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Satter TV-Klang

Der Ton zum Flachbildschirm

So flach wie der Bildschirm ist auch dessen Ton. Es reicht knapp für die Nachrichten. Wie aber können ein Konzert oder der Filmton das Wohnzimmer adäquat beschallen? Zusatzlautsprecher in verschiedenen Konstellationen bieten sich als Problemlöser an.

Von Guido Dietrich · 17. November 2013
Der Ton zum FlachbildschirmDer Ton zum Flachbildschirm

Um die 5 cm misst ein aktueller Flachbildschirm in der Tiefe. Das reicht kaum für das Chassis eines konventionellen Lautsprechers, geschweige denn für das nötige Volumen, um einen kräftigen Sound im ganzen Klangspektrum abzustrahlen. Die Zukunft sieht noch schlanker aus: OLED-Bildschirme können mit einer Tiefe von einigen Millimetern gefertigt werden. Das Bild wird immer besser, doch das Designideal des im Raum schwebenden Bildes verknappt den Platz für die Lautsprecher zunehmend und verurteilt die Tonqualität damit zu einem Schattendasein.

Das kann ja hilfreich sein, etwa bei einer Nachrichtenmeldung über Krieg oder Verbrechen, wo der dünne Ton zusätzliche Distanz schafft. Doch wenn es um diejenigen Emotionen geht, die man gerne zulässt – etwa bei der Übertragung eines Konzertes oder bei einem Filmdrama – ist ein guter, das heisst ein dynamischer, den gesamten Hörbereich abdeckender Ton, unabdingbar.  Wie lässt er sich realisieren?

Surround-Sound

Viel Aufwand ist für den ausgewachsenen Heimkinoton nötig. Das Promo-Bild beschwört den Idealzustand; im realen Leben werden jedoch neben dem AV-Receiver bis zu neun Lautsprecher benötigt.Viel Aufwand ist für den ausgewachsenen Heimkinoton nötig. Das Promo-Bild beschwört den Idealzustand; im realen Leben werden jedoch neben dem AV-Receiver bis zu neun Lautsprecher benötigt.

Die akustisch überzeugendste Lösung bietet eine Surround-Sound-  (oder Heimkino-) Anlage. Hierbei wird der Fernsehton auf den AV-Receiver geleitet. Dieser  decodiert und verstärkt ihn – oder den Ton anderer angeschlossener Quellen wie Blu-ray Spieler. Decodieren heisst, den Ton wenn nötig nach dem Dolby Digital- oder dem DTS-Verfahren auf die verschiedenen Kanäle eines Heimkino-Systems aufteilen und an die Lautsprecher weiterleiten. Von Letzteren ist eine ganze Batterie nötig, allein deren sechs, um ein 5.1-System realisieren zu können. Aktuelle AV-Receiver bieten auch schon mal 9.2 Kanäle, für die elf Lautsprecher benötigt werden. Damit dabei noch Platz zum Sitzen bleibt, werden die Lautsprecher den Wänden entlang aufgestellt. Zusammen geben sie einen Sound wieder, der von vorn, von der Seite, von hinten und gar von oben kommt und sich auch mal durch den Raum bewegt – Surround-Sound eben, wie er im Kino kaum besser sein kann, der Traum vieler Filmfreunde.

Der Aufwand für eine Surround-Sound Anlage ist denn auch relativ gross, nicht nur der Anzahl Geräte und Lautsprecher wegen, sondern auch hinsichtlich der Verkabelung und der Anschaffungskosten. Das Angebot reicht von kompletten Systemen (Steuergeräte inkl. Player und Lautsprecher), die teils gar mit farblich gekennzeichneten Lautsprecherkabeln den Aufbau äusserst leicht machen, bis zu individuell zusammengestellten Anlagen, die höheren Ansprüchen genügen aber auch etwas technisches Verständnis erfordern und preislich bis in den höheren vierstelligen oder gar fünfstelligen Frankenbereich reichen können.

Stereoton

Das 2.1 Lautsprechersystem LS3100 von Onkyo ist auf die Verwendung mit modernen Flachbildschirm-TVs zugeschnitten. Die Steuereinheit konnte dank Digitalverstärkern kompakt gehalten werden.Das 2.1 Lautsprechersystem LS3100 von Onkyo ist auf die Verwendung mit modernen Flachbildschirm-TVs zugeschnitten. Die Steuereinheit konnte dank Digitalverstärkern kompakt gehalten werden.

Oft ist sie daheim schon vorhanden, die Stereoanlage, die der Wiedergabe von Schallplatten, CDs, SACDs, Hi-res-Audiofiles - und was der Stereoquellen mehr sind – dient. Sie umfasst im Minimum einen Verstärker und zwei Lautsprecher, ist also quasi die abgespeckte Variante der Surround-Sound-Anlage, was ihren klanglichen Fähigkeiten jedoch keinen Abbruch tut. Der Stereoton ist dem Surround-Sound klanglich und in der Dynamik ebenbürtig, kann jedoch in Sachen Räumlichkeit nicht mithalten. Der Ton kommt von vorn. Dort spielt allerdings auch die Handlung, und dort wird gesprochen. Das Hauptgeschehen ist in Bild und Ton gut verbunden, so dass einem intensiven Erleben nichts im Wege steht. Verloren geht hingegen Atmosphäre und – bei einem Action-Streifen – schon mal ein von hinten anfliegender Helikopter.

