Die Sennheiser DJ-Serie mit dem HD8 und HD7 sowie dem HD6 Mix fürs den Soundmix im Projektstudio.Im Frühjahr stellte Sennheiser eine neue Reihe DJ-Kopfhörer vor. Die Kopfhörer sind primär für den professionellen Gebrauch gedacht, aber natürlich auch für ambitionierte Hobby- und Gelegenheit-DJs interessant. Mit Preisen von 348 CHF für den HD7 sowie 398 CHF beim HD8 sind sie für den Alltagsgebrauch kostspielig, versprechen aber robuste und anspruchsvolle Technik für den ambitionierten DJ.
Sennheiser hat schliesslich auch einen Ruf zu verteidigen: Der Vorgänger HD25 ist ein eigentlicher Kult-Hörer, wurde weltweit extrem gut verkauft und dies beileibe nicht nur an DJs. Er ist zudem ein sehr guter Kopfhörer für unterwegs und spielt auch bei schwächlichen Smartphone-Kopfhörerausgängen sehr laut. Entsprechend oft sieht man ihn getragen als Streethörer, obwohl er ursprüngliche eigens für den DJ-Bereich entwickelt wurde.
Wie schon beim HD 25 handelt es sich bei der neuen Sennheiser DJ-Serie nicht um Showprodukte, sondern um anspruchsvolle Arbeitsgeräte, die sowohl in der Verarbeitung als auch in der Klangabstimmung für die speziellen Anforderungen ans Vorhören von Musikstücken in lauten Clubs geschaffen wurden.
Eine absolut lineare Klangentfaltung steht da nicht im Anforderungsprofil. Das sollte man sich bewusst sein. Wer mehr über die Anforderungen an DJ-Kopfhörer erfahren möchte, dem sei das Interview von avguide.ch mit Minus8, einem der bekanntesten Schweizer DJs, wärmstens empfohlen.
Unpacking Sennheiser HD8 DJ
Der Sennheiser HD8 DJ kommt in einer schicken, ausklappbaren Kartonkiste. Darin befinden sich ein schönes Kopfhörer Case, ein gerades Kabel und eine Bedienungsanleitung.
Im Case befinden sich neben dem Kopfhörer mit seinem Spiralkabel auch noch Velours-Pads und ein 3,5 mm zu 6,3 mm Klinkenadapter. Alles in allem ist das ein sehr löblicher Lieferumfang. Besonders das Transport Case gibt einiges mehr her als eine einfache Tasche. Alle drei Kopfhörer der DJ-Serie besitzen übrigens denselben Lieferumfang.
Der HD8 DJ erinnert in der Bauform nicht gerade an den HD 25. Man ging hier neue Wege, was sich vor allem in der komplett geschlossenen Orhmuschel äussert. Die starke Abschottung macht aber natürlich Sinn, schliesslich soll sie den DJ vom meist lauten Umgebungssound abgrenzen. Der maximale unverzerrte Schalldruck ist mit 115 dB SPL sehr hoch. Mit einer Impedanz von 95 Ohm lässt sich der Hörer dadurch auch mit mobilen Konsumergeräten genügend laut betreiben.
Rein äusserlich ist kaum ein Unterschied zwischen dem HD8 DJ und HD7 DJ festzustellen. Auf den HD6 Mix gehen wir in diesem Test nicht weiter ein. Bei beiden lässt sich übrigens das Ohrpolster nach einer allfälligen Bierdusche im Club problemlos austauschen.
Ein schönes und passendes Case gehört auch zum Lieferumfang der HD-Serie von SennheiserEdle Haptik und robuste Verarbeitung
Die Hörer fühlen sich sehr gut an, sind weder zu leicht, noch zu schwer und wirken trotzdem robust. Die Hörer wiegen mit 263 Gramm beim HD7 DJ und 284 Gramm beim HD8 DJ knapp 80 beziehungsweise 100 Gramm mehr als ein HD 25.
Die Verarbeitung ist auf sehr hohem Niveau. Besonders der HD8 sticht hier hervor. Die Muschelhalterungen sind aus Aluminium, was das Gewicht zwar etwas erhöht, sich allerdings auch toll anfühlt. Die schwenkbaren Muscheln rasten in drei Positionen mit einem hörbaren Klick ein. Für komfortables Ein-Ohr-Monitoring am DJ-Pult lassen sich zudem die Ohrmuscheln vertikal um 210 Grad schwenken. Auch die Kopfbandhöhe lässt sich in angenehm feinen Schritten verstellen.
Beim preiswerteren HD7 DJ sind Bügel und Gelenke aus Kunsstoff, das macht ihn die 20 Gramm leichter. Die mechanische Qualität ist aber bei beiden Hörern absolut hervorragend!
Sennheiser HD8: edle Gelenke als nettes Feature Optik und Tragkomfort
Die Optik ist grundsätzlich für mich ein weniger wichtiger Punkt und trotzdem kann sie entscheiden, ob ich einen Kopfhörer mag oder nicht. Das Äussere des HD25 hatte was faszinierend Technisches, rohes. Ich mag das, es verlieh dem Kopfhörer Charakter.
