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HiFi at its best

Test Vollverstärker Rotel RA-1570

Klassische Stereo-Vollverstärker werden wohl nie aussterben. Schon gar nicht, wenn sie wie der RA-1570 über eine ganze Menge an Digitaleingängen inklusive USB verfügen und damit fit für das Zeitalter der hochauflösenden Musikwiedergabe sind.

Von Martin Freund · 25. Juli 2013
Test Vollverstärker Rotel RA-1570Test Vollverstärker Rotel RA-1570

Der neue RA-1570 gehört zur 15er-Serie von Rotel, bei der im Vergleich zur kleineren 12er-Serie aus gleichem Hause punkto Abmessungen und Leistung eher geklotzt wird. Das stattliche Gerät im 43-Zentimeter-Vollformat bringt denn auch satte 13 Kilo auf die Waage. Sein Design zeichnet sich durch abgesetzte, gerundete Gehäusekanten aus und präsentiert ein genauso übersichtlich wie ansprechend gestaltetes Frontlayout, auf dem sich auch technisch weniger versierte Nutzer sofort zurecht finden. Einzige Besonderheit bilden die vier Tasten unter dem Volumenregler. Sie ermöglichen per einfacher Menü-Steuerung die Einstellung von Balance, Bässen und Höhen. Die Klangregelung lässt sich auf Wunsch ganz überbrücken.

Nettes Detail: Einzelnen Eingänge kann man einen beliebigen fixen Pegel zuweisen. Dies erlaubt es, den RA-1570 nahtlos in ein Heimkinosystem zu integrieren. Dazu muss man sich nur merken, dass beispielsweise AUX 2 dem Heimkinomodus entspricht. Der Rotel-Verstärker dient dann zusammen mit den angeschlossenen Stereo-Lautsprechern als Front-Links/Recht-Kanal, wodurch man einen schmalbrüstigen AV-Receiver entlasten und die 5.1- bzw. 7.1-Wiedergabe klanglich aufwerten kann. Voraussetzung ist, dass der verwendete Receiver über entsprechende Vorstufen-Ausgänge verfügt.

Gerne nimmt man auch die umschaltbaren Lautsprecherausgänge A und B zur Kenntnis. So kann man zwei Hörzonen mit Musik versorgen; die Wahl erfolgt bequem auch via Fernbedienung. Dazu passt, dass der Kopfhörerausgang die Lautsprecher bei eingestöpseltem Hörer nicht automatisch stummschaltet.

Sämtliche Funktionen des Rotel-Vollverstärkers kann man mit der recht übersichtlich gestalteten Fernbedienung steuern. Diese hat man entsprechend schnell im Griff. Selbst an die etwas klein geratenen Lautstärketasten hat man sich bald einmal gewöhnt.

Anschlussperipherie mit vielen Extras

Die Anschlussperipherie des RA-570 zeigt einige ungewöhnliche Extras wie den symmetrischen XLR-Eingang sowie einen Vorverstärker-Ausgang. Auch für digitale Quellen gibt’s keine Engpässe.Die Anschlussperipherie des RA-570 zeigt einige ungewöhnliche Extras wie den symmetrischen XLR-Eingang sowie einen Vorverstärker-Ausgang. Auch für digitale Quellen gibt’s keine Engpässe.

Die Geräterückseite offenbart eine reichhaltige Anschlussvielfalt. Neben vier Hochpegeleingängen findet sich – wie es sich meiner Meinung nach für einen klassischen Vollverstärker immer noch gehört – ein Phono-Anschluss, wenn auch nur für MM-Tonzellen. Dieser erwies sich im Hörtest als erfreulich rauscharm, dynamisch und gut durchhörbar. Insbesondere mit guten High-Output-MC-Abtastern etwa vom Schlage eines Benz Micro MC silver (Preis: 450 Franken) resultiert eine filigrane und kultivierte Vinyl-Wiedergabe.

