Volle Packung: Der Sigma 2200i ist mit modernster Technik bis zum Rand vollgepackt. Obwohl die Class-D-Technik nur wenig Abwärme produziert, ist ein (unhörbar laufender) Ventilator integriert, der Abwärme nach hinten hinausführt.Der Sigma 2200i vereint eine leistungsstarke und dabei effiziente Class-D-Endstufe mit einem kompletten digitalen Frontend. So findet man eingangsseitig (nebst analogen Line-Eingängen) diverse Digitaleingänge – und zusätzlich auch noch vier HDMI-Schnittstellen sowie einen HDMI-Ausgang.
Dermassen umfassend ausgestattet kann dieser Vollverstärker eigentlich sämtliche tonale Jobs zu Hause übernehmen, inklusive der Wiedergabe von Set-Top-Boxen, Blu-ray-Spielern oder auch von Fernsehton. Wenn auch lediglich in Zweikanal-Stereo.
Dennoch werden viele Musikliebhaber, die nichts mit Heimkino-Surroundformaten am Hut haben, diesen Mehrwert begrüssen. Ebenso wie die Möglichkeit, den Classé via Ethernet-Anschluss ins Heimnetzwerk zu integrieren, als Streaming-Client einzusetzen und komfortabel via App zu bedienen.
Bewährte Class-D-Technik
Das grosszügig dimensionierte Touchdisplay auf der Gerätefront eröffnet viele Konfigurationsmöglichkeiten, zeigt aber auch die gewählte Quelle samt Samplingfrequenz an.Die Class-D-Technik von Classé Audio haben wir bereits verschiedentlich unter die Lupe genommen. Siehe dazu auch jüngst den Testbericht der Sigma-Mono-Blöcke. Schon mit dem famosen Stereo-/Mehrkanal-Endverstärker CA-D200 hatte Classé den hauseigenen Schaltverstärker auf der Basis von Pulsbreitenmodulation eingeführt. Dieses Prinzip verspricht eine äusserst effiziente Arbeitsweise: Bis zu 90 Prozent des verbrauchten Stroms werden in verwertbare Leistung am Lautsprecheranschluss umgewandelt.
Nach eigenem Anspruch hat Classé prinzipbedingte Schwächen der Class-D-Technik bereinigt: Ähnlich wie herkömmliche Class-AB-Verstärker können auch hier Übernahmeverzerrungen während der kritischen Dauer der Nulldurchgangsphase auftreten: Nämlich dann, wenn der eine Schalttransistor das Signal von seinem komplementären Gegenstück übernimmt.
Auch der 2200i arbeitet deshalb mit ultra-kurzen Schaltimpulsen bei einer Frequenz von 384 kHz. Die Nulldurchgangsphase konnte dadurch so weit reduziert werden, dass Übernahmeverzerrungen kaum noch auftreten. Zusätzlich überwacht eine DSP-Regelung den Arbeitspunkt jedes Transistorpaares und dosiert die Über-alles-Gegenkopplung auf ein notwendiges Minimum. Davon verspricht sich Classé Stabilität in allen Lebenslagen, ohne dass der "musikalische Fluss" durch zu starke Eingriffe leidet.
Die schnelle Regeltechnik erlaubt den Einsatz von Ausgangsfiltern mit sanftem Rolloff, ausserhalb des hörbaren Audiobereichs und bei geringen Phasendrehungen. Damit soll diese Class-D-Technik auch Lautsprecher mit sinkendem Impedanzverlauf im Hochtonbereich ohne Gefahr von Frequenzgang-Verfälschungen antreiben können. Womit eine zweite prinzipbedingte Schwäche von Schaltverstärkern entschärft wäre.
Ebenso bewährt hat sich das eigens entwickelte Schaltnetzteil, welches dank einer speziellen Leistungskompensation auch im Hochlastbereich Spannungsstabilität sicherstellt. Im Unterschied zu Industrie-Schaltnetzteilen soll die Classé-Variante durchweg saubere Sinusspannungen aufbauen. Tatsächlich spezifiziert der Hersteller mit 2 x 400 Watt an 4 Ohm doppelt so viel Ausgangsleistung wie an 8 Ohm, was eine ausgezeichnete Stromlieferfähigkeit des Netzteils voraussetzt.
