Bereits während der Zugfahrt nach Frankfurt habe ich mir den möglichen Titel meines Reports überlegt: «Ein bisschen 4K neben Toaster und Staubsauger» oder «Mikrowellen und Rasierapparate treffen auf 4K» war ich mir sicher, würde der Titel meines Reports dieses Jahr lauten. Ich war davon überzeugt auch dieses Jahr an der Panasonic Convention wieder viel über Küchengeräte und Solarpanels zu erfahren, die Unterhaltungselektronik-Sparte würde wohl dürftig abgehandelt werden. Doch weit gefehlt. Panasonic scheint sich wieder vermehrt auf die Unterhaltungselektronik zu fokussieren. Das, nachdem noch vor zwei Jahren die jährliche Produktepräsentation vor versammelten Journalisten zum grössten Teil mit der nachhaltigen Stromversorgung und den Weisswaren zu tun gehabt hat. 2015 kann also von einer Kehrtwende gesprochen werden. Panasonic ist zurück mit wirklich guten Produkten und spannenden Erneuerungen.
Nicht mehr, sondern bessere Pixel
Am meisten imponiert hat mir persönlich die Ausrichtung der neuen Flaggschiff LCD’s. Panasonic kündigte nämlich 4K Pro an und macht damit einen entscheidenden Schritt in die Richtung, in welcher das Unternehmen vor einigen Jahren mit ihren Plasma-Screens unterwegs war – in die Richtung eines führenden Panel-Herstellers.
So geht es jetzt nicht mehr darum, mehr Pixel zu haben, sondern bessere. Um dieses Ziel zu erreichen, verbaut Panasonic in ihren Premium-Geräte einen 4K Pro Studio Master Chip, welcher die professionale Sparte mit der Unterhaltungselektronik vereint. Die fortschrittliche Bildbearbeitungstechnologie und das Wide Colour Phospor-Panel bieten ganz besondere Bilder. Dabei will Panasonic mit ihrer Technologie genau das wiedergeben, was die Regisseure und Produzenten sich beim Filmdreh vorgestellt haben. Zum ersten mal in einem Gerät der Unterhaltungselektronik kommt ausserdem den Accurate Colour Drive zum Einsatz, welcher es ermöglicht, bei der Bildwiedergabe 8000 Referenzfarbpunkte zu verwenden. Dies resultiert in einer natürlicheren Farbdarstellung und einer sehr hohen Farbreinheit.
Eine Premiere feierte Panasonic auch im Curved-Bereich. Lange nämlich hat sich Panasonic gegen gebogene Modelle gesträubt, doch nun haben sich die Japaner dem Druck des Marktes gebeugt und nehmen drei Curved-Screens ins Sortiment auf.
Ebenfalls sind die neuen TV-Geräte mit My Home Screen 2.0 ausgestattet. Der Homescreen wurde vereinfacht und lässt sich nun komplett individualisieren. Ausserdem läuft als Betriebssystem der Geräte nun Firefox OS. Dies eröffnet Programmieren neue Möglichkeiten, um Apps für den Smart-TV zu entwickeln. Da das Betriebssystem nämlich auf HTML5 beruht, sind die Möglichkeiten für neue Entwicklungen schier grenzenlos.
Blick in die Zukunft
Ein Blick in die Zukunft: Panasonic zeigt ein erstes HDR-Display. Wow-Effekt garantiert. Unter dem Namen 4K Pro will Panasonic weitere Entwicklungen auf den Markt bringen. So demonstrierten sie mit einem Vor-Seriengerät eindrücklich, wie die Wiedergabe von HDR (High Dynamic Range) Material bei einem Bildschirm der Zukunft aussehen wird. Beim HDR-Verfahren wird viel mehr Kontrast erzeugt, die Bildqualität ist einfach gigantisch. Filmstudios wie zum Beispiel Netflix produzieren bereits erste Serien mit HDR-Kameras. Das Thema HDR wird in den nächsten Jahren wohl eine grössere Rolle bei der Weiterentwicklung der TV-Panels spielen. Bislang konnte man sich zwar noch auf keinen Standard für HDR einigen, sobald das aber geschehen ist, ist laut Panasonic-Angaben der Weg für neue, noch kontrastreichere Panels geebnet.
