Daniel Sennheiser und Hasso Böhme bei der Unterschrift: Bleuel Electronic AG ist jetzt Sennheiser (Schweiz) AGavguide.ch: Herr Sennheiser, der Sennheiser-Konzern übernimmt die Bleuel Electronic AG mitsamt Personal und vor allem auch mitsamt all deren Markenvertretungen (Elac, Fohhn etc.), das hört sich nach Konfliktpotential an.
Daniel Sennheiser (in perfektem Schweizer-Deutsch): Das ist eigentlich schön, denn wir haben mit ganz wenigen Ausnahmen keine direkten Konflikt-Situationen. Sennheiser bringt einen Lautsprecher, den LSP500, dieser ist aber komplett anders als zum Beispiel der Akku-Lautsprecher von Fohhn. Den sehen wir in einem anderen Kundensegment. Für uns ist es wichtig, das richtige Produkt am richtigen Ort zu haben. Von dem her haben wir nur ganz wenige Konfliktsituationen im Haus, und darüber sind wir auch sehr froh.
Was bringt Sie dazu, die Bleuel Electronic AG zu übernehmen?
Bleuel ist seit mehreren Jahrzehnten unser Distributor in der Schweiz und hat da wahnsinnig gute Arbeit geleistet, das hätten wir auch nicht besser können. Es ist jetzt einfach der richtige Zeitpunkt gewesen für so eine Veränderung, und wir haben ganz bewusst ein Team übernommen, welches sich schon seit vielen, vielen Jahren bewiesen hat, mit welchem wir schon sehr eng zusammengearbeitet haben. Das geht jetzt einfach so weiter – vielleicht sogar noch besser.
"Ich denke, dass wir auch in 70 Jahren noch existieren"
Daniel Sennheiser freut sich über den Zuwachs in der Sennheiser-Familie.Ihre Familie lebt schon seit vielen Jahren in der Schweiz, und Sie sind sogar in der Schweiz geboren, wieso kommt die Übernahme gerade jetzt?
Es gibt immer solche Momente, wo bestimme Entscheidungen anstehen. Bei Hasso Böhme ist die Nachfolge-Frage aufgekommen. So haben wir uns eines Tages zusammengesetzt und uns gefragt, wie wir das lösen. Für uns als Firma ist es natürlich auch wichtig, dass es weiter geht. Wir haben in der Schweiz einen wichtigen Absatzmarkt. Nach längeren Gesprächen sind Hasso und ich zum Entschluss gekommen, dass dies die beste Lösung für beide Seiten ist.
Sennheiser ist im Audiobereich eine der letzten grossen deutschen Marken. Wie verhindert man da, dass man selber von einem anderen Konzern übernommen wird?
Wir müssen nicht auf die Börse schauen, wir müssen nicht auf die Konkurrenz schauen, wir müssen auf unsere Kunden schauen. Man muss sich hundert Prozent, jeden Tag, nur darum kümmern, dass der Kunde zufrieden ist. So werden wir immer Kunden haben. Zusätzlich müssen wir schauen, wie wir dies so effizient wie möglich machen. Wenn wir wirklich verstehen, warum der Kunde uns ausgewählt hat, wie der Kunde einen Mehrwert bekommt, dann denke ich, dass wir auch in 70 Jahren noch als Sennheiser existieren.
Wie möchten Sie die Kunden denn an ihre Marke binden, führt der Weg über eine breitere Produktepalette?
Wir sind bereits mit einem extrem breiten Portfolio unterwegs, darum macht es keinen Sinn, völlig neue Felder anzugehen. Wir definieren uns als eine Firma, welche sich in der Audioindustrie bewegt, das ist unser Universum. Aber wir wollen Innovation und exzellente Produkte bringen, mit diesem Anspruch kann man natürlich auch in andere Nischen vordringen. In der Regel sind wir eher an Nischen interessiert als an Mainstream.
Doch der Mainstream ist ziemlich kauffreudig, wenn man das boomende Geschäft mit Kopfhörern in den buntesten Farben und schrägsten Formen sieht.