Die Lautsprecher stehen links und rechts des Fernsehgerätes. Diese Forderung kann dann einen Kompromiss nötig machen, wenn die bezüglich Raumakustik optimale Aufstellung der Stereoanlage eine andere ist als die bezüglich Lichtverhältnisse für den Fernseher optimale. Der Kompromiss könnte dann darin bestehen, dass man für ein optimales Bild den Raum abdunkeln muss. Wenn die Stereoanlage bereits vorhanden ist, ist dies sicher die günstigste Variante, den Fernsehton deutlich zu verbessern.

Raumklang

Die Soundbar Fidelio HTL 9100 von Philips hat links und rechts zwei Zusatzlautsprecher, die sich bei Bedarf abnehmen und als Surround-Lautsprecher betreiben lassenDie Soundbar Fidelio HTL 9100 von Philips hat links und rechts zwei Zusatzlautsprecher, die sich bei Bedarf abnehmen und als Surround-Lautsprecher betreiben lassen

Eine eigene Kategorie bilden die extra zur Unterstützung des TV-Tons entwickelten Lautsprecher, die aktuell im Trend sind: die Soundbars und die Lautsprecher, die als Sockel für den Bildschirm dienen. Diese sind aktive Lautsprecher, haben also die Verstärker bereits eingebaut. Sie integrieren oft mehrere Kanäle in einem Gehäuse  – teils für die Wiedergabe unterschiedlicher Frequenzbereiche (Bässe und Mittel/Hochton) teils für die Abstrahlung in verschiedene Richtungen (nach vorne und auf die Seite). Beliebt ist auch die Variante mit einem separaten Subwoofer. Dieser liefert kräftige Bässe und ist in der Aufstellung nicht kritisch, kann also auch versteckt werden, während der Lautsprecher direkt beim Bildschirm kleiner gehalten werden kann.

Mit der seitlichen Schallabstrahlung wird ein gewisser Raumeffekt erreicht, da der Schall an den Raumwänden reflektiert und so von der Seite oder gar von hinten auf die Ohren trifft. Dieser Raumklang hat nichts mit dem Surround-Sound einer Heimkinoanlage zu tun, ja er wird häufig gar durch Phasenverschiebungen in der Elektronik oder Veränderung der Abstrahlcharakteristik einzelner Lautsprecher-Chassis künstlich erzeugt. Der resultierende Raumklang muss dann nicht mehr mit den Absichten des  Toningenieurs übereinstimmen, kann aber dennoch das Gefühl vermitteln, mitten im Geschehen zu stecken.

Damit bieten diese Lautsprecher nicht nur eine klangliche, sondern auch eine atmosphärische Verbesserung des TV-Tones. Ihr grosses Plus: Aufstellung und Verkabelung sind einfach. Je nach Produkt muss nur ein Lautsprecher aufgestellt und verkabelt werden oder deren zwei, wenn ein Subwoofer hinzukommt. Die Verbindung zum Subwoofer wird meist per Kabel hergestellt; Modelle mit Funk werden ebenfalls angeboten. Die Soundbar wird unterhalb des Bildschirms in einem Regal oder an der Wand montiert, während der TV-Lautsprecher unter das TV-Gerät platziert wird.

Kopfhörer

Der Fernsehton kann auch durch die Kopfhörerwiedergabe im Klang aufgewertet werden. Diese Lösung ist jedoch alles andere als optimal. Zum Kopfhörer gehört immer die sogenannte „Im-Kopf-Lokalisation“, also das Phänomen, das sich das akustische Geschehen im Kopf abzuspielen scheint. Hier passen Bild und Ton überhaupt nicht mehr zusammen.

Kopfhörer können dann eine Lösung sein, wenn man spät abends – allein – einen Film mit adäquater Lautstärke hören will, ohne die Mitbewohner oder Nachbarn zu stören. Im Einsatz haben sich nur kabellose Kopfhörer als praktisch erwiesen.

Die Ausnahme

Raumklang trotz unsichtbarer Lautsprecher: Der Bildschirm des VideoWave-Systemsbeherbergt 16 Lautsprecher und eine ausgeklügelte Waveguide-Technologie von Bose, die einen kräftigen, raumfüllenden Klang erzeugt.Raumklang trotz unsichtbarer Lautsprecher: Der Bildschirm des VideoWave-Systemsbeherbergt 16 Lautsprecher und eine ausgeklügelte Waveguide-Technologie von Bose, die einen kräftigen, raumfüllenden Klang erzeugt.

Zum Schluss die Ausnahme, die die Regel, Flachbildfernseher hätten einen schlechten Ton, bestätigen will: Videowave von Bose, mittlerweile in der Version III im Markt. Dieses TV-System mit Full HD-Bild ist mit 14 cm Bautiefe zwar nicht mehr ganz so flach, enthält dafür alle für einen vollen Raumklang notwendigen Lautsprecher und Verstärker. Ausgelagert ist lediglich die Bedienkonsole, so dass nur zwei Kabel zum TV-Gerät führen; die Lautsprecherverkabelung erübrigt sich. Innovativ ist hier auch die Clickpad-Fernbedienung. Ab 2014 soll ein optionales WiFi-Modul auch das Streamen von Musik auf den TV erlauben.

Onlinefassung: https://avguide.ch/magazin/satter-tv-klang-der-ton-zum-flachbildschirm
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