Waschechter Digitalo
Ziel der Classé-Entwickler war es, einen Verstärker zu bauen, der durchgängig – also vom Signaleingang bis zum Lautsprecherausgang – auf der digitalen Ebene arbeitet. Hier kann ein entsprechend konzipierter Class-D-Vollverstärker nämlich einen prinzipbedingten Vorteil ausspielen: Während getrennte Vor- und Endverstärker notwendigerweise analog miteinander "kommunizieren", kann beim integrierten Modell dank fortschrittlicher DSP-Technik die gesamte Schaltung – inklusive Lautstärkeregelung – digital erfolgen. Somit entfallen eine D/A- und eine A/D-Wandlung. Letztere ist nämlich vonnöten, damit eine Class-D-Endstufe ein zuvor analog vorliegendes Musiksignal verarbeiten kann.
Zwar verfügt der Sigma 2200i auch noch über drei analoge Eingänge (bei denen das Signal A/D-gewandelt wird), das Hauptaugenmerk ist aber zweifellos aufs digitale Zeitalter ausgerichtet: Dafür verfügt er nicht nur über die herkömmlichen Digitaleingänge (sechs an der Zahl), sondern zusätzlich über vier HDMI-Eingänge. Dies kennt man sonst ja nur von AV-Receivern, welche Mehrkanal-Tonformate verarbeiten.
Hierfür ist der 2200i zwar nicht ausgelegt. Die Idee hinter der HDMI-Ausstattung ist dennoch bestechend: So ist er in der Lage, den Ton von Set-Top-Boxen, Blu-ray-Spielern sowie vom Fernseher (der ja auch im Digitalformat anliegt) wiederzugeben. Allerdings kann der Sigma über HDMI nur PCM-Stereo-Signale verarbeiten. Deshalb müssen die Quellgeräte entsprechend konfiguriert werden. Dolby Digital oder gar hochaufgelöste Surroundformate bleiben aussen vor.
Ganz interessant ist der Sigma für Zeitgenossen, die (wie der Autor) eine Sammlung an SACDs besitzen. Auf diesem Hi-Res-Tonträger erscheinen nach wie vor auch neue Aufnahmen, vor allem im Klassikbereich. Der Clou: Die SACD verfügt über drei Tonspuren – nebst CD und DSD-Surround auch noch über eine Zweikanal-DSD-Spur. Und diese kann man über den 2200i verlustfrei – und damit in optimaler Qualität – wiedergeben.
Voraussetzung dafür bildet ein Universalplayer: also ein Blu-ray-Spieler, der auch SACDs abspielen kann. Solche Geräte werden von verschiedenen Herstellern – auch schon zu günstigen Preisen – angeboten. Um sie erfolgreich mit dem Sigma 2200i zu verkuppeln, muss man im Hauptmenü den HDMI-Ausgang auf PCM konfigurieren. Das Musiksignal wird dann im Spieler von Original-DSD auf 24-Bit/88-kHz gewandelt ausgegeben. Diese Umrechnung von DSD auf PCM ist in Bezug auf eine mögliche Qualitätsminderung verschmerzbar, zumal das Signal auf der digitalen Ebene und in Hi-Res erhalten bleibt.
Der 2200i verarbeitet per HDMI keine Videosignale, sondern gibt diese eins zu eins an den HDMI-Ausgang weiter. Der Eingang HDMI 1 unterstützt auch 4k (entsprechend der Norm HDMI v2.0) und den Kopierschutz HDCP 2.2, sodass man selbst 4k-BD-Spieler anschliessen kann. Der HDMI-Ausgang unterstützt ARC (Audio Return Channel), so kann man darüber bidirektional den TV-Ton über den Sigma wiedergeben.
Wir verwendeten für den Hörtest einen Universalspieler BDP-103D von Oppo, der über einen zweiten HDMI-Ausgang nur für Audio verfügt. Dieser Hersteller hat übrigens gerade eben einen Ultra-HD-Blu-ray-Spieler angekündigt, der ebenfalls SACDs wiedergeben kann. Das neue Modell hört auf den Namen UDP-203 und wird hierzulande wohl Anfang 2017 auf den Markt kommen.