Der CE-Markt ist extrem dynamisch im Moment. Wenn man zurück denkt: vor fünf, sieben Jahren hat es ein paar Hersteller gegeben, und Kopfhörer wurden entweder zuhause oder als In-Ear getragen. Jetzt aber läuft jeder mit einem Fullsize-Kopfhörer herum. Kopfhörer sind ein Lifestyle-Produkt geworden. Teilweise wird ein Kopfhörer sogar getragen, ohne eingesteckt zu sein oder das Kabel wird gar abgeschnitten, weil es stört. Ein totales Modeaccessoir. Hier tut sich ein Hersteller, welcher sehr auf Performance, Leistung und Audioqualität achtet, im ersten Moment etwas schwer, das ist kein Geheimnis. Wir haben dann aber gemerkt, dass es Kunden gibt, die mehr als nur ein Modeaccessoir wollen. Wir glauben, dass langfristig gesehen Modeerscheinungen kommen und gehen. Diese Produkte sind drei bis fünf Jahre hipp, und dann sind sie wieder weg. Wir müssen dafür sorgen, dass wir nicht einfach kommen und gehen. Wir haben diesen Bereich ursprünglich kreiert, denn Sennheiser brachte 1968 den ersten Consumer-Kopfhörer auf den Markt. Wir sind auch jetzt noch Marktführer in Europa, und das wollen wir auch verteidigen.
"Es hat über ein Jahr gedauert"
Daniel Sennheiser flankiert von seinen Geschäftsführern in der Schweiz, Marc Staubli (Marketing and Sales, links) sowie Björn Grefer (Finance and Operations).Spürt Sennheiser die Krise?
Ja, wir haben die Krise gespürt mit einem 3-prozentigem Umsatzeinbruch 2009, wobei drei Prozent war bei uns, als in der selben Zeit bei anderen 30 Prozent Umsatzeinbruch zu verzeichnen war. Und seit diesem Zeitpunkt haben wir wieder sehr schön aufgeholt. Wir haben mehrere Jahre hintereinander den Umsatz um mehr als 10 % steigern können, und auch am Wachstum mangelt es uns nicht. Obwohl das Wachstum für uns gar nicht so ausschlaggebend ist. Wir sind familiengeführt, wird sind nicht börsennotiert, können so auch mal zwei, drei Jahre ohne Wachstum leben, wenn wir wissen, dass sich der Markt richtig entwickelt. Wir machen unseren Leuten auch keinen Druck, um jeden Preis zu wachsen. Grösse ist eigentlich kein Wert von uns, der Kunde muss zufrieden sein. Das ist langfristig besser.
Nochmals zurück zur Übernahme von Bleuel. Wie liefen denn die Verhandlungen ab?
Wir kennen Hasso Böhme schon seit vielen, vielen Jahren. Er kennt die Familie, er kennt meinen Vater und er kennt auch mich seit vielen, vielen Jahren. Und wir kennen seine Arbeit. Trotzdem haben wir eine relativ langsame Annäherung gemacht. Wir haben uns beide Zeit gelassen. Wir hatten beide keinen Zeitdruck. Es wäre schwierig geworden, wenn wir versucht hätten, das über das Knie zu brechen. Entscheidungen brauchen Zeit. Wenn jemand sein Lebenswerk übergibt, ist das nicht einfach, das verstehe ich absolut. Andererseits mussten wir auch nicht schnell, schnell eine Lösung haben, es hat ja gut funktioniert. Dass wir uns diese Zeit genommen haben und auch die diversen Schleifen mit Juristen fahren mussten, das gehört dazu. Die Zeit war das Erfolgsrezept. Und auch die Kontinuität. Uns war es wichtig, dass Hasso Böhme das Gefühl hat, wir geben dem Sorge, was er da auf die Beine gestellt hat, und das machen wir absolut, das ist keine Frage.
Wie lange dauerten denn die Verhandlungen?
(Schmunzelt) Es hat über ein Jahr gedauert.
Und kann man über Zahlen sprechen?
(Lacht) Nein, das bleibt unter uns.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Sennheiser Schweiz.
Dankeschön.