Ebenfalls beindruckend waren die 4K OLED-Prototypen, die Panasonic ausgestellt hat. Hier ist die Marktreife allerdings noch immer nicht erreicht. Zu teuer sei die Produktion eines Screens und zu unsicher die Langlebigkeit der organischen LEDs, teilen Panasonics TV-Experten mit.
Streaming von UKW/DAB und CDs
Im Audiobereich will Panasonic ihr Streaming System All Connected Audio weiter forcieren. Vor einem Jahr vorgestellt, erhält die Familie nun mit gleich fünf neuen Komponenten grossen Zuwachs. Zwei Soundbars (SC-ALL30T, SC-ALL70T), zwei Mini-HiFi-Systeme (SC-PMX100B und SC-ALL5CD) sowie ein weiterer Wireless-Speaker (SC-All2) runden jetzt das Angebot ab.
Besonders die beiden HiFi-Systeme bringen neue Möglichkeiten ins Heimnetzwerk. So kann aus allen Räumen auf das CD-Laufwerk oder den UKW/DAB Tuner zugegriffen werden. CD-Liebhaber müssen künftig nicht mehr auf Audio-Streaming ihrer CD-Sammlung verzichten.
Smarte 1-Zoll Kompaktkamera – leider nicht für die Schweiz
Kompaktkamera mit Smartphone: Die Lumix CM1 ist ein wirklich gutes Gerät. Ein 1-Zoll Chip macht die Kompaktkamera zu einem super Fotoapperat, einzig eine Zoomfunktion wird vermisst.Im Bereich der Fotografie konnte Panasonic nur wenig Neues zeigen. Auffallend war, dass viele neue Kameras mit einem 180-Grad-Schwenkdisplay ausgestattet worden sind. Das Schwenkdisplay soll Selfie-Aufnahmen erleichtern. Weiter stechen die neue Farbgebung ins Auge. Was noch vor wenigen Jahren nicht denkbar war, ist jetzt bei fast allen Serien möglich. Die Auswahl der Farbe. Dabei steht nicht nur schwarz, silber oder weiss zur Verfügung, nein die neuen Lumix-Geräte gibt’s jetzt wahlweise in Farben wie Pink, Hellblau, Violett oder Giftgrün.
Die bereits Ende letzten Jahres vorgestellte Lumix CM1 war aber der eigentliche Hingucker des Fotobereichs. Die CM1 ist eigentlich eine Kompaktkamera mit eingebautem Smartphone. Sie verfügt über einen 1-Zoll Sensor und erreicht so eine nie dagewesene Fotoqualität für ein „Smartphone“. Einzig eine Zoom-Funktion wird vermisst. Trotzdem können wir uns in der Schweiz nicht freuen, denn die Lumix CM1 wird voraussichtlich bei uns nicht eingeführt. «Dieses Produkt wird nur in Deutschland, Frankreich und UK angeboten. Ein Vertrieb in den anderen Ländern hängt noch vom Verkaufserfolg der aktuell strategischen Märkte ab.», lässt sich Bruno Wuest von Panasonic Schweiz zitieren.
Frozen Joghurts aus dem Slow-Juicer
Ganz ohne Küchengeräte soll es dann noch nicht sein. Obwohl das hier nicht mehr viel mit AV zu tun hat, ist ein Gerät dennoch erwähnenswert. Denn Panasonic präsentierte einen echten Hingucker: den Slow Juicer MJ-L500. Das Gerät ist eigentlich ein normaler Entsafter, welcher aber – wie es der Name schon sagt - ganz langsam funktioniert. Durch diese verlangsamte Pressung sollen Vitamine besser erhalten bleiben. Ausserdem können dank Kühlaufsatz auch ganz einfach gefrorene Beeren zusammen mit Joghurt zu Frozen-Joghurt verarbeitet werden. Für mich ist der Slow-Jucier ein wirklich gelungenes Produkt, welches den Nerv der Zeit trifft. Und dank diesem Gerät war meine Hypothese, das Panasonic wieder viel im Küchenbereich vorstellen wird, nicht ganz verkehrt.