Eine echte Besonderheit bildet der symmetrische XLR-Eingang, über den man passende Quellgeräte – meist aus dem Musiker- und Studiobereich - anschliessen kann. Ebenfalls nicht alltäglich sind die fünf Digitaleingänge (2 x koaxial, 2 x optisch, 1 x USB), welche allesamt für hochauflösenden Musikdatenfluss bis zu 24 Bit und 192 kHz ausgelegt sind.

Weitere Extras finden sich in den auftrennbaren Steckbrücken zwischen Vor- und Endstufe. Wer sich fragt, was die in der Praxis denn bitteschön bringen sollen, wird nicht leicht eine Antwort finden. Denkbar ist immerhin, dass man eines Tages ja nur noch die Endstufe des RA-1570 – im Zusammenspiel mit einem anderen Vorverstärker – verwenden möchte.

Tatsache ist, dass dieser Verstärker innen fast vollständig getrennt konstruiert ist: Die vollbepackte, sauber gelayoutete Vorstufenplatine sitzt huckepack über der Endstufensektion. Bis auf den gemeinsamen Ringkerntrafo hat man es de facto mit zwei Geräten in einem zu tun. So macht auch der separate Vorverstärkerausgang Sinn, mit dem man beispielsweise Aktivlautsprecher ansteuern kann. Damit und mit den schaltbaren Lautsprechergruppen A und B lassen sich über den Rotel also insgesamt drei Hörzonen (mit dem gleichen Musiksignal) versorgen.

Welchen Digitaleingang hätten Sie denn gern?

Nicht weniger als sechs Digitaleingänge stellt der Rotel zur Verfügung. Auf der Gerätefront findet sich ein USB-Eingang für Portable-Player, der aber maximal für Auflösungen von 16 Bit und 48 kHz taugt. Weniger gute Klangqualität resultiert, wenn man ein Smartphone über den mitgelieferten Bluetooth-Adapter kabellos mit dem RA-1570 verbindet. Zumal der Rotel nicht über das Bluetooth-Zusatzprotokoll aptX verfügt, mit dem ausgewählte Handys oder Tablets (beispielsweise von Samsung) die Wireless-Wiedergabe in CD-Qualität realisieren.

Deutlich mehr verspricht der USB-Eingang an der Rückseite, welcher der hochauflösenden Musikwiedergabe ab einem PC oder Notebook keine Hindernisse in den Weg stellt. Während Besitzer eines Mac nach Einstecken des USB-Kabels sofort loslegen können, müssen Windows-Nutzer erst den passenden USB 2.0-Treiber installieren. Dies geht absolut problemlos vonstatten; der RA-1570 wird vom Windows-PC bzw. -Notebook automatisch als Wiedergabegerät installiert. Nur muss man noch daran denken, in der Systemsteuerung für das Audiogerät das passende Wiedergabeformat, nämlich 24 Bit/192 kHz, einzustellen – und schon kann es mit dem Streamen von High-Resolution-Files losgehen.

Immer vorausgesetzt, man hat den passenden Software-Abspieler installiert. Für Windows-Nutzer empfiehlt sich beispielsweise der schlanke Gratis-Player Foobar 2000 (www.foobar2000.org), der auf High-Res-Audio-Wiedergabe spezialisiert und sehr einfach zu bedienen ist. In unserem Test arbeitete er nahtlos mit dem Rotel-USB-Treiber zusammen. Selbst bei 192-kHz-Titeln kam es zu keinerlei Dropouts.

Der Clou dabei: Die Wiedergabe ab PC lässt sich bequem mit der Rotel-Fernbedienung steuern. Dazu muss man lediglich zunächst in Foobar eine Playlist mit den gewünschten Titeln oder Alben erstellen. Sodann kann man über die Laufwerk-Steuertasten der Fernsteuerung wie bei einem CD-Spieler Titelsprünge vornehmen sowie auf Pause, Stopp oder Wiedergabe drücken. Man muss sich also beim Musikhören gar nicht gross mit dem PC oder Notebook herumschlagen. Dies sollte genauso mit anderen Windows-Abspielern klappen. Jedenfalls funktionierte es auch mit KMplayer und JRiver.

