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Publikationsdatum
7. Mai 2016
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MEDIEN

Das Klangschloss ist ein einzigartiger Event, der mit viel Atmosphäre, Charme und Muse dem Besucher die Meriten der hochwertigen Musikanlagen vermittelt. Nirgendwo sonst gelingt es, so mühelos in Klang und Präsentation der exquisiten Komponenten einzutauchen. Hochwertige Musikanlagen haben ja mit Genuss und der Vermittlung einer sinnlichen Erfahrung zu tun. Das klappt deutlich besser in der Ambiance des direkt am See gelegenen Schloss Greifensee als in einem unpersönlichen Geschäftshotel, wie es gemeinhin Usus ist im High-End-Audio-Umfeld.

In den elf Räumen präsentierten Fachhändler, Vertriebe oder direkt der Hersteller Audioprodukte von hohem Niveau. Organisator Markus Thomann gelingt es immer wieder, einen Mix an Ausstellern mit einem vielseitigen Spektrum an Produkten zusammenzustellen. Neben den Vorführungen der Audiokomponenten waren insbesondere die traditionell sehr hochstehenden Fachvorträge eigentliche Publikumsmagnete. Der Schallplattenbasar der Analogue Audio Association und die gut sortierte Wein- bzw. Kaffeebar sorgten für Gemütlichkeit.

Der Event hat dann auch in seiner elften Ausführung nichts von seinem beschaulichen und familiären Charakter verloren. Am Klangschloss lässt sich trefflich mit Gleichgesinnten diskutieren und sich ohne Hektik eine "klangliche" Meinung zu den Produkten und Konzepten bilden.

Die Musikanlagen

Beginnen wir doch mit dem eindrücklichsten Hörerlebnis. Jürg Schopper dachte sich diesmal was ganz Besonderes aus und brachte zwei Studer-Bandmaschinen mit. Sowohl die legendäre Studer C 47 als auch die Studer B 62 werden vom Bandmaschinen-Experten Joachim Jüngst instandgehalten und wo nötigt liebevoll restauriert.

Mit der ihm eigenen Energie und Leidenschaft gelangte Jürg Schopper an einen gewissen Fundus von sogenannten Safety-Kopien von analogen Masterbändern, also direkten Überspielungen von analogen Masterbändern ohne weitere Bearbeitung. Dem Enthusiasmus und Engagement von Bandmaschinen-Liebhabern ist es zu verdanken, dass diese Masterbandkopien von legendären Einspielungen heute noch erhalten sind. 

Der Klang ab Masterbandkopien hat Suchtpotenzial.

Sie machen einem auch bewusst, was bei der Übertragung auf Vinyl oder anderes Medium so alles an Dynamik und Authentizität verloren geht. Aber Achtung – es herrscht höchste Suchtgefahr! Einmal in die ergreifende Klangwelt eingetaucht, möchte man sie nicht mehr missen. Kaufen kann man diese Bänder leider selten. Der Zugang funktioniert vielmehr über Vernetzung und Tauschbörsen im Web. Durch die Faszination Bandmaschine ging beinah vergessen, dass es auch zwei neue Tonarme in Neun- und Zwölf-Zoll-Ausführung sowie einen Teller aus geschmiedeter Bronze für den Thorens TD 124 zu hören gab. Beides aus der Fertigung beim Partnerbetrieb im schweizerischen Jura.

Nach der Präsentation an der Hausmesse Piega Open Days hatte die brandneue Piega Master Line Source 2 ihre Premiere am Klangschloss. Ziemlich treffend verglich Präsentator Thomas Flammer den Traumlautsprecher aus Horgen (Kostenpunkt 60’000 Franken) mit einem Ferrari. Ein extrem starker Antrieb (Magnet) trifft auf ein Chassis in Leichtbauweise (Bändchenmembran). Daraus resultierte eine exorbitante Dynamik, die jederzeit den Eindruck hinterliess, es seien noch beinahe unerschöpfliche Reserven vorhanden.

Der neue Primus vom Zürichsee ist extrem pegelfest und erfreut sich einer phänomenalen Auflösung. Gerade bei moderner Musik erzeugt er auf Verlangen ein eigentliches Impulsgewitter. Die rückseitige Akustiklinse soll die üblichen Aufstellungssorgen bei Dipolstrahlern reduzieren. Gänzlich unkritisch bezüglich der Aufstellung ist die Master Line Source 2 allerdings nicht. Für eine perfekte Klangbühne ist Massarbeit gefordert. Angetrieben wurde die Master Line Source 2 von zwei Devialet-Expert-Verstärkern im Bi-Amping-Modus.

Zum zweiten Mal vor Publikum: Die neue Piega Master Line Source 2 neben der fast schon zierlichen Coax 70.2.

Unkritisch in der Handhabung ist Kii Three. Dank kleiner Bauweise und DSP-optimiertem Phasengang verschwindet der Lautsprecher nahezu akustisch. Die präzise räumliche Darstellung ist eine der grossen Stärken des deutschen Aktivlautsprechers. Hinzu kommt der Bassbereich, wo man dank der zeitlich verzögerten, sequenziellen Ansteuerung der vier Basstreiber Raumresonanzen gar nicht erst entstehen lässt, was zu einer absolut verblüffenden Durchhörbarkeit im Tieftonbereich führt.

Eine eigene Faszination versprühen die Radialstrahler vom MBL. Zu hören am Klangschloss gab es die MBL 120 aus der Corona-Serie mit einem ergänzenden konventionellen Bass. Zumindest bei den angetroffenen sphärischen Musikbeispielen versprühten die Berliner Lautsprecher eine anmutig samtige und durchaus gefällige, grossräumige Klangwelt mit hohem Wohlfühlcharakter.

Erfreulich war – wie oft in den letzten Jahren – der hohe Anteil von Swiss-Made-Musikanlagen. Dazu gehören natürlich die Klangwerk-Aktivlautsprecher Ella von Organisator Markus Thomann, die es nun auch mit aufreizend rotem Klavierlack-Frontpanel gibt. Die Ella ist wohl einer der Lautsprecher mit dem besten Koeffizienten aus Wohnraumfreundlichkeit und Klangqualität. Er passt akustisch und optisch praktisch in jeden Wohnraum. Erstmals am Klangschloss zu hören gab es die Bernola-Lautsprecher aus Worb, welche mit der Colotube-Röhrenelektronik aus Lyss ein musikalisches Swiss-Audio-Duo bildeten.  

Mehr zum Klangschloss in unserer Fotostrecke oben.

Eine komplette Swiss-Made-High-End-Audio-Kette: Klangwerk-Ella-Aktivlautsprecher (inkl. Verstärker von PSI Audio) und Netzwerk-Player von Weiss Audio MAN301 in Gold.