Aber auch wer lieber auf Hi-Res-Streaming anstatt auf physikalische Tonträger setzt, kommt mit dem Sigma auf seine Kosten: So verfügt er über einen Ethernet-Anschluss, dank dem er als DLNA-Client eingesetzt werden kann. Dazu offeriert Classé keine eigene Streaming-Software; der Sigma arbeitet aber mit allen gängigen UPNP-Streaming-Apps wie zum Beispiel der empfehlenswerten (da einsteigerfreundlichen) "mconnect" für iOS-Geräte, die gleichzeitig kabelloses Airplay beherrscht. Sie erkennt den 2200i als "Airplay-Komponente" im Heimnetzwerk und schaltet ihn automatisch auf Streaming-Musikwiedergabe.
Für die Hi-Res-Musikwiedergabe ab PC oder Audioserver empfiehlt sich der rückwärtige USB-Eingang, der zwar auf 24 Bit/192 kHz limitiert ist, sich jedoch dank asynchroner Arbeitsweise und eigenem Taktgenerator als resistent gegenüber digitalen Taktschwankungen erweist. Alternativ kann man auf je zwei Coax- und Toslink-Eingänge zugreifen.
Vielfältig konfigurierbar
Die Classé-Bedien-App ist sehr übersichtlich gestaltet und sowohl für Android- wie für iOS-Geräte erhältlich.Wie schon vom Vorverstärker Sigma SSP bekannt verfügt auch der Sigma 2200i über das luxuriöse Touchdisplay, an dem sich sehr vieles einstellen lässt. Hier alles aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Tests sprengen. Interessant ist die Möglichkeit, Eingänge individuell zu benennen und zu konfigurieren.
Der Classé verfügt über eine aufwendige DSP-Sektion mit parametrischem 9-Band-Equalizer, dessen Einsatz allerdings nur in Kombination mit einer professionellen Raumeinmessung Sinn macht. Problemlos einsetzbar ist hingegen die klassische Bass- und Höhenregelung, die wahlweise auch als Tiltregler (i.e. Verschiebung der Klangbalance von den Tiefen zu den Höhen) zu nutzen ist. So kann man Aufnahmen, die zu hell tönen, feinfühlig üppiger "abschmecken".
Gerade bei der Verwendung von Kompaktboxen sehr sinnvoll ist die Möglichkeit, einen Subwoofer hinzuzukombinieren. Dafür finden sich an der Rückseite separate Vorstufenausgänge, die in der Tiefpassfrequenz und Filtersteilheit konfigurierbar sind. Im Menü kann man wählen, ob die "Satelliten" hochpassgefiltert (6, 12 oder 24 dB/Oktave) werden sollen.
Für audiophile Hörer sehr interessant ist die Möglichkeit, den Subwoofer nur als Tiefbassergänzung einzusetzen, ohne die Stereoboxen zu filtern. Dies sorgt für eine verblüffende Steigerung der Rauminformation.
Für eine problemlose Bedienung offeriert Classé nebst einem klassischen IR-Befehlsgeber auch noch über eine Steuer-App für Android und iOS, welche nur die wichtigsten Funktionen, diese dafür sehr übersichtlich, anbietet. Hier macht sich der Ethernet-Anschluss des Sigma-2200i, der die App-Steuerung erst möglich macht, voll bezahlt.
Kongeniale Spielpartner
Der brandneue, im neuen Jahr erhältliche 4k-UHD-Universalspieler UDP-203 von Oppo dürfte zum idealen Spielpartner für den Classé Sigma avancieren. Via HDMI kann er die Stereo-Tonspur von SACDs verlustfrei an den 2200i ausgeben.Zunächst durfte der Sigma-Amp an einer 802 D3 von Bowers & Wilkins zeigen, zu welchen Leistungen er eine Standbox der absoluten Topklasse anzuspornen vermag. Dabei erfüllte er die (hohen) Erwartungen in vollem Masse und zeigte auf, dass dieser Lautsprecher einen eigenen Massstab an Durchhörbarkeit von Aufnahmen aller Art aufstellt.
Bei gelungenen Einspielungen – wie beispielsweise der exzellenten SACD "Buxtehude: Membra Jesu Nostri" – verblüffte die superbe Rauminformation mit unglaublich präziser Artikulation der Gesangsstimmen und perfekter Raumausleuchtung.
Solisten standen greifbar auf der Bühne, feinste Klangdetails eines Cembalos waren unaufdringlich wahrnehmbar. Streicher erklangen mit schönem Bouquet, ohne dass das ihnen eigene Mass an Schärfe nivelliert wurde. Klare Sache: Dieser Lautsprecher ist ein professionelles Werkzeug, welches gelungene Aufnahmen in ihrem ursprünglichen Glanz ins Wohnzimmer transferiert.
