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Ist MQA wirklich lossless?

Klärungsbedarf beim Begriff "Lossless"

MQA polarisiert die progressiven Audiophilen immer mehr und die Anbieter von Hi-Res-Downloads schütten Öl ins Feuer. Nicht uneigennützig.

Von Christian Wenger · 28. Februar 2017
Meridian stellte MQA im Jahr 2014 vor.Meridian stellte MQA im Jahr 2014 vor.

MQA ist in aller Munde. Die progressiven Audiophilen versprechen sich viel von diesem neuen Format oder Standard, mit dem zwei Ziele verfolgt werden:

1. Die Reduktion der Datenrate als Voraussetzung für das Streaming von Hi-Res-Audio.

2. Die Verbesserung der Analog-Analog-Kette vom Tonstudio bis zum Musikhörer.

Die etablierten Download-Anbieter von Hi-Res-Audio fürchten die vermutete Konkurrenz durch die Streaming-Services. Hersteller von Digital-Audiogeräten sind skeptisch beim Gedanken, sich bei der Konzeption ihrer Geräte dreinreden lassen zu müssen und Lizenzgebühren zu bezahlen.

Neutrale Beobachter fürchten den "nicht mehr zeitgemässen Versuch, mit Lizenzmodellen Geld zu verdienen". "Dolby" lässt grüssen. Niemand will Instrumente, welche die Musikdistribution zu monopolisieren trachten.

Das Problem besteht auch darin, dass die versprochene Verbesserung der Klangqualität nicht wirklich zu beweisen ist, und das ist nichts Neues. Das war schon immer so, denn Klangqualität ist nicht objektiv "beweisbar", sprich messbar. Auch ist MQA noch kaum irgendwo konsequent implementiert, will heissen, von der Aufnahme bis zur finalen DA-Wandlung beim Musikhörer zuhause mittels MQA-"getunten" Geräten.

Darum ist es noch zu früh, MQA zu beurteilen, aber nicht zu früh, sich dafür zu begeistern oder sich darüber aufzuregen.

TIDAL bietet jedenfalls bereits ihre "Masters" an und streamt mit MQA. Mein heimischer DA-Wandler zeigt denn auch wacker 24/96 oder 24/88,2 an, und das will wiederum auch nicht viel heissen. Wie wir wissen.

Der Download-Anbieter Hiresaudio.com proklamierte neulich auf Facebook "Breaking News" unter dem Titel: "MQA is NOT Lossless". Man bietet MQA nicht mehr an, weil man Beweise gefunden haben will, dass es mit Lossless nicht viel auf sich hat bei MQA. Die Meldung wurde wieder entfernt.

Wir befragten einen Fachmann. Jemand, der solche Sachverhalte infolge profunder Kenntnisse und Erfahrungen erklären und begründen kann.

Daniel Weiss erklärt

Daniel Weiss von Weiss Engineering in Uster gehört zu den profiliertesten Entwicklern von Digital Audio, sowohl für Mastering-Anwendungen (Studio) als auch für High-End-Audio.Daniel Weiss von Weiss Engineering in Uster gehört zu den profiliertesten Entwicklern von Digital Audio, sowohl für Mastering-Anwendungen (Studio) als auch für High-End-Audio.

MQA verfolgt zwei verschiedene Ziele:

Die Reduktion der Datenrate für das Streaming.
Es ist richtig, dass die Übertragung mit MQA nicht lossless im herkömmlichen Sinn ist. Die Audiophilen verstehen unter Lossless, dass die originalen Bits unverändert bis zum Endkunden gelangen.

Bei den Streaming Services muss man den Begriff "Lossless" aber mit Vorsicht geniessen. Es kann sein, dass selbst Original-Files (z.B. 44.1/16 Files) vor dem Streaming bearbeitet werden, um z.B. die Lautstärke anzupassen.

Ich denke, wenn MQA von Lossless spricht, meinen sie die psychoakustische Wirkung des MQA Encoding/Decoding, die selbst mit kritischen Ohren als "Lossless" bezeichnet werden kann.

Die Verbesserung der Analog-Analog-Kette vom Studio bis zum Endkunden.
Dabei wird in den A/D- und D/A-Wandlern ein MQA-Encoder bzw. Decoder auf den jeweiligen Wandler zugeschnitten. Dies um den Wandler zu verbessern. Wenn wir als Wandlerhersteller einen A/D- oder D/A-Wandler mit MQA ausrüsten möchten, müssen wir den Wandler an MQA senden und erhalten danach einen MQA-Encoder bzw. Decoder für unseren Wandler.

Ein ziemlich aufwendiges Prozedere und in gewissen Fällen wohl etwas schwierig zu erreichen, und zwar in den Fällen, bei denen z.B. im DAC-Chip ein asynchroner Abtastfrequenzkonverter verwendet wird und dadurch sich die "Eigenschaft" (Stossantwort) des DAC laufend ändert. Auf der A/D-Seite (im Studio) sind oft sehr viele A/D-Kanäle involviert und dadurch wird das sehr aufwendig, wenn man alle A/D-Kanäle mit MQA ausrüsten möchte.

Fazit
Ich denke, MQA kann man als eine weitere Möglichkeit sehen, hochauflösende Files zum Kunden zu bringen. Es würde mich allerdings befremden, wenn die Original-Files, z.B. in 96/24, zugunsten von MQA-Versionen aus den Stores verschwinden würden. MQA parallel zu den bestehenden Angeboten finde ich hingegen ok. Ich denke nicht, dass MQA ein Monopol erreichen kann.

Eigentlich sollte MQA die beiden Ziele separat halten – d.h. sie sollten einen Algorithmus zur Verbesserung der Wandler unabhängig von der Datenreduktion anbieten. Eigentlich haben diese beiden Dinge nichts miteinander zu tun, denke ich.

Onlinefassung: https://avguide.ch/blog/ist-mqa-wirklich-lossless-klaerungsbedarf-beim-begriff-lossless
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