlight zu schottischen Preisen.

Fyne Audio bringt das alte Konzept der 360-Grad-Abstrahlung mit dem S-Trax-Hochtöner zu neuem Leben.Fyne Audio bringt das alte Konzept der 360-Grad-Abstrahlung mit dem S-Trax-Hochtöner zu neuem Leben.

Im Nebenraum präsentierte PSI Audio ihre grosse Héritage 3 – solid, aber im Vergleich etwas weniger emotional, mehr Monitor-artig. Man hört die Studiotechnologie heraus. Vielleicht lag es an der Aufstellung, der Elektronik oder der Aufnahme? Diese Gedanken begleiteten mich durch viele Räume. Ein direkter Vergleich wird schwierig, wenn in jedem Zimmer andere Musik in unterschiedlicher Qualität über andere Elektronik läuft. Besucherfreundlicher wäre dasselbe Stück in gleicher Auflösung – wie am Klangschloss mit den Live-Aufnahmen –, sonst vergleicht man schnell mal Äpfel mit Birnen. 

Aktiv, präzise, beeindruckend

Manger zeigte mit ihren aktiven S1-Lautsprechern nahezu vollendete Reproduktion: dicht am Original. Im edlen Gewand, schlicht präsentiert, überzeugten sie mit neutralem, authentischem Klang – ganz ohne Firlefanz. Auch das kleinste Bauteil, so wirbt Manger, ist bedeutend als Teil der ganzen Kette. Einziger Wermutstropfen: ein angeregtes Fachgespräch im hinteren Teil des Raumes, das den Hörgenuss trübte. Tipp: Solche Gespräche besser auf den Flur verlegen.

Manger S1, vorgeführt mit EMT-Plattenspieler. In der Ecke die aktive Bassfalle von PSI Audio.Manger S1, vorgeführt mit EMT-Plattenspieler. In der Ecke die aktive Bassfalle von PSI Audio.

Ebenfalls spannend: die grossen Odeon-Hornlautsprecher. Als «wohnraumfreundlich» beworben, gehen sie bei mir nicht durch. In der Vorführung war das drittgrösste Modell, die Helix. Ob meine Augen mir einen Streich spielten, als ich meinte, das «Holzige» tatsächlich aus dem Klang herauszuhören? Blasinstrumente kommen über Hörner selten gut rüber – besonders mit der Helix.

Odeon-Hornlautsprecher farbig in Szene gesetzt.Odeon-Hornlautsprecher farbig in Szene gesetzt.

Innovative Ansätze und mutige Konstruktionen

In der dritten Etage setzte sich die Klangreise fort. Bei Revox fiel mir sofort ihr «neues» Tonbandgerät B77 MK3 ins Auge – ein echter Hingucker und eine charmante Alternative zu den meist nur als Deko aufgestellten Plattenspielern.

Direkt nebeneinander präsentierten zwei innovative Hersteller ihre Zukunftsvisionen. Bei HiFi-Sulzer spielte die aktive GGNTKT gross auf: Der kompakte M1-2,5-Wege-Aktivlautsprecher füllte den Raum mit erstaunlich vollem Klang. Die grosse Schwester M3, ein Vierweg-Schwergewicht, kam aus Platzgründen nicht zum Einsatz. Gemäss dem deutschen Hersteller Roland Schäfer steht ein Lautsprecher in der Entwicklung, der grössenmässig zwischen beiden liegt – man darf gespannt sein.

Akkurate Räumlichkeit mit den GGNTKT-Model-Aktivlautsprechern. Rechts die M3, welche leider im kleinen Raum nur zur Ansicht war.Akkurate Räumlichkeit mit den GGNTKT-Model-Aktivlautsprechern. Rechts die M3, welche leider im kleinen Raum nur zur Ansicht war.

Nebenan stellte Thomas Schneider seine Wireless-Lautsprecher mit 96/24-Bit-Auflösung vor. Der Transmissionline-Lautsprecher lieferte ein Bassfundament bis 20 Hertz bei erstaunlich kompaktem Format. Schneider arbeitet derzeit an 192-Bit-Übertragung – ein Ansatz, der wohl auch eingefleischte Kabel-Fetischisten im Blindtest überzeugen könnte.

Wireless-Lautsprecher aus Horgen.Wireless-Lautsprecher aus Horgen.