Weniger gute oder gar schlechte Aufnahmen werden hingegen klar als solche entlarvt: So geschehen bei Händels "Messiah" in einer DSD-Einspielung von Linn, welche über die B&W mit aufdringlichem Präsenzbereich und betonten Zischlauten der Gesangsstimmen nicht wirklich Freude bereitete. Hier leistete jedoch der Tilt-Regler des 2200i wahre Wunder, indem die Klangbalance problemlos zugunsten eines fülligeren Klangs verschoben werden konnte.
Dass gute Aufnahmen keineswegs neueren Datums sein müssen, bewies sodann der legendäre Konzertmitschnitt des Monty Alexander Trio in Montreux von 1977. Wie dieser über die B&W-Classé-Kombination zu neuem Leben erwachte, war schon beeindruckend: So livehaftig hatte ich diese Aufnahme offen gestanden noch nie gehört.
Bei Mark Knopflers "Sucker Row" aus dem Album "Shangri-La" offenbarte die 802 D3 eine weitere Tugend: Im Zusammenspiel mit dem Sigma entwickelte sie ein exzellentes Mass an Grob- wie Feindynamik. Diese Kombi lässt im Bass nichts anbrennen und agiert ungemein druckvoll und konturiert bis in tiefste Lagen. Pegelorgien, die man seinen Ohren eigentlich nur kurze Zeit zumuten sollte, kommen absolut unangestrengt und machen richtig Spass.
Gott sei Dank stellt man aber schnell fest, dass diese Box gar keine grosse Lautstärke benötigt, um ein raumfüllendes Musikerlebnis zu garantieren. Schon bei ganz normalem HiFi-Genuss kommt man voll auf seine Kosten. Bei akustischen Instrumenten beweist die 802 D3 nämlich ein feines Gespür für die richtige Abhörlautstärke, und die ist meist gar nicht so hoch.
Zum Musikgenuss bei niedriger Lautstärke tragen sicherlich sowohl der Verstärker wie auch der Lautsprecher bei. Beide verfügen über ein extrem hohes Mass an "Mühelosigkeit" der Ansprache und entwickeln aus dem Stand heraus eine unglaubliche Impulskraft, die der Musikwiedergabe jedwede Trägheit austreibt. So hört es sich auch bei geringer Maximallautstärke vital und mit hohem Spassfaktor an.
Auch mit Kompaktboxen grandios
Die 805 D3 von Bowers & Wilkins verfügt über einen 16-cm-Tiefmitteltöner mit Continuum-Membran und einen Diamantkalotten-Hochtöner. Diese High-Tech-Materialien sorgen für überragende Klangtransparenz.Dass Standboxen mit einem Paarpreis von über 20'000 Franken derart gut tönen, kann nicht wirklich verwundern. Schon eher, dass ein Vollverstärker für 5500 Franken so viel Potenzial aus ihnen schöpft. Uns interessierte aber fast noch mehr, wie ein preislich adäquater Spielpartner am Sigma 2200i tönen würde. Und fanden mit der B&W 805 D3 (Paarpreis: CHF 6700.-) das passende Gegenstück.
Hier konnte der Classé Amp beweisen, dass heutzutage selbst mit Kompaktboxen ein Musikerlebnis fast ohne Abstriche möglich wird: Beim direkten A/B-Vergleich mit der grossen Schwester war natürlich zuerst der Eindruck vorhanden, dass alles ein wenig "kleiner" wirkt und die Musikwiedergabe insgesamt weniger "autoritativ" rüberkommt.
Hört man sich aber in die 805 D3 rein, verfliegt dieser Eindruck schnell, und es stellt sich die Erkenntnis ein, dass hier eine ganz grossartige Kombination am Werk ist. Die kleine Box entfaltet des Musikgeschehen völlig losgelöst und quasi ohne Schranken zum Konzertsaal. So beeindrucken die exorbitante räumliche Transparenz und Durchhörbarkeit feinster Klangdetails.
Die natürlichen Klangfarben von klassischen Originalinstrumenten wie auch von Vokalmusik kommen wunderbar zum Tragen. Ein Schlüsselerlebnis hierbei war Bachs Weihnachtsoratorium in einer Einspielung mit La Petite Bande, einer ganz hervorragenden Hi-Res-Aufnahme, die auch als Zweikanalmix keine Wünsche offen lässt. Die Stimmenwiedergabe und räumliche Abbildung über die hier getestete Lautsprecher-Verstärker-Kombi kann nur als überragend beschrieben werden. Dem Refrain "Jauchzet, frohlocket!" kann man sich da nur anschliessen.