„Was, keine Bedienung per App?“ Auch auf diese zeitgemässe Frage hat Rotel die passende Antwort. Im Verbund mit dem markeneigenen Tuner/Netzwerkspieler RT-12 gibt es die passende Bedien-Applikation, die den RA-1570 mitsteuert. Dazu muss man lediglich ein passendes Link-Kabel zwischen den Geräten einstöpseln. Die App ist zurzeit nur für iOS-Geräte erhältlich. Eine neue Version ist zudem in Arbeit.

Der RA-1570 lässt sich auch per iOS-App bedienen – aber nur im Zusammenspiel mit dem markeneigenen Digital Gate RT-12. Rechts die mitgelieferte Fernbedienung.Der RA-1570 lässt sich auch per iOS-App bedienen – aber nur im Zusammenspiel mit dem markeneigenen Digital Gate RT-12. Rechts die mitgelieferte Fernbedienung.

Sehr guter DA-Wandler

Als passender Spielpartner fungierte die schlanke Standbox CM 8 von B&W, die mit filigranen Höhen und schöner Räumlichkeit aufwartet.

Natürlich war ich vor allem auf die Wiedergabe von High-Resolution-Files gespannt, aber zunächst musste der Rotel beweisen, was er als klassischer Vollverstärker mit integriertem DA-Wandler taugt. Als preislich und auch klanglich bestens passende Spielpartnerin diente die schlanke Standbox CM 8 von B&W (Preis: 2150 Franken/Paar), die mit einer unaufdringlichen Hochtonabstimmung sowie hohen räumlichen Transparenz bereits verschiedentlich Meriten sammeln konnte.

Im Verbund mit einem gestandenen High-End-CD-Spieler (Marantz SA-11) zeigte der Rotel RA-1570 sowohl digital wie analog verbunden eine kraftvolle, kultivierte Wiedergabe mit reichlich Temperament. Unterschiede in der Klangqualität waren nur geringfügig auszumachen. So entfaltete der teure Spieler analog über sehr hochwertige NF-Kabel verbunden ein minim „schwärzeres“ Tieftonfundament und zauberte noch etwas mehr Obertonglanz. Wobei man auf letzteres eigentlich verzichten konnte. Alles in allem also kein Klassenunterschied, sondern Nuancen, die kaum ins Gewicht fallen.

Deutlicher hörbar war der klangliche Gewinn, den der Rotel aus dem Digitalverbund mit einem Blu-ray-Spieler schöpfte. So wertete er die Stereo-Wiedergabe eines Asus OPlay BDS700 klar auf, und dies sowohl bei CDs wie auch bei DVDs mit 24/96 kHz-Zweikanal-Tonspur. Über den Rotel-Wandler klang’s sowohl rhythmischer wie insgesamt natürlicher. Hier wurde schnell einmal klar, dass der RA-1570 mit seinen Digitaleingängen eine Bereicherung für die Stereo-Wiedergabe preisgünstiger CD-, DVD- und Bluray-Spieler darstellt.

Feinste High-Res-Klänge

Nun war es endlich soweit. Pflichtprogramm erfolgreich absolviert; als Kür durfte nun eine ganzes Arsenal an 24-Bit-Aufnahmen aufzeigen, was der RA-1570 punkto USB-High-Resolution-Wiedergabe so alles drauf hat. Und auch hier konnte der Rotel voll punkten.

Mark Knopflers Album „Shangri La“ (verfügbar als 24/96-Download auf HDtracks) erklang völlig unaufdringlich mit einer sagenhaft weichen und charmanten Stimme. Perkussive Elemente sowie Gitarrenriffs ertönten ansatzlos wie aus dem Nichts, klangen dann aber perfekt aus. So stellt man sich die HD-Musikwiedergabe vor – mit einem Suchtfaktor, der auch vor abgebrühten Hörtestern nicht halt macht. Anstelle den Hörtest zügig durchzuziehen, ertappt man sich dabei, viel länger als notwendig den altbekannten Titeln zu lauschen. Es macht halt einfach Spass.

