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Musikrezension

Faszinierendes Testament

Karl Böhm

Von Hans Jürg Baum ·
Manchmal kann man gehörige Überraschungen erleben. In diesem Fall gleich doppelt – kein Wunder, dass diese Veröffentlichung vorab in romanischen Ländern mit Schallplattenpreisen überhäuft worden ist. Und das bei einer Aufnahme, die alles andere als taufrisch, nämlich genau 24 Jahre alt ist!

Überraschung Nummer eins: Anton Bruckners Achte Sinfonie, diese Monumentalschöpfung der hohen Romantik, wird vom 84jährigen Karl Böhm dirigiert. Und doch wirkt sie alles andere als greisenhaft. Nicht einmal besonders abgeklärt, dafür sehr dramatisch.
Und mit rascheren Tempi als bei fast allen Kollegen und Konkurrenten. Es ist ja auch keine Studioproduktion, sondern ein Live-Mitschnitt aus der Zürcher Tonhalle vom Juli 1978 mit dem hiesigen Orchester, das zu fabelhaften Qualitäten aufläuft.

Überraschung Nummer zwei: Die erstaunliche Klangqualität. Nicht nur hohe Präsenz aller Stimmen ist garantiert; sondern auch die Dynamik zwischen verhaltenem Pianissimo und kraftstrotzendem Fortissimo gibt sich extrem weit gespannt. Offenbar lag den Herstellern das originale Tonband der Rundfunk-Übertragung vor.
Über welch verschlungene (illegale?) Wege es aus einem schweizerischen Radiostudio nach Kanada zum Aussenseiterlabel Palexa gelangt ist, bleibt offen. Wir wollen nicht darüber grübeln, sondern uns einfach freuen. Eine musikalische Sternstunde wird klanggültig dokumentiert.
Album
AlbumtitelKarl Böhm
KomponistAnton Bruckner
LabelPalexa
Jahr1978
Bestellnummer0522
TonformatCD
MediumCD
Preis0
Musik 10 Klang 7
Der Autor Hans Jürg Baum

Hans Jürg Baum ist Mitgründer von avguide.ch und war zehn Jahre lang Geschäftsführer. Der Musiker schrieb zwei Jahrzehnte lang über Audio-Komponenten, Kopfhörer und Musik — Schwerpunkt Klassik und Barock in HiRes.

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