Die kleine Edelbox aus dem Hause Bowers & Wilkins lässt sich aber auch nicht lumpen, wenn es um die Entfaltung härterer musikalischer Gangarten geht: Fiese Dynamiksprünge lassen sie ebenso kalt wie Tieftonorgien, die sie impulsschnell, trocken und erstaunlich tiefreichend wiedergibt.
Da wird gerockt und gegroovt, dass es eine Freude ist. Woran der Classé Sigma wesentlichen Anteil hat. Uns nahm es nämlich wunder, wie dieser Class-D-Amp im Vergleich zu einem sehr guten Verstärker in herkömmlicher Class-AB-Technik klingen würde, und schlossen dazu die 805 D3 am testbewährten Rotel RA-1592 an.
Dieser kann sich über mangelnde Leistung wahrlich nicht beschweren, denn er verfügt nominell über die gleiche Ausgangsleistung wie der Classé (2 x 200 Watt). Aber schon bei den ersten Tönen wurde klar, dass hier ein ganz anderes Temperament am Werke war. Alles wirkte zwar schön rund und ausgewogen, mit sattem Bass und feinen Höhen. Aber im direkten Vergleich weit weniger vital und spielfreudig.
Der Classé Sigma 2200i zündete regelrecht einen Turbo und brachte das Musikgeschehen in allen Belangen deutlich besser auf den Punkt. Vorteile konnte er insbesondere bei der Impulswiedergabe wie auch bei der räumlichen Transparenz verbuchen. So profitierte das Ansprechverhalten des Lautsprechers insgesamt – alles wirkte leichtfüssiger, offener und unbeschwerter, und erstaunlicherweise hatte der Class-D-Amp sogar Vorteile bei der Nuancierung von Klangfarben.
Dieses Ergebnis ist für den Rotel-Verstärker zwar ernüchternd. Dabei kann man ihm eigentlich nichts vorwerfen, denn für sein Arbeitsprinzip und seine Preisklasse bleibt er ein ausgezeichnetes Gerät. Dennoch erstaunt, dass ihm ein Class-D-Verstärker – wenn auch zum doppelten Einstandsspreis – dermassen zum Nachsehen verhilft.
Fazit
Die B&W 802 D3 ist das zweitgrösste Modell in der neuen 800er-Serie. Zwei 20-cm-Tieftöner garantieren enorme Standfestigkeit im Bass, der Continuum-Mitteltöner sorgt für klare, unverfälschte Mitten.Klar: Verstärkertests sind immer auch Lautsprechertests. Erst eine gelungene Kombination garantiert den richtigen Hörspass. So beweist der Classé Sigma 2200i im Zusammenspiel mit einer B&W 802 D3, dass er selbst grosse Standboxen der Topklasse ohne Abstriche zu Höchstleistungen antreiben kann.
Angesichts des Klangniveaus, das diese Kombi bei gelungenen Aufnahmen erreicht, wird man ihr verzeihen, dass die 802 D3 schlechte Aufnahmen eben auch als solche hörbar macht. Wobei man mit der ausgefeilten Klangregelung des Sigma doch noch einiges "beschönigen" kann.
Die eigentliche Überraschung dieses Tests war, was für ein Musikereignis der Class-D-Verstärker aus einer kompakten B&W 805 D3 herauszuholen vermag. Punkto räumlicher Transparenz, Klangfarben und -fülle, Impuls- und auch Basswiedergabe bleiben keine Wünsche offen. Wer einen kleineren bis mittelgrossen Hörraum sein Eigen nennt und über das passende Budget von rund 12'000 Franken verfügt, sollte sich diese Kombi unbedingt mal anhören.
Für sich allein betrachtet punktet der Classé Sigma 2200i mit umfangreicher, speziell fürs digitale Zeitalter passender Ausstattung, durchdachter Bedienung sowie einer Wiedergabequalität, die es in sich hat. Darüber hinaus darf man ihm ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis attestieren, zumal man zusätzlich zum ausgezeichneten Verstärkerteil ein komplettes digitales Frontend inklusive High-End-DAC, Ethernet-Audio-Streaming und sogar HDMI-Connectivity geboten bekommt.