So auch bei Sarah K., deren Song „If I Could Sing Your Blues“ ab dem Album „No Cover“ (erhältlich über HDtracks) einen unwiderstehlich in Bann zieht. Auch sie singt und spielt völlig entspannt und dennoch spannungsvoll, wenn es darauf ankommt. Die sagenhafte Differenziertheit dieser Chesky-Aufnahme kommt via High-Res-USB und Rotel voll zum Tragen.

Klassikliebhaber werden am RA-1570 ihre helle Freude haben, wenn sie beispielsweise mal Schumanns Piano Concerto in A-Moll (Chandos, erhältlich über theclassicalshop.net) hoch aufgelöst hören: Ein räumliches, dabei herrlich dynamisches Klangspektakel, welches Surround-Sound eigentlich überflüssig macht.

Die Liste an hoch aufgelösten Aufnahmen, die über den Rotel allesamt grossen Hörspass bereiten, liesse sich beliebig fortsetzen. Tatsache ist, dass man mit dem RA-1570 im High-Resolution-Zeitalter voll auf seine Kosten kommt.

Interessantes Detail am Rande: Ich bekam vom Schweizer Rotel-Importeur im Rahmen dieses Tests zwei USB-Kabel vom deutschen Hersteller Silent Wire zum Ausprobieren. Meine anfängliche Skepsis verflog bereits beim Einsatz des preisgünstigen „Serie 4 Mk II“ (Preis 1 m: 20 Franken), über welches die High-Res-Wiedergabe irgendwie rhythmischer und präziser tönte als über ein Standard-Computerkabel.

Noch frappierender war der tonale Qualitätsgewinn beim Einsatz des teureren USB-Kabels vom Typ „Serie 16“ (Preis 1 m: 185 Franken): Kaum zu glauben, wie die räumliche Transparenz und die dynamische Ansprache plötzlich zulegen konnten. Bevor solche Erfahrungen nun in den Bereich der Esoterik abgeschoben werden, sollte man das als Besitzer eines hochwertigen USB-Wandlers selber einmal ausprobieren. Denn letztlich zählt, was subjektiv mehr Freude bereitet.

Fazit

Die eher konservative Leistungsangabe von 2 x 120 Watt (RMS, 8 Ohm) verheimlicht, dass der Rotel RA-1570 ein echtes Kraftpaket ist, dem selbst an schwierigen Lautsprechern nicht die Puste ausgeht. Noch schöner ist jedoch, dass er mit seinem satten Netzteil auch filigrane Standboxen wie eine B&W CM 8 zu Höchstleistungen antreibt und schon bei wohnzimmergerechtem Pegel ein vitales Hörerlebnis anbietet. Dank integriertem USB-Wandler ist der RA-1570 fürs High-Resolution-Zeitalter bestens gerüstet. Mit seinen Digitaleingängen bildet er aber auch eine ideale Ergänzung zu Streaming-Clients und Netzwerkspielern. Klanglich kann er mit allerbesten HiFi-Komponenten mithalten. Erst wesentlich teurere High-End-Geräte zeigen ihm massvoll seine Grenzen auf. Aber die können meist nicht mit der gleichen Ausstattungsfülle und Praxistauglichkeit aufwarten.

Steckbrief
Modell:
RA-1570
Profil:
Stereo-Vollverstärker mit integriertem DA- und USB-Wandler
Pro:
Pralle Ausstattung inklusive gutem Phono-MM-Eingang
Bis 192 kHz High-Resolution-Wiedergabe
Einfache Bedienung und Inbetriebnahme
Top-Verarbeitung
Contra:
Bluetooth nicht aptX-kompatibel
Preis:
1,850.00 CHF
Hersteller:
Rotel
Jahrgang:
2013
Vertrieb:
B&W Group (Schweiz) GmbH
Masse:
431 x 144 x 350 mm
Gewicht:
13 kg
Farbe:
Silber oder Schwarz
Analog Input:
5 x Line, 1 x XLR, 1 x Phono MM
Digital Input:
2 x koaxial, 2 x optisch, 1 x PC-USB, 1 x Front-USB
Verstärkerleistung 8 Ohm:
2 x 120 Watt
Onlinefassung: https://avguide.ch/testbericht/hifi-at-its-best-test-vollverstaerker-rotel-ra-1570
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