Aussergewöhnlich beim Sennheiser HD8 DJ sind die variablen, einrastenden Bügelgelenke. Sie sehen ein wenig wie ein Kugellager aus und sind mit einem blau schimmernden Ring umgeben. Das gibt was her fürs Auge im Club.
Der Komfort der neuen Sennheiser ist sehr gut. Die Muscheln umschliessen schön die Ohren und der Anpressdruck ist mit angegebenen 6,3 N nicht zu hoch. Man spürt leicht das Kopfband auf dem Schädel, da die Polsterung etwas sehr schmal ausfiel. Aber das ist nichts im Vergleich zur Schraubenzwinge HD25, den man zuerst zwei Wochen lang spreizen musste, damit man nach 15 Minuten nicht höllische Kopfschmerzen hatte. Da bewegt man sich mit den neuen Hörern in der Komfort-Liga. Sennheiser hat hier deutlich nachgebessert, und auch längeren DJ-Sets oder ausgiebigem Musikgenuss steht so nichts im Weg.
Bob Sinclair in action mit dem Sennheiser HD8 DJSound & Isolation
Kommen wir nun zum wichtigsten Abschnitt: Wie klingen denn die neuen DJ-Hörer von Sennheiser? Getestet wurde an verschiedenen Wiedergabequellen wie dem Maverick TubeMagic D1 DAC, dem portablen Fiio X3 Audioplayer und dem Objective2 Kopfhörerverstärker.
Für einen DJ im Club ist die Abschottung des Umgebungssounds enorm wichtig, nur so kann er den nächsten Track vorhören und den Beat perfekt mixen. Der Sennheiser HD8 DJ macht hier eine richtig gute Arbeit. Eine bessere Geräuschdämmung erhält man höchstens noch mit Custom In Ears.
Ein linearer Frequenzgang oder feinst aufgelöste Höhen sind im Club zweitrangig. Dafür sollte der Kick fast spürbar werden. Die Tanzfläche verlangt nach einem reibungslosen Mix. Ein Übergang der Stücke sollte nicht hörbar sein, da ist Feintuning am Mischpult in hektischer Atmosphäre gefragt.
Der DJ hört dazu primär auf Kick und Basslinie. Eine Überbetonung im Bassbereich ist also gewollt und richtig, sollte allerdings nicht auf Kosten der Präzision gehen. Der Bass muss tief, sehr präsent aber auch knackig sein. Genau das liefern der HD8 DJ und der HD7 DJ. Beide bringen auch eine sehr tiefe Basslinie mit gehörig Druck und beinahe fühlbar rüber.
Kicks kommen laut und trotzdem sehr präzise, mit einer guten Attacke. Auch hohe Pegelspitzen verarbeiten beide Modelle relativ locker ohne scharrende Nebengeräusche, hervorgerufen durch überforderte Membran-Aufhängungen von Billigmodellen - wobei sich der HD8 DJ gegenüber seinem kleineren Bruder in der Pegelfestigkeit nochmals absetzen konnte.
Doch auch ein sanfter Ambient-Lounge-Mix macht mit den beiden Hörern Spass. Trotz ihrer akustischen Auslegung klingen sie noch erstaunlich ausgewogen und weiträumig. Ihre knackige Präzision eignet sich jedenfalls perfekt für jegliche Art moderner elektronischer Musik.
Wer es gerne etwas basslastig und druckvoll im Frequenzkeller mag, wird mit den beiden auch glücklich am Smartphone. Bei Rockmusik oder Gesang merkt das geübte Ohr dann natürlich schnell, dass die beiden DJ-Hörer für einen speziellen Einsatzzweck konstruiert wurden und die Verdeckungseffekte vom Tieftonbereich ermüden zunehmend.
Fazit
Als DJ-Kopfhörer dürfte der Sennheiser HD8 DJ momentan kaum zu überbieten sein. Die mechanische Verarbeitung ist sehr robust. Der Tragkomfort ist gegenüber dem HD 25 ein Quantensprung nach vorne. Auch klanglich präsentiert er sich sehr souverän. Die Durchhörbarkeit im Bass ist exzellent. Trotz akzentuiertem Tieftonbereich bleibt er immer präzise und wirkt erstaunlich homogen, so dass auch bei einem Ambient-Mix richtig Freude aufkommt.
Bleibt die Frage, ob sich der Mehrpreis von 50 CHF für den HD8 gegenüber dem HD7 DJ lohnt. Für den Profi ja. Neben der besseren mechanischen Verarbeitung legt er auch klanglich noch eine Schippe drauf. Er wirkt souveräner und noch einen Tick sattelfester, wenn es richtig zu Sache geht. Für Gelegenheits- oder Lounge-DJs dürfte der klangliche Unterschied hingegen zu gering ausfallen.
Sennheiser HD8