Handgemacht, charmant, anders

Ein kleiner Kulturschock erwartete mich bei den ungarischen Etalon-Breitbandstrahlern, die als gefaltetes Hornsystem promotet wurden. Ganz in die Raumecken gedrängt und stark eingewinkelt, zauberten sie dennoch wunderbar analogen Klang. Alles wirkte handgemacht – selbst die Skizze zur Klangerzeugung war von Hand auf Flipchart-Papier gezeichnet. Der Klang war sinnlich, vintage, ein Hauch Nostalgie, der einen stundenlang in Musik schwelgen lässt.

Etalon-Breitbandstrahler.Etalon-Breitbandstrahler.

Von JBL wurde die kleine Summit gezeigt, begleitet von einer Bildschirmpräsentation der grösseren Schwestermodelle – edel verarbeitet und klanglich souverän.

Bei Meridian beeindruckte ein offenes, räumliches Klangbild mit kräftigem Bassfundament.

Meridian DSP9: Skulpturales Design mit optimierten Innenräumen und ausgeklügelter Signalführung für hohe Klangtreue bei kompakter Bauweise. Aktive Lautsprecher mit integrierter DSP-Technologie aus jahrelanger Entwicklungsarbeit.Meridian DSP9: Skulpturales Design mit optimierten Innenräumen und ausgeklügelter Signalführung für hohe Klangtreue bei kompakter Bauweise. Aktive Lautsprecher mit integrierter DSP-Technologie aus jahrelanger Entwicklungsarbeit.

Die Piccolo-Bändchen von Clarity wirkten für den kleinen Raum etwas zu «grande», faszinierten aber Auge und Ohr gleichermassen.

Clarity Piccolo mit Kapton-Aluminium-Bändchensystem in Dipol-Konfiguration.Clarity Piccolo mit Kapton-Aluminium-Bändchensystem in Dipol-Konfiguration.

Starke Auftritte und feine Details

Bei «Aug & Ohr» liessen die aktiven Avantgarde Zero Itron nichts anbrennen. Das analoge Plattenspieler-Tonarm-Battle – Tangentialarm gegen Radialarm – wurde über diese Lautsprecher ausgetragen. Für mich war der Gewinner klar: der Lautsprecher selbst. Im Vergleich zum Vorgängermodell Zero 1 (2015–2022) bietet die aktuelle Generation (G3) zahlreiche Verbesserungen in nahezu allen Bereichen.

Interessanter Vergleich mit einem Clearaudio-Innovation-Laufwerk: Was klingt besser, Tangential- oder Radialtonarm?Interessanter Vergleich mit einem Clearaudio-Innovation-Laufwerk: Was klingt besser, Tangential- oder Radialtonarm?

Ein weiteres Highlight waren die schlanken Transmissionline-Lautsprecher PMC Prophecy 9, angetrieben von zwei Monoblöcken AW 800M von Elektrocompaniet. Vermutlich würden die PMC auch an weniger edler Elektronik funktionieren, doch so war der Klang enorm kräftig, ausdrucksstark, druckvoll und rein – ein echtes Statement aus schlanken Säulen.

Transmissionline-Lautsprecher PMC Prophecy.Transmissionline-Lautsprecher PMC Prophecy.

Der deutsche Hersteller Auer liess sich ebenfalls nicht lumpen: Mit Holzabsorbern und Diffusoren baute das Team kurzerhand «den Raum im Raum». Der Aufwand lohnte sich – ihre kompakten Lautsprecher aus der Versura-Serie klangen deutlich grösser, als sie aussahen. Mit Panzerholz gefertigt und mit kräftigen Holzstreben versteift, bewiesen sie, dass Präzision und Handwerkskunst auch im Kleinen grosse Wirkung entfalten.

Auer Lautsprecher mit verstrebtem Gehäuse aus Panzerholz.Auer Lautsprecher mit verstrebtem Gehäuse aus Panzerholz.

Fazit: Klang statt Kälte

Die meisten Aussteller zeigten sich rundum zufrieden – und auch die Organisatoren strahlten. Offenbar haben sie eine Kooperation mit der Auto-Messe in Zürich geschlossen: Beim Ausgang wurde man mit einem Gutschein für ermässigten Eintritt belohnt. Eine nette Geste – wenngleich mein persönlicher Akku nach einem Tag voller Bass, Brillanz und Bitraten im roten Bereich war. Zwei Messen an einem Tag? Danke, aber meine Ohren und Augen bestanden auf Feierabend.

Bleibt zu hoffen, dass auch im nächsten Jahr ein grauer Novembertag durch strahlende HiFi-Erlebnisse in Regensdorf erhellt wird – ganz ohne Motor-Tuning, aber mit reichlich Hochglanz auf den Trommelfellen.

Onlinefassung: https://avguide.ch/magazin/die-xfinest-audio-show-zuerich-2025x-high-end-hautnah
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