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Der US-Handelsminister William Daley meinte 1997: «Die gesamte Ökonomie wird sich völlig digitalisieren.» In der Musikbranche wird dies noch eine Weile dauern, aber die Grundlagen zur zweiten digitalen Revolution der Musik sind gelegt. Der Wandel betrifft alle Beteiligten.Tape-Kopien vor MP3

1980: Böse Piraten fertigten hemmungslos Bootlegs und verbreiteten Tape-Kopien. Im weltweiten Underground wurden illegale Live- und Demotapes von Bands getauscht.
Steigende Umsätze
Die englische Musikindustrie prägte damals den Slogan «Hometapig is killing music». Das Signet bestand aus einem Totenschädel, der von zwei fleischlosen Knochen gekreuzt wurde. Die Einführung der CD aber bescherte der Industrie einen derart grossen Wachstum, dass die Piraten in Vergessenheit gerieten. Diese trieben ihr Unwesen aber immer weiter und siedelten Anfang der Neunziger ins World Wide Web über und prägten die Geschichte neu. Thomas M Stein, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonografischen Wirtschaft und Vorsitzender der BMG Entertainment International schrieb: «Als die Musikwoche 1994 meine These druckte, das Internet könnte uns über kurz oder lang 50 % unseres Umsatzes kosten, haben mich alle für verrückt gehalten. Heute scheint diese Einschätzung nicht mal so unrealistisch.» Eine Wachstumsrate von 12 % hatte die Plattenindustrie über die Jahre 84–94 zu einer der am stärksten wachsenden Konsumgüterbranchen gemacht. Die Umsätze erreichten 1995 39, 374 Millionen US $ (Quelle IFPI). Diese Umsätze wurden vor allem durch die Einführung der CD erreicht. Der Umsatz hatte sich von 85 bis 95 vervierfacht, während die Zahl der verkauften Alben sich nur verdoppelte. (Quelle IFPI) Die Umsätze der Tonträgerindustrie beliefen sich 1998 weltweit auf 40 Milliarden US $. (Quelle IFPI). Die IFPI liess kürzlich verlauten, dass die USA 1999 den grössten Anteil am weltweiten Zuwachs der Umsätze haben. Nach einem Plus von neun Prozent 1998 kletterte dort der Absatz erneut um zehn Prozent. 2, 4 % bestellten in den USA ihre Musik aus dem Internet. 1998 waren es nur 1,1%. Ausser in Frankreich und Deutschland stiegen in ganz Europa entweder die Verkaufszahlen oder das Kaufvolumen. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten konnte die Verluste auf einigen Märkten ausgleichen. Als Hauptgrund für den sinkenden Absatz in Frankreich und Deutschlansd nennt man die Schwarzbrennerei von CDs.Piraten
Jedem ist es bekannt, aber nicht geläufig: «All rights of the producer and the owner of the record work reserved, unauthorized copying, public performance and broadcasting are prohibited.» Die phonografische Wirtschaft baut auf diesem Satz auf. Schwarzbrenner verstossen dagegen. Die technologische Entwicklung ist den Gesetzgebern weit voraus, aber trotzdem ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Der Schutz der geistigen Eigentumsrechte sollte den neuen Herausforderungen der Globalisierung von Multimedia gerecht werden. Legal ist gemäss SUISA das Herunterladen und Verbreiten von MP3-Files im Kreis der engen Freunde und Verwandte. Illegal können verschiedene Verwendungsweisen des Formates sein. In der Schweiz wurden bisher über 50 Piraten wegen illegaler Verbeitung von Musik via MP3 gebüsst. Das Landgericht in München hat im Monat April entschieden, dass AOL als Onlinedienst für die illegale Verbreitung von Musikstücken im Jahr 1998 verantwortlich sei. AOL muss eine sechstellige Summe bezahlen. User hatten auf AOL Seiten urheberrechtlich geschützte Titel kostenlos angeboten. Das Urteil gilt in der Branche als Präzedenzfall. Bislang war nicht geklärt, ob Online-Dienste für kriminelle Inhalte auf ihren Seiten haften. Das Teledienstgesetz bestimmte bislang nur, dass Dienstanbieter wie AOL oder T-Online für eigene Inalte voll verantwortlich sind – für fremde Inhalte bloss dann, wenn sie von diesen Inhalten Kenntnis haben und es ihnen technisch zumutbar ist, die Seiten zu sperren.Illegale Verbreitung
Auf Proxy-Servern werden heute Seiten krimineller Art ungeachtet ihres Inhaltes zwischengelagert. Sie bestehen nur aus einem gigantischen Arbeitsspeicher, in dem die Webseiten lagern, die im Laufe eines Zeitabschnitts am häufigsten abgerufen werden. Die meisten Anbieter von Intenet Zugängen schalten einen solchen dummen Proxy vor den gigantischen Datenwall des WWW. Der Proxy-Server verhindert einen Direktzugriff auf die Originalinhalte, wenn er eine aufgerufene Seite in seinem Zwischengedächtnis gespeichert hat. Und genau darum ist er schneller als der normale Server. Ein internatinales Konsortium aus Phonverbänden, Juristen und Internetzugangsanbietern will dies nun ändern. Man will die Proxies intelligent machen. Dazu hat man ein so genanntes Right Protection System entwickelt, das derzeit bei TCP/IP erprobt wird. Falls die Testläufe erfolgreich sind, wird die IFPI durchsetzten, dass jeder deutsche Provider dem WWW einen RPS Proxy Riegel vorschiebt. Der mit Wissen aufgepeppte Proxy würde zur Zollstelle mit Zensurbefugnis. Ist das ein Skandal? (Süddeutsche Zeitung: Vernetzt und zugenäht 4. 4. 00 Bernd Graf) Das Rights Protection (RPS) als Sperrwerk hätte für die angeschlossenen Internetprovider und ihre Nutzer schlimme Folgen, da komplette Server wegzensiert werden können, wenn eine einzige Piratendatei gefunden würde. Der RPS Ansatz wurde sehr schnell von Gnutella unterlaufen. (Süddeutsche Zeitung 18. 4. 00: Detlef Borchers: Hase und Igel machen Musik)Napster und Gnutella
(Screenshot) Bei Napster kann man jederzeit das hören, was man will und das gratis.