Inzwischen gibt es hunderte 3D-Filme, die man beispielsweise bei Hollystar.ch auch mieten kann. Aber neue TV-Modell können sie wahrscheinlich nicht mehr abspielen.Hochgehypte sterben früher. Der koreanische Newsdienst etnews meldet, dass Samsung in neue TV-Modelle keine 3D-Fähigkeiten mehr einbauen will und LG die 3D-Modelle um die Hälfte reduzieren will.
Dabei waren 3D-Fernseher vor wenigen Jahren noch das absolute Branchenthema. Zwar sahen die Zuschauer mit den aufgesetzten Brillen immer ein bisschen wie Persiflagen aus Men in Black aus, aber vor allem Trickfilme verblüfften mit witzigen 3D-Effekten.
Inzwischen gibt es Hunderte Blu-ray Discs, welche die Filme auch in 3D enthalten. Die Internetseite bluray.com listet immerhin 335 Titel auf und noch immer kommen wöchentlich neue dazu. Sogar bei YouTube kann man sich in einem speziellen 3D-Kanal durch Legales und Schwarzkopiertes durchklicken.
4K für verlustfreies 3D
Witzigerweise wäre inzwischen sogar die Technik reif für 3D. Denn 4K-Fernseher könnten dank ihrer doppelten Auflösung auch auf polarisierenden Systemen 3D-Filme in HD ohne Detailverlust abspielen. Im 3D-Modus mit den günstigen Pol-Brillen wird nämlich je die Hälfte der Pixel für das linke und rechte Auge verwendet. Das reduzierte einen bisherigen Full-HD-Fernseher im 3D-Modus auf eine 720p-Auflösung.
Weil die neuen 4K-Fernseher für die riesige Pixelanzahl auch flinke Prozessoren benötigen, ist sogar die Umrechnung von 2D auf 3D nun in einer Qualität möglich, die nicht primär Brechreiz verursacht.
Letztlich sind die 4K-Geräte meist auch grösser und protzen mit bis zu 65 Zoll Diagonale. 3D macht mehr Spass, wenn möglichst das ganze Blickfeld vom Bild ausgefüllt wird.
Die neuen 4K-Fernseher könnten also gutes 3D, nur wollen das anscheinend inzwischen die Konsumenten nicht mehr. Oder greifen lieber zum billigsten Modell und sind nicht bereit, den 3D-Aufpreis zu berappen.
Schuld am 3D-TV-Fiasko ist aber hauptsächlich das gute, alte Kino. Denn auf der riesigen Leinwand ist 3D einfach ein so gutes Erlebnis, dass die heimische 3D-Glotzerei im Vergleich dazu nur ein billiger Abklatsch bleibt.
Wer braucht eigentlich 4K?
Ist 4K nur für diejenigen mit grossem Haus am See?Die traurige 3D-Geschichte sollte aber für die Branche und die Konsumenten auch ein Lehrstück bezüglich 4K sein. Denn auch beim neuen 4K/UHD-Thema stellt sich die umsatzvernichtende Frage: „Wer braucht das wirklich?“. Kritische Konsumentenzeitschriften bemängeln seit Jahren, dass sich nur mit sehr guten Augen oder sehr grossen Bildschirmen ein effektiver Qualitätsunterschied beim Glotzen in 4K statt in Full-HD bemerken lässt.
Ganz abgesehen davon, dass im Alltag 4K-Inhalte noch immer die Ausnahme sind. Die olympischen Spiele 2016 werden genausowenig in 4K zu haben sein wie die Tagesschau den Schweizer Fernsehens im Jahre 2020. Und eine Umfrage von SRF ergab, dass zwei Drittel der Zuschauer eh einfach mit Full-HD zufrieden sind.
Natürlich finde ich die 4K-Serien bei Netflix toll. Obwohl die meine Internetleitung glühen lassen. Irritiert hat mich aber schon, dass ich drei Wochen lang nicht merkte, dass mein TV nach einem Softwareupgrade plötzlich nur noch in Full-HD netflixte. Das Update vom Update hat nun Netflix wieder auf 4K gefixt.
Content vor Auflösung, würde auch meine Liebste zum Thema sagen: Denn sie ist einfach glücklich, wenn sie sich die letzte Episode von „Der Bestatter“ aus der SRF-Mediathek ziehen kann; trotzt gruseliger Auflösung.
Macht was draus!
Vielleicht lernt die Branche ja was aus dem 3D-Niedergang und schafft Gründe, warum man wirklich einen 4K-Fernseher haben und auch in 4K nutzen will. Dazu gehören so Banalitäten wie das Anzeigen von Handy-Photos in echter 4K-Auflösung. Wäre schön, wenn das einfach funktioniert, ohne dass man dabei digitale und netzwerktechnische Klimmzüge beherrschen muss.
Wichtig wären auch so simple Dinge, dass der riesige 4K-Fernseher mehr als nur banales TV zeigen kann. Er sollte zusätzlich Wichtiges in eingeblendeten Fenstern zeigen. Sogar ein Skype-Videocall dürfte in einem Fenster auf meinem TV aufploppen. Und die heimische Webcam dürfte auch anzeigen, wer vor der Haustür klingelt. Aber dazu müsste ich erstens wissen, wie das geht. Und zweites sicher sein, dass mich der TV-Hersteller mit der in den TV eingebauten Kamera nicht bei meinem Schnarchen vor der Glotze fernüberwacht.
Aber stimmt, die Bild-in-Bild-Technik (PiP) haben die TV-Hersteller ja schon bei der Umstellung zu 3D gekillt. In den Werbepausen zappe ich also wieder brav zwischen zwei Sendern. Aber wenigstens zappe ich nun in perfekt hochgerechneter 4K-Auflösung.